Politischer Zoff-Thread oder so

  • Schwarzafrikaner warnen Schwarzafrikaner, nicht nach Südafrika zu gehen.

    Die Xenophobie wird schlimmer, vorgestern brannte ein ganzer Straßenzug mit Häusern, Wohnungen und Geschäften von Migranten, sowie der nigerianischen Botschaft. Alles ist zerstört unter der Forderung, dass alle (afrikanischen, schwarzen) Ausländer das Land verlassen sollen, Autos, Läden....

    und 6 Tote, alles Schwarze, alles Ausländer, Nigeria, Ghana und Somalia.


    "South-Africa is not safe! Don't come here for business, working or as a tourist." warnt mancher seine Familie per Video.


    Nigeria summons South Africa ambassador over 'anarchy'

  • 72,5 % der Wählenden in Sachsen haben die AfD übrigens nicht gewählt (laut Prognose von 18:15 Uhr).

    Mir gefällt diese Sicht der Dinge nicht so gut. Dass du nicht beschönigen möchtest, ist zwar klar, aber nach dieser Argumentation könnte man z. B. auch sagen, wenn die Grünen bei der Bundestagswahl 30% bekämen, dass 70% sie nicht gewählt haben und entsprechend keine nachhaltige Umweltpolitik wollen.


    Das soll bitte nicht so verstanden werden, dass man nun auf die Ratten der Rattenfänger hören sollte, weil sie so viele sind (und das sind sie). Sondern dass man den Kampf gegen die Populisten ernsthafter betreiben und ihnen das Wasser abgraben muss. Da kann ein "x% haben sie ja nicht gewählt" schnell zu falschen Rückschlüssen und einem fatalen Sicherheitsgefühl führen, befürchte ich.


    Hinzu kommt, dass ich glaube, dass man jemanden, der erstmal extremistisch/populistisch gewählt hat,

    icht so schnell wieder aus dieser Spur heraus bekommt und beim nächsten Mal auf einmal "nur" noch 15% in der Region blaubraun wählen.


    Deshalb macht mir dieses Viertel mehr Angst, als die übrigen 3/4 mir Hoffnung machen.

  • Das britische Unterhaus heute auch wieder mit schöner Einlage.

    Einer von den Tories steht bei der Rede von Johnson auf und setzt sich zu den Liberaldemokraten....

    :kichern:

    Ordaaaar

  • Ich verstehe gut was du meinst und stimme dir weitestgehend zu. Hier hast du aber den zitierten Satz etwas aus dem Zusammenhang gerissen, denn ich bezog mich auf den Satz "Sachsen dicht machen." im Beitrag direkt vor mir. Ich wollte damit aufzeigen, dass die überwiegende Mehrheit in Sachsen nicht rechts gewählt hat (zumindest nicht rechtsextrem) und dass es deshalb nicht fair ist, das gesamte Bundesland in die braune Ecke zu stellen.


    Auch der Vergleich mit den Grünen hinkt meiner Meinung nach etwas, denn die Grünen definieren sich nicht ausschließlich über Umweltschutz und umweltpolitische Themen finden sich mehr oder weniger in allen Parteien, ebenso wie liberale und soziale, während die AfD die Partei ist, die in Sachen Rechtsextremismus und -populismus quasi ein Alleinstellungsmerkmal hat.


    Die AfD behauptet immer wieder von sich, die Mehrheit zu repräsentieren und sich das Land "zurück zu holen". Dem ist aber nicht so. In ihrem stärksten Bundesland haben sie "nur" ein gutes Viertel geholt. Auch wenn das ein gutes Viertel zu viel ist: Sie sind nicht die Mehrheit. Sie sind nicht das Volk. Nichtmal ansatzweise. Dass das auch so bleibt und sich optimalerweise irgendwann wieder umkehrt, bis die AfD an der 5%-Hürde scheitert, das ist die Aufgabe von uns allen.


    Wenn ich mir die Wahlen der vergangenen Jahre bei unseren europäischen Nachbarn und auch dem Vereinigten Königreich zu angucke, mir dann das rechtspopulistische Gebahren derer Parteivertreter anschaue und dann noch in Betracht ziehe, dass der rechte Rand dank der AfD gerade eine Art Aufbruchstimmung erlebt, dann machen mir die 3/4 der Nicht-AfD-Wähler in Sachsen und die 90 % im Bundesgebiet (Sonntagsfrage von Forsa vom 31.08.) tatsächlich Hoffnung. Hoffnung, dass die Wählerinnen und Wähler trotz verschärfter politischer Tonlage, trotz Lügenkampagnen v.a. in sozialen Netzwerken und trotz der Rechtsrucke in vielen europäischen Ländern die überwiegende Mehrheit den Rattenfängern nicht auf den Leim gegangen ist. Und du kannst mir an dieser Stelle glauben, dass ich mir der Gefahr von rechts durchaus bewusst bin und diese durchaus ernst nehme.

