Politischer Zoff-Thread oder so

  • Es "entmenschlicht" Opfer, wenn man den rassistischen Hintergrund ihrer Morde benennt?

    Au contraire: es verharmlost die Taten des Mörders, wenn man es nicht tut.


    Alain de Benoist? Ernsthaft? Nachtigall.....

  • Es "entmenschlicht" Opfer, wenn man den rassistischen Hintergrund ihrer Morde benennt?

    Au contraire: es verharmlost die Taten des Mörders, wenn man es nicht tut.


    Alain de Benoist? Ernsthaft? Nachtigall.....

    Du willst mich wohl bewusst missverstehen. De Benoist' Kritik der Menschenrechte ist anti-westlich motiviert und strukturell ähnelt die Argumentation der Idenitätspolitil von links. Auf diese unselige Gemeinsamkeit hinzuweisen bedeutet jetzt genau was für dich?


    Die Entmenschlichung geschieht dadurch, dass die Opfer gekapert werden. Für Erdogan und türkische Interessenverbände in Deutschland war wichtig, dass es Türken und/oder Moslems waren. Dabei wissen wir nichts über ihre Glaubensausrichtung oder ob es vielleicht Kurden waren. Das spielt letzendlich auch keine Rolle, sondern dass Menschen, die einen schönen Abend verbringen wollten, aus "fremdenfeindlichen" (Tätersicht) Motiven ermordet wurden. Aber die Vereinnahmung geschah aufgrund einer vermeintlichen Gruppenidentität.

  • De Benoist' Kritik der Menschenrechte ist anti-westlich motiviert und strukturell ähnelt die Argumentation der Idenitätspolitil von links.

    Kühne Behauptung. Den Zusammenhang hätte ich jetzt gerne mal erklärt.

  • Die Mutmaßung ist dann offenbar deine und nicht die von irgendjemandem, der mit der diesbezüglichen Untersuchung oder zumindest Berichterstattung befasst ist, nehme ich mal an?

    Zitat

    The shooting is still under investigation, and no suspects are in custody.

    Und dann noch hierzu:

    Es geht doch darum, dass die Empörung über Tote proportional größer ist, wenn es die richtigen Täter waren.

    Die Empörung über Tote hängt generell von den Umständen des Todes ab. Dazu gehören natürlich gegebenenfalls der Täter und seine Motivation. Sollte meine hundertjährige Tante irgendwann mal von uns gehen, sind wir natürlich traurig, aber die Empörung wird sich wohl in Grenzen halten.


    Wenn ein Elternteil sein Kind gezielt umbringt, weil es nicht in die Lebensplanung passt (zu solchen Fällen gibt es hier sogar einen eigenen Thread) ist die Empörung selbstverständlich und richtigerweise groß, überrollt ein Elternteil das in der Einfahrt spielende Kind versehentlich mit dem Auto, wird der gleiche Täter vermutlich eher Mitgefühl ernten.


    George Floyd wurde Opfer rassistischer Polizeigewalt (das sind gleich zwei sehr spezielle Aspekte dieser Tat), die Hintergründe von Horace Andersons Tod sind offensichtlich noch unklar. Welchen Grund (abgesehen vielleicht von der US-Waffenkultur) gäbe es für Empörung, die mit der über Floyds Tod vergleichbar wäre, wenn sich beispielsweise herausstellte, dass es sich um einen banalen Nachbarschaftsstreit handelte? Und daher sind beispielsweise auch rassistisch motivierte Morde wie die des NSU ein politisches Thema, nicht jedoch ein von einem Menschen mit Migrationshintergrund begangener Raubmord. Solange man nicht daran glaubt, dass die alle von Merkel hergeholt wurden, um uns Weiße auszurotten.

  • Es ist eine ganze Weile her, dass ich ihn gelesen habe, aber im Kern geht es um seine Rezeption des Kommunalismus, der Rechte für Gruppenidentitäten fordert. Das bedeutet im Kern eine Abkehr vom westlich-individialistischen Ansatz der Menschenrechte.

    Linke Identitätspolitik rezipiert die Gruppenzugehörigkeit aus Sicht der Unterdrücker-Unterdrückten Dichotomie, die ich an sich schon für Unfug halte, weil es unterkomplex ist, aber einer bestimmten Erzählung dienlich ist. Diese Zwangskollektivierung endet in der Vertretung unvereinbarer Partikularinteressen. Das wird dann noch mit etwas Kulturrelativismus vermischt und schon haben wir die Misere.

