Hannover 96 bremst eigene Fans vor Gericht mit juristischem Winkelzug aus

Wieder einmal hat Hannover 96 einen Teil seiner Fans zum Narren gehalten: Die knapp 100 Fans, die am gestrigen Samstag nach dem Erfolg von zuvor elf anderen Fans ebenfalls eine einstweilige Verfügung erwirken wollten, um die Karten für das Auswärtsspiel in Braunschweig ohne verpflichtende Busfahrt zu erhalten, gingen leer aus.

Doch wie hat Hannover 96 dies geschafft? Ganz einfach: Man stellte einen Befangenheitsantrag gegen die zuständige Richterin. So zumindest berichten es Betroffene bei uns im Forum.

Dies ist in einem Zivilprozess überaus ungewöhnlich. Zumal dann, wenn es um einen so geringen Streitwert geht wie in diesem Fall und die Sachlage so eindeutig scheint. Schließlich hat die Richterin im Prinzip nichts anderes getan als die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) von Hannover 96 für den Verkauf der Auswärtsdauerkarten für gültig zu erachten.

Somit drängt sich der Verdacht auf, dass Hannover 96 mit Hilfe des Befangenheitsantrages auf Zeit spielen will - die die betroffenen 96-Fans nicht haben, da das Bundesligaspiel gegen Eintracht Braunschweig ja bereits heute stattfindet. Hannover 96 hat eine Ausgabe von weiteren Karten mit diesem "Trick" im Endeffekt verhindert. Dass man wirklich glaubte, die Richterin könnte befangen sein, wird stark bezweifelt. Vielmehr wird hier ein "juristischer Taschenspielertrick" vermutet.

Viele Fans fühlen sich durch die Art und Weise des Vereins vor den Kopf gestoßen. Auch nicht direkt Betroffene. Es gab in den letzten Monaten und Jahren viele Fans, die vergrault wurden. In diesen Tagen gab es mal wieder einige dicke Tropfen in das Fass, das nun für einige weitere übergelaufen sein dürfte. Man muss es sich einmal vor Augen halten: Hannover 96 arbeitet hier gegen die eigenen Fans, denen die Unterstützung des Vereins am Herzen liegt. Gerade in der aktuell brenzligen sportlichen Situation wäre diese eigentlich umso wichtiger.

Hannover 96 hat es stattdessen geschafft, dass das Spiel an sich für viele Anhänger zur Nebensache geworden ist. Herzlichen Glückwunsch! Dies ist ein teurer "Sieg" für den Club bzw. genauer gesagt die KGaA. Vielleicht nicht finanziell, dafür aber sicher moralischund in Bezug auf die eigene Reputation. Die Vereinsverantwortlichen schaffen es, immer mehr Anhänger gegen sich aufzubringen.

Es wäre schön, wenn sich Hannover 96 stattdessen einmal an einer anderen Front juristisch wehren könnte. So bieten sich zum Beispiel die für viele willkürlich erscheinenden Strafen des Deutschen Fußballbundes (DFB) als Betätigungsfeld an. So wurde ja zuletzt eine Strafe von 100.000 Euro gegen Hannover 96 verhängt - aufgrund der "Vorkommnisse" des Hinspiels gegen Eintracht Braunschweig. Das im übrigen weitaus ruhiger ablief, als dies im Vorfeld prognostiziert worden war. Hannover 96 aber akzeptierte ohne erkennbare Gegenwehr.

Sicher rein "zufällig" wurde diese Strafe erst jetzt veröffentlicht, obwohl das fragliche Spiel bereits fast ein halbes Jahr zurückliegt. Die Motivation dahinter dürfte klar sein: Sie soll wohl als Argumentationshilfe für die aktuellen Maßnahmen gelten. Sehr durchschaubar. Forum

PS: Inzwischen gibt es im Blog der Fanhilfe Hannover eine Darstellung der traurigen Ereignisse.