Politischer Zoff-Thread oder so

  • Ja, das finde ich auch unstrittig. Für die Generationen, die in 30+ Jahren in Rente gehen, mag das alles gelten und dafür müssen auch die Reformen schnellstmöglich her. Das rettet aber leider nicht mehr die Generation, die jetzt bald in Rente geht.


    Ich sehe hier auch ein jahrzehntelanges politisches Versagen, denn der Umstand ist seit langem bekannt. Dennoch finde ich die Einstellung von einigen jungen Menschen befremdend. Mag sein, dass ich vielleicht zu selektiv einige junge Stimmen gehört habe. Das bezieht sich ja nicht nur auf die Rente, sondern auch auf die Sicherheit und auf die weiteren kommenden Aufgaben in diesem Land. Das fängt bei der Wehrpflicht an und hört bei der Rente auf. Ich meine, dass jede Generation so ihre Aufgaben und auch schwierigen Herausforderungen zu bewältigen hatte. Für mich gehörte Wehrpflicht früher auch ganz normal dazu und ich lebe auch noch. Und auch, dass ich Abgaben für andere leiste, mit denen ich nicht unmittelbar zu tun hatte.


    Aber vielleicht führt das auch zu weit mit meiner Generalkritik, die man so wahrscheinlich auch gar nicht formulieren kann.

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    Fast 30 % wählen solche Leute, also Neonazis, Rechtsextreme und Schwurbler der Marke Robert F. Kennedy in die Parlamente.

  • Okay ich bin spät:-) aber dennoch.


    Ende FDP bei der letzten Koalition und war Sarkasmus.


    Aber was meinst du mit nicht richtig in die Gesellschaft einordnen? Ich bin 50 Jahre alt und wusste zu Beginn meines Berufslebens, dass die Rente aus demographischen Gründen nicht reichen wird trotz der Einbeziehung der Mehrarbeit von Frauen meiner Generation. Das wusste jeder meiner Generation.

    Im Wunsch der jungen Gruppe steht auch keine Kürzung der Rente, sondern eine niedrigere Steigerung.

    Ich kann die junge Generation verstehen, wenn sie zum Beispiel einen Teil ihrer Rentenzahlungen in kapitalbasierte Renten anlegen wollen.


    Eigentlich darf ich aber nicht mitreden, da ich nur 3,5 Jahre eingezahlt habe und im Versorgungswerk pflichtversichert bin. Nach letztem Stand, bekomme ich meine Arbeitnehmereinzahlungen zur Rente zurück. Nichtselbständige hätten sich das Geld sofort nach Eintritt ins Versorgungswerk auszahlen lassen können. Wenn ich das System ausnutze, zahle ich noch für 1,5 Jahre Mindestbeitrag freiwillig oder ich schenke es der Allgemeinheit, wenn ich nicht den Antrag zur Auszahlung stelle.


    Ich glaube es kann nur Lösungen geben, wenn alle Seiten Federn lassen, damit meine ich Steuerzahler ( also alle), aktuelle Rentner, zukünftige Rentner, Pensionäre und Freiberufler. Die Austarierung wird schwierig.

  • Ich finde es gut, dass die Situation um unser Rentensystem endlich die Aufmerksamkeit erlangt, die ihr gebührt. Das war ja jahrzehntelang nicht der Fall, obwohl der demografische Wandel und die damit verbundene Dramatik nicht nur einigen wenigen bekannt war. Die Fakten lagen alle auf dem Tisch - und wurden weitestgehend ignoriert - nicht nur von der Politik.


    Ich habe in den letzten Jahrzehnten mit einigen tausend Menschen (!) über das Thema "Altersversorgung" gesprochen und ihnen Möglichkeiten aufgezeigt, wie sie zumindest für sich selbst die Situation durch aktives Handeln mildern bzw. verbessern können. Ja, das war natürlich auch in meinem Geschäftsinteresse, das gehört zur Wahrheit dazu.