    Wenn die politische Linke das ernsthaft weiterbetreiben möchte, dann sollte sie bloß im Auge behalten, dass diese Politik genauso anschlussfähig von rechts ist.

    Wenn man will kann man das an der Wahl von Trump schon beobachten.

    Ich könnte jetzt noch Fukuyama als Kronzeugen anführen, aber ich habe leider sein Buch dazu nicht gelesen und mein Wissen beschränkt sich auf einen Vortrag dazu, den er vor längerer Zeit hier Hannover dazu gehalten hat.

  • Aber struktureller Rassismus wird weder weniger noch weniger schlimm, nur weil Menschen auch aus anderen Gründen sterben.

    Naja, wenn man darauf sonst hinweist, wird das halt je nach Konstellation als Hufeisentheorie, Whataboutismus oder Relativierung abgetan. Jedenfalls, wenn man an den anderen Gründen auch arbeiten will.

  • Es ist eine ganze Weile her, dass ich ihn gelesen habe, aber im Kern geht es um seine Rezeption des Kommunalismus, der Rechte für Gruppenidentitäten fordert. Das bedeutet im Kern eine Abkehr vom westlich-individialistischen Ansatz der Menschenrechte.

    Linke Identitätspolitik rezipiert die Gruppenzugehörigkeit aus Sicht der Unterdrücker-Unterdrückten Dichotomie, die ich an sich schon für Unfug halte, weil es unterkomplex ist, aber einer bestimmten Erzählung dienlich ist. Diese Zwangskollektivierung endet in der Vertretung unvereinbarer Partikularinteressen. Das wird dann noch mit etwas Kulturrelativismus vermischt und schon haben wir die Misere.

    De Benoist war also eine Luftnummer von Dir.

    Der Rest - mit Verlaub - ist chauvinistisches Geschwätz. Ein genauer und unverstellter Blick in die Geschichte zeigt die Ausgrenzungsstrategien in deren Folge Interessen und Rechte von ganzen Bevölkerungsgruppen keine Berücksichtigung fanden und schlimmer noch unterdrückt wurden.

    Bei der Ausgrenzung ging es selbstverständlich um durch bestimmte Kategorien definierte Gruppen.

    Warum musste es in den USA eine Bürgerrechtsbewegung der Afro-Amerikaner geben? Weil sie in den USA gleichberechtigt waren?


    Wie konnte es in der BRD dazu kommen, daß bis in die 90er Jahre hinein, der §175 StGB gültig war? In wessen mangelndem Interesse lag die späte Abschaffung und durch wen, wurde diese erreicht und welche Prozesse waren hierfür erforderlich?


    Wie groß waren die Bestrebungen der deutschen Gesellschaft, die sog. "Gastarbeiter" Teilhabe an gesellschaftlichen und politischen Prozessen zu gewähren? Dazu könnte man für die heutige Zeit die Analogie zu den Arbeitsverhältnissen in der Fleischindustrie herstellen.


    Wie groß war das Interesse der konservativ geprägten zum größten Teil männlich geprägten Politiker, Frauen ein von Männern durch eigene Erwerbstätigkeit unabhängiges Leben führen zu können, zu ermöglichen?

    Der ganzen Komplex zum §218 StGB bediente wessen Interesse?


    Wenn es die wissenschaftliche Erkenntnis gibt, daß die Herkunft und das soziale Milieu entscheidend für den Grad an Bildung von Kindern und Jugendlichen ist, dann ist die Beseitigung dieses Nachteils kein "Partikularinteresse". Denn Bildung und Demokratie gehören untrennbar zusammen.


    Wenn man das zusammenfasst (und es ist noch vielfältig erweiterbar), repräsentiert die Politik in der Umsetzung gesellschaftlicher Fragen bis in die 70er/80er Jahre die Partikularinteressen der deutschen, heterosexuellen Männern. Diese Partikularinteressen werden im Rahmen von Emanzipationsbestrebungen durch die Gruppen deutlich gemacht, die von Teilhabe und Macht bisher ausgeschlossen waren.


    Zur Demokratie gehört eben die Gewährleistung der Teilhabe an demokratischen Prozessen für alle. Ausschlusskriterien, wie bspw. Stigmatisierung müssen beseitigt werden.Gegen die Beseitigung wenden sich dann diejenigen, die um Einfluss und Macht fürchten.

