Verkehrssituation in und um Hannover

  • Das der Zeitpunkt schlecht ist ist mir klar, geht aber nicht anders, da das Kind Fußball gucken will. Und ICE kostet 58€ die einfache Strecke, hätte ich sonst auch gewählt.

  • Dafür kostet doch aber das Kind im Zug nichts. Und das Auto kostet auf einfacher Strecke auch schon mindestens die Hälfte. Und geparkt hat man dann z.B. noch nicht. Zur alten Försterei würde ich mit dem Auto freitags mit 3,5 bis 4 Stunden planen. Dann darf aber kein größeres Problem entstehen. Flixtrain fährt um 11 Uhr und kostet nur 30 Euro einfache Strecke. Ist aber wahrscheinlich zu früh?!

  • Der ICE fährt derzeit wegen Bauarbeiten auch auf der IC Strecke und braucht 2h, und in Köpenick bist Du dann auch lange noch nicht. Aber um Köpenick herum ist echt Horror im Berufsverkehr, ich würde auch zur Bahn tendieren.

  • Letzte Woche habe ich vom "dutch reach" gelesen, was tatsächlich in der Süddeutschen aufgegriffen wurde: Mit dem niederländischen Griff können Unfälle vermieden werden, die durch das Aufmachen der Autotür entstehen können. Noch besser ist halt nur noch, den Radweg so zu planen, daß man gar nicht erst in die "dooring zone" gerät.Unfallursachen und -risiken systematisch senken. Radfahren angenehm machen. Eine angenehme und sichere Angelegenheit nicht nur für Fahrradfreaks, sondern für Jedermann zwischen 8 und 88.


    You're welcome! Möge sich die Idee noch weiter herumsprechen :)

  • Auweia. Sorry.


    (Vielleicht deshalb überlesen, weil es für mich nur indirekt relevant ist, da ich ja eher "Opfer" bin. Oder weil ich ein alter vergesslicher Oppa bin.)

  • Nix sorry. Weitererzählen, das Ding. Eine nützliche Kleinigkeit, bei der jeder Fahrer und Beifahrer mitmachen kann.


    Aber wo Du schon zum zweiten Mal in kurzer Zeit den Helm erwähnst: Ich kann den Aspekt des Sicherheitsgefühls absolut nachvollziehen. Emotional nachvollziehen. Mein Sicherheitsbedürfnis wird mit dem Alter immer größer. Mein Risikobedürfnis oder meine Risikofreude nimmt genauso ab. Wenn ich zum Beispiel daran zurückdenke, wie ich als Jungspund Kurven genommen habe, ohne wissen zu können, was da hinter der Kurve sein könnte... Das mache ich nicht mehr. Obwohl ich keine schlechte Erfahrung gemacht habe. Die Vorstellung, es könnte eine schlechte Erfahrung kommen, reicht mir inzwischen bereits. Ich mache mir inzwischen auch mehr Gedanken, wenn ich mir das Knie irgendwo stoße, als das mit 17 der Fall war. Weil der Schmerz nicht mehr unbedingt nach zwei Minuten weggeht, sondern mitunter erst nach zwei Tagen. Alter, Gebrechen, Verfall ;) Die Idee vielleicht mit Helm zu fahren, spricht meine Gefühlsebene entsprechend mittlerweile mehr an als damals. So eine Kopfversicherung, das wär doch was.


    Neben der emotionalen Ebene gibt es aber auch die rationale. Und ich möchte eindringlich davor warnen den Eindruck zu erzeugen, die Helmfrage verhielte sich binär zu sterben-leben oder verletzt-unverletzt bleiben. Das kann ein Fahrradhelm konstruktionsbedingt nicht leisten. Die Prämisse ist seit jeher, daß diese Art von Kopfschutz leicht sein soll, belüftet sein soll und nur einen Teil des Kopfes abdecken soll. Die 300 Gramm- bzw. 1,5 cm-Schalen-Kategorie kann bei der Frage nach Leben oder Tod nicht weiterhelfen.


    Ein Fahrradhelm könne noch nicht einmal eine Gehirnerschütterung vermeiden. Das ist die Kernaussage eines Dudes in einem einstündigen Podcast der Sendereihe The Spokesman. Ja, leider auf Englisch. Der Mann arbeitet bei ASTM, das ist das amerikanische Pendant für das Deutsche Institut für Normierung. Er testet unabhängig Sporthelme dahingehend, ob sie die Normen erfüllen. Er sagt, Gehirnerschütterungen oder allgemeiner Gehirnverletzungen seien das schlimmste, was einem passieren könne. Und (derzeitige) Fahrradhelme können diese nicht verhindern. Obwohl sie die Norm erfüllen. Sie können nur vor kleinen Verletzungen schützen, vor Schrammen.


