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40-minütige Spielunterbrechung
Erneut Krawalle in Spanien
Chaos-Spiel in Spaniens Primera División: Die Partie zwischen Atlético Madrid und dem FC Sevilla musste am Donnerstagabend beim Stande von 0:1 wegen Ausschreitungen der Zuschauer für fast eine halbe Stunde unterbrochen werden. Wütende Atlético-Fans hatten Sevillas Torwart Andrés Palop mit Wurfgeschossen bombardiert, darunter eine halb volle Whisky-Flasche. Der 32-jährige Keeper wurde zudem von einem Feuerzeug und einer Bierdose getroffen, wie die Presse am Freitag berichtete.
Auslöser der Randale war der Siegtreffer der Gäste aus Sevilla in der 75. Minute. Schiedsrichter Miguel Angel Ayza hatte das Tor von Antonio Puerta zunächst wegen Abseitsposition annulliert, seine Entscheidung nach einer Besprechung mit dem Linienrichter jedoch revidiert. Angesichts der dann folgenden Ausschreitungen entschloss sich der Unparteiische, die Partie abzubrechen, ließ sich schließlich aber doch noch umstimmen. Als er das Spiel wieder anpfiff, war der Großteil der 25000 Zuschauer bereits gegangen.
In der auch auf dem Rasen ruppigen Partie stellte Ayza gleich drei Atlético-Spieler vom Platz: Sowohl Luccin als auch Perea und der Ex-Wolfsburger Martin Petrov sahen die Gelb-Rote Karte. Für den Madrider Verein ist die Niederlage nicht nur ein herber Rückschlag im Kampf um die UEFA-Cup-Plätze, ihm droht wegen der Gewaltszenen nun auch noch eine harte Strafe.
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96er
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Krieg der Gazetten
Von Ronald Reng
Das Prestigeduell FC Barcelona gegen Real Madrid elektrisiert Spanien. Kommenden Samstag messen sich die Erzrivalen auf dem Platz. In den Zeitungen tobt jeden Tag ein unerbittlicher Kampf der beiden Renommierclubs.
Spanien ist das Land der zwei Wahrheiten. Die eine kommt aus Madrid, die andere aus Barcelona, jeden Morgen liegen sie scheinbar einträchtig nebeneinander am Kiosk. Heute schreit die eine Wahrheit: "Rijkaard wütend auf Eto'o, der nicht gehorchte." Und die andere Wahrheit sagt: "Eto'o spielte in Valencia genau so, wie Rijkaard es wollte."
Die erste Schlagzeile kommt aus Madrid, gedruckt in der Sportzeitung "As", die andere erscheint im Barceloneser Konkurrenzblatt "El Mundo Deportivo". Es geht darum, dass Samuel Eto'o, der Weltklassestürmer des spanischen Meisters FC Barcelona, sich bei der 0:1-Niederlage in Valencia ins Mittelfeld zurückfallen ließ. Unklar blieb, ob der wenig erfolgreiche Positionswechsel eine Idee von Trainer Frank Rijkaard war oder eine eigenmächtige Entscheidung von Eto'o. Ein Detail, das in anderen Ländern irgendwo im dritten oder vierten Absatz der Zeitungsberichte Erwähnung finden und dann vergessen würde - in Spanien aber ziehen die Sportzeitungen aus solchen Nuancen Material für tagelange Hysterie.
Es ist noch immer ein gespaltenes Land. Die zwei Spaniens, die sich im Bürgerkrieg vor 70 Jahren bekämpften, leben in unzähligen Konflikten fort: Rechts gegen Links, Regionen wie Katalonien oder das Baskenland gegen die Zentralmacht, Real Madrid gegen FC Barcelona - und Madrider gegen Barceloneser Sportpresse. 4,7 Millionen Leser erreichen die vier täglich erscheinenden Sportblätter nach offiziellen Erhebungen, keine der allgemeinen Tageszeitungen des Landes wird so viel gelesen wie die größte Sportzeitung "Marca".
Es sind erstaunliche Erfolgszahlen. Dabei haben sich die Sportzeitungen unverfroren dem Lokalpatriotismus verschrieben: Bei "Marca" und "As" gehören in der Regel die ersten zwölf Seiten Real Madrid, bei "Sport" und "El Mundo Deportivo" kommt erst einmal Barça, dann Barça, Barça, Barça und irgendwann der Rest.
Natürlich geht es auch Spaniens Sportpresse um die Wahrheit - aber sie muss bitte schön ins eigene Weltbild passen. "Die objektive Wahrheit?", fragt Eduardo Palacios. "Die kann ich natürlich nicht schreiben." Palacios hat den lustigsten Job im Journalismus - wenn man sich die Fähigkeit erhält, darüber lachen zu können: Er ist Barcelonas Mann in Madrid, "El Mundo Deportivos" Real-Korrespondent. Seine Aufgabe ist, jeden Tag das Schlimmste bei Real zu finden. Im Moment macht ihm Reals Elf die Arbeit recht leicht - und dann jammert Ronaldo auch noch öffentlich.
