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Donnerstag, 4. November 2004, 22:20

FR: Urplötzlich in illustrer Gesellschaft

Urplötzlich in illustrer Gesellschaft

Der Wandel bei Hannover 96 / Kind ist Lienens Schutzpatron

VON FRANK HELLMANN




Siegertypen (ap)
Es sind Orte und Auftritte, die Martin Kind mag. Zur Auslosung des medial hoch gejazzten Konföderationen-Cup in der Alten Oper Frankfurt war am Montag auch der Club-Chef von Hannover 96 geladen. Inmitten der illustren Gesellschaft, an den Seiten von Günter Netzer und Gerhard Mayer-Vorfelder, zwischen Monica Lierhaus und Katharina Witt, vermag sich der 60-Jährige stilsicher zu bewegen. Er schüttelt Hände, grient oft, fühlt sich auffällig wohl.

Auf dem Parkett der Eitelkeiten der Fußball-Gesellschaft ist Kind allein deshalb willkommen, weil Hannover WM-Stadt ist. Und ohne den Hörgeräte-Unternehmer wäre das weitläufige und zugige Niedersachsenstadion kaum in einen hochmodernen Fußball-Tempel umgewandelt worden. Der Umbau bildete die Basis, dass Hannover bei der Entscheidung über den zweiten norddeutschen WM-Spielort den Konkurrenten Bremen düpierte. Und derzeit haben auch Hannovers Fußballer die Nase vorn: 96 ist Vierter, punktgleich mit Bayern München (Samstag Gastgeber für 96), zwei Plätze vor Meister Werder. "Das ist eine Momentaufnahme", sagt Kind der FR, "und nicht die Basis unserer wahre Leistungsstärke." Verbal und inhaltlich werde er gegen allzu kühne Optimisten angehen, "es gibt gar keinen Grund, unsere Ziele zu korrigieren." Vom kauzigen Coach Ewald Lienen ist ohnehin nichts anderes zu hören, vom Gros der Spieler auch nicht.

"Erst einmal holen wir 40 Punkte, dann sehen wir weiter", sagt Steven Cherundolo, der rechte Abwehrmann. Auf das Spiel morgen im Münchner Olympiastadion freuen sich alle. "Bayern ist sicherlich die Spitze des deutschen Fußballs, aber unter dem Strich spielen elf gegen elf", sagt Lienen phrasensicher. "Es wird Zeit, dass wir dort mal wieder punkten", findet Cherundolo, "bei uns ist jetzt alles möglich." Fünf Siege in Serie haben Selbstvertrauen geschaffen. Lienen fühlt sich bestätigt in seiner Philosophie, "auch durch Konter ein Spiel zu beherrschen". Die Spielweise der Seinen ist engagiert, effizient, erfolgreich.

Dabei sind die Pfiffe in der AWD-Arena Ende September allen noch in guter Erinnerung: Als 96 nach einem 0:1 gegen Arminia Bielefeld am Tiefpunkt angelangt war, forderten Teile des unruhigen Umfelds die Ablösung des prinzipientreuen Trainers. Doch der Präsident höchstselbst spielte den Schutzpatron. "Weil Lienen weiß, was er will. Weil die Mannschaft seine Art verinnerlicht hat", erklärt Kind. Anders als der bedingungslose Offensiv-Fanatiker Ralf Rangnick stellt Lienen zunächst die Torsicherung in den Vordergrund. "Alle elf Akteure müssen defensiv helfen", erklärt Cherundolo. Dabei die verlässlichsten Leistungsträger: Torwart Robert Enke, Notenbester der Liga und "der beste Torhüter, der je in Hannover gespielt hat" (Kind) und Abwehrchef Per Mertesacker, Neu-Nationalspieler mit großem Potenzial.

Doch die Erfolge wären kaum möglich, würde seit fünf Spielen nicht Nebojsa Krupnikovic mitspielen, 31-Jähriger Anführer des kongenialen Mittelfeld-Dreiecks mit Altin Lala und Julian de Guzman. "Wir haben uns gefunden. Jeder läuft für jeden", sagt Krupnikovic. Die Personalie zeigt auch Lienens Lernfähigkeit. Lange vom Trainer abgestempelt als übergewichtiger Schönspieler, ist der Serbe seit dem Schlüsselspiel in Rostock überragender Regisseur eines Ensembles, dass nun defensiv wie offensiv stimmig ist. Kind frohlockt ob des "attraktiven Fußballs", und stellt dem Fußballlehrer gar eine Verlängerung des Vertrages in Aussicht.

Dummerweise ignorieren die Fans die erfreulichen Tendenzen. Die beschwerliche Umbauphase des Stadions und die hohen Eintrittspreise - der billigste Sitzplatz 26 Euro! - haben Teile der roten Anhängerschaft dauerhaft vergrätzt. "Uns gefällt das nicht, dass wir kaum über die 30 000er-Marke kommen", sagt Kind. "Unser Markt stagniert." Über die Hannoversche Allgemeinen Zeitung machten Hunderte potenzieller Zuschauer via Leserbriefen und E-Mails ihrem Unmut Luft. Für die Rückrunde wird erwogen, die Gegner in drei Kategorien zu klassifizieren und wenigstens für einige Spiele billigere Tickets anzubieten. Dauerhaft, so Kind, könne man kaum die Preise reduzieren, "das verträgt sich mit den Planzahlen nicht - wir haben Investitionen in ein WM-reifes Stadion getätigt."

Frankfurter Rundschau
Kill everyone now

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