Politischer Zoff-Thread oder so

  • Neu ist, dass wenn man Fakten erzählt, die nicht einer Ideologie entsprechen die momentan bei vielen in ist, man ziemlich runtergemacht und angefeindet wird.

    Ich hoffe ja noch, dass ich dich falsch verstanden habe. Worauf willst du hinaus? Welche Fakten darf man nicht nennen? Wer macht wen dann runter? Werd mal konkret.

  • Ach, ich hab halt wieder ein Video gesehen wo ein krasser Text analysiert wurde, da schlägste die Hände vor den Kopf. Mir hat mal jemand erzählt dass nur 5% der Leute dieser Mist interessiert, den meisten ist das egal. Aber diese 5% leben halt in ihrer eigenen Welt. Komisch nur dass diese 5% den anderen das aufdrängen wollen.

  • Kann ich später noch nennen aber ich will nicht wieder wieder Chaos und Unruhe stiften.

    Sorry, aber ich frage nach Ross und Reiter und von dir kommt "Text", "krass", "jemand", "Leute"... Darauf habe ich keinen Bock.

  • Doch, doch - natürlich willst du das.

    Ne, ich will das ganz bestimmt nicht sondern eher das Gegenteil. Da wo Chaos herrscht Ruhe rein bringen, also wo sich Leute in einer Sache nicht sicher sind eine gute Lösung präsentieren mit der alle zufrieden sind.


    sasa Macht nichts, die Zeit kommt wieder.


    Käptn Frühstück Das kommt sicherlich noch dazu, also zusätzlich.

  • Das meine ich z.B..


    Zitat

    Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat angesichts der jüngsten Proteste gegen Vorträge von ehemaligen Politikern eine respektvolle Diskussionskultur angemahnt. "Aggressive Gesprächsverweigerung, Einschüchterung und Angriffe" würden nicht gebraucht, sagte er in einer Rede in Berlin.


    Das offene Ohr, das beherzte Wort, die schonungslos ehrliche, aber auch respektvolle Auseinandersetzung seien Tugenden, die das Land heute dringend brauche, sagteSteinmeier. "Andere zum Schweigen bringen zu wollen, nur weil sie das eigene Weltbild irritieren, ist nicht akzeptabel."

    Zitat

    Bundesbildungsministerin Anja Karliczek warnte im "Spiegel" vor Gefahren für die Meinungsfreiheit und einer Verengung des politisches Diskurses. Universitäten müssten die Ausübung der Freiheiten von Wissenschaft und Lehre garantieren, unterstrich sie. "Es geht nicht, dass sich Studentengruppen oder Aktivisten als Meinungszensoren aufspielen", sagte die CDU-Politikerin. Dies sei "eine Entwicklung, die den Kern der Freiheit von Wissenschaft und Lehre berührt".


    "Bis in die Mitte der Gesellschaft hinein gibt es heute das Gefühl, man dürfe nicht mehr alles sagen", sagte die Ministerin. Der politische Diskurs dürfe nicht so verengt werden, dass man einen Teil der Gesellschaft verliere. Zu viele Menschen säßen auf dem "moralischen Thron". Nur weil sich jemand nicht voll gendergerecht ausdrücke oder nicht umfassend politisch korrekt formuliere, dürfe er nicht gleich runtergemacht werden, erklärte die Ministerin.

  • Eben! Man wird ja wohl noch von Flüchtlingen als "Bodensatz" sprechen dürfen. Oder von "Entartung von Demokratie und Parlamentarismus". Beides ist von Lucke.*
    Na klar: Da braucht es die "respektvolle Auseinandersetzung" weil die "das eigene Weltbild irritieren". Da sitzen die Gegner auf "dem moralischen Thron" nur weil einer nicht "umfassend korrekt formuliert".*

    Von wegen! Erst mit rechtem Gedankengut eine rechtsextreme Partei aufbauen und dann rumjammern, wenn Teile der Öffentlichkeit deutlich machen, dass man rechtes Pack nicht in der Lehre (oder/und sonstwo) haben möchte.
    Und was Steinmeier und Karliczek da von sich geben ist entweder bewusst verharmlosend oder einfach nur doof.


