96-Boss Martin Kind verliert im NDR-Sportclub die Fassung

Am späten Sonntagabend war 96-Boss Martin Kind wieder einmal im NDR-Sportclub für ein Interview zu Gast. Dieses Mal gestaltete sich sein Auftritt allerdings recht ungewöhnlich, um nicht zu sagen geradezu denkwürdig. Der erste Teil des Interviews war dabei noch unauffällig; thematisch ging es dabei um die aktuelle sportliche Erfolgsserie von Hannover 96, zu der Martin Kind die Fragen von Moderator Martin Roschitz bereitwillig beantwortete (ca. bis Minute 3:30).

Dann allerdings gab es einen Einspieler zur 50+1-Thematik, nach welchem Martin Kind wie ausgewechselt schien (im Interview ca. ab Minute 3:40). Es wirkte fast so, als hätte er mit dieser Thematik nicht gerechnet. Er präsentierte sich sichtlich genervt davon, mied vermehrt den Blickkontakt und verhielt sich abfällig gegenüber dem Moderator. So unterstellte er diesem, nicht das nötige Niveau sowie die nötige Sachkenntnis für eine Diskussion über die Thematik aufzuweisen und wich der Beantwortung unter anderem aus, indem er seine Verdienste der vergangenen 20 Jahre aufzählte.

Martin Kind argumentiert am eigentlichen Thema vorbei
Auch argumentierte er für die bereits vor knapp 20 Jahren beschlossene Ausgliederung des Profifußballs in eine eigene Gesellschaft (Hannover 96 GmbH & Co. KGaA), um den Stammverein mit seinem gemeinnützigen Breitensport nicht den wirtschaftlichen Risiken des Profifußballs auszusetzen und die für den Profifußball erforderliche Struktur eines Wirtschaftsunternehmens haben zu können.

Was jedoch ein Ausweichen bezüglich der eigentlichen Fragestellung war, da diese Form der Trennung gar nicht Bestandteil der Kritik ist, sondern der Umstand, dass der Verein zukünftig keine finanziellen Anteile und keine mehrheitliche Mitsprache mehr an dieser Profifußballgesellschaft haben soll. Von den Markenrechten an "Hannover 96", die alleine der Profigesellschaft gehören, sowie dem nach Meinung vieler deutlich zu geringen Kaufpreis für die Vereinsanteile sowie die Markenrechte ganz zu schweigen.

Zuvor versuchte er noch, sich mit Verweis auf die für die Thematik zu kurze Sendezeit um eine Beantwortung zu drücken.

Martin Kind kritisiert Berichterstattung
Ein erneutes Nachhaken des Moderators wurde dann von ihm mit der Begründung abgetan, dass es sich bei den Kritikern des geplanten 50+1-Ausstiegs um eine Minderheit handeln würde und er forderte ein, dass sich der NDR stattdessen mit der Mehrheit beschäftigen solle. Dass er selbst in diesem Moment ja diese (vermeintliche) Mehrheit repräsentierte und seine Sicht der Dinge darstellen konnte, übersah er dabei.

Abgesehen davon, dass dies eine spezielle Form der Interpretation ist (denn zwar scheiterte eine entsprechende Satzungsänderung an der geforderten 2/3-Mehrheit, allerdings nur knapp, sodass sehr wohl festzuhalten bleibt, dass eine klare Mehrheit der jüngst abstimmenden Vereinsmitglieder für den Erhalt von 50+1 ist), ist dies auch keine souveräne und adäquate Art und Weise, auf Kritik zu reagieren. Erst recht nicht, wenn man als "Gesicht" von Hannover 96 agiert.

Die andere Seite von Martin Kind
Martin Kind zeigte sich hier von einer Seite, die bereits mehrfach von Personen empfunden wurde, die als Fanvertreter mit ihm "hinter verschlossenen Türen" im Dialog standen. Neu ist aber, dass er diese Art und Weise auch in einem Fernsehstudio offen zeigt. Unterm Strich beantwortete er zum 50+1-Ausstieg nahezu keine Frage in dem Sinn wie sie gestellt wurde. Und auch die im Einspieler aufgeworfene Frage danach, wie seine erhebliche finanzielle Förderung über 20 Jahre hinweg, die Voraussetzung für die Ausnahme von 50+1 ist, konkret aussieht, blieb unbeantwortet.

Nun wird fleißig interpretiert, was die Hintergründe für diese Art des Auftritts sind. War Martin Kind tatsächlich einfach nur genervt und hatte sich nicht so unter Kontrolle, wie dies sonst der Fall ist? Ist er sich der Ausnahme von der 50+1-Regelung so sicher, dass er ein diplomatisches Auftreten nicht mehr für nötig hält? Oder aber eben genau nicht und er reagiert darum so gereizt auf die Thematik? In jedem Fall wirft dieser Auftritt mehr Fragen auf als er beantwortete. Forum