Bild: DFL erkennt nur 19,7 Mio. € als "Förderung" durch Martin Kind an

Während die Lokalpresse die geplante Übernahme von Hannover 96 durch Martin Kind weiterhin kaum kritisch hinterfragt, legt der überregional tätige Bild-Reporter Peter Rossberg in einem aktuellen Artikel nach.

Darin zitiert er aus einem DFL-Gutachten zur von Martin Kind beantragten Ausnahme von der 50+1-Regelung. Nach diesem erkennt die DFL lediglich 19,698 Millionen Euro als Förderung durch Martin Kind an. Gemäß DFL-Richtlinien hätte es aber mindestens so viel sein müssen, wie die Hauptsponsoren in den vergangenen 20 Jahren zahlten - das wären 46 Millionen Euro, also mehr als doppelt so viel.

Kind betrachtet Gehaltsverzicht für Ehrenamt als Förderung
Bemerkenswert ist dabei darüber hinaus, dass es sich bei den durch Martin Kind angeführten Förderungen zum Großteil nicht um "klassische" Förderung des Vereins in Form von Zahlungen ohne Gegenleistung handelt. Vielmehr führt er hier zu einem großen Teil so genannte "Verzichte" ins Feld.

So zum Beispiel ein nicht gezahltes Gehalt für seine Tätigkeit als Vereinspräsident, was von vielen kritisch gesehen wird. Schließlich handelt es sich hier um ein Ehrenamt, was von Martin Kind oft und gerne betont wurde - und für dieses gibt es üblicherweise gar kein Gehalt. Ebenso warf er durch ihn gewährte Kredite in die Waagschale.

Hannover 96 reagiert mir magerer Pressemitteilung
Hannover 96 reagierte auf diese Berichterstattung kurzerhand mit einer eigenen, sehr kurzen Pressemitteilung, die an Inhaltsleere kaum zu überbieten ist. Darin wird die Berichterstattung als "Störfeuer" abqualifiziert und betont, man sei weiterhin der Überzeugung , dass Martin Kind die Auflagen erfüllen würde. Die fraglichen DFL-Unterlagen sowie die darin enthaltenen Zahlen seien nicht bekannt.

Unterschrieben ist die Pressemitteilung schlicht mit "Hannover 96". Es ist also unklar, wer sich hier äußert: eine der vielen 96-Gesellschaften oder der Verein?

Im Gegensatz zu anderen Pressemeldungen wurde diese nicht über die offiziellen 96-Accounts in den sozialen Netzwerken geteilt. Möglicherweise, so wird spekuliert, will man an diesen Orten kritischen Diskussionen aus dem Wege gehen.

Hannover 96 legt weiterhin keine konkreten Zahlen vor
Bemerkenswert ist dabei außerdem noch, dass Hannover 96 nicht die Zahlen als solche bestreitet. Zudem würde nach wie vor die Möglichkeit bestehen, die eigenen Zahlen offen zu legen, um so die lange geforderte Transparenz zu schaffen und mit Fakten zu überzeugen.

Wäre die Berichterstattung der Bild-Zeitung inhaltlich falsch, wäre es für Hannover 96 bzw. Martin Kind ein Leichtes, dies mit entsprechenden Zahlen zu belegen. Dies geschieht allerdings bezeichnenderweise nicht. Forum I, Forum II