    Deswegen ist die Betonung von westlich-individualistischem Ansatz auch eine Verschleierung der eigentlichen Intention. Die mangelhafte Umsetzung des westlich-indvidualistischem Ansatzes hat die Emanzipationsbewegungen erst notwendig gemacht. Und deren Errungenschaften sollen in einer "konservativen Revolution" (Dobrindt) zurückgebildet werden.

  • Biden ist wählbar für viele, gerade weil Trump offensichtlich ein Vollidiot ist.


    Mit Sanders hätte Trump eine echte Chance gehabt, meine Meinung, da er für viele Konservative einfach nicht wählbar gewesen wäre


    Nachtrag


    Sanders wäre auch der Kandidat in Putins Sinne gewesen, glaub ich

  • Du musst dich schon inhaltlich auseinandersetzen bevor irgendwas als Luftnummer und chauvinistisch abgekanzelt wird. Aber wenigstens mal mehr als inquisitorische Fragen und willentliche Missinterpretation.

    Dein historischer Exkurs bestätigt doch nur die Überwindung tatsächlich struktureller Benachteiligungen, da in Gesetzesform gegossen. Wenn du mir konkrete Beispiele nennen kannst, wo solche Benachteiligungen nach wie vor per Gesetz bestehen, können wir darüber gerne diskutieren. Das muss dann aber auch mal konkretisiert werden und nicht im luftleeren Raum der vermeintlichen Selbstevidenz schweben.

    Da bleibt aber oftmals nichts mehr von übrig, wenn man es genauer betrachtet.


    Ein aktuelles Beispiel zur fehlgeleiteten Idenitätspolitik ist die Mandatsliste in Brandenburg, bei der jeder zweite Listenplatz einer Frau zugestanden werden soll. Als würden Männer nicht ebenfalls Politik für Frauen machen können. Was wäre das überhaupt? Als ob nicht Frauen als Gruppe schon die unterschiedlichsten Meinungen hätten, siehe Beatrix von Storch und Petra Pau. Wo hören diese Identitäten auf? Was hindert Brandenburg daran, Quoten für Linkshänder, Landbewohner, Unternehmer oder Katholiken festzusetzen? Stattdessen wird eine Identität erschaffen, die im politischen Sinne so gar nicht existiert. Es geht also nicht um die demokratische Aushandlung sondern als vermeintliche Advokaten einer Gruppe politische Interessen durchzusetzen.

    Niemand fragt die Schwarzen, ob sie durch BLM vertreten wollen werden und ob sie sich darüber definieren oder ob sie nicht lieber als Professor, staatlicher Angestellter oder Arbeitsloser repräsentiert werden wollen. Diese gutgemeinte Zwangskollektivierung der Identität ist ein ganz alter Abwasch und ich halte es nach wie vor für sehr gefährlich.

  • The killing of Jeremy Corbyn


    Oder


    Die mediale Ermordung von Jeremy Corbyn



    Interessantes Stück Journalismus.

    Nur ein Beispiel:


  • Zitat

    Die Region (Oromia) wird seit Jahrzehnten politisch und wirtschaftlich vernachlässigt. Es ist eine lange Geschichte der Marginalisierung, die schon unter Kaiser Menelik II. begann.

    Er herrschte von 1889 bis 1913 und eroberte in wenigen Jahren die Völker im Süden Äthiopiens, das Emirat Harar, das Sultanat der Afar, die Königreiche der Kaffa und Oromo. Die Einheit des Vielvölkerreiches mit über 80 Volksgruppen war von Anfang an durch ethnische Zentrifugalkräfte bedroht, durch Unruhen, Aufstände, Sezessionsbestrebungen.

    Spiegel

    Ausschreitungen in Äthiopien


    Lieder des Zorns

    Nach dem Tod des Sängers Hachalu Hundessa kommt es in Äthiopien erneut zu tödlichen Ausschreitungen. Droht der Staatsumbau von Nobelpreisträger Abiy Ahmed zu scheitern?



    lch mache mir große Sorgen, daß dieses Land zerbricht, an seinen eigenen, nicht importierten Problemen.


    Das wäre für Afrika insgesamt eine echte Katastrophe

  • Und er kommt zu dem Ergebnis:
    Nur ein Traum war das Erlebnis.
    Weil, so schließt er messerscharf,
    "nicht sein kann, was nicht sein darf."