2,70? da hätte man in etwa einer woche ja ca. 15% machen können. geiles zockerteil.
ZitatAlles anzeigenUnd sie haben es wieder getan....!
Dortmund, 11 Uhr , 14°C, bewölkt, die Bilanz sitzt ... So oder ähnlich könnte der Werbeslogan für das BVB-Frisierstudio lauten. Hatte es doch bei dem gestern veröffentlichten Geschäftsbericht für das Geschäftsjahr 2003/04 wieder einmal ganze Arbeit geleistet. Doch schön der Reihe nach...
Mit Spannung war die Bilanzpressekonferenz erwartet worden. Weniger wegen der zu präsentierenden Zahlen, pfiffen sie doch eigentlich schon alle Vögel von den Dächern - so meinte man zumindest.
Dringender wurden insbesondere Äußerungen zum klaren Konzept der erforderlichen Neustrukturierung und Sanierung der maroden Klubfinanzen erhofft. Doch wie sagte Manager Michael Meier der FAZ noch unter der Woche in einem Interview: „Mit dem Wort Finanzkrise sollte man vorsichtig sein!“. Man ist geneigt, Herrn Meier in diesem Moment ein sonniges Gemüt und eine gewisse kindliche Naivität zu unterstellen. Doch einen Vorteil hatte er zu diesem Zeitpunkt: er kannte bereits das Ergebnis seiner Bilanz-Stylisten!
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Zunächst allerdings drückte Trainingsgelände-Ordner Gerd Brosky Dr. Gerd Niebaum bei der Einfahrt unter die Osttribüne um 10.50 Uhr beide Daumen zur Aufmunterung, denn der BVB-Präsident trat den schwersten Gang in seiner Amtszeit an. Über 200 interessierte Journalisten, Börsenfachleute und sieben Fernsehteams, hatten sich Freitag morgen um elf Uhr im Presseraum des Westfalenstadions eingefunden. Dr. Niebaum eröffnete die Veranstaltung gleich mit einer positiven Meldung. Die Kapitalerhöhung konnte vollständig abgeschlossen werden und spült dem BVB rund 24,3 Mio. Euro in die leeren Kassen. Ein Lichtblick? Ein Hoffnungsschimmer? Aufbruch zu sicheren Ufern?
Der Präsident schien jedenfalls den Anwesenden suggerieren zu wollen, dass alles nicht so schlimm sei und nun alles gut werde. Fraglich, ob er die Anwesenden ob der folgenden Zahlen davon überzeugen konnte.
"Nur 118,2 Millionen Euro Schulden? - Mitnichten!
Im Vorfeld der PK äußerten sich viele Analysten zu den zu erwartenden Zahlen der Bilanz. Der Verlust würde sich auf rund 60-65 Mio. Euro, die Verbindlichkeiten auf rund 150 Mio. Euro summieren, so schätze man. Man hätte in den letzten Wochen aufhorchen müssen, als immer wieder von Seiten des Vorstandes die besagten 150 Mio. Euro dementiert wurden. Man tat es nicht, schließlich betrugen allein zum Halbjahr die Verbindlichkeiten schon 111,4 Mio. Euro. Michael Meier verkündete dann den versammelten Vertretern einen Verlust von 67,7 Mio. Euro – hier lagen die Schätzungen richtig – und Verbindlichkeiten in Höhe von 118,2 Mio. Euro. Huch, „nur“ 118 Mio.?!? Sollten die Analysten so falsch gelegen haben? Nein, denn betrachtet man die Bilanz genauer, so beträgt der Anteil des Fremdkapitals 150,5 Mio. Euro. Aha, also doch richtig geschätzt.
Offensichtlich wollte man durch die Bilanz ein Signal setzen, dass nicht alles hoffnungslos sein und man nicht so viele Schulden habe, die geplanten Restrukturierungsmaßnahmen also schnell greifen könnten. Dass ein nicht unerheblicher Buchungsvorgang in den Rechnungsabgrenzungsposten stattgefunden hatte, blieb dabei unerwähnt. Ebenso, dass bereits Dauerkartenverkäufe der Zukunft verbucht wurden. Aber wen interessiert schon die Bilanz des nächsten Jahres. Die Kosmetikabteilung hatte wieder viel Rouge aufgelegt.
Fazit der Bilanz: die Zahlen sind katastrophal! Es wirkt nun insbesondere der Umstand, dass ständig Gelder vorab verbucht wurden, um alte Bilanzen zu beschönigen. Irgendwann gibt es nichts mehr, was vorab gebucht werden könnte. Obwohl auch dieses Mal wieder „Bilanzkosmetik“ vollzogen wurde (Vorabbuchung der Dauerkartenerträge aus 2004/05), konnte die in den vergangenen Jahren betriebene Misswirtschaft nicht mehr kaschiert werden. Das Geldverbrennen – insbesondere in den Jahren nach dem Champions-League-Gewinn – hat seine Dokumentation gefunden.
Es mutet schon seltsam an, wie alte Begründungen (Verpassen der Champions-League, Frühes Ausscheiden im Uefa-Cup, Transfereinbrüche, Kirchkrise) immer und immer wieder bemüht werden, um das vorliegende Resultat zu erklären. Auch durch gebetsmühlenartiges Wiederholen wird die Erklärung nicht schlüssiger und richtiger. Immerhin gibt man sich schon einsichtig und gesteht eigene Fehler und Versäumnisse ein. Zu Jahreswechsel noch ein undenkbarer Umstand. Damals versuchte man allen Ernstes erste Spekulationen auf das drohende Fiasko ins Reich der Fabel zu verbannen. In diesem Punkt scheint man tatsächlich geringfügig dazugelernt zu haben. border=0
"Der schnelle Rückkauf des Stadions war zu ambtioniert."
