• Geht mir auch so. An diesem Tag darf dieser Mensch nicht vergessen werden.


    Sicher nicht so gut. Der Lokführer, der mich erwischt hat, litt auch Jahre. Heute fährt er wieder Bahn.

  • Habe mal gelesen, dass ein Lokführer während seiner Dienstzeit im Schnitt 3-4 solcher Unfälle erlebt. Eine heftige Zahl, wie ich finde.

  • man muss das buch gelesen haben u m das geschehene zu verstehen. natürlich habe ich auch damals mal an den zugführer gedacht, aber eben auch, wie dunkel muss deine welt sein um keinen anderen weg mehr zu sehen als zu sterben. Auf vox gab es ja kürzlich auch ne doku uber diese zwangsvorstlungen.

    Einmal editiert, zuletzt von Toby96 ()


  • Sicher nicht so gut. Der Lokführer, der mich erwischt hat, litt auch Jahre. Heute fährt er wieder Bahn.


    Ich glaube das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.
    Von einem Freund der Vater ist Lokführer. Ihm ist das leider schon 2 Mal passiert. Das letzte Mal vor einigen Monaten. Er wurde für 2 Wochen krankgeschrieben und seit dem geht er wieder ganz normal seiner Arbeit nach.

  • Nun, nach einem Jahr möchte ich auch einen ersten "echten" Beitrag hier schreiben.



    Ich erfuhr damals während einer Vorlesung im Fach Personalmanagement am 11.10.09 von seinem Tod. Am vorigen Abend hatte ich einen gemütlichen Abend mit meiner Freundin gemacht, das Internet war nicht genutzt, und auch die Flimmerkiste blieb aus.
    Es war 9 Uhr morgens, als mich meine Kameradin dann fragte, ob ich schon gehört hätte, dass "dieser Nationaltorwart" tot sei. Ich dachte zunächst sie will mich verarschen. Ein anderer Kamerad warf dann doch ein, dass es sich um Enke handeln solle. Ich dachte nur: Ja, ja. Ihr spinnt doch alle. Scheiß Humor!
    Schließlich zückte sie ihr Smartphone und dort stand dann diese Bild-Mitteilung. Ich konnte es nicht glauben. Ich hatte einen unfassbaren Klos im Hals. Den restlichen Teil der Vorlesung verbrachte ich damit einfach dazusitzen und in die Leere zu starren. Meine Gedanken kreisten unaufhörlich: Wie konnte das sein? Suizid? Robert? Ich befand mich wirklich in einem Schockzustand, konnte auch nicht aufstehen, bis die Vorlesung zu Ende war. Tränen flossen nicht, es war einfach ein unfassbares Gefühl, dass mich von Kopf bis Fuß durchfloß.
    Schließlich fuhr ich nach Hause. Meine Freundin saß schon da, wollte mir genau wie ich ich ihr behutsam die Nachricht überbringen. Also wussten wir es beide schon. Ich schaltete umgehend den Fernseher ein, fuhr den Laptop hoch, einloggen in's Fanmag, jede einzelne Nachricht gelesen. Und schließlich wurde mir klar: Es ist wahr! Robert ist tot.


    Ab dem Moment waren bei mir das erste Mal alle Dämme gebrochen. Ich war den restlichen Tag wie paralysiert. Immer wieder die Berichte auf N24, Bilder von der PK. Theresa - für mich (neben meiner Freundin nur in einer anderen Art und Weise) in diesem Moment die unglaublichste Person auf dem Planeten. Aber dennoch all diese Fragen. Wie konnte er nur? Natürlich folgten zahlreiche Telefonate mit Freunden und Bekannten. Einige meinten gar, ich dürfe für einen Selbstmörder kein Mitleid empfinden.


    Verdammte Depressionen! Was für eine Krankheit ist das? Ich begann mich selbst nebenher aufzuklären.
    Selbststudium: War Robert echt krank? Oder war er tatsächlich nur ein egoistischer Selbstmörder, der andere in Gefahr gebracht hat?
    Selbstverständlich hatte ich bereits im Ethik Unterricht in der Schulzeit oder bei anderen Gelegenheiten Berührungspunkte mit dem Krankheitsbild gehabt - dennoch empfand ich mich als unfassbar unvorbereitet.


