Schlagzeilen aus der Region

  • Bei dem Thema müssen wir massiv über erforderliche Verhaltensänderungen reden.

    Die Kurierdienste wurden angesprochen, woher kommt die Masse der Fahrten ??? - Onlineshopping, klar, und wer bestellt eigentlich da? Wer ist dann schuld resp. verantwortlich, der Anbieter oder der 24/7-Besteller?

    Wodurch ist der kleinteilige Einzelhandel in den Stadtteilen und auf den Dörfern zugrunde gegangen? Am Wettbewerbsdruck der "Großen", größer, billiger, bequemer, ja, aber .... die Konsumenten selber haben es (in der wirtschaftlich kritischen Größenordnung) entschieden, mit ihren Entscheidungen, eben bei groß+billig und nicht mehr zu Fuß um die Ecke einzukaufen.


    Dabei gehe ich eher davon aus, dass wir auch künftig zumindest nicht weniger Bedarf und Bedürfnis nach Mobilität haben werden, als jetzt. Aus unterschiedlichen Gründen, komme ich noch zu. Mobilität innerhalb der Städte, in die Städte rein und wieder raus, überregional. Wir brauchen die Mobilität, für Personen und für Güter, das Gemeinwesen und eben auch die Wirtschaft müssen funktionieren, die Herausforderung ist, das zukunftsgerecht aufzustellen.


    Die Diskussion um den motorisierten Individualverkehr in den Städten ist doch so alt, wie die primär autogerechte Stadt als eine städtebauliche Fehlentwicklung erkannt worden ist. Jetzt - natürlich eigentlich zu spät - wird dies in Verbindung mit den Anforderungen zum Klimaschutz endlich in einer Dringlichkeit diskutiert, die Änderungen zumindest möglich scheinen lässt. In der Stadtentwicklung haben wir uns von der strikten Funktionsteilung der Stadt aus der Charta von Athen, die zwangsläufig Binnenverkehre induziert, glücklicherweise längst verabschiedet, und das neue Städtebaurecht, z.B. die neue Kategorie des Urbanen Gebietes in der Baunutzungsverordnung, hat ausdrücklich wieder die stärkere Funktionsmischung in den Quartieren anerkannt und ermöglicht sie. Viele Menschen entdecken wieder den Vorteil, den ihnen Handel und Dienstleister in der Nähe bieten, und immer mehr Leute erkennen, welche physische und psychische Belastung mit (Fern-)Pendeln verbunden ist. Ein mittelständischer Unternehmer aus der Region schilderte mir kürzlich seine Überlegung, einige Wohnungen selber zu bauen, um für sein schwer zu akquirierendes Fachpersonal vor Ort sonst nur schwer zu bekommenden Wohnraum anbieten zu können, und damit überhaupt als Arbeitgeber am eine Chance bei der Personalgewinnung zu haben - Werkswohnung reloaded...


    Aber wir haben Ausgangsgegebenheiten. Den Umbau der Städte werden wir nur Zug um Zug realisieren können (Hillebrecht zB fand eine völlig zerstörte Stadt vor, die es neu zu gestalten galt, Gott bewahre uns vor so einer Ausgangssituation). Wohnen und Arbeiten wieder näher zusammenzubringen, da geht die Entwicklung durchaus bei neuen Projekten hin, aber erstmal müssten dann diejenigen, die in dem Quartier arbeiten, dort auch wohnen bwz. umgekehrt, und vor allem: das ändert nicht die Ausgangsgebenheiten.


    Was die Mobilitätsanforderungen anbelangt: ich zumindest kann nicht erkennen, wie sich in näherer Zukunft die Erfordernis, allein aus beruflichen Gründen sich von A nach B bewegen zu müssen, deutlich abnehmen sollte. Eher werden die Anforderungen daran noch steigen, trotz neuer Formen der Arbeit (homeoffice etc). Innerhalb der Großstadt, auch in einem engen Verbund wie der Region Hannover, kann ich das noch durch ÖV weitgehend auffangen (mir ist allerdings sehr unwohl bei der Vorstellung, dass demnächst die Nordwestbahn die S-Bahn betreibt, ein anderes Thema...), aber was ist mit den wirklich ländlichen Räumen? Wollen wir die tatsächlich entvölkern, Werte vernichten? Da brauchen wir nicht nach Ostdeutschland schauen, Teile von Südniedersachsen reichen. Das beides hat auch eine sozialpolitische Dimension und die Gefahr, zum erfolgreichen Spielfeld der rechten Rattenfänger zu werden - das gehört jetzt aber wohl eher in den Politfaden..

