Politischer Zoff-Thread oder so

  • Palästina / Israel ist seit mindestens 76 Jahren ein Hexenkessel. Und keine der beteiligten Parteien, auch nicht von außen, hat daran bislang etwas ändern können. Die Situation ist sowas von verfahren. Auf diplomatischem Wege hat's mal wieder nicht geklappt, nun kracht's dann halt zum x-ten Mal. Das ist einfach nur Scheiße. Nur wie will man das alles friedlich lösen? Israel und die Hamas werden bestimmt keine Freunde mehr. Und selbst wenn die Hamas militärisch besiegt würde, die Situation für die Menschen im Gazastreifen und im Westjordanland bleibt angesichts der israelischen Siedlungspolitik und Null Perspektive auf einen eigenen von allen anerkannten Staat schwierig.

  • @ donnergott :


    da liegst du imo teilweise falsch.


    1. Die palästinenser werden nie einen eigenen staat bekommen, die zeit , in der das möglich gewesen wäre, ist längst vergangen. das westjordanland ist so von israelischen siedlungen durchsetzt, dass es niemals mehr teil eines unabhängigigen palästinensischen staates werden kann. bleibt noch der hoffnungslose gazastreifen. an dem hat israel eigentlich kein interesse mehr, d.h. die israelis wollen gar nicht (mehr) , dass der gazastreifen teil israels wird.


    die forderung nach einer zwei-staaten lösung ist nur noch ein ritual ohne jede substanz.


    was für optionen bleiben ? Die einstaatenlösung mit israelischer staatsbürgerschaft für alle palästinenser in gaza und in der westbank. wird für israel niemals in frage kommen, da es sich erklärtermaßen um einen jüdischen staat handelt und das auch so bleiben soll. dies wäre aber dahin, da die arabisch-palästinensische bevölkerung bei dieser lösung die bevölkerungsmehrheit stellen würde.


    das was die hamas will, ist ja eigentlich ein großpalästina inklusive des westjordanlands , gaza und des heutigen israels. und das am liebsten ganz ohne juden. das wird von israel verständlicherweise abgelehnt.


    ich sehe keine lösung, solange nicht alle bedeutenden player auf palästinensischer seite Israel ohne wenn und aber anerkennen und ihren bedingungslosen verzicht auf kernisrael erklären. sollte sich das ändern hätten wir vielleicht wieder eine andere ausgangssituation, in der sich innenpolitisch auch in israel etwas ändern würde, was zu einem kompromiss irgendeiner art führen könnte.

  • und Null Perspektive auf einen eigenen von allen anerkannten Staat schwierig.

    richtig , es gibt null perspektive darauf. die europäer sollen mit dieser verlogenen leier aufhören und über realistische lösungsansätze nachdenken.

  • In Chile fanden gestern die Wahlen zur verfassungsbildenden Versammlung statt. Es gab einen hohen Sieg für die Linke und interessant dabei ist, dass so viele Frauen gewählt worden, weshalb die Quotenregelung für die Männer angewendet werden muss.

  • Frauen dürfen bei euch wählen? Wieder was gelernt. *Zwinkersmiley*


    Wird denn das Ergebnis dann von der Regierung akzeptiert oder gibt es da Tendenzen das, dass das Hinterher kassiertet wird, wenn der Entwurf steht?

    Einmal editiert, zuletzt von philisco ()

  • Das Interesse an Politik ist bei Frauen nicht so ausgeprägt wie bei Männern, bei Firmengründungen sogar noch weniger. Dafür gibt es Bereiche wo man fast nur Frauen sieht. Manchmal finde ich es schade wenn die Verhältnisse so "ungleich" sind, bei anderen frage ich mich aber ob das überhaupt schlimm ist, also in der letztendlichen Endwirkung auf uns alle.

  • Frauen dürfen bei euch wählen? Wieder was gelernt. *Zwinkersmiley*


    Wird denn das Ergebnis dann von der Regierung akzeptiert oder gibt es da Tendenzen das, dass das Hinterher kassiertet wird, wenn der Entwurf steht?

    Die Regierung hat da gar nicht so viel zu sagen, weil die neue Verfassung von einem unabhängigen Gremium geschrieben wird. Piñeras Legislaturperiode endet zudem in diesem Jahr und er kann sich nicht zur Wiederwahl stellen. Der neue Präsident wird also den Prozess zur Verfassung moderieren, aber darf sie nicht mitschreiben.

