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Prado

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Freitag, 5. August 2005, 07:52

die Tageszeitung: "Da hinken wir hinterher" (Teil II)

Teil II

DFB-Präsident Zwanziger hofft, "dass sich die Faszination Nationalelf auf die Bundesliga überträgt". Taugen Jürgen Klinsmann und die Nationalmannschaft tatsächlich als Vorbild für die Bundesliga?

Ich würde es viel lieber so sagen: Die Faszination Bundesliga hat sich auf die Nationalmannschaft übertragen. In der Bundesliga war doch schon in der Vergangenheit mächtig was los - und das ist nun auf die Nationalmannschaft übergegangen. Jürgen Klinsmann hat bestimmt eine Reihe von Dingen verändert und frischen Wind reingebracht, aber die Spieler, die bei ihm spielen, kommen meines Wissens alle aus der Bundesliga.

Klinsmann hat schon bald nach seinem Amtsantritt gefordert: "Wir müssen professioneller werden." Speziell bei Ihnen dürfte er damit offenste Türen einrennen. Sie haben schon immer einen professionellen Lebenswandel von Ihren Spielern eingefordert.

Es geht ja gar nicht nur um die Spieler an sich, sondern um die gesamte Arbeitsweise in den Vereinen, also um die individuelle Ebene. Und um die Arbeitsstrukturen, um Spieler zu Top-Profis zu machen. Ich will da wirklich nicht päpstlicher sein als der Papst, aber wir arbeiten mittlerweile auf einem so hohen Niveau, dass der Köper gewisse Lebensweisen nicht verzeiht, egal ob das die so genannten Genussgifte sind oder eine falsche Ernährung.

Was hat das mit den Vereinen zu tun?

Die müssen das Umfeld schaffen, quasi die Infrastruktur. Schalke 04 zum Beispiel hat einen Ernährungsexperten eingestellt. Das ist hochmodern, aber ich möchte wissen, in welchen Bundesligaklubs das sonst noch der Fall ist. Ein anderer Bereich ist die Trainingssteuerung. Auch die kann man auf ein ganz anderes Niveau heben - indem man zum Beispiel mit Experten zusammenarbeitet. Beim AC Mailand ist jeder Spieler bis aufs kleinste Detail ausgeleuchtet, da wird in jeder Beziehung an der individuellen Fitness des Spielers gearbeitet. Davon sind wir hier Lichtjahre entfernt.

Hat die Bundesliga die aktuellen Entwicklungen der Trainingslehre verschlafen?
Es geht weniger um Trainingslehre als um Trainingssteuerung. Also um die Frage: Wie begleite ich den Trainingsprozess wissenschaftlich? Da hinken wir in der Tat hinterher.

Herr Lienen, wie sehr beeinflusst die Tatsache, dass nächstes Jahr WM ist, Ihre Arbeit?
Natürlich muss man Rücksicht auf die Nationalspieler nehmen, das ist immer so. Je mehr Nationalspieler man in der Mannschaft hat, umso mehr sind in den Abstellungsperioden mit ihren Nationalmannschaften unterwegs und kommen entweder müde oder verletzt zurück. Auf der anderen Seite ist es sicherlich so, dass die WM ihre Schatten voraus wirft und die Spieler sich in guter Form präsentieren wollen, um sich für ihre Nationalmannschaften empfehlen zu können. Das kann auch positiv sein.

Beim Konföderationen-Pokal spielten sich vor allem junge Spieler wie Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger oder Lukas Podolski in die Herzen der Fans. Sind diese Spieler schon gefestigt genug, um zur WM-Hoffnung des Gastgeberlandes zu werden?
Das kann ich Ihnen nicht sagen - und es ist für mich auch zweitrangig. Ich sehe die Entwicklung dieser jungen Spieler mit großem Wohlwollen. Und es bereitet mir eine große Freude, dass Spieler wie Mertesacker, Hitzelsberger, Podolski, Huth und wie sie alle heißen immer mehr nach vorne stoßen und wir wieder eine immer größere Anzahl junger Spieler haben, die auf internationalem Niveau spielen können. Aber meine Hoffnung geht in erster Linie dahin, dass wir dieses Niveau noch verbessern. Und dass wir nicht nur mal kurz einen Schweinsteiger oder Podolski haben, wegen denen nun die halbe Nation schreit: Jetzt müssen wir Weltmeister werden. Das ist Quatsch. Talente wie Podolski oder Schweinsteiger gibt es in anderen Ländern zwanzig.

Dann wird es nichts mit dem WM-Titel für Deutschland?

Natürlich kann man Weltmeister werden. Aber ich kann mich an keine einzige WM erinnern, die wir gewonnen haben, weil wir an der Spitze der technisch-taktischen Entwicklung standen. Was wir aber sowohl 1974 als auch 1990 hatten, waren Top-Spieler - und deshalb sollten wir darauf auch wieder unser Augenmerk legen: Top-Talente auszubilden, aus denen irgendwann auch mal wieder Top-Spieler werden. Schweinsteiger und Podolski sind zwei absolute Weltklasse-Talente. Aber nur wegen den beiden vom Titel zu faseln, das halte ich für völlig überzogen.

Also gut, dann eine andere und letzte Frage: Wer wird deutscher Meister?
Das ist einfach: Der, der am Ende die meisten Punkte hat.

taz Nr. 7734 vom 5.8.2005, Seite 19, 399 Interview FRANK KETTERER, veränderter Artikel in taz-Teilauflagen

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