    Ich ließ jede Information, jedes Wort, das hier und in den Medien gefallen ist, auf mich wirken. Ja verdammt, ich brauchte damals tatsächlich diese permanente Berichterstattung, Experten die zu Rate gezogen wurden und Leute, die ihre Meinung bekannt gaben. Ich brauchte einfach Antworten. Die nächsten Tage versuchte ich wieder Normalität in mein Leben einfließen zu lassen. Dies war bis zur offiziellen Trauerfeier allerdings nicht möglich. Ich dachte selbst darüber nach, runter nach Hannover zu fahren. Doch ich wusste, ich würde das auf diesem Weg noch nicht verkraften können. Letzlich war es auch so. Hatte ich mich zwar in den folgenden Tagen ein wenig beruhigt (nicht zuletzt wegen dieser unfassbaren PK, die ich wieder und wieder ansah) brachen am Tag der offiziellen Trauerfeier im Stadion noch einmal alle Dämme auf während der medialen Verfolgung.
    Ich möchte mich daher einfach noch einmal für die Gestalter für diesen Rahmen bedanken. Ich persönlich brauchte diesen Abschied damals schon sehr. So wie es war, war es perfekt. So, dass ich auch mein Leben wieder normal führen konnte.


    Darauf wurde es wenigstens etwas ruhiger. Nur schaute nun alle Welt auf Hannover 96 und den DFB. Einige Versuche mögen unglücklich gewesen sein (Ich denke da z.B. an das große Trikot, die (1), die große Ankündigung eines Abschiedsspiels, dass es - letzlich Gott sei dank - doch nicht gab, etc.) und vielleicht für den Einen oder Anderen doch eher immer wieder diese Erinnerung hochgedrückt haben. Doch es war Trauerarbeit. Diese Community die entstand, die diese Trauerarbeit leisten wollte, wusste natürlich nicht ganz genau damit umzugehen. Doch eines war zumindest mir persönlich klar: 96 durfte absteigen. Die sportliche Leistung stand fortan nicht mehr im vordergrund. Es interessierte weder mich, noch meine Freunde was fortan auf dem Platz geschah. Nur der support zählte. Man verdrängte plötzlich. Aber dies brauchte man auch. Hauptsache die Jungs kommen psychisch damit zurecht und wir kriegten wieder Ruhe rein.


    Doch als sich das Saisonfinale näherte, Slomka als neuer Trainer vorgestellte wurde, kam diese Energie die sich so lange angestaut hatte wieder zurück. Wir gewannen plötzlich wieder ab und zu ein Punktspiel. Die Fans waren auch weiterhin voll da. Schaut doch nur das Saisonfinale in Bochum. Ein Wahnsinn!!! Ein absoulter Wahnsinn! Das brauchten wir damals alle. Es durften dann auch wieder Diskussionen über abwägiges Fanverhalten geführt werden. Phyros: gut oder schlecht? - Egal(!), wer da welche Meinung hat, es standen einfach wieder andere Sachen im Vordergrund. An dieser Stelle ist IMHO all diese Last von unseren und auch meinen Schultern gefallen. Robert war dann nur noch einmal kurz präsent, als der Banner durchs Stadion getragen wurde. Ich denke, an dieser Stelle waren die meisten von uns darüber hinweg - möchte ich nicht sagen - aber wir wussten alle: Ja, es ist passiert, weil ..., aber wir fangen neu an. Danke Robert, mach's gut.


    Ich möchte damit nicht ausdrücken, ich hätte fortan nicht mehr an ihn gedacht. Das wäre Quatsch. Nur war all dies nicht mehr täglich in meinem Kopf. Es wurde auch allmählich Zeit.


