Politischer Zoff-Thread oder so

  • ok, dennoch ist die Wehrpflicht ein absolutes Auslaufmodell. Gerade, wo die Arbeitswelt mittlerweile derart flexibel ist, dass es für viele einen massiven Einschnitt in die persönliche Vita bedeuten kann, 6-9 Monate nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Sieht man ja auch an diverseN Ländern in Europa, die keine haben. Sind die jetzt deswegen weniger verbunden mit anderen Streitkräften oder gar demokratiefeindlich? Ich denke nicht!

    https://www.sueddeutsche.de/po…uropa-noch-gilt-1.4083048


    Dänemark, Estland, Finnland, Griechenland, Litauen, Österreich, Norwegen, Schweden, Schweiz, Zypern.


    Litauen und Schweden nach der Abschaffung wurde die Wehrpflicht wieder eingeführt.

  • Zwang ist sowas wie "Mach das, sonst bestrafen wir dich ganz doll". Pflicht dagegen kann auch positiv belegt sein. Ich kann es zum Beispiel als meine persönliche Pflicht ansehen staatsbürgerliche Aufgaben zu übernehmen - ganz ohne Zwang.

    Nun ja, Strafen gab gehörig, wenn man sich der Musterung und/oder der Wehrpflicht entzogen hat. Sogar so streng, dass das ins Strafregister gelandet ist. Ein Freund von mir hat 18 Monate Haft auf Bewährung erhalten, weil er das alles einfach ignoriert hat. Hatte allerdings auch schon was vorher auf dem Kerbholz (Gras). Persönliches Pflichtempfinden und staatlicher Zwang unter Strafandrohung ist für mich nicht auf eine Stufe zu setzen.

    Einmal editiert, zuletzt von Insane96 ()

  • Über das Strafmaß einer solchen Aktion kann man sicherlich vortrefflich diskutieren. Das fände ich heutzutage auch völlig überzogen. Dürfte ein Relikt des kalten Krieges sein. Sich der Musterung zu widersetzen ist allerdings auch irgendwie... unsinnig?! Selbst wenn ich nicht zum Bund wollte, konnte ich doch immer noch Verweigern und Ersatzdienst ausüben. Das musste man selbst als Pazifist ja nicht überstrapazieren, denn die Strafen für solch ein Handeln waren nun auch nicht gerade unbekannt. Also ging man zur Musterung hin und gut war's.

  • Insane96: Selbstverständlich kann man auch mit guten Gründen gegen eine Wehrpflichtarmee sein. Die Diskussion in den 50er Jahren beinhaltete übrigens auch den Aspekt, dass eine enge Verbindung zwischen den Streitkräften und der parlamentarischen Demokratie sichergestellt werden sollte.


    Wenn das auch mit einer Berufsarmee realisierbar ist, dann umso besser. Aktuell bin ich mir da aber nicht so sicher.

    ok, dennoch ist die Wehrpflicht ein absolutes Auslaufmodell. Gerade, wo die Arbeitswelt mittlerweile derart flexibel ist, dass es für viele einen massiven Einschnitt in die persönliche Vita bedeuten kann, 6-9 Monate nicht dem Arbeitsmarkt zur Verfügung zu stehen. Sieht man ja auch an diverseN Ländern in Europa, die keine haben. Sind die jetzt deswegen weniger verbunden mit anderen Streitkräften oder gar demokratiefeindlich? Ich denke nicht!

    Pauschal kann man sicherlich nicht seriös sagen, welche Modelle kompatibler mit demokratischen Gesellschaften sind und welche nicht. Wahlpflichtarmee vs. Berufsarmee ist nicht die für mich entscheidende Frage.


    Ist eine Armee notwendig und gewollt? Wenn ja, welche Funktionen soll eine solche Armee erfüllen? Wie soll sie in die Gesellschaft eingebettet sein?


    In diesem Zusammenhang würde ich gerne zukunftsorientierte sozialwissenschaftliche Modelle betrachten. Der US-amerikanische Militärsoziologe Charles Moskos spricht beispielsweise von postmodernen Streitkräften. Ein interessanter Gedanke.


    „"Postmoderne" Streitkräfte sind demnach typischerweise kleine Freiwilligenarmeen, zu deren Hauptaufgaben Peacekeeping und humanitäre Einsätze gehören – im angloamerikanischen Sprachgebrauch: "military operations other than war" (MOOTW). Für postmoderne Streitkräfte gilt nicht (mehr) der Kämpfer beziehungsweise Führer im Gefecht (wie zur Zeit bis 1945) oder der militärische Manager (wie zur Zeit des Kalten Krieges) als berufliches Leitbild, sondern der militärische Diplomat und wissenschaftlich (aus)gebildete Soldat ("soldier-statesman"; "soldier-scholar"); sie zeichnen sich zudem durch die Integration vormals ausgeschlossener Personengruppen wie Frauen und Homosexuelle aus. Postmoderne Streitkräfte suchen schließlich engen Kontakt zu den Medien, haben es jedoch mit einer Bevölkerung zu tun, die ihnen weitgehend indifferent gegenübersteht.“


    https://m.bpb.de/apuz/307660/wandel-des-soldatenberufs

  • ich könnte dir jetzt genausoviele nennen, die keine (mehr) haben.

