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Quo vadis DFB?
27. März 2012 03:30 1.197 mal gelesen Ein Kommentar
Sie kamen aus Frankfurt, sie kamen aus Hessen – und das Aussperren von Fans kann der DFB künftig wohl vergessen. Zum wiederholten Mal innerhalb kurzer Zeit reisten am Montag Abend auswärtige Fans in großer Zahl zu einem Spiel an, zu dem sie offiziell nicht zugelassen waren – mit tatkräftiger Unterstützung der Heimfans, die der oftmals hohlen Phrase von Solidarität als Waffe neues Leben einhauchten.
Von Andrej Reisin
Egal, ob es 500 oder 1.500 waren, sie waren viele, sie waren laut und sie waren unübersehbar: Letzte Woche zeigten sich Dynamo-Dresden-Anhänger trotz Verbots ungeniert bei der Frankfurter Eintracht, gestern wiederum reisten diejenigen, die nach eigenem Bekunden den Adler im Herzen tragen, nach Berlin, wo sie von einer großen Anzahl Unioner mit offenen Armen empfangen wurden. Verbrüderungsszenen, “Scheiß DFB”-Wechselgesänge und Ähnliches mehr waren die Folge.
Wunder auf “Sky”: Die Fans sorgen für “Atmosphäre”
Selbst die Fernseh-Kollegen, die anfangs noch über die Frankfurter Randalebrüder schimpfen wollten, kamen am Ende nicht umhin, der Faszination des verbotenen, aber umso lautstärkeren Auswärtssupports zu erliegen. Von einer “beeindruckenden Atmosphäre”, schwärmte ein verklärter “Sky”-Kommentator und bemerkte redundant aber treffend, “dafür sorgen hier die Fans”. Und während sich das geneigte Fernsehpublikum noch fragte – ‘ja wer denn sonst?’ – bemerkte auch Oliver Seidler seinen weißen Schimmel und schob etwas verworren hinterher, “also natürlich sorgen die Fans für die Atmosphäre, aber ich meine jetzt auch insbesondere die von Eintracht Frankfurt”. Kein Wunder, beim Stand von 4:0 aus Sicht der Gäste gab es ja auch einiges zu feiern.
Bereits zur Halbzeit sah sich “Sky”-Halbzeitgast Sven Felski von den Berliner Eisbären genötigt, sachlich und im breitesten Berlinerisch festzustellen, “dass det doch hier allet absolut friedlich abläuft”. Von Auswärtsfanverboten schien der Mann dagegen augenscheinlich nicht sonderlich begeistert. Auch Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen betonte, man könne ”aus einem Fußballstadion keinen Hochsicherheitstrakt machen. Eine Aussperrung von Fans ist nur schwer zu verwirklichen. Was das für Konsequenzen hat, kann ich nicht beurteilen.“
Mit Zaunfahne und allem drum und dran: Eintracht-Fans trotz Verbot zu Gast bei Union Berlin (Foto: Tobias Hänsch, unveu.de)
Vielleicht sollte er daher mal nachfragen, ob jemand den Schuss gehört hat. Gleich gegenüber vom heimischen Frankfurter Waldstadion böte sich die Gelegenheit – denn dort stehen sie, die Verbandsbunker an der Otto-Fleck-Schneise. Fakt ist: Mit dem vermeintlichen Verbot von Auswärtsfans findet eine unkontrollierte Durchmischung der anreisenden Fans statt, und der nächste Ärger – an Orten mit Fangruppen und Verantwortlichen, die mit der Situation nicht so locker, entspannt und souverän umgehen wie Union und die Eintracht gestern Abend – ist vorprogrammiert. Denn natürlich kommen nur die Harten in den Garten – sprich: Trikotfamilien und Kegelfanclubs werden “illegale” Auswärtsfahrten auch in Zukunft wohl eher nicht antreten.
Mit der Aussperrung der besten Kunden wird die Sicherheit daher ebenso wenig erhöht, wie mit dem Versuch, die Reisefreiheit durch die Hintertür einzuschränken - immerhin ein Grundrecht, für das ein gutes Fünftel der Bevölkerung 1989 eine Revolution angezettelt hat. Zeit, dass man beim DFB anfängt umzudenken: Die nächste Gelegenheit dazu ergibt sich am Donnerstag, wenn das DFB-Bundesgericht die Berufung des FC St. Pauli verhandelt. Der Verein will verhindern, dass wegen eines Kassenrollenwurfes, der unbeabsichtigt den Frankfurter Spieler Pirmin Schwegler traf, 5.800 seiner Fans ausgeschlossen werden. Nächster Heimspiel-Gegner: Union Berlin.
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