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Samstag, 18. Februar 2006, 10:00

Sueddeutsche Zeitung: Peter im Glück

Zitat


Peter im Glück

Keine Rückpasse mehr im Training, Schluss mit der ängstlich-passiven Haltung. Trainer Peter Neururer hat Hannover 96 mit seinen bewährten Arbeitsmethoden entkrampft. Nicht alle sind begeistert.
Von Jörg Marwedel

[IMG]http://www.sueddeutsche.de/sport/bundesliga/artikel/464/70394/image_fmabspic_0_0-1140205967.jpg[/IMG]
Peter Neururer (links) jubelt nach dem 1:0-Sieg in Frankfurt.
Foto: ap

Natürlich haben die Schlagzeilen dieser Woche ihm gehört, denn Peter Neururer, 50, weiß ja, wie man wahrgenommen wird im Mediengeschäft. Am Samstag kommt der FC Bayern München, und weil Hannover 96 seit zehn Spielen unbesiegt und schon Tabellensechster ist, schien es dem 96-Trainer angebracht, sich mal wieder so richtig zu positionieren.

Diesmal hat Neururer die Rolle des Rächers der Liga gewählt. Er hat herausgeblasen, es gehe ihm "auf den Senkel", wie "arrogant" man beim Rekordmeister sei, weil dort nur noch vom Champions-League-Spiel beim AC Mailand am nächsten Dienstagabend die Rede sei - nicht aber von der Aufgabe in Hannover. "Den Bayern", erklärte Peter Neururer, "fehlt der Respekt gegenüber der Bundesliga, und wir werden sie dafür bestrafen."

Vermutlich wäre es schlauer gewesen, lieber klammheimlich auf einen vermeintlich abgehobenen Gegner zu hoffen, anstatt ihn zu provozieren, doch so tickt Neururer nicht. Er beißt sich lieber hinein in den Kampf, der in Hannover ein Spiel des Jahres ist. Und gern erzählt er nebenbei die Anekdote, wie er beim VfL Bochum einmal jeden Spieler in der Sitzung vor einem Bayern-Spiel drei Weißwüste verzehren ließ, "eine für jeden Punkt", und wie man dann 1:0 gewonnen habe.


"Großschnauze"

Peter Neururer ist es egal, dass der Verlierer dieser Strategie am Ende vor allem Peter Neururer sein kann. Eine andere Verhaltensweise passt wohl auch nicht zu einem, dessen Karriere nicht zuletzt auf der Fähigkeit aufgebaut ist, einprägsame, verschwurbelte, aber immer beachtete Sätze zu bilden.

Das Kind des Ruhrpotts weiß, dass ihn deshalb "viele für eine Großschnauze halten" und für einen Populisten, aber so sei er eben. "Wer schweigt, ist feige", sagt Neururer und löscht seine Marlboro in einem Wasserglas. Seit er im November das Amt bei seinem dritten erklärten Lieblingsklub nach Schalke und Bochum antrat (und prompt Mitglied wurde), haben sie diese Einstellung zu spüren bekommen in Hannover. Der "Freund der Bild-Zeitung" (Neururer über Neururer) hat Stadt und Klub aufgemischt, denn er sagt oft und gern seine Meinung, und seine Freunde vom Boulevard machen daraus große Buchstaben.

Nicht allen gefällt das im Klub, Geschäftsführer Karl-Heinz Vehling etwa hat neulich etwas indigniert bemerkt: "Einen Neururer muss man sich leisten können." Es kann einem Zahlenmenschen ja auch nicht gefallen, wenn der Coach angesichts vereister Übungsflächen ironisch über die "phantastischen Trainingsbedingungen" herzieht und dabei verständnislos übergeht, dass eine Rasenheizung erst im nächsten Investitionsplan vorgesehen ist.


Die neue Lockerheit

Und wenn Neururer mal wieder seinen Lieblingsgegner Jürgen Klinsmann attackiert, sorgt sich der Boss so sehr um das 96-Image, dass er dies sogleich als "private Meinung" des Trainers deklariert. Der wiederum kann keinen Widerspruch darin erblicken, dass er den Bundestrainer unlängst schalt, weil dieser Stürmer Thomas Brdaric nicht mehr zur Nationalelf einlud und er selbst Brdaric eine Woche später auf die Ersatzbank verbannte.

Er habe nach dem schlechten Spiel gegen den 1. FC Nürnberg (1:1) auf die "Selbstgefälligkeit" des Teams reagieren müssen, sagt Neururer, und das eine habe mit dem anderen nichts zu tun. Richtig gepoltert habe er nach dem Nürnberg-Spiel sogar, und zwar so heftig, dass "16 von 18 Spielern betreten an die Decke guckten - bis auf Hashemian und Christiansen, die kannten das aus Bochum".

Der alte Profi Michael Tarnat hat dazu fein bemerkt, der Trainer Neururer sei eben "in der Ansprache etwas rabiater" als Vorgänger Ewald Lienen, der "eher der väterliche Typ" gewesen sei. Andererseits, lobt Tarnat, habe Neururer auch Lockerheit ins Team gebracht. Es gibt eben nicht viele Argumente gegen einen Trainer, mit dem man noch nicht verloren hat. Und natürlich weiß auch Neururer, dass "man das mit dem Poltern nicht zu oft machen darf". Man müsse zudem stets die "psychovegetative Funktionslage" des Teams berücksichtigen.


Das Spiel zehn Meter nach vorne verschoben

Neururer streut gern mal solche Fachtermini ein, er hat ja auch Psychologie studiert, und man soll nicht glauben, er, der hemdärmelige Motivator, habe keine Ahnung von Menschenführung. Dabei ist die aktuelle Erfolgsserie, das bekennt er ehrlich, auch das Resultat "vieler glücklicher Momente". Er weiß um den Faktor Glück, er hat ja - wie zuletzt vor dem Abstieg des VfL Bochum - auch schon oft die Hilflosigkeit eines Trainers erfahren, wenn es ausbleibt.

Außerdem spielt Hannover 96 nicht viel schöner, seit er da ist. Manchmal fällt das Team gar zurück in alte Mechanismen, die Spötter "Ewald-Lienen-Gedächtnisfußball" nennen; also in jene passive, ängstliche Haltung, die eher typisch ist für Teams im Abstiegskampf und die Neururer austreiben wollte.

"Drückeberger und Versteckspieler haben mit meiner Mentalität nichts zu tun", sagt Peter Neururer und zündet eine neue Zigarette an. Als er kam, habe er im Training Rückpässe verboten. Er habe das Spiel "zehn bis 15 Meter nach vorn verschoben". Besonders stolz aber ist er auf die Sache mit den Standardsituationen. Noch am Morgen eines Spieltages pflegt er akribisch Eckbälle und Freistöße zu trainieren.

Die Ausbeute ist wirklich frappierend: Kein anderes Team der Liga hat mehr Tore nach Standards erzielt. "Es ist", sagt Neururer, "der einfachste Weg, zum Erfolg zu kommen." Wenn das auch gegen die Bayern klappt, machen ihn seine Freunde vom Boulevard garantiert wieder zu "Peter, dem Großen".


(SZ vom 18.2.2006)
"The first ten million years were the worst," said Marvin, "and the second ten million years, they were the worst too. The third ten million years I didn't enjoy at all. After that I went into a bit of a decline."

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