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Sonntag, 18. Mai 2008, 23:11

HAZ: Leitartikel zur Bundesliga - Anschluss gesucht

Ganz zum Schluss gab es noch einmal das große Fußball-Kino. Momente, die selbst diejenigen bewegen werden, die der Bundesliga und ihrem Ballyhoo sonst nicht viel abgewinnen können. Augenblicke, die schöner sind als die meisten Tore in der Saison 2007/2008: zum Beispiel der weinende, gerührte Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld. Über die Jahre war er für viele zu einem alten Fernsehbekannten im Wohnzimmer geworden, einer, den man stets sachlich und kühl erlebt hatte. In der Stunde des Abschieds gab er sich seinen Gefühlen hin und gewann damit nach Titel und Pokalen zu guter Letzt auch die Herzen der Menschen. Oder der von der großen Bühne abtretende Münchener Torwart Oliver Kahn, dem anzusehen war, dass er am liebsten geblieben wäre. Oder Huub Stevens, dieser knorrige Hamburger Trainer des alten Schlags, der sich plötzlich den Fans auf dem Rasen vor die Füße warf.

Ein entrückter Spitzenreiter

Die emotionalen Schlussbilder der Saison lenken ab von einer Spielzeit, die weder spannend noch besonders gut war. Es war eine Saison der Langeweile, die keine Trends setzte, außer vielleicht diesen einen: Wenn nicht alles täuscht, dann geht es in den nächsten Jahren in der Bundesliga nur noch am Rande um die Meisterschaft. Die Überlegenheit des FC Bayern München ist so groß, dass es künftig nur noch die Frage zu klären gibt, wer Zweiter hinter Deutschlands übermächtigem Klub wird. Schöne Aussichten sind das nur für Bayern-Fans.

Dass auch die beiden wirklich großen Attraktionen der Bundesliga in München spielen, ist kein Zufall. Franck Ribery und Luca Toni, das ungleiche Paar, der Dribbler und der Torschützenkönig, der vor Ideen übersprudelnde französische Ballkünstler und der eiskalte italienische Tor-Vollzugsbeamte, haben die Fans im ganzen Land verzückt. Doch die Bundesliga hat viel zu wenige von diesen Stars, die meisten spielen nach wie vor in England oder Spanien.

Mit dem dortigen Fußball kann sich die Bundesliga nicht messen, vor allem in der Premier League ist das Spiel schneller und kraftvoller. Wer an einem Sonnabend zur Mittagszeit ein englisches Spitzenspiel sieht und sich dann um 15.30 Uhr die deutschen Topklubs anschaut, der muss manchmal denken, dass sein Fernsehgerät gerade die Zeitlupe zeigt. Die Bundesliga hat zu wenig Riberys und Tonis. Sie ist gefühlt zu oft wie Bielefeld gegen Bochum.

Hannover 96 hat sich in dieser Saison neu positioniert, und wer der Tatsache nachtrauert, dass es wieder nicht für einen Platz in einem europäischen Wettbewerb gereicht hat, der sollte nach Nürnberg schauen. Der „Club“ ist von Europa direkt in die 2. Liga gestürzt. Es ist das typische Schicksal eines Vereins, der seine Schritte nicht in Ruhe setzt, sondern zwei Stufen auf einmal nimmt und dabei hinfällt.
Die „Roten“ haben so viele Punkte wie noch nie seit dem Wiederaufstieg 2002 gesammelt, sie sind als Achter eine Art Meister des Mittelfelds. Alle Mannschaften, die vor 96 stehen, haben mehr Geld und deshalb mehr Potenzial, auch wenn das manchmal ein wenig dauert, bis daraus sportlicher Erfolg wird, wie das Beispiel des niedersächsischen Nachbarn VfL Wolfsburg zeigt.

Die Chancen für 96 sind da

Es wird für Hannover 96 in der nächsten Saison darum gehen, den Anschluss zu halten. Gleichzeitig muss versucht werden, dank einer besseren Nachwuchsarbeit, cleverer Transferpolitik und einem besonderen Teamgeist, den es zum Glück nicht mit Geld zu erwerben gibt, sich an dem einen oder anderen Verein zwischen eins und sieben vorbeizumogeln. So schlecht sind die Voraussetzungen in Hannover nämlich nicht. 96 hat mit Dieter Hecking einen erstklassigen Trainer, es hat mit Martin Kind einen nimmermüden, anpackenden und in der ganzen Liga anerkannten Klubchef sowie mit Christian Hochstätter einen Manager, der seriös und unaufgeregt arbeitet. Und neu daran in Hannover ist, dass alle drei harmonisch und gut zusammenspielen.

Neuzugänge wie der Schweizer Mario Eggimann und Jan Schlaudraff machen Hoffnung, dass es in der neuen Saison in der AWD-Arena mehr Festspiele wie am letzten Spieltag beim 4:0 gegen Cottbus geben wird. Die großen Schlagzeilen werden ohnehin wieder die Bayern machen, die mit Trainer Jürgen Klinsmann das spannendste Experiment der vergangenen Jahre wagen. Klinsmann soll den besten Klub noch besser machen. Wenn er nebenbei auch die Bundesliga ein wenig aufmischt und aufpeppt, haben alle was davon.

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