Politischer Zoff-Thread oder so

  • Wenn Du damit nichts anfangen kannst, ist das Deine Sache. Es fällt mir allerdings schwer zu glauben, dass bei Dir die Regeln der Psychologie außer Kraft gesetzt sind (und das habe ich in den Begriff der Identität implizit mit einbezogen). Aber gut, das würde vielleicht etwas zu weit führen.


    Vielleicht aber doch mal zwei Anmerkungen:


    Dein Haus brennt ab, in dem Deine Familie nicht nur häufig Freunde zu Gast hatte, sondern in dem sich auch fast alle Eure persönlichen Erinnerungsstücke befinden. Würdest Du dann locker mit einem schulterzuckenden "Schade, aber den Menschen in XY geht es viel schlechter als mir" zur Tagesordnung zurückkehren (in dem Wissen, dass Euch wichtige ideelle Werte unwiederbringlich verloren gegangen sind)? Ich schätze, in dem Moment bist Du erstmal mit Deiner direkten Umgebung beschäftigt. Deine Nachbarn, Freunde und Angehörigen sind es ebenfalls (und genau das hilft Dir -- man nennt es Trost). Wahrscheinlich würden sogar die Menschen in XY, denen es in der Tat viel schlechter geht, verstehen, wenn Du ihre Lage, ihr Sterben für den Moment nicht mehr wahrnimmst -- oft haben auch sie vieles von dem verloren, was ihnen Identität gegeben hat. Und damit Halt. Ein Gefühl von Sicherheit und Geborgenheit. Von innerem Frieden. Von Zugehörigkeit zu einer Gemeinschaft mit einer Geschichte. Eben die Dinge, die Herdentiere wie Menschen brauchen, wenn sie nicht verkümmern sollen.


    Selbst wenn sich am Ende herausstellt, dass Teile Deines Hauses stehengeblieben sind und alles wieder aufgebaut werden kannn, und dass der Großteil Deiner persönlichen Gegenstände das Feuer doch überstanden hat: Mindestens für den Moment wird es Dich hart treffen und Deine Gedanken werden fast vollständig darum kreisen. Weil auch ein Teil Deiner Identität in einem ungewissen Zustand war oder sogar verklorengegangen ist.


    Natürlich kann man vieles wieder aufbauen, Notre Dame auch. Natürlich kann man Menschenleben nicht zurückbringen. Vollkommen richtig. Und dennoch bewegt der Verlust hoher ideeller (Sach-)Werte die Menschen zunächst. Gerade das von Dir angeführte Beispiel Zweiter Weltkrieg zeigt, wie sehr die Menschen neben dem Verlust von Angehörigen, Freunden, Nachbarn und Mitmenschen eben auch der Verlust identitätsstiftender Bauwerke und Kunstgegenstände getroffen hat. Sonst hätten sie es sicherlich nicht so zahlreich in ihren Tagebüchern festgehalten und nicht so viel darüber geredet und geschrieben. Obwohl man vieles wieder aufbauen konnte. Aber auch nicht alles -- der fast komplette Verlust der Hannoverschen Altstadt hat meine Großeltern jedenfalls immer bewegt, obwohl es gleichzeitig Kriege gab, obwohl in Afrika Hungersnöte herrschten, obwohl viele furchtbare Dinge auf der Welt geschahen. Ich sehe trotzdem nichts, was ich ihnen an der Stelle vorwerfen kann.


    Wenn Du Dich dennoch moralisch darüber erheben kannst und meinst bestimmen zu können, wer was in solch einem Moment des Schocks "darf" und was nicht, bitte sehr. Ich maße mir das nicht an, an der Stelle über Emotionen von Menschen zu richten.

  • Und dennoch bewegt der Verlust hoher ideeller (Sach-)Werte die Menschen zunächst. Gerade das von Dir angeführte Beispiel Zweiter Weltkrieg zeigt, wie sehr die Menschen neben dem Verlust von Angehörigen, Freunden, Nachbarn und Mitmenschen eben auch der Verlust identitätsstiftender Bauwerke und Kunstgegenstände getroffen hat. Sonst hätten sie es sicherlich nicht so zahlreich in ihren Tagebüchern festgehalten und nicht so viel darüber geredet und geschrieben.

    Leider eben sehr viel mehr als über die Zerstörung der Synagogen 1938; von denen übrigens die meisten nach Kriegsende nicht wieder originalgetreu oder an anderen Standorten (in Hannover z. B. nicht mehr in der Calenberger Neustadt, sondern weiter "randwärts") wiederaufgebaut wurden oder eine Wiederherstellung gar ganz unterblieb.

