• Eben im ZDF Hertha - Frankfurt gesehen. Der Kommentator meinte zum 1:0, es sei ein elfmeterwürdiges Foul gewesen, der Schiedsrichter habe aber - korrekt - Vorteil gegeben. Beim Torschuss lag der gefoulte Spieler nun im Abseits und dem Torwart im Weg. Der Kommentator stellte deshalb in den Raum, dass dies eine aktive Abseitsposition und das Tor somit irregulär sei, war sich aber nach meinem Eindruck nicht sicher, wie dieser Fall zu bewerten sei.


    Ich kann nach einem Blick ins Regelwerk des DFB hier keine strafbare Abseitsstellung und somit keine Irregularität erkennen. Regel 11 Nr. 2. nennt die Voraussetzungen, dass ein Abseits strafbar ist. Keiner der Punkte war m.E. erfüllt:


    - "durch Spielen oder Berühren des Balles [...] ins Spiel eingreift" (-)
    - "einen Gegner beeinflusst, [...], indem er ihm eindeutig die Sicht versperrt" (-)
    - "einen Gegner beeinflusst, indem er den Gegner angreift [...]" (-)
    - "einen Gegner beeinflusst, indem er eindeutig versucht, den Ball in seiner Nähe zu spielen [...]" (-)
    - "einen Gegner beeinflusst, indem er eindeutig aktiv wird [...]" (-)
    - "sich einen Vorteil verschafft, [...], wenn der Ball von einem Torpfosten [...] zurückprallt [...], absichtlich von einem Gegner abgewehrt wurde." (-)


    Fazit: Bloßes Im-Weg-Rumliegen begründet kein strafbares Abseits. Es handelt sich somit um ein reguläres Tor. Oder wissen die Regelexperten hier anderes?


    Nachzulesen auf: http://www.dfb.de/fileadmin/_d…lregeln_2016_2017_WEB.PDF , S. 57 + 58.


    Edit: Ich muss also noch nicht einmal berücksichtigen, dass der Spieler nicht aus eigenen Stücken im Weg lag, sondern aufgrund eines Fouls.

  • "einen Gegner beeinflusst, indem er eindeutig aktiv wird [...]"
    Dieser Passus bietet ja großen Interpretationsspielraum. Man könnte jetzt diskutieren, ob ein Spieler dadurch aktiv wird, dass er den Torwart behindert....


    Aber mal was ganz anderes zu obigem Punkt: Hätte man hiermit nicht eine Handhabe, einen Freistoß abzupfeiffen, bei dem in der Mauer zig Spieler ins Abseits laufen, aber der der dann aus diesem Pulk heraus an den Ball kommt, nicht im Abseits war!? Aus meiner Sicht, wird ein Spieler, der sich bei einem Freistoß in die Mauer stellt, in jedem Fall aktiv, sobald er sich Richtung Tor bewegt.

  • Ich hatte es ja gestern schon im CL-Thread angemerkt: Das 1:0 für Real hat mich mal wieder massiv aufgeregt. Ronaldo steht bei der Flanke 1m im Abseits und zwingt die Verteidigung von Atletico dadurch zur eher verunglückten Kopfballabwehr. Nur dadurch kommt Real wieder an den Ball und nur dadurch kann Ronaldo kurz darauf treffen. Treffer zählt dann aber, weil es eine neue Spielsituation ist. Dass diese nur entstehen konnte, weil vorher jemand im Abseits stand, ist dann vollkommen irrelevant. Das kann es doch nicht sein.

  • Kann man meiner Meinung aber so durchgehen lassen. Würde CR7 bei der ersten Flanke in den Luftkampf eingreifen,pfeift der Assi es ab. So steht er halt 1-2 Meter weg,und greift nicht ein.


    Regeltechnisch also ok. Verstehe aber was du meinst. Ich habe mich bei der EM 2004 über eine ähnliche Szene,bei der Ruud van Nistelrooy auch erst (10 Meter) im passiven Abseits stand ähnlich aufgeregt.


