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Red

96er

Registrierungsdatum: 2. Oktober 2004

Verein: Hannover 96

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1

Freitag, 23. Mai 2008, 07:32

NP: Der 96-Fanbeauftragte / Die Polizei / Der Fanforscher / Die Datei

Expertenstreit um Gewalttäter-Datei

Die Polizei hält sie für sinnvoll, der Fanforscher für überflüssig: Die Bundesdatei „Gewalttäter Sport“ wurde gestern durch das Verwaltungsgericht Hannover gekippt. Auslöser war das Randale-Oberligaspiel Hannover 96 II gegen Eintracht Braunschweig II im Mai 2006 im Leine-Stadion Letter gewesen, bei der hannoversche Fans auf Braunschweiger Fans losgingen. Einer der Fans, der bei dem Polizeieinsatz verletzt wurde, landete in der Datei und klagte auf Löschung seiner Daten. Die NP sprach mit Experten über die Entscheidung.

  • Der 96-Fanbeauftragte
    „Wir brauchen die Namen nicht“

    Frank Watermann, Sie sind Fanbeauftragter bei 96. Welche Auswirkungen hat das Urteil auf Ihren Verein?
    Erstmal keine. Wir haben auf die Datei sowieso keinen Zugriff, wir bekommen die Namen nicht.
    Ist das ein Problem?
    Nein, wir brauchen die Namen nicht. Für uns ist wichtig, von mitreisenden Szenekennern der anderen Klubs zu erfahren, wer da auf uns zukommt. Die Kollegen kennen ihre Pappenheimer.
    Wie viele Stadionverbote gibts zurzeit bei 96?
    Knapp 50, damit liegen wir in der unteren Hälfte der Bundesliga.
    Wer entscheidet darüber?
    Da gibts eine Anhörung, bei der der Sicherheitsexperte, die Polizei und auch ich dabei sind.

    aw


  • Die Polizei
    Binias will in Berufung gehen und hält Urteil für falsch

    VON BRITTA LÜERS

    HANNOVER. Gelassen reagierte gestern die Polizeidirektion (PD) Hannover auf die vom Verfassungsgericht Hannover gekippte Datei „Gewalttäter Sport“. Man warte zunächst das schriftliche Urteil ab. Polizeipräsident Uwe Binias kündigte aber bereits an: „Wir gehen in Berufung!“ Das Urteil sei falsch. PD-Sprecher Stefan Wittke geht davon aus, dass die Berufung Erfolg haben wird. Denn der Hessische Verwaltungsgerichtshof habe in ähnlicher Sache im Sinne der Polizei entschieden.
    Solange das Urteil nicht rechtskräftig ist, „werden wir so weitermachen wie bisher“. Wittke: „An der Polizeipraxis ändert sich also gar nichts. Wir haben unsere Erkenntnisse schließlich auch unabhängig vom Verzeichnis.“ In Niedersachsen diene die Datei „Gewalttäter Sport“ lediglich als Hilfsmittel. „Dennoch hat die Datei ihren Sinn. Wenn sie wegfällt, erschwert das die Arbeit der Polizei“, erklärte der Sprecher. Zudem falle der bundesweite Austausch der einzelnen Polizeibehörden damit weg.
    Wittke betonte jedoch: „Durch die Entscheidung des Verwaltungsgerichts ist die rechtliche Sicherheitslage nicht mal im Ansatz gefährdet.“ Denn die gängige Praxis der Gefahrenabwehr könne die Polizei weiterhin betreiben. „Sie steht nicht auf der Kippe.“ Das heißt: Wie bislang kann die Polizei bei Fußballspielen im Ausland Hooligans die Ausreise verweigern – mittels Meldeauflagen. So hat die PD vor der bevorstehenden Fußballeuropameisterschaft 95 der 170 gespeicherten Krawallmacher aus Hannover eine Gefährdeansprache erteilt. Sechs Hooligans erhielten für die Zeit der EM in der Schweiz und Österreich, die von rund 1700 deutschen Polizisten vor Ort begleitet wird, Meldeauflagen.


  • Der Fanforscher
    Soziologe Pilz: Datei nicht zu gebrauchen

    Aus Sicht von Soziologie-Professor und Fanforscher Gunter A. Pilz (Hannover) ist die Datei „Gewalttäter Sport“ überflüssig – sie enthalte schlicht zu viele Personen.

    VON MICHAEL LANGE

    Das Verwaltungsgericht Hannover hat die Datei „Gewalttäter Sport“ gekippt – hört sich das für Sie dramatisch an?
    Dramatisch? Das sehe ich nicht so. Ich würde eher sagen, die Datei ist nicht zu gebrauchen. Alleine deshalb, weil da so viele Menschen drin sind, dass sie überhaupt keinen Wert mehr hat. Der Effekt ist gleich null.
    Immerhin sind in ihr Personen erfasst, die bei Sportereignissen auffällig geworden sind …
    Stadionverbote werden ja auch ausgesprochen bei Leuten, die ein bengalisches Feuer entzündet haben oder ähnlich aufgefallen sind, also nicht nur bei Gewalttätern. Bei vielen von denen, die in der Datei drin sind, könnte man sagen, die gehören da eh nicht rein.
    Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann glaubt, dass etwa die sichere Durchführung der Weltmeisterschaft 2006 ohne die Datei nicht gewährleistet gewesen wäre …
    Vielleicht ist da der Glaube größer als der Verlust, der letztlich entstehen würde. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das von der Datei abhängig war. Die szenekundigen Beamten kennen ihre Pappenheimer, und die sind jetzt auch schon in Österreich und der Schweiz. Die Beamten stehen in einem regen Austausch miteinander, sind bestens informiert. Glauben Sie mir, die brauchen die Datei gar nicht, stehen ihr sogar sehr kritisch gegenüber.
    Friedliche Fans müssen sich bei der jetzt anstehenden EM also keine Sorgen machen?
    Das hat mit der Datei nichts zu tun. Ich bin mir sicher, dass man die Datei nicht braucht und auch in der Vergangenheit nicht gebraucht hat. Die szenekundigen Beamten sind erheblich besser informiert.


  • Die Datei
    170 Hooligans aus Hannover gespeichert

    Die Datei „Gewalttäter Sport“ wurde 1994 initiiert. Ein Beschluss der Innenminister-Konferenz rief sie ins Leben. Rechtsgrundlage der sogenannten Verbunddatei: die Polizeigesetze der einzelnen Länder. Das heißt: Jede Polizeibehörde ist für ihre eigenen Daten zuständig und muss diese selbstständig ins System stellen beziehungsweise sie wieder löschen. Geführt wird die Datei jedoch beim Bundeskriminalamt in Wiesbaden. Der Deutsche Fußball-Bund sowie die Vereine haben keinen Zugriff darauf. Nicht jeder geführte Gewalttäter hat gleichzeitig Stadionverbot.
    Bundesweit sind derzeit die Daten von 9700 Hooligans und anderen, bei Sportereignissen auffällig gewordenen Personen gespeichert. Davon 170 aus Hannover. Unterschieden wird in die drei Kategorien: A (friedlich), B (gewaltbereit, gewaltgeneigt) und C (gewaltsuchend). Polizeisprecher Stefan Wittke: „Lassen sich die Gewalttäter fünf Jahre nichts zu Schulden kommen, werden sie aus der Datei gelöscht.“

    bl
True Warriors are Humble Men

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