Kommentar: Martin Kind beschädigt Ansehen von Hannover 96

So richtig angenehm sind Trainerentlassungen aufgrund von ausbleibendem Erfolg wohl nie. Aber wie es bei Hannover 96 im Falle von Daniel Stendel wieder einmal ablief, das ist wohl ein Musterbeispiel dafür, wie es auf keinen Fall laufen sollte.

Nachdem Daniel Stendel über die Medien schon zuvor mehr oder weniger direkt von Klubchef Martin Kind angezählt wurde, nahm die Angelegenheit an vergangenen Wochenende nach dem 0:0 beim FC St. Pauli nochmals an Fahrt auf. Bekenntnisse von Entscheidungsträgern zu Daniel Stendel als Trainer blieben jetzt vollständig aus. Stattdessen sickerte durch, dass seit Samstag intensiv analysiert und Gespräche geführt würden.

So weit nichts ungewöhnliches und von vielen Fans auch sicherlich nicht ungewollt. Nicht wenige wünschten sich angesichts der jüngsten sportlichen Entwicklung schließlich einen Trainerwechsel.

Jedoch wurde daraus seitens Hannover 96 eine unwürdige Hängepartie. Die Freistellung von Daniel Stendel wurde nicht verkündet, obwohl sie offenbar bereits beschlossene Sache war. Und zwar blieb die Verkündung nicht nur gegenüber der Öffentlichkeit aus, sondern auch gegenüber Daniel Stendel selbst, der von Sportmanager Horst Heldt nach dessen Angaben ebenfalls erst am Montag über die Freistellung informiert wurde.

Martin Kind prescht im NDR vor
Allzu überrascht dürfte er allerdings nicht gewesen sein - dafür sorgte ein telefonisches Interview von Martin Kind in der NDR-Sendung "Sportclub" am Sonntagabend. Die einzig richtige Entscheidung wäre von Martin Kind in dieser Situation wohl gewesen, schlicht kein Interview zu geben. Und wenn doch, dann zumindest keines mit derartigen Statements, das am Ende allen beteiligten Parteien schadet.

Denn im Interview gab er zu Protokoll, dass in Bezug auf den Trainerwechsel zwar noch keine Entscheidung gefallen sei, man sich aber mit verschiedenen Kandidaten beschäftigen würde. Eine andere Schlussfolgerung als dass Daniel Stendel entlassen werden soll, konnte man daraus als rational denkender Mensch nicht ableiten.

Spätestens durch die Bestätigung der Verhandlung mit alternativen Trainern war klar, dass eine Weiterbeschäftigung von Daniel Stendel nicht mehr ernsthaft in Erwägung gezogen werden konnte. Denn würde man dies tun, würde man ihn sicherlich nicht in einer solchen Art und Weise öffentlich demontieren und jeglicher Autorität berauben.

Warum das Interview?
Wieso aber musste dies mehr oder weniger indirekt durch ein solches Interview verkündet werden? Statt es klar und deutlich so zu sagen wie es tatsächlich ist - und zwar zu allererst dem Betroffenen persönlich, nämlich Daniel Stendel. Was war die Motivation Martin Kinds für dieses Interview und diese öffentlichen Aussagen? Und wieso wird mit Daniel Stendel nicht fairerweise sofort ein Schlussstrich gezogen?

Auch NDR-Moderator Martin Roschitz konnte es selbst offenbar kaum fassen, dass Martin Kind dieses Interview überhaupt gibt und auch die Antworten erzeugten auf dem Gesicht des Fragestellers zum Schluss ein ungläubiges Staunen.

Hannover 96 steht öffentlich schlecht da
Am Ende bleibt festzuhalten, dass Martin Kind mit diesem völlig unnötigen Interview dem Ansehen von Hannover 96 einmal mehr ohne Not deutlichen Schaden zugefügt hat. Und auch dem der anderen beteiligten Parteien. In vielen Klubs wäre ein Funktionär mit derartigen Aktionen schon lange nicht mehr tragbar.

Und das schon gar nicht rund 20 Jahre lang, wie es in Hannover der Fall ist. Nach einer derart langen Zeit, nach der man eigentlich erwarten darf, dass er Lehren aus den Fehlern in Bezug auf seine bisherige "Öffentlichkeitsarbeit" gezogen hat. Schließlich war dies auch nicht die erste Aktion, die jegliches Feingefühl vermissen lässt und Hannover 96 in einem unprofesionellen sowie kaltherzigen Licht erscheinen lässt.

In Gänze kann man sich das gut dreiminütige Interview übrigens auf der Homepage des NDR ansehen, um sich ein eigenes Bild davon zu machen. Forum I; Forum II