    Wer mehr Schutz will, muß sich mehr Helm aufsetzen. Motorradhelme sind ein anderer Schnack. Leider plaudern die beiden in dem Podcast nicht über die Norm NTA 8776, die gerade für S-Pedelecs in der Gesetzgebungspipeline ist. Hätte mich interessiert zu erfahren, was die besser können und was nicht.


    Ich fühle mit Dir in der Trauer und Erschütterung, weil jemand aus Deinem Umfeld neulich gestorben ist. Ich finde nicht die richtigen Worte für derartige Unglücke. Sie können das Herz zerreißen.


    Aber bitte mute dem kleinen Styroporhut nicht zu viel zu. Sicherheit hängt offenbar von anderen Faktoren ab. Jede Helmdebatte ist eigentlich bereits ein Ablenkungsmanöver, weil es auf die (potentiellen) Unfallursachen ankommt. Diese gilt es zu reduzieren. Und wenn die beispielsweise die Zahl schwedischer Kinder schlagartig abnimmt, die mit dem Rad zur Schule kommen, zeitgleich mit der ersten Helmkapagne in den späten 80ern, dann ist die Helmkampagne bereits Murks. Weil die Kiddies dann eben mit dem Auto gebracht werden. Weil's Radeln ja offenbar so gefährlich sein soll. Was nicht stimmt. Es ist vergleichbar mit zu Fuß gehen. Obwohl auch Fußgänger im Straßenverkehr sterben. Radfahren als Verkehrsmittel an sich ist sicher. Man wird mit schlechter Infrastruktur in gefährliche und auch nur in unbequeme Situationen getrieben. Das ließe sich ändern. Aber das dauert so schrecklich lange und stößt auf erstaunlich viel Widerstand. Wir brauchen keine Helmkampagnen, auch nicht welche mit Hosen, sondern wir brauchen Fahrradkampagnen. Die Gesundheitseffekte überwiegen das Risiko um ein Vielfaches.

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  • Pokalheld, vielen Dank für deine guten Ausführungen und die vielen Links.


    Fahrradkampagne ist eine gute Idee. Mit Scheuer wird das aber eher nix. Vielleicht sollten wir einen Dänen oder einen Holländer zum Verkehrsminister machen?


    (Mein Helmtragen wirst du mir aber mit sowas wie Fakten und Statistiken aber nicht abgewöhnen können. Da bin ich zu emotional/irrational.)

  • Ich möchte keiner Einzelperson den Helm abgewöhnen. Das soll, kann und darf um Glück jeder für sich entscheiden. Ich möchte, daß Radfahren fair behandelt wird. Da läuft seit 25 Jahren eine Angstmacherkampagne. Ginge es den dafür Verantwortlichen tatsächlich um Sicherheit, würden sie entweder die Gefahrenquellen angehen oder sie würden wenigstens Helme für alle Lebenslagen empfehlen. Für Fußgänger. Wie viele stürzen böse auf Treppen? Keine Scherzfrage, es gibt viele Treppenunfälle. Ahmet Ertegün ist daran gestorben, Gunther Gabriel ist daran gestorben, Helmut Kohl verletzte sich schwer dabei. Wo sind die Helmkampagnen für Autofahrer, sie erleiden mehr schwere Kopfverletzungen als Radfahrer, trotz Airbag, trotz Gurt, trotz Knautschzone. Marcel Wüst war Radrennfahrer, hatte bei einem Rennen einen schweren Unfall, und setzt sich nun für Fahrradhelme ein. Ich rede aber nicht von Radsport, sondern von Stadtverkehr. Mit derselben Logik müßten alle Autofahrer Helme tragen, bei der Formel 1 tun sie es schließlich auch. Es gibt jedes Jahr 500 tödliche Badeunfälle. Wo ist die Schwimmflügelpflicht? Es wird nicht einmal über das Schwimmen gesprochen. Kein Wort. Wieso wird ausgerechnet so viel an Radfahrern und zum Teil sogar an Fußgängern gequengelt, welches Equipment sie anlegen sollen? Was nachweislich nur wenig bringt? Da stimmt doch was nicht.


