• Nachtrag 2: In der "Kritik der reinen Vernunft" kommt die Frage auch vor, und jetzt habe ich sie endlich gefunden: In der "Transzendentalen Methodenlehre", Zweites Hauptstück: "Der Kanon der reinen Vernunft", "2. Abschnitt: Von dem Ideal des höchsten Gutes". (Gebe das so an, weil meine Ausgabe _nicht_ die Standard-Paginierungen beinhaltet, sondern irgendeine andere.)


    In dieser englischen Ausgabe ist es S. 677 des PDF.

    DVD-Scott, Farrell ist und bleibt Dreck. Wäre Dir dankbar, wenn Du ihn aus diesem Thread raushalten könntest.

  • Grenzen der Vernunft ist doch ein geiler Gesprächsansatz für das nächste Treffen. Und eine deiner Ängste, nämlich die, das sich abzeichnende Niveau deiner Tochter nicht mehr mitdenken zu können, kann dir das fanmag sicher unisono nehmen. Wenn nicht du, wer dann? ;)


    Ich könnte mir aber auch vorstellen, das eine 8jährige sich eher für Papas eigene Meinung interessiert, und sich den Kant für später aufhebt.

  • Dann hätte ich natürlich auf ganzer Linie versagt. Wenn sie mein Geblubber ernst nehmen und die Lust, Dinge richtig zu ergründen und diejenigen zu Lesen, die daran gearbeitet haben, ignoriert.


    Und Kindererziehung regt ja zwangsläufig zur Selbstreflexion an: ich stelle selber gerade - über den Vorfall gestern hinaus - fest, dass ich Kant viel zu lange ignoriert habe. Nur, weil er ein Langweiler ist.


    Aber müsste die Frage nicht lauten: Wie vermittel ich meinem Kind, Interesse vorausgesetzt, dass Kant praktisch das Unmögliche geschafft hat: Was er zu den Dingen gedacht und erarbeitet hat, ist dermaßen stark, dass es niemand von uns nach ihm ernsthaft ignorieren kann? (Übersetzt: Wer zu diesen Themen ernsthaft mitreden möchte, _muss_ wissen, was Kant gemacht hat, ansonsten kann ihn niemand ernst nehmen.)

    Wenn ich das vermitteln könnte, und dabei geht es mir nicht um Kant, sondern um die Relevanz von Philosophie, könnte ich beruhigt den Staffelstab weiter- und den Löffel abgeben.

  • Kann ich gerne machen, dachte nur es passt. Er hat schon einiges geschrieben, diesmal geht es um die Jungenkrise. Ich finde ihn übrigens großartig, von allen die ich aus der Szene kenne ist er am wissenschaftlichsten.

  • Ja, ich verstehe dich und stimme dir dahingehend zu, das es einfacher und wesentlich interessanter ist, wenn die Teilnehmer eines Zwiegesprächs über eine gewisse Vorbildung verfügen. Und wenn deine Tochter sich (jetzt schon) für die theoretischen Grundlagen interssiert ist das unbedingt fördernswert.


    Kommunikationsebenen mit Kindern beinhalten meiner Erfahrung nach aber mehr Ebenen, als den reinen Wissensdurst. Meiner zumindest war (und ist) es wichtig zu verstehen, wie ich warum ticke. Und was ich warum erhoffe.

  • Mach es nicht zu kompliziert, wir sind alle "erwachsen" geworden.


    Damit sie geistig verkümmert und sich mit Erkenntnis-Brosamen zufrieden gibt, wie Juristen, IT-ler und Physiker?

    Nicht, wenn ich es verhindern kann!

  • Sie hat das mit Sicherheit irgendwo aufgeschnappt. Oder hatten Sie in der vlt Schule eine Stunde Religion (glaube in Klasse 2 oder 3 gibt es das noch gar nicht) oder etwas in der Richtung?

    Ab der 1. Klasse, jedenfalls von der Stundentafel her. Es gibt, wie ich eben sah, in Niedersachsem seit kurzem auch die Einführung von "Werte und Normen" erst einmal probeweise in ausgewählten Grundschulen.


    Zudem gibt es die neuere Methode "Philosophieren mit Kindern", auch für fächerübergreifenden Unterricht. Es geht dort darum, die Kinder mit ihren vor dem Hintergrund ihrer eigenen Erlebnis- und Gedankenwelt auf ihrem sprachlichen Niveau phiolosophische Fragestellungen selbständig durchdenken zu lassen.


    http://www.philosophieren-mit-kindern.de/


    https://de.wikipedia.org/wiki/Philosophieren_mit_Kindern

  • Ich frage meinen heute mal (auch 8 und 2. Klasse), ob die eigentlich sowas wie Religion oder Werte und Normen in der Schule behandeln. Finde ich jetzt doch irgendwie interessant.

