Kommentar: Weiter Luft anhalten statt durchatmen

Moin. Eines vorweg: Nichts ist so wertvoll wie die drei Punkte gegen Karlsruhe. In den Wochen zuvor ist so viel schief gelaufen, daß man jetzt froh sein muß, fürs erste Platz 13 gefestigt zu haben. Wer hätte das im Sommer gedacht? Darüber hinaus gab es auch am Samstag wieder lehrreiche Erkenntnisse:

Die Mannschaft läßt sich nicht hängen. Immer wieder legt sie einen couragierten Auftritt hin, sei es gegen Hamburg, sei es 40 Minuten in Köln oder die erste Halbzeit gegen den KSC. Ansonsten hätten wir Auflösungserscheinungen der existenzbedrohenden Art. Zeitgleich schafft sie es aber nicht, ihr Spiel durchzuziehen. Ein Glückstor von Köln, die Herthaner Führung oder ein unnötig verursachter Elfmeter am Samstag... ein beliebiger Hauch von Gegenwind reicht aus, um das wackelige Kartenhaus Hannover 96 zum Einstürzen zu bringen. Daß es diesmal noch zum 3:2-Sieg gereicht hat, war Glück. Zum Glück.

Woher das kommt, ist unschwer zu erraten: Ein Team, das permanent von Verletzungen gebeutelt ist, kann ja gar nicht stabil sein. Die Formation wird laufend geändert, Spieler kommen nicht in den Rhythmus, die Fitneß leidet, Konkurrenzkampf und ein gutes Stück Erfahrung fehlen. Dazu kommen dann die Mißerfolge, Verunsicherung macht sich breit. Eine Mannschaft besteht eben nicht aus elf Spielern, sondern aus 23. Mit mangelnder Konstanz erklären sich dann auch einige hilflose Auftritte, die schlimmstes befürchten lassen.

Es spricht für die Roten, daß sie trotz aller Schwierigkeiten nicht gänzlich auseinandergebrochen sind. Bis zur Winterpause wird man weiter die Luft anhalten müssen, doch danach kann schon die Aufarbeitung der Ereignisse und die Vorbereitung auf eine bessere Rückrunde beginnen. Wenn Enke, Tarnat und Rosenthal dazu stoßen und Yankov, Stajner, Rausch sowie Vinicius mal wieder Kraft tanken können, dann steht fast schon wieder eine Mannschaft auf dem Trainingsplatz.

Zwischen Familienkrach unterm Weihnachtsbaum und Silvestersuff kann man sich auch Gedanken über Verbesserungen machen. In die Kaderplanung der Zukunft wird man sicherlich einige schmerzliche Erkenntnisse mit einfließen lassen. Die Innenverteidigung ist ein Dauerthema geworden. Die Außenverteidigung ist chronisch unterbesetzt. Die nominellen Sechser Balitsch und C. Schulz müssen oft an anderen Stellen aushelfen. Das offensive Mittelfeld ist nicht dominant genug. Mit Huszti droht dort zudem der Abgang eines Leistungsträgers. Andere Nasen treten nur auf der Stelle. Ganz schön viele Baustellen. Jedes Problem wird nicht zu lösen sein, dafür fehlt dem Klub einfach das Geld. Aber es wird einige erfolgreiche Entscheidungen brauchen, um künftig (weiter oder wieder) die Ränge sieben bis zehn anpeilen zu können.