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Sonntag, 22. Oktober 2006, 23:21

HAZ: Erst pfui, dann hui

Erst pfui, dann hui

Rosenthals Premiere: Ein Patzer, ein Treffer und ein kleines Fernsehspiel

Von Volker Wiedersheim
Gelsenkirchen. Das Protokoll der Premiere. Sonnabend, 15.28 Uhr: Jan Rosenthal läuft mit den „Roten“ in der Schalker Arena auf das Feld, das Publikum pfeift. 15.30 Uhr der Anpfiff. Um 15.31 ist Rosenthal zum ersten Mal am Ball. Um 15.32 Uhr verliert er ihn zum ersten Mal. Kurz darauf erneut. Um 15.44 Uhr macht Rosenthals rechte Schulter unsanft Bekanntschaft mit dem breiten Kreuz von Halil Altintop. Der Schalker fällt, doch es folgt kein Pfiff. Gut für Rosenthal, das hätte ihm Sicherheit geben können. Aber stattdessen fällt um 15.47 Uhr nach einem Freistoß von Lincoln am linken Strafraumrand die Klappe für eine denkwürdige Szene. Hauptdarsteller: Zlatan Bajramovic; Statist: Rosenthal. Ein Trick, ein Blick, ein Kick – und drin ist das Ding.
Während Robert Enke den Ball genervt aus dem Netz pult, steht der junge 96er immer noch am Strafraumrand. Er lässt den Kopf hängen. Rosenthal spürt „übelste Verunsicherung“, die sich wie ein Schmierfilm auf jede Bewegung und jeden Gedanken legt. „Ich habe den langen Schritt gemacht. Wäre Bajramovic zur Grundlinie gegangen um zu flanken, hätte ich ihn locker abgeblockt“, wird später seine Erklärung lauten. Doch schon im Augenblick des Geschehens weiß Rosenthal, dass keine Erklärung der Welt den zwangsläufigen Eindruck verdrängt: Als „unbekümmert und naiv“ wird nach dem Spiel Dieter Hecking Rosenthal in dieser Szene beschreiben. Und natürlich hat er Recht. „Andere junge Spieler wären an dem Gegentor kaputtgegangen.“
15.48 Uhr, Rosenthal steht immer noch am linken Strafraumrand. Er nimmt den Kopf wieder hoch und strafft sich. „Wenn’s scheiße läuft, lass’ ich mich nicht hängen“, ist sein Prinzip und Heckings Hoffnung. Und obwohl der Rest der 1. Halbzeit mitsamt dem zweiten Gegentreffer ein einziger herber Rückschlag für die „Roten“ ist, bleibt Rosenthal seinem Vorsatz treu.
16.34 Uhr: Die Spieler kommen aufs Feld zurück. Hecking hat Rosenthal nicht ausgewechselt – die zwei sind eben auf der Langstrecke unterwegs. „Wenn wir ihm Fehler nicht zugestehen, machen wir etwas falsch“, hat der Trainer bereits zwei Tage vor der Partie gesagt. „Ich habe da ein gutes Gefühl.“ Es hat ihn nicht getrogen: Um 16.42 Uhr schlägt Szabolcs Huszti eine weite Flanke von rechts in den Strafraum, eine der wenigen brauchbaren Flanken an diesem Tag. Dort springt Vahid Hashemian im Sandwich zwischen den Schalker Innenverteidigern hoch und legt den Ball mit dem Kopf zurück zum Strafraumrand – zu Rosenthal. Annahme mit der Brust, Abtropfen auf den linken Fuß, alle Kraft und Eleganz für einen perfekten Dropkick links in den „Giebel“. Zlatan Bajramovic, der Rosenthal beim 1:0 „vernascht“ hat, kommt in dieser Szene zu spät, um den Schuss abzublocken.
„Roter“ Jubel light – nicht gerade grenzenlos, aber immerhin. Dariusz Zuraw, Chavdar Yankov, Frank Fahrenhorst, Vinicius und Michael Tarnat klatschen ab. Rosenthal ballt die Fäuste. Er will noch mehr, aber noch mehr geht nicht.
Noch ein Tor, noch eine Vorlage – das hätte natürlich eine perfekte Story hergegeben. Aber auch ohne „rotes“ Happy End ist das TV scharf auf den Torschützen – allerdings gucken selbst prominente Reporter wie ZDF-Mann Bela Rethy in die Röhre. „Können wir Rosenthal interviewen?“, fragt Rethy 96-Sportmanager Carsten Linke in der Mixed Zone. „Nein.“ – „Aber er hat ein Tor geschossen …“
Linke bleibt auf Heckings harter Linie und Rosenthal in der Kabine. Der Trainer verpasst dem Youngster einen „Maulkorb“, mault der Reporter einer Zeitung, die gern einfache Antworten gibt. Dabei will der Coach nur, dass Rosenthal sich nicht fürs Fernsehens aufreibt. Ruhe statt Rummel ist das Gebot, wie Rosenthal – mit Billigung des Trainers – am Sonntagmorgen vor der heimischen Arena im entspannten Gespräch deutlich macht. Doch Ruhe zu finden ist schwer genug angesichts der Pläne Heckings: Gegen Dortmund am Dienstag im Pokal erhält Rosenthal die nächste Bewährungschance.

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