    Chiles Rechte ist vom Ergebnis geschockt, weil es vor allem die rechte Wählerschaft war, die der ferngeblieben ist.

  • Empfinde nur ich so, dass die aktuelle Scheiße in Gaza/Israel zu einseitig pro Israel behandelt wird?

    Natürlich haben die Israelis ein Recht auf Selbstverteidigung, und natürlich ist es hart, wenn man quasi komplett von Feinden umzingelt ist, aber die Palästinenser haben auch ein Recht darauf, dass ihnen die Israelis nicht alles Land wegsiedeln.


    Und wer mal bei Twitter / Reddit sich anschaut, wie einige israelische Soldaten mit Palästinensern umgehen, kriegt das kalte Grausen. Da werden Autos angehalten und dann mit MP beschossen, Kinder & Frauen drangsaliert, etc.

    Heute Morgen bin ich über ein Video gestolpert, in dem ein israelischer Soldat gerade eine Granate auf eine Gruppe Sanitäter & Journalisten werfen wollte und nur innehielt, weil er bemerkte, dass er gefilmt wurde.


    Netanjahu und seine ansatzweise faschistoiden Partner haben überhaupt kein Interesse an Frieden in der Region.

    Die Hamas auch nicht, aber das ist ja quasi die Entschuldigung für den uneingeschränkten Schulterschluss des Westens mit Israel....

  • Ich bin bezogen auf diesen Konflikt auch sehr zerrissen und stelle mir angesichts der zumeist einseitigen Berichterstattung auch die Frage, welchen Anteil die israelische Regierung an der Eskalation hat.

  • Dieser Konflikt ist mMn unlösbar. Ohne die Raketenangriffe rechtfertigen zu wollen, die gezielten Provokationen in Jerusalem sind genauso wenig hilfreich wie die Märsche der Unionisten in Nordirland.


    Es gibt, wie in nahezu jedem Konflikt einfach zu viele Profiteure.

  • Du wirst bei weitem nicht der einzige sein und ich kann den Standpunkt verstehen. Ich sehe es allerdings anders.
    ziemlich halbgar aus Halbwissen und Erinnerung ungeordnet zusammengedengelt, da wird bestimmt von anderen noch substanzielleres und Korrekturen kommen:
    Ja, die Regierung und der Umgang mit Palästinensern und Nicht-jüdischen Israelis sind eine Katastrophe.

    Aber das kann man - genauso wie die Siedlungspolitik - nur im geschichtlichen Kontext sehen und einordnen.

    Israel befindet sich seit Staatsgründung in einem permanenten Existenzkampf und letztlich hat jede Form von Kompromissbereitschaft vorsichtig ausgedrückt nichts genutzt. Wir haben gesehen, was der Kampf gegen die RAF mit der BRD gemacht hat. Und die Bedrohung war Kinderkacke verglichen mit dem was in Israel tagtäglich (und ergänzt um „richtige“ kriege) seit Jahrzehnten existiert.


    Die Siedler sehen sich spätestens seit der Räumung der Sinai als eine veräppelte und verkaufte Verhandlungsmasse. Was es für ein Volk, das Jahrtausende in der Diaspora verbracht hat, bedeuten muss Siedlungen aufzugeben kann ich mir noch nicht mal vorstellen geschweige denn nachempfinden. Für mich nachvollziehbar, dass die keine Kompromisse mehr eingehen wollen. Es bringt ihnen einfach nichts.

    Die Siedlerbewegung mit dem Ziel Eretz Israel ist als „Ergebnis“ des sechs-Tage-Krieges ist übrigens letztlich die „Schuld“ der Araber. Hätten die damals Israel anerkannt wären die Israelis abgerückt. Für die israelischen Regierungen ging und geht es beim siedeln wohl im wesentlichen um strategische Aspekte, die Siedler scheinen inzwischen aber wohl zu wichtig zu sein um sie fallen zu lassen.

