Politischer Zoff-Thread oder so

  • Höhere Steuern auch schon auf meine Einkommensklasse (nein, ich bin noch nie mit dem Hubschrauber zur Arbeit geflogen, kann mich nie vor Feierabend entscheiden, welchen ich gerade nehmen soll) und natürlich erst recht auf noch höhere Einkommen würde ich begrüßen. Man könnte nun natürlich sagen, dann solle ich halt als ersten Schritt das Geld spenden, was ich ja wohl übrig zu haben meinte. Das hieße aber, dass ich selbst nach eigenem Gutdünken entschiede, wem ich das Geld gäbe. In einem gewissen Rahmen keine schlechte Sache, aber auch wenn ich selbstverständlich manche Ausgaben des Staates ziemlich scheiße finde, ist doch das Gute an den Steuern, dass eben nicht ich es bin, der entscheidet, wie sie verwendet werden, sondern letztlich die Gesellschaft gesamt, was sie damit finanzieren möchte.


    Und natürlich ist es auch gerecht, dass mit höheren Einkommen nicht nur die Steuern, sondern auch die Steuersätze steige: Es ist schließlich weit weniger problematisch, von zwanzig Hosen zehn abzugeben als von zwei Hosen eine; ganz zu schweigen davon, von einer Hose ein Bein opfern zu müssen. Und selbst wenn eine Hosenumverteilung von den Mehrbehosten zu den Minderbehosten dazu führte, dass es insgesamt weniger Hosen gäbe, lebte ich lieber in einem Land, dass für hundert Menschen vielleicht nur 500 Hosen hat, aber jeder hat zumindest eine, als in einem Land, dass für hundert Menschen tausend Hosen hat, aber zehn Leute sind nackt.

  • Ein gerechtes Steuersystem würde aus meiner Sicht bedeuten, dass jede Person, ob natürlich oder juristisch, eine Last trägt, die ihrem Vermögen entspricht. Konkret müssten dann die 10% der Superreichen, die über die Hälfte des Gesamtvermögens gehortet haben auch über die Hälfte der Gesamtsteuerlast tragen.

  • Na na na. Die Superreichen machen sich doch dann mit Koffern voller Hosen auf nach Monaco, wenn wir die noch höher besteuern wollen.

  • Grundgesetzänderungen sind immer ein schwieriges Thema. Erst recht, wenn der entsprechende Artikel eine direkte Replik auf NS-Unrecht ist.

  • Da gebe ich dir ohne wenn und aber recht. Im Geist des NS-Regimes möchte ich meinen Gedanken nicht verortet wissen.


    Der Grundgedanke geht eher in die Richtung einer selbst gewählten Abkehr von der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung und der daraus denkbaren Konsequenzen.


    Grundlinien dieser Überlegung könnten sein:


    „Die deutsche Staatsbürgerschaft geht automatisch per Gesetz verloren, wenn jemand auf Antrag eine ausländische Staatsbürgerschaft annimmt“.


    Oder:


    https://www.tagesschau.de/inla…tsangehoerigkeit-101.html

  • Oh, vorsicht, damit macht ihr aber auch das Faß der doppelten Staatsbürgerschaft - ja oder nein - in ganz anderer Richtung auf... nur das eine tun, ohne auch am anderen was zu ändern, wird kaum gehen, denke ich. Ok, ich bin kein Staatsrechtler, aber ich würde das mal so einschätzen.

  • wir brauchen eine geistig moralische Wende des Unternehmertums, Vom kleinen Unternehmer, der Mehrfachanträge zu Corona Subventionen stellt, über Mittelstandsbäcker, die am ersten Tag Corona Gegenwind sich heulend ins Rampenlicht stellen, bis zu den ganz Großen, die schnell Boni oder Dividenden auszahlen , um dann Subventionen aufgrund der Corona Belastung zu beantragen. Sittliche Verwahrlosung, gestützt auf windige Berater. Die Stützen unserer Gesellschaft arbeiten in der Pflege, dem Gesundheitswesen und vielen anderen Bereichen. Nach Corona sollte dringend eine Neubewertung vieler gesellschaftlicher Bereiche erfolgen. Bis auf den beiden FD Parteien traue ich allen Parteien zu, sich konstruktiv einbringen zu können.

  • wutzi96: Wie schon geschrieben geht es mir in dem ins Unreine Gedachte um eine Konsequenz aus der selbstgewählten Abkehr von der gesamtgesellschaftlichen Verantwortung.


    Dieser Gedanke müsste selbstverständlich noch weiter diskutiert werden und ist ebenso selbstverständlich noch weit weg von der Realisierung.


    Mir geht es dermaßen auf den Sack, dass sich ein paar Vermögende aus dem Staub machen, sobald es darum geht, Steuern zu bezahlen :sauer: oder auch abzugeben, wenn es die gesellschaftliche Situation erfordert.

  • Alter Ego : kein Dissenz in der Sache und der Problemstellung. Aber das Thema Staatsbürgerschaft / Wahl der Staatsbürgerschaft / Ausbürgerung etc ist mir ein zu hohes Gut, um das hierfür zu instrumentalisieren.


    Nebensache : am Ende geht es auch immer um Moral und Werte, auf allen Ebenen. Und da haben wir leider deutlichen Nachbesserungsbedarf, nicht nur, aber auch im Unternehmertum.

