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Verein: Hannover 96

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Mittwoch, 9. August 2006, 14:04

SpOn: HANNOVERS FUSSBALL-VEREINE

Zitat

Bert Brecht und das blaue Wunder

Von Folke Havekost

Fußball + Hannover = 96. Was in der Gegenwart zutrifft, sah einst anders aus. Unter den Augen von Bertolt Brecht mauserte sich ein Stadtnachbar zum kurzfristigen Konkurrenten der 96er. Erfolge an der Leine feierte auch Volker Finke - bis sein Club sich auf Tennis verlagerte.

"Hannover 96 ist doch sehr enteilt", sagt Rainer Hahne: "Gerade bei den Sponsoren merken wir das ganz eindeutig." Hahne ist Vizepräsident von Arminia Hannover, dem zweitbesten Fußballverein der Stadt an der Leine. Und dem einzigen Club aus der Landeshauptstadt, der Hannover 96 über Jahrzehnte Paroli bieten konnte. Heute ist Arminia viertklassig und befindet sich in der Oberliga Nord derzeit im gesicherten Mittelfeld. Der Dank der Fußballinteressierten hält sich jedoch in Grenzen. Knapp 500 Zuschauer pilgern zu den Heimspielen nach Bischofshol.




"Wenn die Pumpe mal funktioniert, bricht uns am anderen Ende der Zaun zusammen", charakterisiert Präsident Jürgen Scholz den maroden Charme der Anlage. Im Sommer mähen einige Fans den Rasen, der regelmäßig die Stehtraversen überwuchert. Überhaupt ist die handverlesene Anhängerschaft der Arminen sehr rege. Im Stadion formieren sie sich, mit entsprechend bezifferten T-Shirts ausgestattet, zu einer "lebenden Anzeigentafel", um einen ironischen Hauch von professionellem Komfort über die ehrwürdige Anlage zu verströmen.

Die großen alten Zeiten liegen weit zurück. 1920 wurde der Verein norddeutscher Meister, bis in die 50er Jahre kickten die "Blauen" auf Augenhöhe mit den "Roten" von Hannover 96. Im Sommer 1930 war Bertolt Brecht einer der knapp 30.000 Zuschauer, die sahen, wie Arminia in der deutschen Meisterschaft beim 2:6 vergeblich die Kräfte mit Schalke 04 maß. Heute drücken den Club Altschulden, die noch aus den 1980er Jahren stammen. Seit Jahren steht das "Wasser bis zur Kante", wie Vizepräsident Hahne formuliert. Als Low-Budget-Club schlingert der Verein durch die Strudel der Viertklassigkeit. Immerhin, 1998 gewannen die Arminen das letzte Derby gegen 96 4:3. So schnell wird der Erstligist nicht mehr zum Punktspiel vorbeischauen, um sich zu revanchieren.

Finkes Erfolg mit "Klein Schalke"

Wo die Arminia gerade ist, wäre der TSV Havelse gerne. "Wir wollen schon in die Oberliga", sagt Havelses Obmann Rolf Svete, "aber das wäre eine gewaltige Anstrengung". Bessere Zeiten erlebte die 4500-Einwohner-Stadt 1990. Als norddeutscher Vizemeister wurde der Triumphzug in der Aufstiegsrunde mit einem 3:2 gegen den Wuppertaler SV gekrönt: "Klein-Schalke" - wie der Ort genannt wird - war Zweitligist - das große Schalke damals übrigens auch.

Trainer war ein Oberstudienrat namens Volker Finke, der bis 1969 selbst für den TSV gekickt hatte und nun von seinen eifrigen Schützlingen um den späteren Nationalspieler Jens Todt bei der Aufstiegsfeier im Whirlpool versenkt wurde. Dass das Team aus Feierabendprofis bis auf einzelne Highlights in der Zweiten Bundesliga nicht mithalten konnte und prompt wieder abstieg, war nicht die Ursache für spätere Probleme. Die hatten mit kleineren Bällen zu tun.

Geblendet vom Becker-Graf-Boom ließ sich der Club eine Tennishalle bauen. Die Unterhaltskosten für "Klein-Wimbledon" überstiegen die Einnahmen bei weitem. Um seine Insolvenz zu verhindern, musste der Verein zwei Tennisplätze verkaufen, an deren Stelle nun ein zeitloser Supermarkt mehr als nur Filzkugeln feilbietet. Daneben versucht der TSV, mit einer Selfmade-Elf an alte Zeiten anzuknüpfen. Zwei Drittel des Kaders stammen aus der eigenen Jugend, mit einem Durchschnittsalter von 21,5 Jahren zählen die Havelser aktuell zum jüngsten Gemüse der Saison. Obmann Svete ist guter Hoffnung: "Die Mannschaft ist voll entwicklungsfähig."

Anruf aus Amerika

Ganz andere Sorgen hat man beim Oststädter Sportverein Hannover - kurz OSV. Etwa 50 Zuschauer verlieren sich heutzutage im Stadion an der Langenforther Straße. "Den Schiedsrichter können wir damit nicht bezahlen", taxiert Peter Stünkel den Andrang realistisch. Stünkel ist seit 1972 Mitglied beim OSV und hatte vom Vorsitzenden bis zum Trainer schon praktisch alle Funktionen im Stadtteilverein inne. "Das hab ich ja noch am eigenen Leib erlebt", ist ein Satz, den man von dem 43-Jährigen oft hört.

Ausgerechnet beim größten Moment in der Vereinsgeschichte war er nicht dabei. Karl-August Herbeck traf am 3. August 1979 im Niedersachsenstadion, der Zweitliga-Neuling OSV siegte beim großen Rivalen 96 1:0. Stünkel, damals Jugendspieler, war gerade auf USA-Urlaub und investierte an einer Tankstelle 3,50 Dollar in einen Anruf nach Hannover und ein Festtagsbier mit den mitgereisten Vereinskollegen.

Der OSV wurde Zwölfter, verpflichtete noch zwei gestandene Profis - und sah sich vom DFB-Beschluss, im nächsten Jahr die beiden Zweitliga-Staffeln zusammenzulegen, ins Abseits gestellt. Die Qualifikation für die eingleisige Liga war illusorisch, die Zuschauer blieben weg, weil es um nichts mehr ging. Dem OSV-Alleinunterhalter Wolfgang Zabel, in der Elektro- und Baubranche tätig, ging das Geld aus. "Wir standen dann mit den ganzen Verträgen da, und die Profis haben das Geld gefressen", erinnert sich Stünkel an die Katastrophensaison (19:65 Punkte, 41:108 Tore), der noch einige folgen sollten.

1981 Abstieg aus der zweiten Liga, 1982 Abstieg aus der Oberliga, 1983 Abstieg aus der Niedersachsenliga. Heute ist die Kreisliga Hannover-Stadt sportliche Heimat des einstigen Proficlubs, für den auch 96-Legende Dieter Schatzschneider auf Torejagd gegangen war. Im Sommer wurde der Aufstieg knapp verpasst, derzeit liegen die Oststädter im Verfolgerfeld hinter Vereinen wie Mozaik Spor und der SG Blaues Wunder zurück.




http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,408574,00.html
Mikael Forssell@twitter:"Im so white my black teammate @damarcusbeasley hates when he loses me in da snow at training..."

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