Kommentar: Stabile Seitenlage

Mit den zwei jüngsten 1:0-Erfolgen gegen Stuttgart und Köln hat sich die Mannschaft ein kleines, aber wichtiges Punktepolster zugelegt. Das Zwischenfazit sieht mit 15 Zählern aus elf Partien zufriedenstellend gut aus; allerdings haben es die nächsten vier Spiele in sich - es warten Hamburg, Schalke, Bayern und Leverkusen. Eine gewisse Anspannung wird uns also bis Weihnachten erhalten bleiben.

Die Stimmung ist dabei noch besser als die Tabellensituation. Woran liegt das? Es liegt am rundum verbesserten Auftreten der Roten. Im Angriff hing früher die einzige Spitze hilflos in der Luft. Nun gibt es dort mit Ya Konan wesentlich mehr Bewegung, tatkräftig unterstützt durch nachrückende Kollegen aus dem Mittelfeld. Dort funktionieren die Abläufe ebenfalls besser als im Vorjahr. Sowohl in der Vorwärtsbewegung als auch in der Abwehrarbeit zeigt dieser Mannschaftsteil mehr Präsenz und Einsatz. Er läuft nicht mehr der Musik hinterher. Die Verteidigung profitiert von der Eigeninitiative ihrer Vorderleute; sie hat weniger zu tun und erledigt den Rest mit der so lang vermißten Souveränität. Karim Haggui hat sich längst als große Verstärkung erwiesen, an seiner Seite fand Cherundolo aus seinem ewig langen Formtief heraus.

Die vom Trainer Andreas Bergmann gebetsmühlenartig wiederholte Forderung nach Leidenschaft, Einsatz, Kampf und Spaß setzt das Team im Rahmen ihrer Möglichkeiten Woche für Woche um. An manchen Tagen wie in Frankfurt und gegen Stuttgart mochte es spielerisch nicht gut laufen, das Bemühen war dennoch stets zu sehen. Und an anderen Tagen kombiniert die Elf auch noch mit guten Ansätzen und Spielfreude, wie gestern in Köln oder auch beim 5:2-Erfolg über Freiburg.

Ein interessantes Zahlenwerk: In der letzten Saison betrug das Chancenverhältnis zusammengezählt katastrophale 160:245, die Folge war das ebenso schlechte Torverhältnis von 49:69. Das war das Ergebnis regelmäßig schlimmer Auswärtsspiele gepaart mit besseren Heimauftritten, die dennoch meistens nur mit viel Glück gewonnen wurden. Jetzt hingegen liegt das Chancenverhältnis bei 55:54 und das Torverhältnis bei 14:12. Die Verbesserung spricht für sich.

Somit befindet sich der Dauerpatient Hannover in einer stabilen Seitenlage. Die personelle Situation bleibt angespannt, solange auf jede gute Nachricht stets eine Hiobsbotschaft kommt. Vor diesem Wochenende meldeten sich Enke, Rausch, Eggimann, Djakpa und Stajner wieder fit; dafür fielen auf der anderen Seite Bruggink, Rama und Hanke aus. So konnte der 18er-Kader nicht einmal durch die Nominierung zweier Nachwuchsleute gefüllt werden.