Aber selbst da hat Palacios Probleme: Es ist zu viel Negatives! "Ronaldo schimpft, Reals Fans würden ihn nicht mögen. Was sollen wir damit bei 'Mundo Deportivo' machen? Ronaldo war jahrelang das große Feindbild, weil er Barça verließ und nun für Real spielt. Nun stellt er sich plötzlich gegen Real. Sollen wir jetzt deshalb wieder auf seine Seite schwenken? Oder ihn verdammen - aber würden wir damit nicht Real als Club verteidigen?"
"Mundo Deportivo" löst es, indem es sich einfach in der Polemik suhlt. "Ronaldo leert sein Arsenal gegen die eigenen Fans ... die Elf ist verstimmt über den Stürmer ... Präsident Pérez macht die PR-Abteilung runter, weil man Ronaldo reden ließ", so steigert sich der Text bis zum Barceloneser Orgasmus: "Ronaldos Tage sind gezählt." Das Unangenehme für Palacios muss nur sein, dass er am nächsten Tag wieder hin muss zu Real Madrid. Er hat es auf clevere Weise gelöst: Niemand bei Real weiß, dass er Eduardo Palacios ist, der Mann Barcelonas. Eduardo Palacios ist ein Pseudonym. Im richtigen Leben ist der böse Mann aus Barcelona ein angesehener Reporter bei einer der großen allgemeinen Tageszeitungen, der dort ausgewogen und fachlich über Real Madrid schreibt.
Es gibt einiges, was in den spanischen Sportblättern herausragt: Die brillanten Kommentare und Analysen der Chefredakteure Santi Nolla ("Mundo Deportivo") und Alfredo Relaño ("AS"), die exzellente und umfassende Auslandsberichterstattung in "Mundo Deportivo", die donnerstags besser über die Mittwochsspiele der Bundesliga informiert als viele deutsche Zeitungen. Doch das alles wird übertüncht von der Besessenheit, nur die eigene Wahrheit darstellen zu wollen. "Unsere Sportblätter sind rettungslos verloren", sagt Carlos Carbajosa, einer der führenden Fußballreporter der spanischen Tagespresse. Am nächsten Tag gibt Reals Torwart Iker Casillas bekannt, er verlängere "zu 70 Prozent" seinen Vertrag in Madrid. Über Eduardo Palacios' Bericht in "Mundo Deportivo" steht: "Casillas: 'Zu 30 Prozent verlasse ich Real.'"
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ÄRGER BEI REAL MADRID
Stürmerstar beleidigt Trainer Capello
Weil der italienische Nationalstürmer Antonio Cassano seinen italienischen Coach nach einem Spiel heftig angegriffen hat, flog er beim spanischen Spitzenclub aus dem Kader. Die Wortwahl des Angreifers war allerdings auch außergewöhnlich deutlich.
Madrid - Nach Reals 3:1-Sieg am Samstag im Punktspiel bei Gimnàstic Tarragona hatte Cassano laut Medienberichten Fabio Capello mit den Worten beschimpft: "Du Mistkerl! Ich habe früher beim AS Rom für Dich die Knochen hingehalten, und das ist jetzt der Lohn dafür." Der 24-Jährige war vor knapp einem Jahr aus Rom nach Madrid gewechselt und hatte am Wochenende nur auf der Ersatzbank gesessen.
AFP
Stürmer Cassano (re.): "Du Mistkerl"
Wegen der harten Worte ist der italienische Nationalspieler vorerst aus dem Kader von Real ausgeschlossen worden. Der Club teilte nicht mit, wie lange der Ausschluss aus dem Kader dauern soll. Cassano müsse wegen "Disziplinlosigkeit und mangelnden Respekts vor dem Trainer" zudem eine Geldstrafe zahlen, teilte die Vereinsführung heute mit. Der italienische Angreifer hatte sich bei seinem Landsmann schon vor dem Spiel bitter darüber beschwert, dass er erneut auf der Ersatzbank schmoren musste. Cassano hatte sich bereits bei AS Rom mit seinen Teamkameraden zerstritten und war längere Zeit aus dem Kader verbannt worden.
In Madrid stand er lange Zeit wegen seines Übergewichts in der Kritik. Anfang der Saison berief Capello seinen Landsmann mehrfach in die Stammelf, seit mehreren Wochen war er jedoch nur noch zweite Wahl. Einen vergleichbaren Fall von Disziplinlosigkeit hatte es bei den "Königlichen" zuletzt im Jahr 2000 gegeben. Damals hatte sich der Franzose Nicolas Anelka sich geweigert, am Training teilzunehmen. Er wurde ebenfalls aus dem Kader verbannt und am Ende der Saison 1999/2000 zu Paris Saint-Germain transferiert.

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