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Freitag, 2. September 2005, 10:30

Frankfurter Rundschau: Der kleine Rehhagel

Jens Rehhagel, Jugendkoordinator bei Hannover 96 und promovierter Sportwissenschaftler, will aus dem Schatten seines berühmten Vaters heraustreten

Von Christian Otto (Hannover)

Die vielen Fragen ärgern ihn. Aber im Grunde wartet er schon auf sie. Jens Rehhagel würde so gerne etwas über den Jugendfußball an sich und überhaupt erzählen. Über seinen ersten echten Job im Profisport. Nachwuchskoordinator von Hannover 96 ist er seit dem 1. August . Aber wo auch immer der 32-Jährige auftritt, dauert es nur einen kurzen Augenblick, bis die Menschen ihn nach seinem Vater fragen. Grüß" doch mal den Rehhakles. Den König Otto. Den Torhagel eben. Lustig. Selten so gelacht.
Jens Rehhagel ist ein sensibler und freundlicher Mann. Aber wenn es immer nur um seinen prominenten Papa und dessen Gattin Beate geht, kann er auch mal böse werden. Dann blickt er mit großen Augen in die Ferne, zieht die Augenbrauen hoch, legt die Stirn in Falten und sagt: "Über diese Fragen muss ich mich schon sehr wundern." Das wirkt dann genau so, als habe sein Vater soeben wieder einmal einen aufdringlichen Reporter zusammengestaucht. Und deshalb wird die Fragerei wohl nie ein Ende nehmen.
Vielleicht wäre es für Jens Rehhagel besser gewesen, Griechenland hätte 2004 nicht den Europameister-Titel gewonnen. Dann hätte er nicht diese riesigen Fußstapfen von König Otto vor sich und könnte unbehelligt seinen Weg suchen. "Ich möchte mit Menschen arbeiten, mit denen ich mich gut verstehe. Und im Moment fühle ich mich hinter dem Schreibtisch wohl", sagt der Trainersohn mit der A-Lizenz. Will er als Trainer in die Bundesliga? "Mal sehen. Im Fußball", sagt Jens Rehhagel, dann doch ganz der Vater, "kann man nie etwas ausschließen."
Ein kleines Büro im Eilenriedestadion, fernab der für 65 Millionen Euro umgebauten AWD-Arena, hat man ihm in Hannover zugeteilt. An der Nahtstelle zwischen Amateur- und Profibereich darf er dort bis 2007 Basisarbeit leisten. "Bei uns ist der Ergebnisdruck nicht ganz so hoch. Und das gefällt mir", sagt der Sohn, der nicht dort landete, wo sein Vater so große Erfolge gefeiert hat. Er war zwar Vertragsamateur bei Werder Bremen und bei Bayer Leverkusen, aber die dritte Liga wurde für ihn zur Endstation. "Bei Werder habe ich unter meinem Vater ein paar Einsätze im Profikader gehabt", sagt Jens Rehhagel. "Aber das waren nur Testspiele und Hallenturniere." Sollte man jetzt noch nachhaken oder lieber schweigen? "Ich weiß, was sie noch wissen wollen. Mein Vater ist als Trainer zu ertragen. Es hat mir bei ihm Spaß gemacht. Und er hat mir immer freie Hand gelassen."
Er selbst sagt, sein Knöchel habe gestreikt. Seine Neider behaupten, Jens Rehhagel sei zu weich für das Profigeschäft gewesen. Über den Sohn des Malermeisters mit der Bilderbuch-Trainerkarriere wird gerne gelästert, weil er bisher nur Jugendcoach und Assistent war und in Hannover nun möglichst schnell neue Mertesackers entdecken soll. Er hat sich in Köln zum Diplom-Sportwissenschaftler ausbilden lassen. Das Thema seiner gerade beendeten Doktorarbeit ("Erstellung einer fußballerischen Testbatterie zur Diagnose und Steuerung der Schnelligkeit") klingt staubig und so theoretisch, wie sein Vater es als Diktator an der Außenlinie niemals war. Otto Rehhagel hat in seiner Karriere selten Rücksicht auf Verluste genommen und so manchen Profi mit seiner harschen Art gequält. Jens Rehhagel dagegen ist fast schon glücklich, dass Hannover 96 nicht genug Geld für ein eigenes Jugendinternat hat. "Da holt man dann 14- bis 15-Jährige, reißt die aus ihrem Umfeld, und wer sich nicht durchsetzt, kann später sehen, wo er bleibt", sagt der gebürtige Offenbacher.
Vieles von dem, was der kleine Rehhagel mit der Mimik und Gestik des großen Vaters erzählt, klingt sympathisch. Aber einiges ist auch naiv. Wer eine erfolgreiche Jugendabteilung wie die von 96 anführt, aus der Spieler wie Martin Groth, Gerald Asamoah, Sebastian Kehl und Per Mertesacker kamen, muss ein Experte, aber auch ein kleines Schwein sein. Wer wird dem Profitrainer vorgestellt? Wer wird wieder abgeschoben? Aus dem bezahlten Fußball ist eine Art Monopoly mit Menschen geworden, und Jens Rehhagel dreht in diesem Spiel als Zuarbeiter von Ewald Lienen gerade seine ersten Runden. "Sein Name ist ein Vorteil, der ist gut fürs Image. Aber der Jens ist auch jung, dynamisch, motiviert und fachlich voll auf der Höhe", glaubt 96-Manager Ilja Kaenzig, der selbst erst 32 Jahre alt ist und Jens Rehhagel nach Hannover gelockt hat. "Die Leute hier arbeiten mit Begeisterung und als Team. Und das ist manchmal mehr Wert als viel Geld oder strukturelle Vorteile", sagt Rehhagel, der in Hannover gerne heimisch werden möchte. Bisher hat er fast immer dort gelebt, wo der Vater gerade seinem Broterwerb nachging.
Wenn sich Jens, Otto und Beate heute treffen, dann entweder in Essen, wo das Haus der Eltern steht, oder in Athen, wo König Otto als Nationaltrainer regiert. Oder in St. Moritz, wo es im Winterurlaub so schön ist. Dort kann der Sprössling den Eltern dann von seinen Fortschritten bei der Etatplanung, bei der Lizenzierung und dem Sichten von Talenten berichten. Was sagt denn der Papa - und da ist wieder eine von diesen doofen Fragen - über den neuen Job und die Aufstiegsmöglichkeiten in Hannover? "Erstens", sagt Jens Rehhagel, schwingt dabei den Zeigefinger wie einen Taktstock und klingt wie der Vater, "kann er sich hier gar kein Urteil erlauben. Denn er kennt 96 ja kaum. Und zweitens müssen Sie ihn da schon selber fragen." Gerne, warum nicht. Wie ist denn seine Handynummer? "Die darf ich Ihnen doch nicht verraten. Die Familie Rehhagel steht einhundertprozentig zusammen."


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von heute (02.09.05)

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