    Ich würde meinen Assistenten in der Sache loben,wenn ich nach den Fernsehbildern gesehen hätte,wie die Situation abgelaufen ist.

  • Ja, regeltechnisch vollkommen ok und gestern keine Fehlentscheidung. Mich stört halt, dass sowas ok ist.

  • Endlich sagt es mal jemand. Wenn ich mich richtig erinnere, deutet Ronaldo sogar ein Hochspringen an. Definitiv bindet er (mindestens einen) Abwehrspieler. Der Kommentar in der Hz war sinngemäßg, dass er den Abwehrspieler nicht behindert hätte.... Aber mMn bindet er ihn eben.
    Darum dürfte es aus meiner Sicht bei einem Freistoß bei Spielern in der Mauer kein passiv geben. Woher wollen die Abwehrspieler wissen, wer zum Ball geht?

  • Bin da voll und ganz bei sasa, mir ist das passive Abseits viel zu schwammig und die Schiedsrichter haben da in meinen Augen zu viel Interpretationsspielraum.
    Finde eine Abseitsregelung wie z.B. beim Eishockey sauberer. Speziell bei 2. Bällen nach einer Standardsituation, wo 15 Spieler rausrücken und einer reinläuft sind doch meistens kaum und mit bloßem Auge zu sehen. Sobald da einer der angreifenden Mannschaft im Abseits steht wäre ich für einen Pfiff.


    Ist natürlich nicht die Intension des Spiels, da alle Verbände etc. ja mehr Tore wollen und Aufreger die Woche zum nächsten Wochenende füllen, aber es würde eine klarere Abgrenzung geben.

  • Obwohl es für die Schiris und Assistenten sicher einfächer wäre,wenn das passive Abseits wieder abgeschafft werden würde,finde ich die Regel schon in Ordnung.


    Ohne Frage führt sie immer wieder zu Diskussionen,von denen der Fussball allerdings auch lebt,wie hier schon geschrieben wurde. Kann man meiner Meinung so lassen die Regel.

  • Gegen die Regel an sich habe ich auch nichts. Allerdings wäre ich für eine schäfere Fassung von "passiv". Wenn da irgendwo ein Spieler rumsteht, den nicht mal die Abwehr bemerkt hat und der sich nicht einmischt, ist das ok. Aber Ronaldo nimmt klar Einfluß aufs Spiel. Er ist der Grund dafür, dass die Verteidiger von Atletico überhaupt eingreifen müssen. Also ist das alles andere als passiv.

  • Wo bindet Ronaldo denn bitte einen Abwehrspieler? Ronaldo war klar HINTER dem Abwehrspieler, der vollkommen unbedrängt den Ball wegköpfen konnte (was er ja auch ohne Ronaldo so gemacht hätte). Vollkommen ok die Situation. Wäre Ronaldo jetzt aktiv in den Zweikampf gegangen, ok. Da könnte ich das Ganze ja verstehen. Aber Ronaldo war locker einen halben Meter vom Abwehrspieler weg, dessen Aufgabe es so oder so ist, bei einer Flanke den Ball zu klären.


    Edit: sasa, was hätten die Abwehrspieler denn deiner Meinung nach ansonsten gemacht? Die Flanke einfach in den 16er fallen lassen? Und dann per Fuß klären?

    Einmal editiert, zuletzt von FeelmyPain ()

  • Steht hinter den Abwehrspielern kein Gegenspieler, kann man die Flanke ins Aus gehen lassen oder der Torwart nimmt sich den Ball weiter hinten im Strafraum. Mir ist durchaus bewusst, dass es immer noch möglich ist, dass ein Abwehrspieler rein instinktiv auch ohne Gegenspieler den Ball einfach weg köpft, es muss aber nun mal nicht zwingend so passieren, wenn da weit und breit kein Spieler von Madrid steht. Und da die Flanke nunmal eindeutig auf den sich im Abseits befindlichen Ronaldo gespielt wurde, ist er in meinen Augen eben auch eindeutig aktiv an der Spielsituation beteiligt.