  • Du weißt, dass ich Letzteres weiß, hoffe ich. Deinen Satz hab ich rausgepickt, weil man ihn nach der Wahl mehrfach gehört hat. Den Kontext, in dem du den Satz gebracht hast, hatte ich allerdings tatsächlich vorhin nicht auf dem Schirm.

  • Du weißt, dass ich Letzteres weiß, hoffe ich.

    Das überlege ich mir nochmal bei einem oder mehreren Gläsern Cuba libre.


    Im Ernst, auch wenn ich dich direkt angsprochen habe, ging es mir darum, das nochmal generell klargestellt zu haben.


    Ich denke, den zitierten Satz muss man (wie eigentlich so vieles) zwangsläufig in einem Zusammenhang sehen, denn der Interpretationsspielraum reicht von "Alles nicht so schlimm" bis "Schon schlimm, aber noch nicht aller Tage Abend". Und wenn ersteres gemeint ist, bin ich ja voll bei dir (nüchtern auch).

  • Ich kann mich täuschen, aber es sieht fast so aus, als würde Klein-Boris seinen Kampf gegen die Wand, gegen die er mit dem Kopf rennen wollte, bis sie nachgibt, verlieren.


    Shocking!

  • Als ich realisierte, dass er tatsächlich - wie analytisch vorher geschlossen - auch empirisch keine Chance hat, Britannien unterzupflügen, habe ich mich gefragt, was er dann danach machen wird. Und die spontane Intuition war, dass er Trumps Pläne für nach der Wahl, die ja davon ausgehen, dass er verliert, aufgreifen wird: Er wird vielleicht nicht einen TV-Sender aufmachen, aber er wird uns als medial überpräsenter Pöbler gegen die Zivilisation sicher erhalten bleiben. Auf sein Rampen-Sau-Sein ist also Verlaß, dass sehe ich auch so.


    Aber irgendwie bin ich ganz schön froh, dass ich mich beim Brexit mit meinem Verdikt nach der Abstimmung ("Brexit wird nicht kommen", und ich habe die ganze Zeit dran festgehalten) nicht getäuscht habe, wie bei Trump. (Sollte doch ein Brexit kommen, wird er komplett entzahnt sein, reine Symbolpolitik.)


    Ein bisschen Schadenfreude, dass der Trottel so unmittelbar und schnell und heftig vom Parlament auf's Maul bekommen hat, kann ich mir hier nicht verkneifen. Obwohl ich weiß, dass sie unangemessen ist.

  • Ich würde das ja so teilen, wenn ich mir sicher wäre, dass aus Neuwahlen nicht BJ&Co als strahlende Sieger hervorgehen würden. Das manipulative Programm, das schon beim Referendum ganz ausgezeichnet funktioniert hat, läuft auf Hochtouren.

  • Ein bisschen Schadenfreude, dass der Trottel so unmittelbar und schnell und heftig vom Parlament auf's Maul bekommen hat, kann ich mir hier nicht verkneifen. Obwohl ich weiß, dass sie unangemessen ist.


    Wieso ist diese Schadenfreude unangemessen?


    :D:D:D:D:D

  • Die Unruhen in Südafrika sind auch gestern weiterggegangen.


    Mittlerweile haben einige afrikanische Stars und Regierungen Boycottmaßnahmen eingeläutet.


    Nigeria hat eine Reisewarnung ausgesprochen und boykottiert das Treffen des Wirtschaftsforums in Kapstadt.


    Sambia hat ein am Wochenende angesetzten Freundschaftsspiel in und gegen Südafrika abgesagt.


    Der Afrobeat-Star Burna Boy, Nigeria, gedenkt, nie wieder Südafrika zu betreten, wenn die Regierung nicht endlich Maßnahmen ergreift und erinnert an eigene Betroffenheit der südafrikanische Xenophobie 2017.


    Tiwa Savage, nigerianische Sängerin hat über Twitter gemeldet, dass ihr Konzert im September nicht stattfinden wird.


    Und Malema ruft wieder mal dazu auf, das Afrika endlich eins werden muss und die Gewalttaten gegen Schwarze Migranten endlich zurückgefahren werden sollten und stattdessen die Nettigkeiten gegenüber weißen Migranten, Chinesen oder Indern endlich aufhören müssen, da es nicht zu akzeptieren ist, dass die, ohne Papiere aufgegriffen, nicht so leiden müssen wie Schwarzafrikanische Migranten.


    Was der immer wieder über die Situation in Afrika sagt, kann ich durchaus nachvollziehen.

    Die Aggression in seinen Worten macht mir mir als Weiße mit Afrikabezug aber durchaus Angst.