    Und wenn, wo sollen die Leute alle wohnen? Ich zumindest bin froh, dass wir in D. keine richtigen Megacities mit all ihren negativen okologischen und sozialen Folgen haben. Ich sehe es sehr kritisch, auch wenn ich die Notwendigkeiten natürlich anerkenne, dass in den Städten frühere Freiflächen, Grünflächen, Flächen, die für das Binnenklima, das Wohnumfeld in der Großstadt wichtig sind und ein Quartier lebenswert machen, vermehrt für den verdichteten Wohnungsbau herangezogen werden. Wo sollen die Leute alle wohnen? Suburbia? Und schließlich noch die Bezahlbarkeit, langes, anderes Thema.


    Der Freizeitverkehr wird wachsen, da rechne ich auch den Einkaufsverkehr dazu. Das ist dann freiwillig, aber ich zumindest will da niemanden schelten, würde mir das selber auch nicht nehmen lassen wollen, das gehört in meiner Auffassung dann sehr wohl zur persönlichen Freiheit, die Frage ist nur, mit welchem Verkehrsmittel, es gibt nicht das Recht, überall mit dem Auto hinzufahren, da stimme ich pokalheld zu.

    Schließlich der Wirtschaftsverkehr. Der Wahnsinn, über welche enormen Strecken Güter hin- und hertransportiert werden, hat seine Ursachen natürlich auch darin, dass die Transportkosten nicht in der eigentlich erforderlichen Höhe abgebildet werden. Wenn man es will, kann man das ändern, durch Steuern einschl. Emissionssteuern und Straßenbenutzungsgebühren. Trotzdem müssen Güter transportiert werden, selbst der lokale / regionale Hersteller muss seine Erzeugnisse zum Kunden (oder den Kunden zum Erzeugnis) bringen. Da wird man nie drum rum kommen. Auch hier wieder die Frage: wie?


    Mehrere von euch haben ja schon betont, dass Veränderung nicht von jetzt auf gleich geht, richtig, aber die Weichen müssen wir jetzt stellen.


    Innerstädtisch ist das noch zumindest auf den ersten Blick am leichtesten, ÖPNV massiv ausbauen (liebe Region Hannover, an ein neues Stadtquartier in Größe der Wasserstadt gehört ein Stadtbahnanschluss...), mehr Raum für den Radverkehr, IV-Fahrspuren und öffentlichen Parkraum zurückbauen, private Innenstadtparkhäuser (baurechtlich genehmigt, mit Bestandsschutz...) durch die Stadt zumindest teilweise aufkaufen und umwandeln, dazu mit entsprechenden steuerlichen Anreizen resp Verteuerungen auf zumindest am Einsatzort emissionsfreie Fahrzeuge setzen, und darauf , dass durch sehr gutes anderes Angebot tatsächlich es für die Leute aus eigener Überzeugung sinnvoll wird, nicht oder zumindest deutlich weniger mit dem Auto - egal mit welchem Antrieb - innerhalb der Stadt zu fahren..

    Große Parkplätze an den Umsteigepunkten des ÖV werden nötig für den Verkehr in die Städte und wieder raus, mehr als jetzt, und keine Zweckentfremdungen als Firmenparkplatz wie in Lahe...

    Für den Fernverkehr: natürlich die Bahn, inländisch nicht der Flieger, aber die Bahn kann nicht überall hin (das konnte sie auch in der Zeit, als es ein umfassenderes und funktionstüchtiges Schienennetz gab, nicht), daher bleibt hier tatsächlich noch das Auto, und da setze ich zumindest auf neue Technologien.


    Beim Wirtschaftsverkehr wird es schwierig, überregional wünschte man sich die alten Stückgutbahnhöfe zurück, vorbei... international fällt mir nichts ein (die A 2 schließen ??? Keine gute Idee, fürchte ich).

    Innerstädtisch muss natürlich die Wirtschaft beliefert werden können, aber nicht mit den großen 40- oder mehr - Tonnern. Im Grunde wie beim Personenverkehr: es bedarf der großen Umschlagplätze an den Stadträndern, der Verteiler in die Städte ist kleiner und emmissionsfrei. Lastenfahrräder, sorry, die sehe ich nur in speziellen stadträumlichen Situationen als Alternative an. Ein Saturn darf natürlich als Verkaufsstelle auch für Großgeräte in der Innenstadt sein, aber um Himmels willen nicht von dort aus seine Waren verteilen, da bin ich bei sasa. Rocee , was mehr Sinn macht? Schwierig, aber große LKW gehören nicht in enge Städte, auch aus Sicherheitsgründen nicht.


