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Freitag, 3. November 2006, 12:54

welt.de: Kaenzig: Einst mächtig, heute nur noch ohnmächtig

Kaenzig: Einst mächtig, heute nur noch ohnmächtig

Heute abend (20.30 Uhr, WELT.de-Liveticker) empfängt Hannover 96 den Tabellenletzten VfL Bochum zum Kellerduell. Manager Ilja Kaenzig, der einst als größtes Talent der Branche galt, arbeitet nach der Entmachtung durch Präsident Kind mittlerweile nur noch auf Abruf bei den Niedersachsen.

Von Peter Stützer

Der Satz der Stunde: "Ob einem das gefällt oder nicht." Kommt wie von einer Schallplatte, immer und immer wieder, und noch einmal, ob einem das gefällt oder nicht. Ilja Kaenzig (33) beschreibt mit diesen sechs Worten das ganze Dilemma. Obwohl, eigentlich gibt es gar nichts zu beschreiben, sagt er; und es gibt auch kein Dilemma, zumindest nicht offiziell. "Ich muss Sie vorwarnen", so beginnt er das Gespräch. "Ich kann Ihnen nicht groß weiterhelfen." Ob einem das gefällt oder nicht.

Es ist also auf die Nebentöne zu hören, es lohnt sich, zwischen den Zeilen zu lesen, da findet sich das Dilemma dann schon. Nicht, dass Kaenzig die Anwälte fürchtet, den Arbeitgeber, der womöglich nur auf ein falsches Wort lauert, um ihm das Genick zu brechen. Aber er ist vorsichtig, will nicht in Rückstand geraten in diesem Spiel, von dem eigentlich jeder weiß, wie es ausgeht - nur nicht wann.

Die Fakten: Ilja Kaenzig ist seit zweieinhalb Jahren Manager des Fußball-Bundesligaklubs Hannover 96. Einst war er mächtig, jetzt ist er allenfalls ohnmächtig. "Ob einem das gefällt oder nicht." Sein Präsident hat ihn, pardon, enteiert, entmachtet, zur relativen Bedeutungslosigkeit degradiert, "aber ich nehme das nicht persönlich", sagt Kaenzig. Nicht? "Das sind halt die neuen Strukturen des Vereins. Ob einem das gefällt oder nicht." Dem einen ja, dem anderen nein, dem Kind, dem Kaenzig.

Martin Kind ist der Präsident in Hannover. Unternehmer, Patriarch, Erfolgsmensch, Alleinherrscher, Rambo. Kind hat den Klub aus der dritten Liga in die Bundesliga geführt, mit seinen Methoden, er hat Kaenzig vom Rhein an die Leine geholt und genommen, der Schweizer galt als das größte Manager-Talent der Branche. "Er gehört zu den Top 5 in Europa." Diese Hypothek hatte ihm Reiner Calmund mit auf den Weg gegeben, der war sechs Jahre sein Ausbilder in Leverkusen, mit dem ist er dicke. Bloß: Jetzt ist Kaenzig statt oben in Europa unten in Niedersachsen, er hat da eine Planstelle, mehr nicht. Vertrag bis 2008, "ich gehe zunächst mal davon aus, dass ich ihn erfüllen soll." Zunächst. Brav. Wer redet schon von Spaß? "Früher habe ich hier entschieden, heute sieht meine Rolle anders aus." Ob einem das ..., naja.

Kind hat Kaenzig also 2004 geholt, sich 2005 zurückgezogen, den Verein ihm und anderen überlassen, und ist dann im August 2006 zurückgekehrt, der Ansicht, es liefe nichts ohne ihn. Götz von Fromberg musste gehen, als Präsident sein Nachfolger und Vorgänger, Karl-Heinz Vehling musste gehen, der Geschäftsführer, Ilja Kaenzig durfte bleiben, musste an Kind aber die Geschäftsführung der Hannover 96 GmbH & Co. KGaA abtreten und an Dieter Hecking das Sagen in sportlichen Dingen.

Den neuen Trainer hat Kind schon im Alleingang geholt, mit einem Vertrag bis 2010 und allen Kompetenzen ausgestattet. Dessen Ex-Verein Alemannia Aachen wurde mit Geld beruhigt.

Und Kaenzig? "Trainer Hecking hat alle Möglichkeiten, ich biete ihm alle Hilfestellung." Ob ihm das gefällt oder nicht. Eher nicht. Er macht die Faust in der Tasche. Er sagt: "Ich wäre naiv, das zu kritisieren. Das ist halt die neue Vereinsstruktur." Er klagt nicht. Er wartet. Er macht seinen Dienst. Er ist korrekt und der Verein ist es dem Vernehmen nach auch. "Ich habe meinen Schreibtisch behalten dürfen und ich darf auch noch zu den Spielen mitfahren." So lustig sagt er das. So ernst ist die Lage.

Kind hat sich bislang von allen vor ihm sauber getrennt und fair. So wird es auch bei ihm sein. "Es ist alles eine Frage des Zeitpunktes", sagt Kaenzig. "Aber das ist klar für jeden, der nach mir kommt: Die Rolle ist vorgegeben." Er hat nichts zu sagen.

Glaubt man kaum, hätte auch er nicht gedacht: Hannover ist ein heißes Pflaster. Nicht nur Kind. Das Umfeld ist brutal, intrigant, missgünstig. "Einen Verein wie 96 gibt es nicht zweimal in der Bundesliga." Und das ist kein Kompliment.

Besser wissen, schlechter reden, viel hintenrum, wenig Geduld, nie fröhlich, meist nörgelnd, immer negativ. Kaenzig nennt die Zeit bei 96 ein "Stahlbad". Vielleicht hat die Karriere einen Knick bekommen, sicher nicht sein Rückgrat. Solche Erfahrungen muss man machen. "Wenn einer in New York Auto fahren kann, dann kann er das überall. Mich kann nichts mehr erschrecken." Er wird auch nicht lieb Kind machen.

Kaenzig beugt sich der Macht des Faktischen. Wenn einer, Kind, Präsident ist, Geschäftsführer, Mehrheits-Gesellschafter und seine Leute in sämtlichen Vereinsgremien installiert hat, was will er, Kaenzig, dann noch. "Damit muss man leben oder woanders tätig werden." So ist das Geschäft. Heulen gilt nicht, er will auch kein Mitleid, das kriegen andere auch nicht. "Was macht denn der Postbote, wenn es regnet? Er trägt seine Briefe trotzdem aus."

Ob es ihm gefällt oder nicht.

Artikel erschienen am 02.11.2006

http://www.welt.de/data/2006/11/02/1095175.html
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Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Fabolous« (3. November 2006, 12:59)


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