    Was ich in den Gesprächen (meistens in der Altersgruppen 20-40 Jahre) da erlebt habe, ließ mich immer wieder verblüfft zurück. Ich beziehe mich jetzt nicht auf Menschen im Geringverdienerbereich (obwohl es die mindestens genauso betrifft), sondern auf Leute, die ein sehr auskömmliches Einkommen, ein normalen bis gehobenen Lebensstandard haben und vom Bildungsniveau her nicht unterdimensioniert sind: Die Bereitschaft, etwas für sich und seine Altersversorgung (ich rede nicht nur von klassischen Rentensparplänen, sondern auch von allen möglichen Sparformen bis hin zu den ETFs) zu tun, war immer sehr defensiv. Immer waren gerade andere Dinge wichtiger. Es kamen immer wieder abstruse Begründungen, warum sie nicht für ihr Alter vorsorgen können (wollen). Selbst relativ kleine Beträge (in Summe weniger als die Kosten für eine einzige Voll-Tankladung ihres Verbrenners) wären zu viel. Angebote der Arbeitgeber, eine betriebliche Altersvorsorge abzuschließen, wurden reihenweise abgelehnt, obwohl der Arbeitgeber sich immer mehr an den Beiträgen beteiligt hat. Es ist halt immer auf der Prioritätenskala weit hinten. Dazu passt auch, dass trotz erheblicher finanzieller Nachteile die "Durchhaltequote" sehr gering bei denjenigen, die doch eine Altersvorsorge aufbauen wollten, ist. Gekündigt wird nicht nur bei echten Problemen, sondern auch, weil der neue BMW einfach attraktiver ist, als eine Zusatzrente irgendwann in 35 Jahren. Von den 60,-- Euro Monatsbeitrag kann man sich ja auch ein SKY-Abo leisten, wo man jedes Wochenende schön Fußball gucken kann. "Mein neues I-phone kostet mich im Monat 75 EURO, da kann ich nicht zusätzlich etwas fürs Alter zurücklegen". "Eigentlich wollten wir schon seit Jahren mal eine Fernreise machen und mit dem Geld aus dem angesparten Rententopf ist das sofort und ohne Probleme möglich".


    Allein bei der Frage im Beratungsgespräch: "Wie schnell komme ich an das Geld wieder ran, wenn ich es mal brauche?" zündet alle roten Lampen an. Und dann gibt es nicht wenige Kandidaten, die sagen: "Der Staat wird mich schon unterstützen, wenn meine Rente nicht ausreicht." "Mein Arbeitskollege macht auch nichts für die Rente - warum soll ich das dann machen?"


    Auch schön: "Ihr wolllt ja nur einen Vertrag abschließen!". Meine Antwort: "Ja, stimmt. Ich arbeite hier nicht ehrenamtlich. Aber schauen Sie doch einmal auf ihre jährliche DRV-Renteninfo, Seite 1 ziemlich weit unten und lesen Sie, was die DRV zu dem Thema empfiehlt". Haben wir natürlich nicht gelesen, sondern wir schauen nur auf das rechte Kästchen mit den beiden Summen. Dann noch einen Blick auf die Hochrechnung weiter unten im Text. Passt schon. Eben nicht.


    Ich könnte Bücher füllen und es wäre lustig, wenn es nicht so traurig wäre. Die jetzige Debatte öffnet hoffentlich die Augen und schafft ein höheres Problembewusstsein. Und sie zeigt, dass man sich, wenn es um die eigene Altersvorsorge geht, nicht unbedingt auf die Politik und ihre "Maßnahmen" verlassen kann. Das Bemühen der Politik wird jetzt sichtbar größer, aber wirkliche Lösungen sind noch weit entfernt. Auch weil viele unterschiedliche Interessen gegenüberstehen und viele nicht bereit sind, auch nur einen Jota von ihren Vorstellungen abzuweichen. Nur Jammern und Motzen bringt aber nichts. Und man kann als Bürger auch das System nicht wirklich verändern.


    Am Rande: Die Situation bei der Pflege ist mindestens genauso schwierig. Das Problem und die Entwicklung ist lange bekannt, die Kosten steigen deutlich schneller als die Einnahmen und trotzdem habe nach meinen Erkenntnissen nur rd. 6 Prozent der Altersgruppe von 20 bis 50 Jahre eine Pflegezusatzversicherung. "Ach, der Saat wird uns schon irgendwie durchbringen". Und wenn dann doch die Einsicht mal kommt, sind die meisten entweder zu alt oder zu krank. Oder Beides. Dann hilft nur noch Pflege-Bahr, eine absolute Notlösung, der letzte, aber schlechte, Ausweg.