    Es gibt bereits Fahrradkampagnen. In Osnabrück macht das die Stadt zum Beispiel, die haben immer wieder große Plakataktionen. Plakate aufhängen ist allerdings auch leichter als Radwege zu bauen. Oder leichter als Tempo 30 einzuführen auf schmalen Straßen mit gestricheltem Scherzstreifen, auf denen 50 an Wahnsinn grenzt.


    Die jüngste Helmkampagne wurde veröffentlicht auf der Seite runtervomgas.de, da hätte ich einen ganz anderen Themenschwerpunkt erwartet. Stattdessen diese Ablenkungskampagne. Auch die Reaktionen darauf entfernten sich immer mehr vom eigentlichen Thema. Plötzlich ging es um nackte Haut, Sexismus, Modelmaße und Heidi Klums Fernsehsendung? Nein, es geht um Verkehrssicherheit und die Verkehrswende. Mehrdimensional ärgerlich. So steckt man jeder Fahrradkampagne einen Stock in die Speichen.


    Wenn mittlerweile sogar Warnwesten bereits für Passanten ebenfalls promotet werden, etwa von der Verkehrswacht und in praktisch jeder Lokalzeitung, dann wird klar, daß der Weg zu einem menschlichen Stadtverkehr noch weit und steinig ist. Es wird immer noch versucht das Auto zu verteidigen. Was diesem im Wege steht, soll weg. Es gibt immer noch zu viele, die denken, mit breiteren Straßen gäbe es weniger Stau und mit mehr Parkplätzen gäbe es weniger Probleme. Was nachweislich sachlich falsch ist. Das ist die Dieter Nuhr-Logik (Kabarett, das nach unten tritt und nach oben buckelt, ist komisch, aber im Sinne von seltsam. Das Fahrrad lächerlich machen und auf eine ominöse Zukunftstechnik hoffen, bravo. Die Hälfte aller innerstädtisch zurückgelegten Strecken sind kürzer als 5 km. Um die geht es. Dafür sollen wir auf autonomes Fahren, Hyperloops, Raumschiffshuttles warten oder was. Nein, wir brauchen keine Raketentechnik und wir können auch nicht weitere 30 Jahre warten. Wir brauchen einfache, praktische, bezahlbare, gerechte Lösungen, am besten gestern. Wer glaubt, heute noch was Gescheites von Dieter Nuhr hören zu können, der hält Mario Barths Verfilmung des Schwarzbuchs des Bundes der Steuerzahler auch für Verbraucherfernsehen). Doch: Wer Autos fördert, wird mehr Autos kriegen. Also mehr Stau. Ob die dann mit Diesel oder mit Strom laufen, ist in dem Kontext wurscht. Wer ÖPNV fördert, kriegt mehr ÖPNV. Wer Radverkehr fördert, der kriegt mehr Radverkehr.


    Ich will, daß man damit aufhört, die schwächsten Verkehrsteilnehmer autofreundlich zu gestalten. Ich will, daß das victim blaming aufhört. Dieses herumkritteln, wenn was passiert, dann hätte das Opfer selbst schuld, weil es ja 'n Helm, 'n Reflektor oder 'n Blinklämpchen, 'n Glöckchen am Schuh oder 'ne Hasenpfote in der Tasche tragen können. Es hätte am besten selbst in einem Auto gesessen. In einem SUV. Die sind sicherer. Sicherer vielleicht für die Insassen, aber nicht für die Außenstehenden. Wie viele haben im Winter nicht richtig die Scheiben freigekratzt? Wie viele daddeln mit Whatsapp am Steuer? Wie viele drücken mal eben kurz aufs Gas? Wie viele parken falsch? Wie viele lassen nicht genug Überholabstand? Wie viele haben ein zu großes Auto für die Stadt? Wie viele Hersteller werben mit toller Schallisolierung, damit man von der Umgebung bloß nichts mitkriegt? Aber es ist immer der Radfahrer, der sich optimieren soll. 25 Jahre läuft das schon, und es treibt solche Blüten: Fotograf des Münchener Merkur weigert sich, unbehelmte Radfahrer zu fotografieren. Sein Kollege erklärt in einer Kolumne, warum das gut so ist. Das ist unfaßbar. Das ist wie religiös verblendet. Sich so verbissen für eine vermeintlich gute Sache eingesetzt und dann so grandios falsch abgebogen.