  • Die einen interessiert dies, die anderen das. Mir persönlich sind auch Menschen wichtiger als Kulturgüter. Sind sie es doch, die diese erschaffen.

    In Westafrika z.B. wird der einzelne, besonders der junge Mensch, als jemand betrachtet, der eventuell noch wichtig für die Menschen sein könnte. Keiner weiß, was sein Werk sein soll. Vielleicht soll er der Ahne eines Weltretter sein.

    Liegt nun aber leider im Mittelmeer, gerad 14 und hat noch kein Kind gezeugt.

    Tja, dumm gelaufen. Aber nein,
    Kulturgüter werden das Retten der Menschheit übernehmen...


    Und wenn ich die Bilderliste bei SPON sehe, die uns die in ihrer Mildtätigkeit sich überbietenden Milliardäre sehe, kommt in mir ein unheimliches Interesse auf, zu erfahren, wer da gerad die Erhöhung der Abzugsfähigkeit von Spenden auf 90% gewünscht hat.

  • Ich finde es ziemlich schräg, irgendwelche Unglücke oder Verbrechen gegeneinander aufwiegen zu wollen.

    Ich schreibe dazu auch nix mehr, sondern bin eher etwas erschüttert ob der impliziten Unterstellung einer gedanklichen Unterlassung.

  • Um nochmal auf den Eindruck zurück zu kommen, dass die Brandkatastrophe übermäßig medial vertreten war: Im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war das anscheinend ja zumindest nicht der Fall. Ich hatte vom Feuer per Handy mitbekommen und wollte, als ich später zu Hause war (gegen 21:30 Uhr), einmal kurz einen Überblick über das Geschehene und den aktuellen Stand bekommen. Das war außerhalb der regulären Nachrichtensendungen bei ARD und ZDF gar nicht möglich. Auch tagesschau24 u.ä. haben keine Sondersendungen im Programm gehabt. Einzig n-tv berichtete über den aktuellen Stand. Fand ich jetzt nicht überzogen viel. Das Gegenteil - also zu wenig Berichterstattung - wurde ja sogar von einigen Journalisten beklagt.

    Dass es in den sozialen Medien abging, ist ja mittlerweile normal, aber das tut es auch, wenn in Görlitz ein Hydrant undicht ist. Daraus kann man keine Schlüsse auf mediale Omnipräsenz von gewissen Themen ziehen.


    Zu meiner persönlichen Stimmungslage: Ja, Montagabend hat mich das emotional berührt. Dienstagmorgen war das aber vorbei. Da hab ich mir gesagt "Ach komm, ist nur ein Gebäude und ähnliche Dinge sind in der Menschheitsgeschichte schon x-mal passiert. Wird sich regeln." Auch das finde ich in Summe angemessen und nicht von verschobenen Maßstäben getrieben.

  • wen es interessiert, Hier ein Bericht über Kritik von Franzosen an der sich überschlagenden Spendierfreudigkeit von diversen Reichen. Natürlich französisch.


    Notre-Dame de Paris: Spenden der großen französischen Vermögen sind umstritten.

    Habe mir nicht die Mühe gemacht, den Übersetzer zu kontrollieren, Kann also etwas "blumig" sein.

    Ich denke, das widerlegt die Annahme vieler, sowie die Hoffnung Macrons, das mit dem Gelbwestenprotest erstmal Ruhe ist wegen Schock.

  • Für mich war das in dem Moment, als ich die Bilder sah, ähnlich den Bildern eines Terroranschlages in großem Ausmaß. 9/11 ist hier als Beispiel unpassend, aber so in die Richtung. Da steht was in Flammen, in unfassbarem Ausmaß und das mitten in Frankreichs Hauptstadt und dazu eines DER Bauwerke in Frankreich. Das ist ein Quervergleich der möglicher Weise auch unpassend wirkt, weil ja keine Menschen gestorben sind, aber diese Erschütterung für die Menschen dort kann ich nachvollziehen.

  • Zu meiner persönlichen Stimmungslage: Ja, Montagabend hat mich das emotional berührt. Dienstagmorgen war das aber vorbei. Da hab ich mir gesagt "Ach komm, ist nur ein Gebäude und ähnliche Dinge sind in der Menschheitsgeschichte schon x-mal passiert. Wird sich regeln." Auch das finde ich in Summe angemessen und nicht von verschobenen Maßstäben getrieben.

    Genauso sehe ich das auch bzw ging es mir.

  • Selenskyi in der Ukraine wäre vergleichbar mit...:grübel:



    ...Hape Kerkeling hier zulande.

    Oder doch eher Böhmermann?

    Oder Pocher?

    Oder Die Partei?

  • Falls noch jemand am Unsinn der Uploadfilter gezweifelt hat: Der Mueller Report ist gemeinfrei und wird u.a. bei Scribd geblockt.