    Oft wird ja insbesondere aus konservativen Kreisen kolportiert, dass die Hartz-IV-Empfänger nur auf Kosten der Allgemeinheit leben. Das ist nicht der Fall. Es sind auch die vielen Normalos, die von der Allgemeinheit erwarten, dass der Saat sie auffängt, wenn sie in Altersarmut fallen oder die Kosten für ihre Pflege übernehmen, weil sie es nicht nötig erachteten, rechtzeitig für sich selbst vorzusorgen und damit Verantwortung für sich selbst zu übernehmen.


    Natürlich wäre es ideal, wenn sich der Bürger um nichts kümmern müsste, eine auskömmliche gute Rente und ein perfektes Krankensystem ihn vor finanziellen Katastrophen schützt. Und er all sein Geld nur für seinen kontinuierlich steigenden Lebensstandard ausgeben müsste. Das wären paradiesische Zustände, die jedoch nichts mit der Realität zu tun haben.

  • Ich freu mich auf jeden Fall schon darauf, dass das was ich aktuell für mein Altersauskommen spare bald auch sozialversicherungspflichtig wird. Vielleicht ärgere ich mich dann später im Alter, dass ich nicht einen Teil davon in mehr Fernreisen investiert habe. Wenn ich dann mit jemandem im selben Doppelzimmer dahinsieche der mir von den vielen Reisen und tollen Handys erzählt, während sein Aufenthalt durch Unterstützung der Allgemeinheit mit finanziert wird, während ich leider zu viel gespart habe, vielleicht noch mehr ;)

  • andremd

    Kredit ist ja nun gerade kein Vermögen.


    Und um es plakativ zu machen: Mir leuchtet es prinzipiell nicht ein, warum es sinnvoller sein soll. in die Immobilie einer Versicherung zu investieren, statt in die Eigene.

    Und das Prinzip dreht sich nicht, wenn ich sehr wenig gesichertes Einkommen habe.


    Was ich allerdings nachvollziehen kann ist, dass der Arbeitsmarkt, möglicherweise aber nur gefühlt, wesentlich mehr Unwägbarkeiten birgt als zu meiner Zeit. Das führt zu mehr Mutlosigkeit. Berechtigt, wenn ich an die vielen befristeten Arbeitsverträge denke.

    2 Mal editiert, zuletzt von Nebensache ()

  • Ich freu mich auf jeden Fall schon darauf, dass das was ich aktuell für mein Altersauskommen spare bald auch sozialversicherungspflichtig wird. Vielleicht ärgere ich mich dann später im Alter, dass ich nicht einen Teil davon in mehr Fernreisen investiert habe. Wenn ich dann mit jemandem im selben Doppelzimmer dahinsieche der mir von den vielen Reisen und tollen Handys erzählt, während sein Aufenthalt durch Unterstützung der Allgemeinheit mit finanziert wird, während ich leider zu viel gespart habe, vielleicht noch mehr ;)

    Wir könnten es einfach jedem selbst überlassen, für die Rente vorzusorgen. Über eine Grundsicherung hinaus zahlt der Staat nichts, dafür muss man aber auch keine rv Beiträge leisten (oder nur sehr geringe für die Grundsicherung). Ich muss doch eh schon damit planen, dass meine Rente nicht reichen wird und ich das selber hinkriegen muss. Wie viel ich privat vorsorgen muss, weiß heute keiner - also muss ich mit bald 100% rechnen. Dann kann man auch konsequent sein und den ganzen Bumms einfach sein lassen.

  • Das Hauptproblem der Rentenversicherung sind Beitragsfremde Leistungen (Mütterrente, ex DDR Rentner etc.) sowie der groß ausgebaute Niedriglohnsektor.

  • Meiner Erfahrung nach bringt es mehr, eine Eigentumswohnung abzuzahlen, als ein Versicherungsvertrag.

