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Freitag, 12. August 2005, 11:34

FR: Vakuum

Vakuum
VON JAN CHRISTIAN MÜLLER

Kein anderer Mann hat einen Fußball-Bundesligisten in den vergangenen Jahren derart bestimmt wie Martin Kind Hannover 96. Die Machtzentrale des Klubs fand sich jahrelang in Kinds massigem Firmensitz in Großburgwedel direkt an der A 2. Dort werden Hörgeräte hergestellt, dort saßen auch die führenden Mitarbeiter von Hannover 96, was einiges aussagt über die Monostruktur, die sich unter dem Mann mit dem kantigen Kinn entwickelt hat.

Wahrscheinlich musste der nicht pflegeleichte Vorgesetzte Martin Kind derart stark sein und kompromisslos seinen Weg gehen, um den einstigen Skandalverein wieder auf Kurs zu bringen. Zu viele schwache Präsidenten waren zuvor gescheitert und hatten dabei Millionen versenkt. Umso größer hat nach seiner überraschenden Rücktrittsankündigung nun das Wehklagen - vom Oberbürgermeister bis zum Kuttenträger - eingesetzt. Denn es dünkt den kundigen Beobachter, dass der anerkannte Wirtschaftsfachmann Kind eine Lücke hinterlässt, die sich in der Kürze der Zeit nur schwerlich schließen lässt.

Dafür wäre der Geschäftsführer der Hannover 96 GmbH & Co. KG auf Aktien, auf dessen Betreiben hin die Profiabteilung des Traditionsvereins kurz vor Weihnachten 1999 recht lautlos in eine Kapitalgesellschaft umgewandelt wurde, dann allerdings in hohem Maße mitverantwortlich. Denn wer so viel Macht auf seine Person vereinigt, tut nicht gut daran, in einem hoch sensiblen Gebilde wie einem öffentlich stark beachteten Fußball-Bundesligisten ein paar Tage nach Saisonbeginn eine derart einschneidende Entscheidung zu treffen.

In den vergangenen Wochen hatte es zweimal Zwischenfälle gegeben, die den Patriarchen, der einige Millionen Euro aus der Privatschatulle in den Klub pumpte, tief getroffen haben mögen. Beim Saisoneröffnungsfest wurde er wegen mieser Organisation im Catering-Bereich von Fans beschimpft, zum Saisonauftakt am vergangenen Wochenende bekam er den Zorn vieler Besucher zu spüren, weil Einlasssystem und Kartenzahlung an den Getränkeständen nicht annähernd reibungslos funktionierten.

Kind bestreitet zwar vehement, dass er seinen Rücktritt zum Monatsende aus dem Frust heraus getroffen hat, doch das nimmt ihm nicht jeder ab. Unabhängig von den tatsächlichen Beweggründen: Man darf gespannt sein, wie sich Hannover 96 nun neu aufstellt. Zumal der mehr Einfluss gewinnende Manager Ilja Kaenzig und Trainer Ewald Lienen kaum mehr als eine Zweckgemeinschaft bilden und im neuen Machtvakuum schnell wieder aneinander geraten könnten.

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