Interview mit Fabian, Thilo, Philip und Sebastian vom FCK-Blog

An diesem Sonntag müssen unsere Roten ja beim Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern antreten. Nachdem es für das Bremen-Spiel aus zeitlichen Gründen leider kein Interview gab, stand uns für das Spiel in Kaiserslautern wieder ein Fan-Blog des Gegners vorab für ein Interview zur Verfügung: Fabian, Thilo, Philip und Sebastian vom FCK-Blog (fck-blog.de) beantworteten dabei im Team unsere Fragen. Unter anderem ging es um die (ehemalige) finanzielle Situation des FCK, die Hilfe von politischer Seite und um die 50+1-Regel. Und natürlich auch um Hannover 96 und das Spiel am Sonntag, bei dem Torhüter Florian Fromlowitz an seine alte Wirkungsstätte zurückkehrt. An dieser Stelle nochmals vielen Dank an die Jungs vom FCK-Blog für das ausführliche Interview und euch nun viel Spaß beim Lesen!

Kaiserslautern ist ja recht gut in die Saison gestartet - zumindest bis zur Niederlage in Dortmund. Insbesondere die Punkte gegen Bayern und Hoffenheim waren doch eher überraschend. Oder doch nicht? Wie sah denn das Saisonziel vor der Saison aus und hat sich an diesem zwischenzeitlich etwas geändert?

- Das Saisonziel hieß vor der Saison ganz klar Klassenerhalt und daran hat sich auch nach dem (trotz des schwachen Auftritts in Dortmund) guten Starts nichts geändert. Die Mannschaft ist jung und unerfahren, mit sehr wenig Geld zusammengestellt. Das klare Saisonziel heißt Platz 15. Jeder Platz besser ist absoluter Bonus.

Ist der Kader denn stark genug um eine ganze Saison "sorglos" überstehen zu können?

- Gute Frage, die nicht so leicht beantwortet werden kann. Denn das hängt immer davon ab, welches Personal zur Verfügung steht. Bleiben die aktuellen ersten 13, 14 Spieler verletzungsfrei (Amri und Simunek sind ja schon wieder nicht dabei), dann wird der momentane Kader die Saison durchstehen. Gibt es Verletzungsprobleme, müssen andere in die Bresche springen. Ob der Kader auch in der Breite gut genug ist, wird sich erst dann zeigen.

In Dortmund wurde der FCK ja regelrecht abgeschossen. Woran lag das? Wird die Mannschaft daran noch zu knabbern haben oder ist diese Niederlage am Sonntag "abgehakt" und spielt in den Köpfen der Spieler keine Rolle mehr?

- Das war der erste richtige Rückschlag seit langer Zeit. Aufstieg, Weiterkommen im Pokal, super Start in die Bundesliga. Es muss sich zeigen, wie gut die Mannschaft damit zurechtkommt. Sie scheint aber innerlich gefestigt und absolut dazu in der Lage, die Klatsche von Dortmund aus den Köpfen zu bekommen. Vor eigenem Publikum werden die Spieler alles versuchen, um Wiedergutmachung zu betreiben.

Der 1. FCK stand vor gar nicht allzu langer Zeit sowohl sportlich als auch finanziell vor dem Abgrund. Wie gefestigt sind die jetzigen Strukturen?

- Stefan Kuntz, der Vorstandsvorsitzende des FCK, geht davon aus, dass der Verein drei Jahre erstklassig spielen muss, damit er vollständig konsolidiert ist. Seit langer Zeit sind nun wieder fähige Leute in der Vorstandsetage am Werk, so dass man als FCK-Anhänger zurzeit relativ beruhigt sein kann. Ein Abstieg würde und natürlich wieder etwas zurückwerfen, aber klar: jedes Jahr in der ersten Liga tut dem Verein sehr gut.

Überregional konnte man sich ja des Eindrucks nicht erwehren, dass die "Rettung" des FCK letztendlich vor allem durch Hilfe aus den Sphären der Politik ermöglicht wurde. Wie wird das von den FCK-Fans beurteilt?

- Klar, ohne diese Hilfe würde der FCK nicht mehr da sein, wo er jetzt ist. Für viele regionale Vereine war dies zwar ein Dorn im Auge, doch diese Finanzspritze war auch größtenteils eine Finanzierung für die WM 2006. Lange bewegte man sich am Abgrund doch nach dem Nicht-Abstieg in Liga 3 ging es doch steil Bergauf, sowohl sportlich als auch in Zahlen. Wenn sich der FCK nun in der 1. Liga in den nächsten Jahren etablieren wird auch diese Akte hoffentlich geschlossen werden.

Wie so viele Stadien in der Bundesliga wurde ja auch euer Stadion umgebaut. Wie viel hat das jetzige Stadion denn überhaupt noch vom typischen Betzenberg-Flair?