    *Das meine ich jeweils ironisch. Das genau Gegenteil ist richtig. Man wird nicht so sprechen dürfen. Das ist nicht nur irritierend und das ist nicht der moralische Thron sondern berechtigte Empörung.

  • Das hab ich jetzt nicht explizit gemeint aber Lucke hat sich in der Maischberger Sendung erklärt auch wenn es trotzdem unglücklich klingt. Ich meine es eher allgemein und inkludiere damit sogar Ansichten die mir selber nicht gefallen. Ich meine nicht unbedingt die AfD damit, weder damals noch heute und weiß auch gar nicht mehr wie rechts die zu ihren Gründungszeiten waren.

  • Ironiefrei, zum besseren Verständnis:


    Man darf immer alles sagen. Ich bin müde davon, das Gegenteil zu hören. Schon als Sarrazin sein Buch "Deutschland schafft sich ab" veröffentlicht hat, kam das Gequatsche auf. Er hat es doch veröffentlicht, oder? BILD, Spiegel und FAZ haben doch Teile daraus vorab veröffentlicht bzw. Exklusivinterviews mit ihm geführt, oder? Das ist zehn Jahre her. Damals gab es bereits Umfragen, die besagten: Würde Sarrazin mit solchen Inhalten eine Partei gründen, könnte sie 15% holen. Überall in Europa gab es bereits solche rechtspopulistischen Parteien. Nur in Deutschland nicht. Dumme Menschen glaubten, die Deutschen seien nach dem zweiten Weltkrieg davor gefeit. Aber niemand ist davor gefeit. Es gibt diese angeblichen Tabus nicht. Es wird die ganze Zeit über diese angeblichen Tabus gesprochen. Wenn es ein Tabu gäbe, würde darüber nicht gesprochen. Tabu heißt Verbot. Entweder ist es ein Tabu oder es ist Dauerthema.


    Ausländer sind hier seit Jahrzehnten Dauerthema. Als Gastarbeiter in den 60ern kamen, waren sie Thema. Als der Gastarbeiteranwerberstop 1973 kam, waren sie Thema. Kohl wollte den hier seßhaft gewordenen Geld für eine Rückkehr in die Hand drücken. So war es auch in den 80ern Thema. Anfang der 90er kamen Spätaussiedler und Bürgerkriegsflüchtlinge aus Jugoslawien. 1993 wurde das Asylrecht verschäft, es war schon wieder Thema. Roland Koch hat 1999 die Landtagswahl in Hessen mit diesem Thema gewonnen. Als die EU ihre Grenzen nach Osten geöffnet hat, 2004 oder so, war es Thema ("Arbeitnehmerentsendegesetz"). 2009 oder 2010 hat Sarrazin sein Buch veröffentlicht. 2013 wurde die AfD gegründet, spätestens seit 2015 ist diese nur noch monothematisch mit Ausländern unterwegs. Es war fortwährend und pausenlos immer ein Thema. Es ist kein Tabu. Es war niemals ein Tabu.


    Bernd Lucke hat die Büchse der Pandora geöffnet. Er hat eine Partei gegründet, die niemand gebraucht hat. Die AfD hat 2013-15 genau dieselben Inhalte vertreten wie CDU/CSU, FDP, SPD und Grüne. In einem einzigen Punkt hat sie sich von den anderen unterschieden: Sie war gegen die "Hilfskredite" für Griechenland (die Anführungsstriche sollen zeigen, daß die Gelder zwar Hilfskredite genannt wurden, aber keine waren). Das an sich ist noch nicht schlimm. Doch daraus ist, auch mit Mithilfe der BILD, eine Kampagne gegen die faulen Griechen und dann gegen alle südlichen Ausländer geworden. Die AfD wurde zum Sammelbecken der vielen Frustrierten. Lucke hat das immer bestritten. 2015 ist er dann von seiner eigenen Partei rausgewählt worden. Die Geister, die er rief, wurde er nicht mehr los. Die Geister wurden ihn stattdessen los. Dann hat eine neue Partei gegründet, die bis heute niemand kennt. LKR oder so ähnlich heißt sie. Nun hat er wieder an der Universität lehren wollen. Und er hat dabei Gegenwind erfahren.


