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bina

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Freitag, 2. Februar 2007, 12:06

Süddeutsche Zeitung (30.1.): Ein klares Ja

Ein klares Ja

Werder Bremen nimmt die Rolle des Titelfavoriten gerne an - Klose darf aber keine Elfmeter mehr schießen

Bremen - Kein Zweifel, der Beste auf dem Platz gehörte zu den Verlierern. Robert Enke hielt einen Elfmeter von Miroslav Klose, gewann zweimal das Duell gegen den allein auf ihn zulaufenden Stürmerstar der Bremer und wehrte auch ansonsten noch Schüsse schwersten Kalibers ab. Doch alle Glückwünsche tat er mit einer Handbewegung ab, statt dessen erzählte er Grundsätzliches: Dreimal, so Enke, habe er jetzt mit Hannover in Bremen gespielt. "Die Ergebnisse waren 0:3, 0:5 und 0:3." Drei Klatschen also, aus vor allem einem Grund: "Wenn du hier selbst kein Tor machst, dann verlieren sie jeden Respekt und überrollen dich irgendwann, auch wenn du gut spielst."

Kein Experte hätte es trefflicher analysieren können. Denn das 3: 0 des Tabellenführers über den Nachbarn aus Hannover war keineswegs das Produkt überlegener Fußballkunst. Werder bot über weite Strecken nur Mittelmaß, allerdings mit genialen Momenten. Daraus resultierten drei Tore und weitere Großchancen, ansonsten bestimmte der Gast das Spiel. Was dazu führte, dass man sich hinterher gegenseitig über den grünen Klee lobte. "Hannover hat es uns verdammt schwer gemacht, die spielen einen guten Ball", fand Tim Borowski, der Schütze des Führungstores. Derweil Hannovers Trainer Dieter Hecking den Bremern eine hohe Qualität in den wichtigen Momenten des Spiels bescheinigte: "Urplötzlich geht bei denen die Post ab, und dann merkt man. den Klassenunterschied."

Das letzte Tor des Tages erzielte der Neu-Bremer Per Mertesacker, von dem man weiß, dass er seit Jugendjahren Hannoveraner ist und es wohl im Herzen immer bleiben wird. Emotionslos drehte er nach dem Abstauber zum 3:0 ab, wollte nicht beglückwünscht werden und sagte später: "Das 3:0 war eigentlich zu hoch, soviel besser war Werder nicht." Doch dass die Bremer nun wieder an der Spitze stehen, ist auch ein Verdienst Mertesackers, der mit dem ebenfalls über Gardeemaß verfügenden Naldo die hannoverschen
Angriffe im Strafraum stoppte. Gewiss, zweimal half Werder das Aluminium des eigenen Tores, dabei spielten jedoch ein abgefälschter Ball und eine Windböe kräftig mit.

Hinterher war das Spiel schnell ab gehakt, stattdessen wurde die Zukunft zum n Diskussionsthema. "Es wäre der größte Fehler, die Bayern als Meisterschaftskandidat jetzt zu vernachlässigen", warnte zwar Torsten Frings, doch das Selbstbewusstsein ist groß. "Ja" sagte zum Beispiel Klaus Allofs ganz schlicht auf die Frage, ob Werder Meister werde - kein Wenn und Aber. Auch der Norden ist sich der Sache ziemlich sicher, wie eine Umfrage im NDR-Regionalfernsehen zeigte: Inzwischen tippen 88 Prozent auf Meister Werder. Denn die Bremer besitzen eine Mannschaft ohne offensichtliche Probleme. Obwohl die Stürmer Klasnic (Nierentransplantation) und Zidan (nach Mainz verkauft) fehlen, sieht es nicht nach Defiziten aus. Die Neuverpflichtungen Markus Rosenberg und Peter Niemeyer, für die Werder insgesamt rund sechs Millionen Euro zahlten, saßen auf der Bank, Rosenberg durfte nach dem 3:0 noch für zehn Minuten mitmischen. "Wir wollten ihn einfach nur mal vorstellen", begründete Klaus Allofs die Einwechselung "Er hat Ja erst zwei Trainingseinheiten hinter sich."

Wenn Werder Bremen derzeit etwas fehlt, dann ist es ein treffsicherer Elfmeterschütze. Diesmal trat der gefoulte Klose selbst zum Schuss an und scheiterte ebenso wie die meisten Kollegen vor ihm. Von den letzten sechs Strafstößen haben die Bremer nur einen einzigen verwandelt; und auch den brachte Diego nur mit viel Glück im Wolfsburger Tor unter. "Solange wir auch so gewinnen, macht das gar nichts", verkündete zwar Torsten Frings, rügte aber dennoch Kloses Gang zum Punkt. "Miro war an diesem Tage ohnehin schlecht drauf, da muss man sich nicht auch noch einen Elfmeter zutrauen. Jetzt hat er erst mal einige Spiele bei Elfmetern Pause."

Das Spiel gegen Hannover war mit 43 000 Zuschauern ausverkauft, was abermals unterstrich: Die Kapazität des Weserstadions reicht angesichts des Booms nicht mehr aus. Deswegen ist Werder wieder mit großen Bauplänen öffentlich geworden. Am Ende soll nach der Investition von 50 Millionen Euro eine reine Fußball-Arena mit 50 000 Plätzen stehen. Die Finanzierung scheint - wenn sich ein Namens-Sponsor für das Stadion findet - gesichert zu sein, die Baugenehmigung weniger. Derzeit machen vor allem die Nachbarn mobil, sie fürchten den Verkehrs-Gau und weitere Einschränkungen durch die Vergrößerung der im Wohngebiet liegenden Arena. Auch die Fans protestierten mit Spruchbändern. "Kein neuer Stadionname", war beim Rückrunden-Auftakt zu lesen. Die alten Flutlichtmasten sollen bleiben, und eine machtvolle Bewegung in der Fan-Kurve forderte sogar: "Wir wollen ein Vorsänger-Podest." Heinz Fricke

Süddeutsche Zeitung, 30.1.2007

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