- Natürlich hat das Stadion nicht mehr dasselbe Gesicht wie noch in den 90er Jahren. Die Umbaumaßnamen waren nötig, um das Fritz-Walter-Stadion den aktuellen Standards anzupassen und die Möglichkeit auf die Austragung von WM-Spielen zu erhalten. Akustisch und atmosphärisch hat sich natürlich einiges geändert, wenn man die Meistersaison zum Vergleich heranzieht. Dennoch hat das Fritz-Walter-Stadion nichts von seinem Flair verloren. Dass das Stadion für gegenerische Mannschaften immer noch zur Hölle werden kann, haben die "Roten Teufel" in der
letzten Zweitligasaison und vor allem beim Freitagsspiel gegen die Bayern bereits gezeigt.

Der 1. FCK ist ja einer der so genannten "Traditionsvereine". Wie stehst Du zu Clubs wie Hoffenheim oder Wolfsburg, die ja in besonderer Art und Weise mit finanzkräftigen Unternehmen verflochten sind?

- Ehrlich gesagt wissen wir nicht, was Hoffenheim und Wolfsburg in der Bundesliga verloren haben. Klar wir als Taditionsverein können mit künstlichen Vereinen ohne echte Fankultur wenig anfangen. Und ob das Argument, dass sie spielerisch die Liga aufwerten, wirklich alles andere überwiegt, wagen wir zu bezweifeln.

Der Präsident von Hannover 96, Martin Kind, fordert in diesem Zusammenhang ja vehement die Aufhebung der 50+1-Regel. Wie stehst Du dazu? Könnte eine Aufhebung dieser Regel auch eine Chance für Kaiserslautern sein?

- Wir sind ganz klar gegen die Aufhebung dieser Regel. Und Herr Kind hat sich mit dem Antrag auf Aufhebung mehr als unbeliebt gemacht. Im Fussball gibt es sowieso schon genug Kommerz und sämtliche Beteiligten verdienen sehr gut an dem Business Fussball. Aber irgendwann ist auch mal genug.

Einen 96er dürftest Du vermutlich etwas genauer kennen: Torhüter Florian Fromlowitz. Hast Du seinen Werdegang in Hannover genauer verfolgt? Wie schätzt Du seine Fähigkeiten ein?

- Ja klar hat man ein Auge auf die Jungs von Gerry Ehrmann. Der Weggang von Fromlowitz war sehr schade, aber es war klar, dass er das Zeug für die 1. Liga hat und bei einem entsprechenden Angebot auch wechseln wird. Auch wenn er in den letzten Spielen bei Hannover nicht ganz so glücklich agiert hat, denken wir er wird zu einem richtig guten Torhüter und wird die nächsten Jahre Hannover noch helfen können.

Gibt es denn außer Martin Kind, der 50+1-Regel und Florian Fromlowitz noch etwas, was Du mit Hannover 96 spontan verbindest?

- Natürlich ist gerade mit Blick auf die jüngere Vergangenheit Robert Enke immer noch präsent. Ansonsten muss man leider feststellen, dass Hannover 96 in den letzten Jahren nicht unbedingt für positive Schlagzeilen gesorgt hat. Häufige Trainer- und Managerwechsel, die sportliche Misere in der vergangenen Saison und die "Autokratie" von Herrn Kind prägen das Bild des Vereins. Allerdings sind die 96er auf dem besten Weg, ihren Ruf vollständig umzukrempeln.

Hannover 96 ist ja ganz hervorragend in die neue Saison gestartet. Hättest Du damit gerechnet? Oder war 96 für Dich ein Abstiegskandidat; ist es möglicherweise gar immer noch?

- Ganz ehrlich: Hannover hat zu den größten Konkurrenten um einen Nichtabstiegsplatz gehört. Und gehört noch immer dazu, denn nach fünf Spielen ist noch niemand Meister geworden und auch noch niemand (nicht) abgestiegen. Abgerechnet wird am Ende, und eines ist klar: Die Teams, die jetzt unten drin stehen, werden nach 34 Spieltagen sicherlich woanders stehen.

Nun ganz konkret zum Spiel am Sonntag: Wer geht dort Deiner Meinung nach als Favorit ins Rennen?

Einen Favoriten auszumachen ist schwierig. Klar ist Hannover bislang ziemlich beeindruckend aufgetreten. Aber zu Hause wird man einen anderen FCK erleben als in Dortmund. Die Teufel haben einiges gut zu machen und werden den 96ern nicht kampflos das Feld überlassen.

Und zum Abschluss interessiert uns noch Dein Ergebnis-Tipp: Wie lautet er?

- Es wird ein knapper, hartumkämpfter Heimsieg für den FCK. 2:1.

Ach, und eine Frage doch noch: Habt ihr die Niederlage von 1954 inzwischen verdaut? ;-)

- Gerade so. Die beiden Meisterschaften und die zwei Pokalsiege seitdem haben ein wenig darüber hinweg getröstet. Auch wenn es natürlich ein Unding war, die WM-Helden nicht mit Meisterehren bedacht zu haben.

Vielen Dank!