Betrachtet man allerdings das folgende Beispiel der Argumentation, scheint ein Rückfall in alte Zeiten wie ein Damoklesschwert über den Köpfen zu hängen. So äußerten sich Dr. Niebaum und Michael Meier zum eventuellen. Stadionrückkauf, dass ein schneller Rückkauf, wie er in den Verträgen mit Molsiris ausgehandelt war (also im Jahr 2017), sich ohne die fehlenden Gelder „zu ambitioniert“ darstellt. Anstatt sich an dieser Stelle einmal selbst in Frage zu stellen, warum denn überhaupt ein Stadion verkauft werden musste, welches zu einem Großteil dem Verein gehörte, wird wieder die Schuld woanders gesucht. Lag es nicht vielmehr daran, dass man in dem Stadiondeal ein taugliches Instrument sah, zusätzliche liquide Mittel für den laufenden Geschäftsbetrieb zu beschaffen, den man durch völlig überzogene Verträge selbst in Gefahr gebracht hatte? Hier fehlt es leider noch deutlich an der richtigen Erkenntnis.
Angesprochen auf die konstruktiven Pläne zur Sanierung des BVB, kamen leider (oder wie erwartet) keine neuen Fakten dazu. Lediglich an die schon seit Wochen und Monaten bekannten Maßnahmen (Personalkostenreduzierung, evtl. Stadionrückkauf z.B. via Schechteranleihe etc.) wurde erinnert. Selbst in punkto Stadion seien noch keine Entscheidungen gefallen, man prüfe noch. Zeit scheint ja genug zu sein ...
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Aber reichen diese Maßnahmen – inklusive der Kapitalerhöhung – aus, um den BVB zu sanieren? Es gibt Meinungen von Analysten, die diese Maßnahmen als nicht hinreichend ansehen. So sprach beispielsweise Christoph Schlienkamp, Banker des Düsseldorfer Bankhauses Lampe, in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung, lediglich von „richtigen ersten Schritten“ oder „der möglichen richtigen Richtung“. Insgesamt gingen ihm die Maßnahmen allerdings längst nicht weit genug.
Horrende Kosten für die Erhaltung des Geschäftsbetriebs
Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass ein Fußballverein anderen Gesetzen unterworfen ist, als ein Produktionsbetrieb. Das Produkt des Fußballvereins ist sportlicher Erfolg. Nur sportlicher Erfolg bringt die nötigen Ticketing-, Sponsoring- und TV-Einnahmen, um eine ausgeglichene Bilanz zu ermöglichen. Allerdings ist dieser, trotz teuer eingekauften Potentials in der Mannschaft, nicht garantiert, wie man insbesondere in den Jahren 2003 und 2004 schmerzlich erfahren musste. Was bleibt ist ein riesiger – und aus eigenem Verschulden völlig überzogener - Kostenapparat ohne die entsprechende Gegenfinanzierung. Ergo: die Kosten müssen runter. Deutlich! Sogar noch weiter als die bisher avisierten 33 Mio. Euro für das kickende Personal. Denn: durch den Teufelskreis, in den man sich selbst begab, kommen mittlerweile horrende Kosten für die aufgenommen Verbindlichkeiten zur Erhaltung des Geschäftsbetriebes dazu! Folglich muss auch hier an der Kostenschraube gedreht werden. Hierzu kann z.B. die Schechteranleihe mit Stadionrückkauf und gleichzeitiger Tilgung von teureren Krediten ein taugliches Mittel darstellen. Es heißt aber auch ganz klar, dass man sich von teuren Spielern trennen muss und diese durch ambitionierte und gute junge Spieler ersetzt, die zudem preiswerter für den Geschäftsbetrieb sind. Bleibt die Frage: wer findet diese jungen und ambitionierten Spieler? Die Scouting-Abteilung des BVB ist in den letzten Jahren jedenfalls nicht durch eine Menge spektakuläre Neuentdeckungen aufgefallen.
Immerhin scheint eine gravierende Änderung des Spielerkaders auch in der Vorstandsetage als Grundlage diskutiert zu werden. Nicht umsonst plant man mit Transfereinnahmen von 16 Mio. Euro und bemüht sich um junge Spieler als Alternative für Spieler mit auslaufenden Verträgen. Fraglich ist nur, ob – bei einer angestrebten Zielgröße von 33 Mio. Euro – nicht noch zu halbherzig vorgegangen wird. Vielleicht sollte man den Schnitt noch größer machen. Die Fans wären die allerletzten, die sich darüber aufregen würden.
Der dritte Mann
Scheinbar ist auch der neue Großaktionär Florian Homm bemüht, diese Halbherzigkeit zu unterbinden. So konnte Michael Meier auf der Pressekonferenz eine Frage von Freddie Röckenhaus nicht dementieren, nach der eine dritte Person in der Vorstandsriege installiert werden soll. Sollte es sich bei dieser Person um einen professionellen und „gelernten“ Sanierer handeln, sicherlich kein falscher Schritt. Jegliche Halbherzigkeit verlängert nur das Leiden, schafft aber keine Veränderungen. Fraglich ist, welche Position dem aktuellen Vorstand, insbesondere Dr. Niebaum, noch bleibt, außer der des rein repräsentativen Grüßonkels. Würde das seine Bemühungen um ein neuerliches Notariat erklären, welches seit einigen Monaten bekannt ist? Und wie rechtfertigt Manager Meier sein exorbitantes Gehalt, wenn ohnehin ein Sanierer in den Vorstand aufgenommen werden soll? [...]