  • Na na na. Die Superreichen machen sich doch dann mit Koffern voller Hosen auf nach Monaco, wenn wir die noch höher besteuern wollen.

    selbst in den usa gibt's für sowas übrigens ne exit-tax.

    hier aber aufgrund des steuervermeidungsvereins EU nicht effektiv


    siehe

    Zitat

    Wegzugsbesteuerung und Exit Tax innerhalb der Europäischen Union

    Eine mit § 6 AStG vergleichbare französische Norm war Kernpunkt des EuGH Urteils EuGH Rs. C-9/02 v. 11.3.04, – de Lasteyrie du Saillant. Hier hatte der EuGH einen Verstoß gegen die sogenannte Niederlassungsfreiheit, eine der „Grundregeln der EU“, festgestellt.

    Um EU-Recht nicht zu wiedersprechen hat auch der deutsche Gesetzgeber seine Vorschriften zur Wegzugbesteuerung insoweit angepasst, als dass bei einem grenzüberschreitenden Sachverhalt innerhalb der EU eine zinslose Steuerstundung (ohne Sicherheitsleistung) bis zu einer tatsächlichen Veräußerung gewährt wird – an dem Grundsatz der Wegzugbesteuerung wurde allerdings festgehalten. Eine Steuerpflicht entsteht damit nicht im Zeitpunkt des Wegzugs – bzw. der Realisierung der Ersatztatbestände – sondern erst bei der tatsächlichen Veräußerung. Jedoch ist bei Vorgängen innerhalb der EU (und EWR) der Sachverhalt dennoch dem Finanzamt mitzuteilen. Die Steuererklärungspflicht des Wegzugs bleibt also bestehen.

  • Wieviel mehr Motivation und Lebensfreude zieht jemand, der 3Mio € im Jahr verdient aus einer 3% Gehaltserhöhung, von der ihm derzeit ~ 50.000 netto mehr bleiben?
    Wie sehr kastet es ihn an, wenn es stattdessen nur 25.000 Euro wären?

    Arbeitet man auf diesen Niveau noch für den nächsten Euro, oder schon, weil die Tätigkeit befriedigt?


    Warum gibt es eine Beitragsbemessungsgrenze? Sind Gutverdiener gesünder und weniger belastend für die Gesellschaft oder ist das einfach die Grenze der Solidargemeinschaft?


    Grenzenlosen Individualismus halte ich für eine der Geisseln unserer Zeit. Bedingungslose Freiheit funktioniert nur dann, wenn sich alle ihrer Verantwortung für das Ganze bewusst sind und entsprechend handeln.

  • Die erste Frage kann ich Dir nicht wirklich beantworten. Es ist ja auch praktisch niemand mit so einem Gehalt ein normaler Arbeitnehmer, der eine Gehaltserhöhung bekommt. Sondern das sind neben Profifußballern im wesentlichen Vorstände. Und ja, die handeln ihr Gehalt mit den Aufsichtsräten aus. Und auch dort sind Gehaltsanpassungen natürlich ein Zeichen von Wertschätzung.


    Bei der Beitragsbemessungsgrenze hängt es davon ab, von welcher Versicherungsart wir sprechen. Bei der Renten- und Arbeitslosenversicherung sind ja auch die Anwartschaften entsprechend gedeckelt.


    Die GKV ist halt irgendwie ein Zwittermodell zwischen Versicherung und Daseinsvorsorge. Versicherungen kosten für jeden das gleiche (also als Betrag, wirklich flat, und nicht einmal linear zum Einkommen). Wer 4.000 Euro brutto verdient, zahlt den doppelten Krankenversicherungsbeitrag wie jemand, der 2.000 Euro brutto verdient, für genau den gleichen Versicherungsschutz. Das ist anders als in der Haftpflichtversicherung oder der Hausratversicherung. Deswegen hat man wohl irgendwo mal eine Grenze eingezogen, ab der man den Leuten nicht mehr zumuten will, für die gleiche Leistung mehr zu bezahlen. Das ist (wohl) verfassungsrechtlich zwingend, soweit man in der Versicherungslogik bleiben will, in der ein bestimmter Beitrag einem bestimmten Leistungsanspruch entgegensteht.


    Die Logik ist indes m.E. nicht zwingend. Man könnte Gesundheit auch einfach zur Daseinsvorsorge machen, das Gesundheitssystem steuerfinanzieren und damit dann auch die Kosten letztlich anhand progressiver Steuersätze (und jedenfalls ohne Bemessungsgrenze) verteilen. Dann gibt es indes auch keinen bestimmten, definierten Leistungsanspruch mehr und dadurch wahrscheinlich einen Qualitätsverlust.

  • Man könnte Gesundheit auch einfach zur Daseinsvorsorge machen, das Gesundheitssystem steuerfinanzieren und damit dann auch die Kosten letztlich anhand progressiver Steuersätze (und jedenfalls ohne Bemessungsgrenze) verteilen. Dann gibt es indes auch keinen bestimmten, definierten Leistungsanspruch mehr und dadurch wahrscheinlich einen Qualitätsverlust.

    Bestimmt wird es keinen Qualitätsverlust geben. Den erleben wir doch eher durch Privatisierungen. Sei es bei der Brief- oder Paketpost, Telekom, öffentlicher Schienenpersonennahverkehr. Und auch im Gesundheitswesen wird es doch durch Privatisierungen eher schlechter als besser. Einfach mal den Spieß umdrehen und gucken was passiert.