Beiträge von ExilRoter

    SVElfe, danke für die Klarstellung.


    Ich sehe da keinen Sachverhalt, der alternativlos wäre, wenn man über andere Verkehrslösungen für die Innenstädte redet. Ob das dann unter ÖPNV fällt oder einen anderen Namen hat, ist eine andere Sache, aber eher Nebensache, finde ich.

    Das ist alles so herrlich unkonkret. Auch deswegen sehe ich das komplett anders.


    Aber es wäre ein klein bisschen ein Themenwechsel und zudem auch ziemlich düster, das im Einzelnen durchzuspielen, und ich wollte doch hier eine Lösung diskutieren, bzw. zumindest diskutieren, was man besser machen könnte. (Z.B. Problemdefinition.) Deswegen sollten wir die Diskussion in den Wolf verlegen, bei Gelegenheit. Oder an einen anderen Ort.


    Aber aufgeben ist keine Option. Für mich. Außerdem fände ich es auch stinklangweilig und faul. Dieses Homo Sapiens-Viech ist immer wieder für Überraschungen gut, sachichmal. Pauschal abschreiben kann man was Lernfähiges nicht, das wäre Überschätzung des eigenen Intellekts/Urteils.

    Ich sehe keinen sich abzeichnenden Zusammenbruch. Wodurch sollte der Zustande kommen? Funktioniert der Moloch im Chaos nicht sogar besser, als in geordneten Verhältnissen?


    Die Krise 2008ff. wäre eigentlich ein Zusammenbruch des Wirtschaftssystems gewesen. Aber es ist halt nicht nur ein Wirtschaftssystem.


    Diese Resignation steht bei mir im Verdacht, entweder eine Erlösungsphantasie oder eine Bestrafungsphantasie zu sein. Ich halte sie in jedem Fall für illusorisch: Weder wird irgendjemand eine "Stunde Null" geschenkt bekommen, noch wird irgendjemand zur Rechenschaft gezogen. Entweder, wir kriegen die Matrix in den Griff oder sie läuft weiter.

    Ahso. Ich las aus Deinem Beitrag beim Überfliegen fälschlicherweise Resignation raus und habe Dich damit genau mißverstanden. Vielleicht bin ich mit meinen Ansichten doch nicht ganz so alleine, wie ich oftmals den Eindruck habe.

    Du hast recht, aber will/kann der einzelne Bürger das leisten?

    Scheißegal, das ist doch gerade mein Punkt.


    Wie ist die Produktionsseite dazu zu bewegen wäre schon eher eine sinnvolle Frage, aus meiner Perspektive.


    EDIT: Gegen Forken und Fackeln habe ich gar nichts gesagt. Aber auch hier würde sich die Frage stellen, ob und wie sie das Problem adressieren.

    Ich finde, zuviele Leuten denken, das fiele zusammen. Das ist genauso ein Fehler, meiner bescheidenen Ansicht nach, wie zu meinen, es gäbe einen Schuldigen und man müsse ihn nur finden und aus dem Verkehr ziehen.


    Mir ist komplett egal, ob der Wahnsinn von empfindungsfähigen Menschen oder von verstrahlten Nerds gestoppt wird. Letztlich werden wir Leute aus beiden Gruppen brauchen, schätze ich mal.

    Heute ist offensichtlich der Tag, an denen ich allen widerspreche.


    Ich will nicht komplett den Zusammenhang zwischen Emanzipation und Selbstwahrnehmung bestreiten. Aber das ist mir wieder entschieden zu peacig, hier wird _wieder_ das Individuum in den Vordergrund gestellt.


    An alle Individuen da draußen: Was mich angeht, habt ihr Narrenfreiheit! Fahrt SUV, solange es nicht verboten ist, macht Fernurlaube, geht Saufen, Ficken, Fußballgucken. Das ist außschliesslich Euer Ding. (Solange ihr dabei nicht mir auf den Sack geht oder meinen Töchtern, dann gibt's natürlich auf die 12.)


    Emanzipation wird - das zeigt die gesellschaftliche Erfahrung - erkämpft. Sie wird nicht geschenkt und auch nicht erpeact. Um die K.I. zu stoppen, wird ihre Macht konfrontiert werden müssen.