    Das Handwerk ist noch ein spezieller Fall. Die Kunden müssen erreicht werden, und das geht nicht einfach so mit dem Fahrrad, wie gerne immer auf entsprechende Einwände von dort reagiert wird. Es wird halt alles seine Zeit brauchen, aber auch das wird dann nur durch eine Umstellung der Antriebstechnik gehen. Verzichten darauf wird nicht klappen.


    Schließlich der EInzelhandel: der innerstädtische Handel kämpft massiv mit der Umsatzabwanderung in den Online-Handel, insofern fürchtet er das Ausbleiben von Kunden bei Änderungen im Straßenraum, bei verschlechterter Erreichbarkeit. Man muss dabei berücksichtigen , dass eine Innenstadt wie die von Hannover, aber auch von Hildesheim, Celle etc, stark von Kaufkraftzuflüssen aus dem Umland abhängt. Und diese Kunden kommen häufig mit dem Auto, haben diese Verhaltensweisen langjährig gelernt, auch da braucht ein Umgewöhnen Zeit. ÖV-Marketingaktionen wie jetzt am ersten Adventssamstag können da schon helfen, auch wenn ich aus anderen Gründen generell gegen einen Gratis-ÖV wäre.


    Fazit: es wird nicht ohne IV gehen, auch nicht in den Städten, aber anders als bislang. Dafür müssen wir jetzt die Weichen stellen, und das heißt für mich technische Weiterentwicklung, massive Investition in den ÖV, und Anreize zur Bewusstseins- und Verhaltensänderung.

    In den Städten kann man Platz gewinnen für eine andere Gestaltung bzw. den erforderlichen Raum für andere Verkehrsträger nutzen, aber die innerstädtischen Wirtschaftszentren müssen erreichbar bleiben, die Zukunft unserer Innenstädte ist übrigens wirklich das, was mir bei den ganzen Anforderungen auch die größte Sorge macht, ich möchte lebendige Innenstädte, keine kaputten Downtowns wie in USA oder halbleere und heruntergekommene Highstreets wie z.T. in GB. Aber das funktioniert eben nur durch Handel, Gastro, Dienstleister, und die brauchen ihre zahlende Kundschaft.

    Die Stadtränder, die Übergänge in die Landschaft, würden sich verändern müssen, in "Umschlagplätze" für Menschen und Waren. Das frißt Fläche, das sieht wahrscheinlich auch nicht schön aus, aber das muss dann akzeptiert werden,

  • Warum sind überhaupt Läden die Elektrogroßgeräte verkaufen in der Innenstadt?

    Warum sind überhaupt Läden in der Innenstadt - alle ins Umland und die Stadt ist schöne leer und autofrei. Will dann halt warscheinlich nur keiner mehr hin.

    Willst du hier ernsthaft diskutieren oder nur rabulieren? Hier geht es doch ganz differenziert um Läden mit Elektro-Großgeräten. Was du hier "thematisierst" war bislang überhaupt nicht Gegenstand der Diskussion.

  • Muss halt noch viel mehr verboten werden. Aber am Ende kommt man doch drauf, dass immer wieder der selbe Störfaktor auftritt. Reduziert doch einfach den.

  • Wieder mal schwabuliert. :|


    Was siehst du denn als Störfaktor an?


    Imo ist der Störfaktor der Individualverkehr, der außerordentlich viel Platz benötigt und unnötig viel Masse bewegt. Und genau darum geht es hier, diesen Störfaktor zu reduzieren.

  • Nur über einen. :ätsch:


    Zurzeit muss ich mich da aber selbst mit einschließen. Zu viel :bier: und zu wenig :hüpfen:. Und abnehmen geht im Moment nicht, weil der Faden dafür gekapert wurde.

  • Bronco Ich habe nicht auf jedes Detail eine Antwort. Ich kenne zum Beispiel die Goethestraße nach dem Umbau nicht. Meinst Du den Abschnitt zwischen Goetheplatz und Clevertor? Ist Google Maps Street View aktuell? Ich kenne auch die Perspektive aus einem Rettungswagen nicht. Natürlich muß der immer durchkommen können.