  • Das ist die Kardinalfrage prickelpit96. Ich bin ja dort auch sehr interessiert. Heute morgen hatte Dunya Hayali im MOMA John Kerry als Interviewgast gesprochen. Es ging vor allem um Klima bzgl. seiner neuen Rolle aber zum Schluss in seiner ehemaligen Funktion (hier vor allem 2014) hat sie ihn auf die aktuellen Ereignisse angesprochen. Er hat für mein dafürhalten rumgedruckst und gesagt er ist nicht UpToDate. Er wollte mMn nicht klar Stellung beziehen. Meine Meinung ist es geht um Land und Wasser. Israel wird dagegenhalten um nicht ins Meer getrieben zu werden. Ich habe da kein gutes Gefühl für die Zukunft.

  • Ich habe da kein gutes Gefühl für die Zukunft.

    Kann man auch nicht. Ich wüsste im Augenblick nicht, woher Optimismus kommen sollte.


    Ich tendiere für mich traditionell dazu, Israel als die in die Ecke gedrängte Nation in dieser Gegend der Welt zu empfinden und das Selbstverteidigungsrecht sehr, sehr hoch anzusiedeln.

    Aber es kann nicht richtig sein, dass die Gewalt dort kein Ende nimmt. Und die Erfahrungen in meinem Leben haben mich auch gelehrt, dass es bei so lange anhaltenden Konflikten nie(!) den einen Schuldigen gibt. Es ist müßig darüber zu sinnieren, wer angefangen hat; wer aufhört ist wichtig!


    Ja, die Regierung und der Umgang mit Palästinensern und Nicht-jüdischen Israelis sind eine Katastrophe.

    Aber das kann man - genauso wie die Siedlungspolitik - nur im geschichtlichen Kontext sehen und einordnen.

    Siehe oben, geschichtlicher Kontext hin, geschichtlicher Kontext her, so kann es doch nicht weitergehen.

    Und bei wirklich allem Verständnis für Israels Situation als quasi einzige Demokratie in dieser Gegend und dazu noch der historischen Bedeutung, die ein jüdischer Staat für Deutschland darstellt, halte ich es für nicht tragbar, dass man die Palästinenser wie Menschen 2.Klasse behandelt, wenn man irgendwann Frieden möchte.


    Ich stelle wirklich die Frage, wie sich die reinen Befürworter der Politik Israels eine Lösung vorstellen?

    Im Augenblick gibt es keine, bei der beide Volksgruppen überleben. Ist das das Ziel? Die Ausrottung der Palästinenser?


    Im Grunde müssten die Hamas und die rechts-religiösen Kräfte in Israel verschwinden, damit es zu einer Einigung überhaupt kommen kann. Mir kann doch keiner erzählen, dass die Menschen dort durch die Bank weg Lust haben, sich permanent gegenseitig zu beballern. Das gilt für [jüdische] Israelis wie für Araber.

  • Prickel, die Israelis haben aufgehört. Mehrfach. Jedes Mal haben sie dafür mit Anlauf in die Fresse bekommen. Die werden kein weiteres Mal „aufhören“. Zumindest nicht als erste. Wenn sich in der Gegend eine Änderung ergibt, dann aus einem Umdenken der arabischen Welt.

    Und natürlich sind die Israelis nicht mehr(!) unschuldig. Wie könnten sie, die sind seit dem 1. Tag im Krieg.


    Zum letzten zitierten Satz: wessen Ziel? Meins? Auf keinen Fall! Israels? Kann ich mir nicht vorstellen.

  • Prickel, die Israelis haben aufgehört. Mehrfach.

    Haben sie denn wirklich "aufgehört" oder haben sie den Kriegsschauplatz nur subtil in Siedlungsprojekte und "friedlichen" Landgewinn verlagert? Ich finde die von den Palästinersern gewählten Mittel absolut inakzeptabel, kann aber verstehen, dass ein Volk, dem das bisschen Land, was es entgegen anderslautender Versprechungen überhaupt zugestanden bekommen hat, auch noch streitig gemacht wird, extrem panisch reagiert.

  • Die Zerrissenheit geht doch schon in Israel los.


    Wenn ich an die Bilder denke, wo in einer Straße auf einer Seite die Pro-Israel-Fraktion, gegenüber die Pro-Palästina-Fraktion gegeneinander an demonstrieren.

    Dann kommt ein Schwung Ultra-Orthodoxe auf der Pro-Israel-Straßenseite, geht an denen vorbei über die Straße und reiht sich bei den Pro-Palästinas ein, unter bösesten Rufen der Pro-Israel-Fraktion. Das ist schon sehr strange alles.