  • Also ich nicht. Meine Kinder aber auch nicht. :D


    Im Fußball kann ich ganz gut mit dem Großen disktuieren, das macht mittlerweile sogar Spaß. :)

  • Muss man ja nicht sein. Bin ich ja auch nicht. (Wobei ich lustigerweise seit ein paar Wochen relativ dicht dran an Kant bin, allerdings an den Erkenntnistheoretischen Inhalten. Mit dieser Frage und mit Kants Verhältnis zu Religion, und derart ist sie tatsächlich bei ihm gerahmt, hatte ich mich überhaupt nicht beschäftigt.)


    Generell stellt sich dennoch die Frage, wie man mit sowas umgeht. Und die ist spannend. Und da - nach Kant - jeder vernunftbegabt ist, ist es auch - auch ohne Kant-Kenntnisse - generell für jeden möglich, vernünftig damit umzugehen.


    Mich interessiert hier von daher _jegliche_ Elternerfahrung damit. Und ich finde es spannend, dass insbesondere die ersten Reaktionen genau widerspiegelten, wie ich spontan auch reagiert hatte. Um so vielversprechender finde ich es, das hier zur Diskussion zu stellen.


    EDIT: Dahl würde ich gerne dasselbe sagen, wie DVD-Scott, nur mit mehr Nachdruck und unfreundlicher. Ich verzichte um des Forums-Frieden Wille.


    Auch sollten wir wahrscheinlich einen weiten Bogen darum machen, was ich in Bezug auf diese Themen mittelbar über die Lehrer gehört habe. Ehrlicher wäre ein Lehrer, wie Wittgenstein es war, als er an der Schule unterrichtete, nachdem er mit seinem Tractatus Philosophie "endgültig geklärt" hatte. Er hat jeden Schüler, der eine im Ansatz philosophische Frage stellte, geohrfeigt.

  • Ich habe nun keine Elternerfahrung. Aber kluge und gescheite Nichten und Neffen. Für mich waren solche Fragen immer der Beginn eines wunderbaren Gesprächs. Der Inhalt oder die Erkenntnis stand dabei nicht so sehr im Vordergrund. Sondern ich habe immer versucht, sie anzuregen an einem Gedanken dranzubleiben und diesen weiterzuentwickeln.

  • Ich denke schon, der Schlüssel ist, das ganze relevant zu machen. Sonst wird es Sophisterei.


    Um so dringender wäre es, rauszufinden, wie sie auf den Gedanken gekommen ist (und es war garantiert nicht die Schule, die ist Achtjährig, da kommt Kant nicht vor), allerdings darf ich sie ja auch nicht unter Einsatz geeigneter Methoden verhören.

  • Vielleicht ist sie tatsächlich Kants Reinkarnation - und wird zu deiner philosophischen Geißel ;)


    +1 für das Mettbrötchen. Das Fördern des eigene Gedanken Entwickelns ist bei mir zu Hause höher notiert, als das Stúdieren der Philisophen. Dies ist der zweite Schritt für jemanden, dessen Interesse über Gedankenspiele hinausgeht.


    Ich bin aber offiziell "impressed" von der Frage - das wollte ich nochmal festhalten.

  • Schön, wenn Sozialisation sowas ermöglicht.


    Mein Mann ist gerad ziemlich verzweifelt, weil seine Tochter wohl ausgeprägten Neid auf ihre Freundinnen, mit denen sie letztes Jahr noch zur Schule ging zeigt.


    Sie ist derzeit die einzige von vieren, die dies noch tut. Die anderen sind mittlerweile verheiratet und die erste schwanger.

    Mein Mann weiß nicht, was er machen soll und überlegt, sie mit einem 16-jährigen, der ihm genehm ist und dem er noch was sagen kann, zu verloben, damit sie Ruhe gibt und weiter zur Schule geht.


    Ja, sie möchte auch erwachsen sein und als reines Schulkind bist du eben nur Kind.

    Philosophie ist da eher uninteressant :(

  • Relevanz, Relevanz, Relevanz.


    Ist natürlich schwierig, den Wert von Bildung zu behaupten in einer Welt, die gerade für Frauen andere Rollenmuster vorsieht und die eh nicht gerade ein Überangebot an Möglichkeiten für junge Menschen bereithält.

  • Ich war gestern mit meinem Sohn (5) auf dem Spielplatz einer Grundschule. Als er in einen hölzernen Understand reinkriecht, stellt er erfreut fest, dass jemand etwas an die Innenwände geschrieben hat. Da er sich zur Zeit des Lesens bemächtigen möchte, die Botschaften aber nicht zu entziffern vermochte, hat er für mich also buchstabiert: "A, C, A, B. Das ist ja ein komisches Wort." Mir ging der berühme Arsch auf Grundeis. Glücklicherweise ist er am danebenstehenden "Bullenschweine" ebenfalls noch gescheitert.