    Höre ich immer wieder. Die Hauptargumente sind die Wertsteigerung der ETW und das mietfreie Wohnen im Alter in der abbezahlten Wohnung. Diese Argumente stimmen. Aber es gibt auch beachtenswerte Punkte, die nicht so gut sind. Gerade, wenn man neben der gesetzlichen Rente keine weiteren Einkommen hat. Der für wichtigste ist die völlige Illiquidität. Von Backsteinen wird man nicht satt. Außerdem sind die Eigentumswohnungen rd. 30 Jahre alt oder älter, wenn man sie dann abbezahlt hat und so mietfrei wohnt. Das bedeutet Investitionsrisiko (häufig aus heiterem Himmel) und natürlich Renovierungsaufwand.


    Auch Versicherungsverträge, Investmentsparpläne oder Goldreserven haben Nachteile. Gerade daher ist eine gute Beratung wichtig. Denn nach meiner Erfahrung gibt es nicht DIE Lösung. Das Beste ist ein individueller Mix, je nach Vorstellungen und Möglichkeiten des betreffenden Bürgers. Das ist wie bei der "normalen" Geldanlage. Aber eines sollte - wenn es auch schmerzhaft ist - jedem klar sein: Man kann gar nicht so viel Vorsorge treiben, um die Lücke zum Erwerbseinkommen und Alterseinkommen zu schließen. Das sollte aber nicht dazu führen, die Hände in den Schoß zu legen und einfach abwarten. Nach dem Motto: "Bringt eh nix, dann lasse ich es gleich". Insofern ist es zweitrangig, ob man eine Eigentumswohnung abbezahlt, einen Rentensparplan abschließt oder sein Geld in Wertpapiere investiert: Hauptsache, man erkennt das Problem und tut etwas für sich.

  • Das Hauptproblem der Rentenversicherung sind Beitragsfremde Leistungen (Mütterrente, ex DDR Rentner etc.) sowie der groß ausgebaute Niedriglohnsektor.

    Die sogar weiter ausgebaut werden aktuell...während man sich vor Reformen drückt. Verständlich, beträfen vermutlich nötige Einschnitte die wahlrelevantesten Gruppen. Deswegen gab es und gibt es aktuell für die Parteien auch kein zurück ... die jüngeren Generationen werden es richten (müssen), mit immer mehr Abgabenlast. Willkommen in der Gerontokratie.


    Gibt ja Merz sogar offen zu:


    [...]
    "Glaubt jemand ernsthaft, dass wir einen Unterbietungswettbewerb gewinnen? Wer bietet das niedrigste Rentenniveau?", rief Merz in den Saal. "Das kann doch nicht euer Ernst sein!" Damit gewinne man keine Wahlen.

    [...]

  • Die sogar weiter ausgebaut werden aktuell...während man sich vor Reformen drückt. Verständlich, beträfen vermutlich nötige Einschnitte die wahlrelevantesten Gruppen. Deswegen gab es und gibt es aktuell für die Parteien auch kein zurück ... die jüngeren Generationen werden es richten (müssen), mit immer mehr Abgabenlast. Willkommen in der Gerontokratie.

    das ist doch alles nichts als unfug, sorry. es gibt keine gerontokratie, keinen generationenkonflikt, keine generationenungerechtigkeit oder - gerechtigkeit. alles nur propaganda. es geht nicht um jung gegen alt, sondern wie immer um oben gegen unten , privilegiert oder unterprivilegiert, palast gegen hütte. der kuchen ist in den letzten jahrzehnten nicht kleiner, sondern drastisch größer geworden. die frage ist wie er verteilt wird, das ewige spiel. wir können steigende renten und gute unis und neue schulen bezahlen.

  • Wenn der Tag 36 Std hätte, bekäme ich auch genug Schlaf. Und solange der Tag eben nicht 24 Std. hat, muss ich mir den Tag halt so einteilen, dass ich genug Schlaf bekomme.


    Und mal unabhängig von Geld: ändert es ja auch nichts daran, dass die Interessen von Eltern und Jugendlichen, Kindern immer weniger Gewicht im öffentlichen politischen Diskurs haben. Viel weniger geht ja eigentlich auch gar nicht ...