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Sonntag, 24. September 2006, 22:07

HAZ: Glück und ein glückliches Händchen

Glück und ein glückliches Händchen

Von Heiko Rehberg
Hannover. Es ist ein beliebtes Spielchen, das nach dem Abpfiff beginnt und normalerweise an Montagen im Büro fortgesetzt wird. Dann treffen sich die Fußballfans, reden über ein 1:1 wie das im Bundesligaspiel von Hannover 96 gegen Bayer Leverkusen und diskutieren, was möglich gewesen wäre; ob die Partie wirklich so ausgehen musste, wie sie ausgegangen ist. Im Fall der „Roten“ lautet die Antwort: musste sie nicht.
Hätten die Leverkusener ihre Chancen vornehmlich in der 1. Halbzeit genutzt, dann wäre 96 mit Sicherheit als Verlierer vom Platz gegangen; ein 1:4 hätte durchaus passieren können. „Eigentlich hätten wir Hannover abschießen müssen“, meinte Leverkusens Sportdirektor Rudi Völler.
Aber wenn, ja wenn in der 90. Minute fünf Hannoveraner gegen zwei Leverkusener einen Überzahlkonter schneller und cleverer ausgespielt hätten, dann wäre – so kurios das klingt mit Blick auf die 1:4-Option – ein 2:1-Sieg ebenso möglich gewesen. Okay, man hätte ihm vielleicht das Prädikat „glücklich“ anhängen müssen, aber der Eindruck der letzten 30 Minuten wäre durchaus wiedergegeben worden: Während die Gäste ihr Engagement auf altbekannte Bayer-Minimalwerte herunterfuhren, „haben meine Spieler ihr Herz in beide Hände genommen“, sagte Dieter Hecking: „Ein 2:1 wäre die Krönung einer nicht guten Woche gewesen.“ Jeder wusste, was der 96-Trainer mit seiner Formulierung meinte.
Der Tod der kleinen Tochter von Torwart Robert Enke hat im Verein alle berührt. Keine Mannschaft der Welt wird von so etwas unbeeindruckt bleiben, erst recht nicht, wenn sie noch massiv umgestellt werden muss, weil wichtige Spieler in der Defensive ausfallen: Michael Tarnat nicht dabei, Altin Lala nicht, auch nicht Dariusz Zuraw und und Frank Fahrenhorst: Hecking war zur Improvisation gezwungen, und mit den Veränderungen im 96-Team gingen Sicherheit und Stabilität verloren. „Das muss man der Mannschaft zugestehen“, meinte Hecking später, und das war keine Ausrede. Tatsächlich wäre es vermessen gewesen zu glauben, dass 96 gegen eine spielstarke Elf wie Leverkusen mit einem Notprogramm ohne Schwierigkeiten über die Runden kommt.
Das Gute an der ersten Stunde war aus hannoverscher Sicht im Grunde nur, dass sich Leverkusen lediglich mit dem Treffer von Sergej Barbarez (37. Minute) begnügte. Ahmed Madouni (5., Kopfball freistehend übers Tor) und jeweils zweimal Tranquillo Barnetta (17., Pfostenschuss; 53.) und Andrej Voronin (30., 59.) vergaben ihre Möglichkeiten leichtfertig. 96 dagegen machte es sich mit vielen Fehlpässen selbst schwer, der Spielaufbau wirkte fahrig und zu zaghaft.
Dass Hannover 96 überhaupt noch einmal spät, aber dafür schwungvoll ins Spiel zurückkehrte, hatte also mit Glück zu tun – und einem glücklichen Händchen. Hecking bewies, dass er anders als sein Vorgänger Peter Neururer in der Lage ist, einer Mannschaft durch Wechselspielchen neue Impulse zu geben. Der Trainer brachte erst Jonas Troest und Vahid Hashemian und später Erik Jendrisek, und alle drei hatten ihren Anteil daran, dass das 1:1 durch Thomas Brdaric (74.) letztlich verdient und in der 90. Minute sogar noch mehr möglich war.
Mit Hecking hat die Mannschaft den Glauben an sich zurückgewonnen. Sie spielt noch keinen umwerfenden Fußball, aber man ahnt, dass das der Fall sein könnte, wenn der neue Mann auf der Bank mehr Zeit hat, den Stil des Teams zu prägen. Hecking macht dabei kein Hehl daraus, dass er hohe Ansprüche hat. „Ich bin nicht so schnell zu begeistern“, sagte er.

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