  • Mach mal!

  • Grossbritannien, Irland, Niederlande, Belgien, Spanien, Portugal, Italien, Polen, Tschechien, Bosnien, Kosovo, Kroatien, Luxembourg, Rumänien, Slowakei.. Reicht? In den von dir genannten Ländern werden, zumindest lt. Wikipedia, auch teilweise weniger als 20% der Wehrpflichtigen eingezogen (Schweden 2%). Von einer „allgemeinen“ Wehrpflicht würde ich da nicht mehr sprechen wollen.

    Einmal editiert, zuletzt von Insane96 ()

  • Warum wundert es mich nicht, dass deine Konnotation "Zwang" ist und meine "Pflicht"? :grübel:

    Ist Plicht kein Zwang für dich?

    Plicht ist eher eine Art offener Bereich des Bootes im Seemannsjargon.


    Pflicht wiederum als reinen Zwang zu definieren, heißt, alles als selbstverständlich anzunehmen, was in diesem Land hier gut läuft (und da gibt es einiges, auch wenn wir eigentlich alle miese Kolonialisten sind), ohne darüber nachzudenken, wie es zustande kommt. Eine Pflicht ist auch eine angenommene Aufgabe.

    Es gibt durchaus gute Gründe, nicht immer nur zu nehmen, sondern auch aktiv an der Gesellschaft mitzuarbeiten. Pflichten zu übernehmen, hat etwas von Verantwortung, die man wahrnimmt.


    Pflichtbewusstsein ist nix Negatives, sondern eine Notwendigkeit und eine positive Eigenschaft.


    //edit:

    P.S.: Dich möchte ich nicht als Mitarbeiter haben, wenn Du Pflichten als Zwang ansiehst.

  • Den Satz "(und da gibt es einiges, auch wenn wir eigentlich alle miese Kolonialisten sind)" finde ich einerseits gut, andererseits könnte er aber auch zu moralisch aufgeladen sein, denn letztlich ist es das Wesen des Menschen kolonial zu agieren, oder simpel gesagt im Zweifel auf Kosten anderer einen Vorteil mitzunehmen. Daher ist eigentlich jeder Mensch ein Kolonialist und nicht nur ein Brite, Franzose oder Deutscher, sondern eben auch (und durchaus auch mal mehr als wir) ein Nigerianer, Kenianer oder Araber. Siehe auch: https://www.focus.de/politik/d…ist-sein_id_12173171.html

  • Welpenschutz bei einem halben Jahrhundert Lebenserfahrung und diesen großartigen Verdiensten um die Unterstützung des besten niedersächsischen Vereins der Welt in der Fremde - eine gewagte These :besserwisser:

  • Und dann haben die Weißen nichtmal beigebracht wie man eine Volkswirtschaft führt:


    https://www.newzimbabwe.com/vp…ocals-how-to-run-economy/


    Aber um wieder etwas ernsthafter zu werden, das folgende Interview, neben einigem Unsinn, hat auch interessante Perspektiven zu bieten:

    https://de.qantara.de/inhalt/i…rstellungen-haengen-nicht


    Terkessidis spricht die deutsche Ostsiedlung als Kolonialisierungsprojekt an oder verweist darauf, wir Rassismus hautfarbenunabhängig sein kann.

    Ich kann mich mit der Interpretation nicht ganz anfreunden, aber wie gesagt, interessante Perspektiven allemal.

  • Zitat

    Geprägt worden sei der heutige Präsident von seinem Vater Fred, einem "Soziopathen", der die Entwicklung menschlicher Gefühle bei seinem Sohn unterdrückt habe, schreibt die promovierte Psychologin laut Washington Post. "Indem er Donalds Zugang zu seinen eigenen Gefühlen beschränkte und viele von ihnen inakzeptabel machte, hat Fred die Wahrnehmung seines Sohns von der Welt pervertiert und seine Fähigkeit beschädigt, in ihr zu leben."

    Mary Trump Enthüllungsbuch:


    "Ich kann nicht zulassen, dass er mein Land zerstört"


    Zeit


    Insgesamt wohl leider keine wirkliche Überraschung.


    Seine Anhänger wird es eh nicht stören

  • Es geht eigentlich nicht um die Anhänger. Aus meiner Sicht könnte die Analyse schlüssig sein und menschliche Sympathie zu Trum fände auch ich kurios. Umgekehrt sehe ich derzeit jedoch einen Fetisch, alle Verfehlungen der Welt mit immer neuen Kanonaden Trump anzulasten. Auf Dauer langweilt das, weil es den Blick für inhaltliche Debatten verstellt.