    Wir können das ganze als "Quasi-"Naturprozess betrachten. Dann geht halt alles den Bach runter, weil der Mensch zwar schlau genug war, ein alles verschlingendes Produktionssystem auf die Beine zu stellen, aber zu blöd, um es zu bändigen. (Leuchtet mir vorne und hinten nicht ein, aber ich kann auch nicht beweisen, dass das allerhöchstens eine selbsterfüllende Prophezeiung wäre. Ich für meinen Teil glaube an den Menschen, weil der Mensch eine Eigenschaft hat, die ich unglaublich faszinierend finde: Er ist lernfähig.)


    Oder wir handeln kollektiv, gesellschaftlich. Aber was der einzelne macht, ist auf dem Level, auf dem man diese Probleme angehen müsste, aus ihrer inhaltlichen Logik heraus, egal.

    Die "Entwicklung all der Realitäten" hört sich interessant an. Darunter kann ich mir aber nicht wirklich was vorstellen. Könntest Du das konkretisieren?


    Die Vorkommnisse wurden meiner Meinung nach nicht von "irgendjemand" hervorgerufen. Die Logik, die hinter der Verwertung von menschlicher und äußerer Natur steckt, ist eine abstrakte Kraft. Deswegen finde ich "K.I." auch ein gutes Bild. Im Grunde genommen ist es die Matrix. Der Comic bzw. der Film redet von Maschinen, von Technologie, aber es könnte genausogut der Kapitalismus sein. (Und man könnte lang und breit diskutieren, ob es da Zusammenhänge gibt, und da sowohl die Frankfurter Schule als auch Heidegger z.B. anführen, etc. Aber ich sehe nicht, dass das in Bezug auf unsere Diskussion weiterführt, das wäre eine andere Diskussion, die irgendwann zu führen wäre.)


    In ihr drückt sich unglaubliche menschliche Produktivität aus. Sie ist in dem Sinn nicht nur nicht "schuld" sondern auch nicht "böse", ebensowenig wie der Mensch. Viel angemessener wäre es, ihre Ambivalenz in Bezug auf unsere Werte hin anzuerkennen. (Ich würde mich genauso dagegen verwehren, sie als wertneutral zu beschreiben, aber auch das wäre eine andere Diskussion.) Sie muss einfach gezügelt und der Vernunft (und zwar einer zurückhaltenden und zielgerichteten Vernunft, nicht dem totalitären Anspruch des historisch existierenden Sozialismus) unterworfen werden. So ungefähr würde ich das auf der Ebene sehen, auf der Du gerade argumentierst, wenn ich das richtig sehe.


    Der Mensch ist das Problem, mag sein. Er ist dann halt auch die Lösung, behaupte ich.

    CR96, wäre cool, wenn es so einfach wäre.


    Liest man Deine Beiträge im Zusammenhang, kann man daraus viel über den gesamtgesellschaftlichen Umgang mit der Thematik lernen. Erst sind die Afrikaner Schuld. Dann wehrt man sich selber gegen Schuld. Dann sind die Arschlöcher in der Stadt Schuld.


    Das ist ein einziges Schwarzer-Peter-Spiel. Ich bin dafür, das zu durchbrechen. Ich bin dafür, pauschal alle freizusprechen und dann vor dem Hintergrund über die Sache zu reden und nicht über Schuld.


    andremd : Ich habe nicht Dich naiv genannt, sondern explizit "diese Vorstellung". Das gilt nicht weniger sondern mehr, insofern Du meinst, das damit entkräften zu können, dass Du das Ganze aus Sicht von Akademia kennst. In dem Laden habe ich auch mal 20 Jahre gearbeitet (und vorher 8 Jahre studiert), teilweise in Einrichtungen, die sich mit der Thematik beschäftigt haben, und genau aus der Erfahrung heraus nenne ich diese Vorstellung naiv.


    Aus dieser Erfahrung kenne ich auch nur zu gut das Muster, systemische Kritik und die Frage nach der Verantwortung der Politik, die Industrie zu zügeln, bzw. die Machtlosigkeit der Politik, dies zu tun, viel besser, als es meiner psychischen Gesundheit gut getan hätte.


