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Montag, 26. Februar 2007, 21:53

NP: Nürnbergs Meyer schüttet 96 mit Komplimenten zu

Nürnbergs Meyer schüttet 96 mit Komplimenten zu

VON JÜRGEN SCHOTT

NÜRNBERG. Wenn die Nürnberger Mannschaft das Ende ihrer Bundesliga-Erfolgsserie so gut verdaut hat wie ihr Trainer, dann muss 96 heute Abend aufpassen. Hans Meyer jedenfalls war schon 20 Stunden nach dem 1:2 in Mainz gut drauf. Zwar kein „Meyer, wie er singt und lacht“, aber der gewohnt locker-flockige Realist und Analytiker, für den nach der ersten Niederlage nach elf Punktspielen nun mal die Welt nicht gleich untergeht.
Meyer ist ein spezieller Typ, in einem aber unterscheidet sich der 64-Jährige so überhaupt nicht von den Kollegen: Der nächste Gegner ist immer der schwerste.
Und so schüttete der FCN-Trainer Hannover 96 derart mit Komplimenten zu, dass das Team im Pokal-Duell Mühe haben dürfte, diesen Ballast abzuwerfen.
Meyers Ehrfurcht-Liste: „Hannover haut erst Hertha weg, in Aachen gewinnt man 4:1 – das schaffen auch nicht viele. Spielt, mit viel Pech, 2:2 gegen Wolfsburg, das 1:0 gegen Leverkusen war dem Spiel nach ein klarer Erfolg, und dann putzen sie noch Dortmund, das ist eine richtig gute Mannschaft, auswärts die viertbeste der Liga, spielerisch besser, als man sie nach dem Namen vielleicht einschätzt.“
Seine Schützlinge müssten eigentlich ob dieser Aufzählung mutlos werden, doch der Thüringer, der heute mit 96-Manager Christian Hochstätter einen guten Bekannten trifft (dreieinhalb Jahre „richtig gute Zusammenarbeit“ in Mönchengladbach), sieht die Gefahr. Er steuert prompt gegen: „Das alles heißt doch nicht, dass 96 als Favorit in diese Begegnung geht. Das Spiel ist in einer unglaublichen Art und Weise offen.“
Offen ist auch, wen die Franken heute aufstellen können. Stürmer Markus Schroth hat einen lädierten Torriecher – das Nasenbein ist gebrochen und gerichtet. „Wenn er sich nicht an Kopfbälle traut, bringe ich ihn nicht von Anfang an“, sagt Hans Meyer. Er könnte den Angreifer mit dem „unbändigen Willen, auch defensiv zu arbeiten“ durch Jan Polak oder Gerald Sibon ersetzen. Fraglich sind auch Javier Pinola (Wade) und Jawhar Mnari (Knie).
Dazu kommen eventuelle Probleme mit der Psyche. Abwehrmann Michael Beauchamp sah in Mainz nicht so gut aus, und sein Coach wollte ein Auge darauf haben, wie „unser australischer Freund“ die eigenen Fehler psychisch verarbeitet. Und dann gibt es ja noch die Torwart-Frage.
Nicht dass Raphael Schäfer in Frage stünde, doch hat Ersatzmann Daniel Klewer den „Club“ mit drei parierten Schüssen beim Elfmeter-Sieg in Unterhaching erst in dieses Viertelfinale gebracht.
Den 29 Jahre alten Ex-Rostocker nun einfach nur aus Dankbarkeit wieder zu bringen – so einfach macht es sich der Trainer nicht. „Ich tausche den Torwart, und wir verlieren, dann haben beide, Meyer und Klewer, die Brille auf“, formulierte der Verantwortliche seine Bedenken gegen den Tausch.
Andererseits: Schäfer geht im Sommer zum VfB Stuttgart, Klewer könnte theoretisch zur Nummer eins aufrücken und heute ganz gut sein Potenzial unter Beweis stellen. Und noch eins: Im Bundesligaspiel gegen 96 kam die Nummer zwei nach 30 Minuten für den verletzten Schäfer aufs Feld, und Nürnberg machte aus einem 0:1 ein 3:1.
Wenn zwei UEFA-Cup-Aspiranten im Pokal das Halbfinale anpeilen, sollten die Zuschauer in Massen strömen, meint man. In Nürnberg, wo die Bundesligaspiele gut besucht sind, ist das aber nicht so. 23 000 Tickets sind im Vorverkauf abgesetzt.
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