    Inzwischen startete die neue Saison. Ich denke auch dieser unfassbare Saisonstart half uns, ein wenig positiver an das Geschehen von 96 auf und um den Platz heran zu gehen. Es passte genau zum Ende der letzten Saison. Der Sport stand wieder im Vordergrund. Und das können wir eigentlich nur unserer Mannschaft danken, indem wir sie in den nächsten Spielen noch lauter, noch unnachgiebiger feiern und supporten! Schreit, klatscht, singt, setzt euch meinetwegen irgendwas auf den Kopf oder malt euch Bunt an. Die Jungs haben aus dieser Perspektive doch alles richtig gemacht. Lasst uns sie dafür feiern, als ob es keinen Morgen gäbe!. Gegen Mainz ist es genau das, was sie auch brauchen, denn ich habe die Angst, dass durch die Berichterstattung alles wieder hochkommt. Da brauchen wir ein starkes Puplikum das dieser Mannschaft allen Respekt erweist, den sie verdient hat.


    Und nun? Gestern kaufte ich mir die Biographie. Sie liegt nun in meiner Tasche. Ich möchte sie erst einmal bei mir wissen. Denn bald ist der richtige Zeitpunkt. Jetzt noch nicht, erst einmal abwarten, wie dies alles auf mich wirkt. Doch ich fühle mich relativ gefestigt.


    Subjektiv empfinde ich schon, dass sich schon einiges geändert hat. Es gab natürlich keinen generellen Umschwung im Profifußball. Was für ein Hohn. Aber ich persönlich denke schon, dass die Berichterstattung ein wenig menschlicher geworden ist. Zumindest ein wenig.


    Was ich jedoch als negativ erachte, ist die Separierung zwischen den einzelnen Meinungen. Klar gab es plötzlich ein öffentliches Bewusstsein für die Krankheit Depressionen. Aber eben jene Menschen (bestimmt nicht alle), die schon am Folgetag mit den Sprüchen kamen "Scheiß auf den Trottel, der arme Zugführer!" (dies habe ich oft genug gehört), haben dies noch weiter von sich abgeblockt und ihre Meinung gefestigt. So habe ich es auch heute schon wieder erlebt. Das empfinde ich doch als sehr schade, aber sollen sie doch, ich würde in derartigen Fällen bei eben jenen Personen nicht mehr unverzüglich helfen. Es kann schließlich jeden treffen. Nicht, dass ich es irgendjemandem gönnen würde, nur sollen sie doch zunächst selbst ihre Lehre draus ziehen, würde es sie selbst einmal treffen.




    Und nun zu dir Robert: Danke für all die vielen Jahre deines - tatsächlich - viel zu kurzen Lebens. Ich habe es genossen. Dich spielen zu sehen, dir auf dem Trainingsplatz zu begegnen. Ein Mensch zu dem jeder aufgesehen hat. Robert Riese - Mögest du in Frieden ruhen, zusammen mit deiner unfassbar süßen Tochter.


    http://www.merkur-online.de/bi…246565974-enke-lara.9.jpg


    Du wirst immer in meinem Herzen bleiben!



    Requiescat in pace

  • Hey danke für diesen tollen Beitrag Auftrags-Chilla!
    Er fehlt einfach! Ich bin traurig und habe Pippi in den Augen ob der Beiträge und Videos zu Robert.


    Ich muss sagen, insgesamt bin ich sehr gerührt über die Beiträge der FanMag User. Respekt euch allen!


    Und... einen lieben Gruß nach oben oder wo immer Du bist Robert!

    Einmal editiert, zuletzt von StefanBerlin ()


  • Auch wenn das Lied am Anfang ja verhöhnt wurde,finde ich es jetzt klasse..Und es ist doch wieder schön,bewegte Bilder von ihm zu sehen.


    Immernoch mein Vorbild,da er sowohl auf dem Platz als auch neben diesem ein Mensch war,der nicht nur an sich gedacht hat,sondern auch für viele viele andere seine Zeit geopfert hat und ihnen geholfen hat-gäbe es nur mehr Menschen von dieser Sorte...