    Ich habe oben überhaupt kein Schlagwort angeführt. "Kapitalismus" ist ein analytischer Begriff. Wir können gerne gucken, ob Du einen anderen brauchbaren Begriff vorschlagen kannst, mit dem unser Wirtschaftssystem und die systematische Seite des Problems beleuchtet wird, bitte.


    Du bringst hier meiner Meinung nach nur Phrasen: Du gehst nicht im geringsten inhaltlich auf meine Frage ein, warum denn das Problem nicht an der Quelle, auf der Produktionsseite angegangen wird. Wir brauchen tiefgreifende Eingriffe auf der Produktionsseite, aber Du redest von Konsumenten. Die Energie"wende" hat vorgemacht, wie es geht: Statt dass der Staat - als Vertreter des Willens des angeblichen politischen Souveräns - Rahmenbedingungen vorgibt und dann den ach so tollen Superkräften des Marktes überlässt, damit umzugehen, delegiert er den Umbau der Energiesysteme dieser Gesellschaft an die Konzerne.


    Wir bräuchten einen vernunftorientierten Umbau praktisch aller gesellschaftlichen Systeme, industrielle Produktion, Landwirtschaft, Verkehr sind da nur einige. Beauftragen wir damit mal den Verbraucher, alles klar.

    Ich halte diese Vorstellung für absolut naiv.


    "Welches Produkt man kauft" ersetzt hier in einem komplett blinden Glauben an den Markt sowohl die Vorstellung von Demokratie als auch die von Vernunft. Der Mensch hat - wie Du selber dankenswert sinngemäß ausführst - in dem Sinn Teilhabe, in dem er Kaufkraft hat.


    Ich weiß nicht, was ich erstaunlicher finde: Wie offensichtlich konstruiert und falsch solches Denken ist, oder wie selbstverständlich verbreitet es ist und dass es tatsächlich den Diskurs beherrscht. Die Hühner sind also Schuld, dass auf dem Bauernhof was schief läuft.


    Wenn uns die Vernunft sagt, wir müssen CO2-Emissionen reduzieren, warum tun wir das nicht a) an der Quelle und b) wo wir als Gesellschaft deutlich stärker sind als einzelne?


    Weil das Kapital unantastbar ist. Den Konsumenten in die Verantwortung zu nehmen, ist Verschiebung, wie oben. Schlimmer noch: Es dient der Aufrechterhaltung des Status Quo, indem die Diskussion von der Produktionsseite ferngehalten wird als auch darin, dass den Leuten Unschuld verkauft wird, insofern sie es sich leisten und zum "Bio"- (Begriff in diesem Zusammenhang nicht von mir eingeführt) Siegel greifen können.

    Moderner Ablaßhandel.

    Ich finde interessant, dass Du - Respekt! - mein Argument akzeptierst, aber dann sofort in die Defensive gehst.


    Als hätte ich Dir irgendwas vorgeworfen. Das Gegenteil ist der Fall.


    Ich halte es für einen grundlegenden Irrglauben, anzunehmen, der Konsument sei Schuld. Ein globales Problem durch Veränderung von Konsummustern in den Griff zu bekommen, halte ich für offensichtlich absurd.

    Also wenn das die Lösungen sein sollen, dann will ich das Problem wiederhaben.

    Give me back the Berlin Wall

    Give me Stalin and St. Paul

    I've seen the future

    it is murder


    ;)


    Aber der Punkt ist doch nicht, dass die Politik das nicht ändern will. Das stimmt zwar, aber das Problem ist, dass sie nicht kann. Du beschreibst doch anhand Deines herrlichen Sim-City-Beispiels selber, wer die Stadt gestaltet. Dieselbe KI, die auch die Politik gestaltet.

    Geil. Kaum vom Stadtzentrum auf den bürgerlichen Friedhof in die graue, gottverlassene Zone zwischen Urbanität und Acker gezogen, setzt der Parkplatz-Verteidigungsinstinkt ein.


    Im übrigen bin bin dafür, Döhren durch einen geschmackvoll begrünten Parkplatz zu ersetzen!


    Bonuspunkte an SVElfe für den unprovoziertesten Einsatz von "alternativlos" ever.