    Anregungen, die mir spontan bim Blick auf Google SV einfallen, wären zum Beispiel: Müssen da Autos am Straßenrand parken dürfen? Oder: Kann man die Straßenbahngleise so pflastern, daß ein Rettungswagen darauf fahren könnte? Man muß die gesamte Straßenbreite, die zwischen den Häuserzeilen entstanden ist, clever ausnutzen. Schmal oder zu schmal ist die Straße jedenfalls nicht. Wenn dort ein Rettungswagen keinen Linienbus überholen kann, ist da was falsch gelaufen. Das spricht aber nicht gegen die Reduzierung des Autoverkehrs.


    wutzi96 Auch ein Danke an Dich für Deinen Beitrag. Du hattest einen gewissen Widerspruch angekündigt. Dabei finde ich, liegen wir gar nicht weit auseinander. Und bei den zweidrei Punkten, an denen wir auseinanderliegen, könnten Mißverständnisse vorliegen (Konsumenten, Entvölkerung der Provinz und Handwerk):


    Kurierdienst... siehe Beitrag von gestern. Auf die Konsumenten kann man schimpfen, das wird aber wenig ändern. Geringe Kosten sind immer attraktiv, das liegt in der Natur der Sache. Wenn gewisse Kosten wie Sozial- und Umwelttandards nicht im Produktpreis in Euro auftauchen, dann muß die Preisfindung verbessert werden. Die Autonutzungskosten bilden nicht die wahren Kosten ab. Nichts gegen Konsumentenschelte. Aber solange es erlaubt ist, solange es möglich ist und solange es finanziell attraktiv ist, wird es wahrscheinlich so bleiben. Es bleibt eine politische Entscheidung es zu verbieten, es zu erschweren und/oder zu verteuern.


    Der Mobilitätsbedarf bleibt auf jeden Fall vorhanden. Der hat aber nichts mit der Förderung des Autos zu tun. Im Gegenteil. Das Auto ist der Mobilität im Weg (Die Straßen des Schaubilds sind gleich breit. Die untere Aufteilung hat aber die zehnfache Kapazität).


    Ja, so ein Umbau der Städte braucht eine Weile. Generationen sogar. Sehr frustrierend, falls man die Gegenwart für stark verbesserungswürdig hält. Doch wer die Sonne im Herzen trägt, der schaut sich so eine dreiteilige Bilderserie an und kriegt wieder die Zuversicht, daß es wenigstens machbar ist. Utrecht hatte einen Fluß und machte daraus eine Autobahn. Sie erkannten, das war doof, und machten aus der Autobahn wieder einen Fluß. Ja, hat auch wieder 50 Jahre gedauert. Aber wenn das kein Stadtumbau ist. Fehler kann man machen, die lassen sich korrigieren. Man muß es nur wollen.


    Wieso kommst Du darauf, die ländliche Provinz müsse entvölkert werden, nur weil das Auto ein Auslaufmodell ist? Horch mal, wenn Du Zeit und Bock hast, in die HR2 Der Tag-Episode über den Bahnverkehr (dauert 53 Minuten, man braucht also Zeit und Bock). Da wurde m.E. gesagt, in der Schweiz (in der bergigen Schweiz!) sei jedes Kaff prima an die Eisenbahn angeschlossen, auch per Busfahrt zum nächsten Bahnhof. Von jedem Kuhdorf komme man innerhalb von 60 Minuten in die nächste Großstadt. Das ist doch mal eine Ansage. Deutschland ist so dicht besiedelt (Meckpomm mal ausgeklammert), an fast jeder Ecke gibt es mindestens eine Großstadt, da soll es nicht möglich sein? Okay, es ist wieder nicht in fünf Jahren zu realisieren. Aber weder muß man resignieren noch muß man entvölkern. Man kann da was machen, wenn man es denn will. Bisher wollte es keiner. Deswegen ist die Bahn hier und heute das große Gespött. Bahnwitze gehen immer. Und sie gehen immer gleich. Daß man es überhaupt so weit hat kommen lassen, ist eine Schande.


    Leute werden wohnen wollen, keine Frage. Ob mit oder ohne Auto. Das eine hat für mich mit dem anderen nicht viel zu tun. Für Megacities und Hochhausanlagen bin ich auch nicht zu haben. Haben die Holländer das in den letzten 40 Jahren gemacht? Nö. Im Gegenteil.