    Ansonsten: Du fehlst,Robert.Trotzdem hoffe ich,du hast jetzt alles,was du haben wolltest-deine Tochter und hoffentlich auch jede Menge Ruhe!Machs gut und Halt das Himmelstor sauber!



    :weinen:

  • Der Selbstmord ist tödlich, wenn man es nicht total dämlich anstellt.
    Wir wollen jetzt in diesem Thread wirklich Haare spalten und Erbsen zählen?


    Lass die Leute doch Beiträge zitieren wie sie wollen. Vielleicht mal dran gedacht, dass diese Personen dem Eintrag Tribut zollen?
    Meckern, Motzen, Stänkern, gerne wo anders, aber hier kann jeder mit seinen Gedanken und seiner Trauer umgehen wie er will...


    Ich vermisse ihn auch noch.
    Trauert, schreibt, schimpft, weint wie ihr wollt. Es ist einfach verdammt Schade um den Menschen, Torwart, Kapitän, Ehemann und Familienvater Enke, aber zurückkommen wird er nicht.
    Lasst uns gemeinsam Stolz sein, ihm ein wenig auf seinem leider viel zu kurzen Lebensweg begleitet zu haben.


    Ruhe in Frieden!

  • Ich habe das mal beim Spiel gegen Dortmund beobachtet. Bei mir in der Ecke rufen fast alle bei der Aufstellung nicht Fromlowitz. Ich auch nicht. Ich habe in der Halbzeit mal gefragt warum eigentlich....
    Die Jungs und Mädels meinten, dass mit der Nummer 1 hier keiner einen Platz verdient hat und diese Nummer für immer Robert gehört. Das heißt nicht, dass man Flo nicht anfeuert und ihn im Spiel unterstützt. Aber bei der Aufstellung ist die Nr. 1 Tabu. Das gleiche habe ich seit der Saison und der Vergabe des Trikots auch gedacht und habe jetzt erst bemerkt, dass noch viele so denken.... hm.....

  • Komme gerade vom Stadion, das Zelt war wirklich sehr angemessen und schön gestaltet. Nervig waren nur die Leute vom TV die einem die Kamera genau in das Gesicht gehalten haben.


    @ Utze Haben doch soviele bei dem Marsch mitgemacht?

  • Ein Jahr ist nun vergangen, aber in meinen Gedanken bist Du immer noch fast täglich lebendig. Die Erinnerungen an die schönen Momente mit Dir sind allgegenwärtig. Die Frage nach dem Warum stellt sich mir nicht mehr. Auch wenn es heute mir und so vielen anderen wieder weh tut, so ist der dunkle Schleier, der nach Deinem Tod über der Stadt gelegen hat, verflogen. Ich bin mir sicher, dass ist in Deinem Sinne. Du hast mit Deiner Lebensgeschichte und Deinem Schicksal so viele Menschen berührt. Das zeigt, was für eine Persönlichkeit Du warst und auch immer noch bist, denn für viele hier bist Du immer noch Teil der Gegenwart. Mir jedenfalls geht es so. Ich hoffe, dass Du Deinen Platz nunmehr gefunden hast. Halt Deine Lara ganz fest und beschütze Deine Frau und Leila von da oben.


    Meine Gedanken gelten auch dem Lokführer.

  • 1 Jahr ist vergangen.....


    noch immer sitzt der Schmerz unglaublich tief für jemanden der Robert nie richtig kennenlernen durfte, ausser einem Plausch beim Training und einem Autogramm mit kurzem Small Talk....dennoch ist mir dieser Mensch sehr wichtig gewesen!


    Ich hoffe es geht dir gut, wo immer du seien magst!


    Ruhe in Frieden

  • Ich würde auch so auf ca. 1000 tippen. Auf etwas weniger als einem Kilometer sind die Leute gegangen.
    Es war angemessen ruhig und nur 3-4 Leute (mit 96 Fahne), leider hinter mir, wollten ein Heimspiel draus machen.
    Naja, bin dann etwas schneller gegangen.
    Der Trauerzug war unspektakulär, was in meinen Augen auch sehr angenehm war.