  • Ich würde das ja so teilen, wenn ich mir sicher wäre, dass aus Neuwahlen nicht BJ&Co als strahlende Sieger hervorgehen würden. Das manipulative Programm, das schon beim Referendum ganz ausgezeichnet funktioniert hat, läuft auf Hochtouren.


    Die Überlegung ist, kurz gesagt, dass ein No-Deal-Brexit nicht zu verantworten ist. Nicht nur wegen der kurz- (Chaos), mittel- (Chaos & Zerstörung) und langfristigen (Chaos, Zerstörung & Auflösung Großbritanniens) Folgen, das würde die Irren kaum abschrecken. (Siehe AfD.) Sondern weil es absolut gar kein Konzept für ein isoliertes Großbritannien gibt, keine Vision, keine Vorstellung, wie sich irgendwas abzeichnen würde, wofür man all das Chaos, die Zerstörung und das Ende der staatlichen Form in Kauf nehmen oder aber zumindest riskieren sollte. (Labor hingegen arbeitet an einer solchen Version, wobei überhaupt das Ergebnis dieser Arbeit unsicher ist, vor allem aber Labor sich ja nun - wahrscheinlich nicht nur aus taktischen Gründen - gegen einen No-Deal-Brexit positioniert hat.)


    Trump hat versucht, Großbritannien so eine Vision anzubieten mit seinem Vorschlag einer Freihandelszone, was vielleicht die einzige Aktion von ihm jemals war, die Substanz hatte, wobei auch sie von reiner Zerstörungswut geleitet war, denn letztlich schneidet sich Amerika mit einem fragmentierten Europa in's eigene Fleisch. Aber die Versuchung, Ozeanien Realität zu machen, war wohl zu groß für god emperor Trump. (Als das schiefging, kam er offensichtlich auf die Idee, Grönland zu kaufen, in der Hoffnung, dass seiner Wählerschaft der Unterschied zwischen Britannien und Grönland nicht auffällt. Und sowieso ist Grönland ja eh - auf Mercator-Projektionen - viel greater.) Und die Aussicht, die Fremdbestimmung durch die EU durch ein Vassallenstatus bei der abtrünnigen Kolonie zu ersetzen, hat dann wohl in Großbritannien selber auch nicht wirklich Euphorie hervorgerufen, weswegen das Zuspiel von Boris vielleicht auch nicht richtig aufgenommen wurde.


    Aber ich schweife ab. Bei diesen Aussichten kann im Grunde genommen niemand, der danach nicht mit neuen Papieren und einer Gesichtsoperation auswandern oder in einem Bunker leben möchte, für einen No-Deal-Brexit stimmen. Dies war von Anfang an mein Schluß. (Hier, wo ich mich festlegte, allerdings nur angedeutet.) Die Gültigkeit dieses Schlusses wurde dadurch eingeschränkt, dass Politik zur Zeit offensichtlich immer mehr Realität und Ratio komplett ignoriert (siehe Trump & Republikaner), was ja tatsächlich auch ganz deutlich für die Person Boris Johnson gilt. (Unabhängig davon, ob er echt No-Deal will, um Brexit irgendwie hinzukriegen, oder so illusorisch ist, zu meinen, dass sich der Deal mit der EU mit einer realistischen Drohgebärde substanziell verbessern ließe. Beides ist gleichermaßen gaga.)


    Ich ziehe ja gerne mal - insoweit ich mich überhaupt zu ihr äußer - deftig vom Leder, wenn es um deutsche Politik geht, aber von der britischen Politik habe ich einen deutlich verheerenderen Eindruck. Dennoch: So tief, wie die Republikaner in den USA, sind sie wohl dann doch noch nicht gesunken. Stellt sich raus, dass sich das Parlament drüben doch nicht handstreichartig enteiern lässt und auch nicht einfach "Britannia rule the waves"-singend für den Weltuntergang stimmt.


    Ich gebe zu, ich war mir da nicht ganz sicher. Um so froher bin ich, dass ich jetzt (erstmal) bestätigt wurde. Und ich denke nicht, dass Neuwahlen da was dran ändern würden. Selbst wenn Boris als Sieger draus hervorgehen würde. Was ich mir nicht vorstellen kann, ich aber auch nicht beurteilen kann oder will. So oder so sehe ich nicht, dass er seinen "Anarchy in the UK"-Plan durchziehen könnte. Es braucht mehr als einen durchgeknallten Premierminister, um sowas durchzuziehen.

    Einmal editiert, zuletzt von ExilRoter ()

  • Ich bin mir bei BJ nie so sicher, womit er selber eigentlich kalkuliert (hat), und wie sein Plan ist (und ich unterstelle, er hat einen sehr langfristigen Plan, seit er der leave-Kampagne beigesprungen ist).