    Man darf immer alles sagen. Wenn es sich jedoch nicht gehört, was man sagt, dann kriegt man Gegenwind. Zurecht. Es gibt kein Tabu, aber es gibt Gegenwind, wenn man etwas Unanständiges sagt.


    Man darf immer alles sagen. Was beklagt wird, ist der Gegenwind. Aber da mache ich nicht mit. Wenn sich was nicht gehört, dann gehört sich das nicht.


    "Politik" kommt aus dem Altgriechischen. "Polis" heißt Stadt oder Staat (damals gab es im alten Griechenland Stadtstaaten, da hat man nicht unterschieden zwischen Stadt und Staat). In der Politik wird diskutiert und entschieden, wie die Leute zusammenleben. Oder wenigstens friedlich nebeneinander her leben. In der Politik geht es um die Angelegenheiten in der Stadt, im Staat. Alles, was in irgendeiner Form menschenfeindlich ist, ist destruktiv. Gegen welche Menschengruppe es geht, ist unwichtig. Wichtig ist, wie wir alle unter einen Hut kriegen.


    Wer gegen eine Menschengruppe ist, kriegt deswegen den verdienten Gegenwind. Andernfalls ist die Gesellschaft reif für die Mülltonne. Denn andernfalls bekriegen sich Menschen. Krieg bringt nur Unglück.

  • Schön, dass hier so viele großartige Menschen rumlaufen, die diese Großartigkeit sogar noch in Worte fassen können.

  • Zum Glück bin ich nicht gegen Menschengruppen aller Art, gehöre ja selber auch zu einer andersartigen und die bekommt auch mal Gegenwind ab.


    Bin auch nicht gegen Ausländer denn mein Vater war selber einer, um das Thema ging es mir gar nicht.


    "Zum Glück" gibt es Unanständiges auch aus der anderen Richtung und den passenden Gegenwind, der ist allerdings weit weniger bekannt. In "" denn besser wäre es wenn beide drauf verzichten würden.


    Interessant wie es das schon so lange gibt, ich bin seit über 20 Jahren an Politik interessiert, hab das aber nie so sehr mitbekommen wie heute.


    Liberal Konservative Reformer heißt die Partei und dann gibt es noch die Blauen von Frauke Petry. Die Piraten kennt auch keiner mehr.


    Ich meine je genau das gleiche, man darf alles sagen bekommt dann aber auch die entsprechende Antwort. Vielleicht passen die beiden nicht immer zueinander aber das kann man nicht ändern weil man ja alles sagen darf.


    Wenn das alles so ist wie es ist, warum muss es dann extra noch vom Bundespräsidenten und vom ehemaligen betont werden?


    Und wer definiert was sich gehört oder nicht? Wir haben das Grundgesetz mit seinen Artikeln, aber das ist natürlich sehr weit gefasst.

  • Wenn Dich Geschichte interessiert, empfehle ich einen Blick in das SPIEGEL-Archiv. Alle Texte, die älter als ein Jahr sind, sind frei verfügbar. https://www.spiegel.de/nachrichtenarchiv/


    Die Suchbegriffe "Kohl Ausländer Türkei" oder "Kohl Mark Türkei" mit dem Suchfilter "vor 1990" bringt zum Beispiel diesen Artikel: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-13520281.html


    Daraus:

    Der Artikel ist von 1986. Der Artikel ist immer noch aktuell. Die Inhalte sind aktuell. Nur die Namen der Akteure haben sich geändert. Sogar der unsinnige Satz, es dürfe keine Tabus geben, ist immer noch aktuell. Der Satz ist aber immer unsinnig gewesen. Eine Gegenmeinung hat der Herr Zimmermann nicht gewollt. Wer gegen eine Menschengruppe agiert und Tabus darüber beschwört, der nutzt ein sogenanntes Totschlagargument. Mit Argumenten versucht man ja eigentlich, das Für und Wider auf den Tisch zu legen. Ein Totschlagargument hingegen soll die Gegenseite zum Verstummen bringen.