    Nein, mit einem CSU-Verkehrsminister wird das nichts. Der steht woanders im Wort. Mit CDU und FDP wird das auch nichts, das zeigte die jüngste Verkehrsministerkonferenz. Die stehen auf der Bremse. Daß es die anderen Parteien besser machen, will ich damit nicht gesagt haben. Die Holländer und Dänen bieten auf kommunaler Ebene pausenlos ihre Dienste an. Die laden Leute aus aller Welt ein, um ihnen das beste Fahrradwegemodell zeigen. Ohne Gebühren. Und mal kucken, was die Radentscheide ausrichten können, die gerade wie Pilze aus dem Boden schießen.

  • Da ja so gerne über Bund, Baumaßnahmen und die Bahn gemeckert wird, muss ich hier mal sagen, wie begeistert ich bisher über die Arbeiten an der Königstraße bin. Das lief im Oktober schon sehr sauber und anscheinend tut es das jetzt auch wieder. Gut organisiert und bisher voll im Zeitplan. Wenn ich was kritisieren könnte, dann höchstens, dass auf der aktuell ziemlich überlasteten Strecke der Stadtbahnen 3 und 7 tatsächlich regelmäßig Bahnen mit nur zwei Waggons fahren.


    Zitat

    Das lief wie geschmiert. Auf mit Teflon beschichteten und zusätzlich eingefetteten Stahlträgern haben Bauarbeiter am Wochenende das erste von zwei tonnenschweren Teilen der neuen Gleisbrücke über die Königstraße an ihren Bestimmungsort gebracht. Die Bahn ist damit bei der Restaurierung der fast 140 Jahre alten Brücke voll im Zeitplan, wie Projektleiter Matthias Michaelis am Montag sagt. „Am 15. April um 4 Uhr morgens schalten wir alles auf Grün – dann fahren da die ersten Züge drauf.“

  • Ich bin erst gestern mit 3 oder 7 in die Stadt und zurück gefahren. Überfüllt empfand ich die nicht. Gegen 14:00 hin, da war selbst am Waterloo noch genügend Sitzplatz für meine zugestiegene. Und auf dem Heimweg konnten wir sitzen ohne vorher drängeln zu müssen. Mit mehr Waggons könnte es schwierig werden, dass alle Türen noch am Bahnsteig sind.

  • Jeder Bahnsteig ist für drei Waggons ausgelegt, denn das ist ja auch sonst eine übliche Konfiguration. Um 14 Uhr müssen da auch keine drei Waggons fahren, aber im Berufsverkehr bitte schon. Da ist es nämlich voll (wenn auch nicht katastrophal voll, da ja Ferien sind). Und ich sagte ja selbst, dass das ein Punkt ist, den ich kritisieren könnte, wenn ich denn unbedingt was kritisieren wollte.

  • Ausgerechnet "meine" Städte schneiden am besten ab - in Bremen und in Karlsruhe hatte ich ja eine zeitlang gewohnt.


    In Hannover wird einem das Fahrradfahren leider durch manche Hürden wirklich vermiest. Ich glaube, ich muss mal ein paar Fotos machen, über die man lachen und weinen könnte. Und ich habe außer in Hannover noch an keinem Radweg ein Schild gesehen, das vor der Gefahr durch schlechte Autofahrer warnt.

  • In der Fahrradklima-Umfrage, um die es im verlinkten Text geht, wird jede Stadt zurecht und alle zwei Jahre wieder grandios abgewatscht. Die zweitbeste Stadt in seiner Größenkategorie zu sein, ist nett. Ein "doch nicht so schlimm" geht mir deswegen nicht über die Tasten. Hannover bekam eine 3,8 nach Schulnotensystem. Zwei Jahre zuvor eine 3,6. 2014 eine 3,4. 2012 eine 3,5.


    https://www.fahrradklima-test.de/

    https://www.fahrradklima-test.de/karte

    https://www.adfc.de/artikel/fa…lichkeit-nur-ausreichend/

  • Mag ja wenig repräsentativ sein, aber ich habe letztens von einem niederländischen Fahrradhersteller gelesen, der selbst unfassbar viel Fahrrad fährt und das schon auf der ganzen Welt getan hat. Für den ist Berlin die mit großem Abstand fahrradfreundlichste Stadt der Welt.

  • Über einen Link würde ich mich freuen.


    Edit nach eigener erfolgloser Suche: Du meinst aber nicht einen niederländischen Hersteller wie vanmoof, der in Berlin eine Niederlassung eröffnet hat, oder? Wenn doch: Unser neuer Sportdirektor wird Hannover im allgemeinen und 96 im besonderen ebenfalls ganz toll finden. Das hätte dann bloß nicht viel zu bedeuten. Es wäre Marketing.

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