  • Tjoa, bloß stand hinter Ronaldo dann noch Varane, der auch hätte aktiv eingreifen können. Somit ist die Situation, die du beschreibst, nicht gegeben.

  • Die Situation vor dem 1:0 ist extrem eng und sehr schwer zu bewerten. In meinen Augen gibt es da wesentlich klarere Szenen, in den passiv abgepfiffen werden muss.
    Ich kann hier beide Seiten verstehen, denn der Abwehrspieler hätte mit 100% Sicherheit genauso geklärt, auch wenn Ronaldo nicht im Abseits gewesen wäre, da war ja noch Varane, aber er war halt auch der Zielspieler bei der Flanke und für mich sollte man halt als Zielspieler nicht im Abseits stehen dürfen, auch wenn man nicht wirklich aktiv eingreift. Die Flanke sollte auf ihn kommen und der Verteidiger unterbindet es und hat somit einen Nachteil, als wenn er ihn einfach durchlässt und es abgepfiffen werden muss.

  • Exakt. Wie gesagt, ich will auch gar nicht diskutieren, dass das eventuell gestern hätte gepfiffen werden sollen. Mir geht es nur darum, dass ich mir für die Zukunft einen anderen Umgang mit solchen Situationen wünschen würde.

  • Eine Frage, auf die ich gekommen bin, als der kroatische Torwart kurz vorm Ende der regulären Spielzeit behandelt wurde:


    Es läuft ein Spiel in einem Wettbewerb, der bei Verlängerung die Möglichkeit der vierten Auswechslung vorsieht. In der regulären Spielzeit hat eine Mannschaft bereits dreimal gewechselt, als sich ein Spieler so schwer verletzt, dass er ausscheiden muss. Bis zum Ablauf der regulären Spielzeit muss die Mannschaft also zu zehnt weiterspielen. Nun ist mit Abpfiff noch nicht die erforderliche Entscheidung gefallen, sodass das Spiel in die Verlängerung geht.


    Frage: Darf nun ein Spieler für den in der regulären Spielzeit verletzt ausgeschiedenen Spieler eingewechselt, also wieder auf elf Spieler aufgefüllt werden, oder muss ein anderer Spieler ausgewechselt werden, damit der neue rein kann, sodass es bei zehn Spielern bleibt?

  • Da der erste "offiziell" noch im Spiel ist, dürfte es kein Problem sein, den vierten mit oder nach Beginn der Verlängerung für ihn einzuwechseln. Einfach eine längere Behandlungspause, die ja öfters vorkommt, z.b. bei Rudy gegen Schweden. In Deinem Fall erstreckt sie sich eben über Schlusspfiff und Wiederanpfiff.
    Alles andre würde mich schwer wundern, selbst bei Der Fifa.

  • Ich denke, dass das Los darüber entscheidet, welcher Spieler ersetzt werden darf, wenn die Fairplaywertung keinen Aufschluss darüber gibt (z.B. alle Spieler mit einer Gelben Karte verwarnt).

  • Einfach eine längere Behandlungspause, die ja öfters vorkommt, z.b. bei Rudy gegen Schweden. In Deinem Fall erstreckt sie sich eben über Schlusspfiff und Wiederanpfiff.


    Ja, aber was, wenn es wie in dem konkreten Beispiel um den Torwart geht? Denn kann man ja schlecht über fünf Minuten am Spielfeldrand behandeln.

  • Der Schiedsrichterauskenner Collinas Erben hatte auf genau diese Frage geantwortet, dass es möglich wäre, einen Feldspieler ins Tor zu stellen und dann zur Verlängerung diesen wieder ins Feld zu bringen und den Ersatztorhüter einzuwechseln.


    (Link zu twitter.com)

  • Richtig. Den Torwart zu wechseln (unter den 11 aktiver Spielern) ist jederzeit in einer Spielruhe erlaubt.