Holly's 96-Vorhersage: Die Roten auf dem Weg nach Bukarest Teil 2 – Allein gegen die spanische Armada

24.3.2012
Diouf, die senegalesische Torrakete, ist nach Blitzheilung frisch zurück aus dem Mame-Genesungswerk und macht das, was Manchester-United-Ergänzungsspielern offenkundig als Grundfertigkeit mitgegeben wird – Tore gegen den 9-fachen Vizemeister FC Bayern in der Nachspielzeit.

Nun waren die Münchner zwar durch ein Eigentor des überraschend als liebevollem Robbenbetreuer in die Startelf gerutschten Altin Lala, der offenkundig den künftigen Arbeitgeber eindrucksvoll von seinen Vollstreckerqualitäten überzeugen wollte, früh in Führung gegangen, aber in der Folgezeit erweist sich der Hägguimann-Riegel als unüberwindliche Deichmauer gegen die bajuwarische Torflut.

Die Wende im Spiel kommt nach fast 80-minütiger Langeweile: In der 92. Minute hämmert Christian Pander einen Eckball mit einer derartigen Vehemenz an den 5-Meter-Raum, dass der weichere der Boateng-Brüder nur noch den Kopf einzieht und schon klingelt es in der Batzi-Butze.

4 Minuten später wuchtet der schwarze Blitz dann eine butterweiche Flanke des um Wiedergutmachung bemühten kleinen Albaners in einer Art in die Maschen, die selbst einen Uli H. für Stunden sprachlos macht – als er später hört, was ein Stürmer dieser Kategorie auf dem skandinavischen Schnäppchenmarkt so kostet, steigen erstmalig kleine Rauchwolken aus seinem Kopf.

29.3.2012
Gegen die Nicht-Königlichen aus Madrid kann man nicht automatisch von einem knappen Sieg ausgehen und so wird das Hinspiel so mühselig wie das Lagern gelber Säcke während des Streiks der Müllabfuhr. Athletikocka Rausch rennt zwar als hätte er zum Geburtstag Anti-Ermüdungspillen in Überdosis bekommen, aber die anderen 21 Spieler demonstrieren Solidarität mit der spanischen Zivilbevölkerung und verständigen sich quasi auf einen fußballerischen Notdienst.

Einziger Höhepunkt der Partie ist ein Alleingang von Ron-Robert ‚Letzter Mann hält’ Zieler, der dabei insgesamt 5 Spieler im Mittelfeld austrickst, den Torschuss aus ca. 45 Metern aber knapp verzieht, na ja – Oberrang ...

Mit einem etwas unbefriedigenden 0:0 treten die ca. 10.000 hannoverschen Anhänger die beschwerliche Heimreise auf dem Landweg an - ein großer Dank geht an dieser Stelle an einen hannoverschen Touristik-Konzern, der ganz unbürokratisch den mallorquinischen Komplettbestand an Kleinbussen zur Verfügung gestellt hat und so den Besuch des Spieles für 96 Euro inklusive Karte ermöglichte.

1.4.2012
Mike Hanke erledigt die Roten mit einem Dreierpack im Alleingang.
Nee, April April – das ist ein Satz, den es im Deutschen gar nicht gibt.

Unmögliches gelingt in diesem Spiel allerdings Manuel Schmiedebach – das 1:0 in der 23. Spielminute aus dem Gewühl heraus ist zwar bereits sein 15. Treffer im Seniorenbereich, aber der erste, der von einer Fernsehkamera eingefangen wird …

Der Dreier gegen Gladbach bringt auch wieder die Champions League – Plätze in Sichtweite, wobei die Familienmenschen Slomka und Schmadtke sich aber einig sind, dass die Donnerstagstermine im europäischen Fußball mit ihren positiven Nebeneffekten wie dem freien Samstag sehr viel besser in ihre persönliche Freizeitgestaltung passen … warum also experimentieren?

5.4.2012
Viertelfinalrückspiel als vorösterlicher Feiertag in der Landeshauptstadt und die Mannschaft zeigt von der ersten Minute an mit einem mutigen 4-3-3 richtig Eier – kein Wunder, dass solche zarten Künstlerseelen wie Diego, der in der rauen fischgeruchsfreien Natur des niedersächsischen Binnenlandes eh so seine Anpassungsschwierigkeiten hat, ihre normale Leistung nicht abrufen können, zumal die über 50.000 Zuschauer (eine kleine „Panne“ im Ticketing!) ein akustisches Spektakel nahe der 1896 Dezibel-Grenze veranstalten.

2 mal Moa, 2 mal Didi und als Krönung 3 Buden des saltotechnisch weiterhin indisponierten MBD sorgen bereits für eine beruhigende Halbzeitführung und die frühzeitige Gewissheit, dass es keine Verlängerung gibt – andererseits verlässt auch so wegen der exzessiven Feierlichkeiten kein Zuschauer den Hexenkessel vor Mitternacht.

Eine glückliche Ausnahmeregelung in den UEFA-Regularien erlaubt bei Kantersiegen übrigens den Alkoholausschank im Stadion; so lässt das unternehmerische Multitalent Martin Kind flugs die Festzelte vom Schützenplatz auf den nunmehr heiligen Rasen herüberholen und spendiert ne Arenarunde – eine Geste, die auch dem härtesten Ultra Tränen der Rührung in die Augen treibt.