    1983 wurde über das Abschiedsgeld geschrieben: https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-14021231.html


    Da kommt doch die Frage auf, wo die "Neue Armut" herkommt. Das kann man alles nachlesen. Seit 1974 gibt es hier Massenarbeitslosigkeit. 1976, meine ich, hat der SPIEGEL eine dreiteilige Serie über das damals neue Phänomen der Jugendarbeitslosigkeit veröffentlicht. Im Osten gibt es durch den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft Millionen unterbrochener Erwerbsbiographien. Rotgrün hat dann in den 00ern mit der Formel Arbeit=Geld gebrochen durch die Förderung des Niedriglohnsektors. Und Deutschland hat über viele Jahre hinweg mit Lohndumping seine Wirtschaft auf Kosten der hiesigen Arbeitnehmer und auf Kosten des Auslands belebt.


    Das sind alles keine Wunderdinge, die vom Himmel fallen. Das sind politische Entscheidungen gewesen, die die neue Armut herbeigeführt haben.


    Steinmeier und Karliczek können aufgrund ihrer Posten kein Interesse daran haben, wenn an Universitäten Vorlesungen durch Störungen ausfallen. Sie werden eher ein Interesse daran haben, daß alles in Ruhe weiterläuft.

  • In Frankreich ist zum Ärger der Polizei wieder mal ein Fall von Polizeigewalt öffentlich geworden.


    Es geht um einen Vorfall in Paris im Juni.


    Aktivisten aus dem Tschad hatten ein lange leerstehendes Haus (es war schon früher besetzt, bis 2014), dies wurde dann geräumt.

    Drei Aktivisten wurden wegen diverser Punkte angeklagt.


    Die Aussagen der Polizisten waren einheitlich. Der Vorfall auf dem Dach nicht weiter erörtert s.u., Belege geschreddert, ...


    Die Tage tagte das Gericht und siehe da, dazu hab es nun ein Anwohnervideo von folgender Situation, die Aktivisten waren auf dem Flachdach des Gebäudes zusammengetrieben und dann einige mißhandelt.

    Die "Gewalttätigkeit" der Aktivisten würde nun in einem recht anderen Licht gezeigt. Die Aussagen der Polizei wirkten wohl auf einmal ziemlich konstruiert.


    Der Prozess geht jetzt erst im März weiter.

  • Die von Stephan zitierten Äußerungen Luckes sind schlimm, und er trägt auch Mitverantwortung für eine gesellschaftliche Akzeptanz des Aufstiegs der AfD, indem er ihr gemeinsam mit anderen (wie z. B. Henckel) ein bürgerliches Gesicht verlieh, so dass der braune Sumpf, den es darunter von Anfang an gab, verharmlost werden konnte.

    Aber die Äußerungen sind einige Jahre her, vor vier Jahren ist Lucke aus der Partei ausgetreten, seitdem gibt es meines Wissens auch keine rechtsextremen Aussagen mehr von seiner Seite. Zudem: Wenn man ihn als "Scheiß-Nazi" beschimpft, wie in Hamburg geschehen, was ist dann mit Gauland, Urban oder Höcke?

    Proteste vor dem Hörsaal finde ich okay und notwendig, aber ihn gewaltsam am Reden zu hindern, nicht. Das öffnet der Selbstjustiz Tür und Tor und macht Lucke zum Märtyrer, motiviert umgekehrt Rechtspopulisten, Vorträge von Liberalen und Linken zu sprengen, und bestärkt sie in der Rhetorik, es gebe Rede- und Denkverbote (womit die AfD und ihre Sympasthisanten in der Regel Widerspruch gegen rechtes Denken markieren).

    Bundesländer haben Wissenschaftsministerien, Unis Gremien, die auch über die Lehre entscheiden. Bevor man das Stattfinden einer Vorlesung verhindert, sollte man sich an die demokratisch gewählten Verantwortlichen wenden. Einen Beamten kann man nur schwer entlassen, aber die Uni hätte z. B. die Möglichkeit, eine zusätzliche Professur einzurichten, die Luckes Pflichtveranstaltungen (für Studierende) übernimmt, so dass der Besuch seiner Vorlesungen und Seminare nicht mehr "scheinrelevant" wäre.