  • Die Repression hält die Gelbwesten nicht auf


    Seit zwei Wochen liegt ein Fokus der Polizei auf Journalisten. Nicht wenige wurden geschlagen, verhaftet und ihr Equipment zerstört. Also Kameras. Kameras wurden mittlerweile auch schon als Waffen definiert.


    Öffentlichkeit soll verhindert werden, Bilder nicht zu sehen sein.


    Gegen einen freien Journalisten, Gaspar Glanz (einer, der u.a zur Benalla-Affaire recherchierte und veröffentlichte) wurde nun bis Oktober faktisch ein Berufsverbot ausgesprochen. Er darf bis dahin nicht mehr bei Demos zugegen sein.

    Anklage wegen Beamtenbeleidigung, worüber im Oktober geurteilt werden soll.


    Was ist passiert?

    Nachdem er von einer Granate getroffen wurde und seine Hose anfing zu brennen, wollte er sich darüber bei einem anwesenden Polizeikommissar beschweren. Andere Polizisten verhinderten dies mit brutalem Wegstoßen (Augenzeugenbericht). Seine wütende Reaktion war das Zeigen des Stinkefingers, was die, mir mittlerweile bekannte, brutale Art der Verhaftung nach sich zog.


    Dann war er verschwunden. 2 Tage irgendwo im Gewahrsam, weder Familie, nach Anwalt wussten, wo er ist. Was ihm dort passierte, ist mir nicht bekannt, ich fand nur Äußerungen wie "äußerst schlecht behandelt."


    Seine Freilassung bis zum Prozess soll mit erheblichen Auflagen verbunden sein, die einem Berufsverbot gleichkommen.


    Nun bin ich gespannt, ob diese Vorfälle bei den Medien etwas bewirken. Zumindest soll es Solidaritätsbekundungen von diversen Redaktionen, sogar einigen eher rechtsorientierten geben.


    (das Sehr brutale Attackieren von mit Presse gekennzeichneten Leuten, besonders mit Kamera, konnte ich am WE im Internet in vielen Filmchen beobachten)


    Außerdem wird berichtet, dass Krankenhäuser verpflichtet sind, Daten der verletzten Demonstranten in einer spezielle Datei zu erfassen, auf die Innen-, Justiz-und Außenministerium Zugriff haben.

    Diese Datei würde mal erfunden, um bei Terroranschlägen besser reagieren zu können.


    Der letzte Punkt heute: Nathalie Loiseau, Spitzenkanditatin der LREM für die Europawahl war mal eine stramme Rechte. In den 80ern kandidiert sie für die neofaschistische Liste ihrer Uni.

    Erklärung heute, sie wollte die pluralistische Landschaft ihrer Uni Stärken.

    Natürlich war sie nie rechts (meine Anmerkung).


    Wie schön muss es sich anfühlen, wenn man auf den Knien, mit erhobenen Händen und nacktem Oberkörper den Lauf der Wumme direkt neben der aufgelegten Hand von dem Polizisten vor sich auf der Brust spürt.


    :kotzen:

  • Falls noch jemand am Unsinn der Uploadfilter gezweifelt hat: Der Mueller Report ist gemeinfrei und wird u.a. bei Scribd geblockt.

    Da kann man sich beim Betreiber beschweren, und vermutlich werden sich solche Missverständnisse schnell aufklären - ansonsten gab und gibt es auch ohne Uploadfikter für Betreiber von Netzseiten die Möglichkeit, unliebsame Beiträge zu löschen. Etwas weniger Hysterie täte der Debatte schon gut.

  • Der hannoversche OB im Fokus bundesweiter Medien.

    Gehört hier rein, weil die Opposition sich sofort in Stellung bringt.

    Gehört jedoch auch in den Thread, "was hat euch heute ein Lächeln ins Gesicht gezaubert".


    So Funny, die Hannover-Connection gerät ins Wanken. :rofl:

    Habe ich etwas verpasst? Gibt es in Niedersachsen einen Generalstaatsanwalt, der gerade aufräumt?

    Erst VW, jetzt die Politiker? Geht das jetzt so weiter? Cool.

    Das kleine Dorf Hannover stemmt sich gegen das Kapital.

    Hätte es früher nicht so gegeben.

    Oder vielleicht sieht man den Sumpf heute deutlicher, dank der IT-Revolution.

  • Der OB kriegte die Info, dass die Staatsanwaltschaft Anklage gegen ihn erhoben hat, beim Geburtstagsempfang für den Altkanzler. Da war die ganze Connection einschl Martin, Klaus Meine usw wieder schön versammelt und schaute betreten drein. Bilder gabs gerade auf N3.