    Möglichweise liegt das Kalkül in Neuwahlen, und ist insoweit auch ein alles auf die eine Karte setzen.


    Und dann ist die Frage, was passiert in der extrem polarisierten Situation. Beim Referendum hatte sich die in weiten Teilen der "klassischen" englischen Landbevölkerung und zt der Oberklasse weit verbreitete grundsätzlich EU-kritische Haltung (und empire-triefende maßlose Selbstüberschätzung) verbunden mit Negativreflexen einer sich - grundsätzlich nicht zu Unrecht- vernachlässigt fühlenden traditionellen Arbeiter"klasse" va in Nordengland, und den Interessen der Fischerei und tw Landwirte. Das reichte dann knapp, weil leider viele in den Europa gegenüber offenen häufig eher jüngeren Teilen der Gesellschaft die Gefahr nicht ernst genug genommen hatten und erst nach dem Referendum aufgewacht sind.

    Ob sich da jetzt etwas dreht, ist die Frage. Unterschätzt wird die Gefahr jetzt sicher nicht mehr. Dann kann bei Neuwahlen eine Richtungsänderung nur durch eine Stimme für diejenigen erfolgen, die klar ein neues Referendum fordern. Dem stehen die gegenüber, die sich nun um ihren schon sicher geglaubten Austrittserfolg gerade von den Conservatives gebracht sehen, und sicher jetzt eher radikal wählen werden. Labour und va Corbin haben sich viel zu uneindeutig positioniert, und müssen die Positionen erst mal klar so oder so klarstellen und vermitteln. Nicht zu vergessen: viele der Stimmbezirke mit Labour-MPs haben für leave gestimmt.

    Und wenn es soweit gelingt, muss dann auch das Referendum gewonnen werden.


    Alles in allem... Ende offen mE :ahnungslos:

  • Naja, BJ ist als "Rampen-Sau" schon ganz gut charakterisiert. Es geht ihm darum, im Mittelpunkt zu stehen, Mittel, Inhalte und einhergehendes Flächenbombardement egal. Ich für meinen Teil denke, das ist genau wie bei Trump: Nicht nur möchte man um Nichts in der Welt versuchen, die Gedanken eines Irren nachzuvollziehen, nicht nur ist es komplett irrelevant, was da hinter der Stirn vor sich geht, es ist überhaupt schon eine steile These, dass da noch Hirnaktivität vorhanden sei.

  • ExilRoter: bei Trump sind wir da einer Meinung. Bei BJ sehe ich das etwas anders. Ich glaube, ansonsten hätte er schon die erste Gelegenheit nach dem Rücktritt von Cameron ergriffen und nicht May den Vortritt gelassen, in der Erwartung ihres Scheiterns.

  • Da hast Du einen Punkt, denn das wirkt tatsächlich so, als gäbe es Rest-Hirnaktivitäten.


    Aber man kann es auch ohne solche erklären. Johnson ist damals die Unterstützung durch Gove weggebrochen und über diese narzisstische Kränkung kam er nicht hinweg.


    Und: Hätte er damals schon gesehen, dass, aufgrund der Unmöglichkeit der Aufgabe, May zum Scheitern verurteilt ist, hätte er nicht nach May übernommen. Denn Brexit ist nicht einfacher geworden durch das Scheitern Mays. (Denke ich zumindest. Über Will(y)s Argumentation könnte man düstere Gegenargumente aufbauen in die Richtung: Um so tiefer die Schlammschlacht, um so besser kann man für No-Deal mobilisieren. Dennoch ist das für mich nicht wirklich überzeugend.)

    Ich gebe zu, ein bisschen kam in mir auch die Frage auf, welchen Plan er denn hätte, als er übernommen hat. Jetzt wissen wir es: Das Parlament in der Sauna einschließen und den Kahn mit Volldampf auf die Klippen setzen. What could possibly go wrong?

  • Was die Aktion von Gove betraf, ja, da wäre die Geschichte ansonsten wohl anders verlaufen. Aber da hat sich eben gezeigt, dass er auf geänderte Bedingungen reagiert. Und jetzt zeigt sich dass er neben jemandem, der einen Plan verfolgt, halt auch ein Gambler ist (und die schon angesprochene Rampensau).

  • Irgendwie ist 'glaube ich' scheiß egal was die machen - die Titanic rast in den Eisberg.

    Ob da nun einer schreit 'volle Kraft voraus', oder 'Maschinen rückwärts' erscheint mir egal.

    Sowie es keine neue Abstimmung über den Austritt an sich geben kann, welche das erste Reverendum überstimmt, sind die halt geliefert.


    Oder was sehen die Gebildeten (politisch interessierten) hier für eine Lösung?