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Samstag, 22. April 2006, 12:10

HAZ: Rot und Blau-Gelb sind sich nicht grün

Rot und Blau-Gelb sind sich nicht grün

Von Achim Balkhoff

Wie in einem schlechten Film sei das abgelaufen, sagte Johannes Dietwald, zu Hoffnungen berechtigter Nachwuchsspieler von Hannover 96. Er habe sich noch nie so bedroht gefühlt, sagte der junge Mann. Er meinte die Szene nach dem 2:0-Sieg der Hannover-Reserve über die zweite Mannschaft von Eintracht Braunschweig. Etwa 30 gewaltbereite „Fans“ aus Braunschweig stürmten den Platz und machten Jagd auf die „Roten“. Für einige Spieler gab’s blaue Flecke, andere kamen mit dem Schrecken davon, Eintracht Braunschweig wurde von einem Sportgericht zu 3000 Euro Strafe verdonnert.
Vor fünf Monaten ereignete sich dieser Zwischenfall – der vorläufige traurige Höhepunkt einer Rivalität zwischen beiden Fußballlagern, die jenseits des Spielfelds nicht selten auch in blanken Hass ausartet. Der Zwist ist so alt wie der Fußball selbst. Die Geschichte begann 1901.
In Braunschweig war man ein wenig schneller mit der Entdeckung des Fußballs. Ein Jahr vor der Gründung des 96-Vorgängers HFC wurde 1895 in der Löwenstadt die Eintracht ins Vereinsregister eingetragen. Aber schon gut 20 Jahre zuvor hatte dort der Lehrer Konrad Koch als erster die Regeln des englischen „Football“ für Deutschland erweitert, weshalb Braunschweig gar als Wiege des deutschen Fußballs geführt wird. Das bewirkte zunächst auch eine spielerische Überlegenheit, die sich im ersten Städtevergleich in einer 1:11-Klatsche für Hannover dokumentierte. Diese Schmach kratzte natürlich am Selbstbewusstsein des „großen Hannover“, und man forderte Revanche. Doch auch die darauf folgenden jährlichen Vergleiche endeten ähnlich deutlich für Braunschweig, und es dauerte bis 1914, als Hannover endlich einen historischen Sieg feierte: 7:0 über Braunschweig.
In den Jahrzehnten danach pendelte sich das Leistungsvermögen entsprechend der Größe der Städte ein, Hannover wurde 1938 und 1954 gar deutscher Meister. Doch als es 1962 zum großen Schnitt im deutschen Fußball kam – die Einführung der Bundesliga stand bevor – entschied sich der Deutsche Fußballbund nach einem schwer verständlichen Fünf-Jahres-Schlüssel für Eintracht Braunschweig als dritte norddeutsche Mannschaft neben den jahrelang überragenden Teams vom Hamburger SV und Werder Bremen. Empörung in Hannover – und schon war die alte Rivalität wieder da.
96 schaffte den Aufstieg ein Jahr später, Braunschweig aber gab weitestgehend den Ton im niedersächsischen Fußball an, wurde 1967 gar deutscher Meister. Es folgten Auf- und Abstiege beider Vereine, die Spiele zwischen „Rot“ und „Blau-Gelb“ wurden immer mehr zu Prestigekämpfen, Siege im direkten Vergleich wiegen noch heute entsprechend schwer. Groß auch die Schadenfreude im jeweils anderen Lager, wenn einer der beiden Vereine seine sportlichen Ziele verfehlt.
Die Spieler und Vereinsvorstände verhalten sich mittlerweile professionell. Sie pflegen einen völlig unkomplizierten Umgang, unterhalten gar freundschaftliche Beziehungen und wechseln auch schon mal von hüben nach drüben. Eine Normalität, die viele so genannte Fans nicht teilen wollen – so absurd deren Haltung auch ist.
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