    Zitat von Wikipedia über Utrecht

    Westlich der Stadt [Utrecht], rings um Vleuten, liegt der Planstadtteil Leidsche Rijn. Das auf einer Fläche von rund 20 Quadratkilometern größte Stadtbauprojekt der Niederlande soll insgesamt 100.000 Menschen Wohnraum und Arbeitsstätten bieten. Bei der Planung dieses Musterstadtteils wurde Wert darauf gelegt, dass eine möglichst kleinteilige Siedlungsweise mit vielen Eigenheimen, die oft an den Ufern kleiner Kanäle liegen, verwirklicht wird. Die Bewohner sollen alle Infrastruktureinrichtungen wie Kinderbetreuung, Schulen, Einkaufszentren, Freizeit- und Sporteinrichtungen über das Radwegenetz möglichst schnell erreichen.

    Ein 5 Minuten-Video über die Radverkehrsmodellstadt Delft. Ein 3:30 Minuten-Video über Houten. Keine Megacities. Aber für Menschen gebaut statt für Autos. Ich hatte auch mal eine 55 km lange Tour verlinkt gehabt, die Mark Wagenbuurg auf sich nehmen mußte, als im Wintersturm der Bahnverkehr zum Erliegen kam. Er hat die Tour gefilmt, um zu zeigen, wie geil die Radwege dort auch außerhalb der Städte sind. Vorhanden, geräumt, sicher, bequem und zumeist sogar beleuchtet.


    Ich schließe mich den Anmerkungen an die liebe Region Hannover gerne mit diesen Worten an: Wenn Ihr schon innerhalb der nächsten 22 Jahre anderthalb Milliarden Euro in den Neubau der MHH stecken wollt, dann vergeßt beim nächsten Mal doch bitte nicht den Stadtbahnanschluß. Ich unterstelle mal, der Tweet ist inhaltlich korrekt.


    Sogar das Handwerk kann einen Teil des Autoverkehrs einsparen. Hat ein Radfahraktivist in Wien gezeigt. Die Handwerkskammer dort sagte, man könne ja keine Therme mit dem Drahtesel befördern. Da hat er zwei Thermen mit dem Drahtesel zur Handwerkskammer gebracht. Immer nur pauschal Nein sagen, ist ein bißchen zu einfach. Viele sagen, das geht nicht. Sie meinen aber tatsächlich, sie wollen nicht. Wenn sie wollen würden, würden sie nachdenken und ausprobieren. Siehe auch Praxisbeispiele hier und hier.


    Ja, der Onlinehandel ist auf dem Vormarsch. Damit auch die Kurierdienste. Weiterhin gilt: Solange die echten entstehenden Kosten durch Rohstoffabbau, Kinderarbeit, Dumpinglöhne in Irgendwo, Transport und Subsubunternehmertum nicht in den Produkt- und Versandkosten enthalten sind, handelt es sich um eine Art Subvention, die eben Umwelt- und Sozialstandards unterwandert. Die Wegwerfgesellschaft und die geplante Obsoleszenz tut ihr übriges. Früher hat man einen kaputten Fernseher schon mal zum Fernsehtechniker gebracht. Heute kauft man stattdessen den dritten zusätzlichen Riesenflachbildschirm bei Saturn. Politik, bitte aufwachen, hier gibt es Fehlanreize, die zu Fehlentwicklungen geführt haben.


    Fazit: Der IV = Individualverkehr soll ja auch erhalten bleiben. Ein Fußmarsch ist Individualverkehr. Eine Radfahrt ist Individualverkehr. Beides könnte man auch besser als bisher mit dem ÖPNV verknüpfen. Das Auto wird nicht von heute auf morgen verschwinden. Aber erstmal müssen wir den Turnaround schaffen von steigenden zu fallenden Zahlen. Wir können doch nicht die Hände in den Schoß legen, nur weil ein Komplettverzicht bis morgen Mittag unmöglich ist.

  • Bronco Ich habe nicht auf jedes Detail eine Antwort. Ich kenne zum Beispiel die Goethestraße nach dem Umbau nicht. Meinst Du den Abschnitt zwischen Goetheplatz und Clevertor? Ist Google Maps Street View aktuell? Ich kenne auch die Perspektive aus einem Rettungswagen nicht. Natürlich muß der immer durchkommen können.


    Anregungen, die mir spontan bim Blick auf Google SV einfallen, wären zum Beispiel: Müssen da Autos am Straßenrand parken dürfen? Oder: Kann man die Straßenbahngleise so pflastern, daß ein Rettungswagen darauf fahren könnte? Man muß die gesamte Straßenbreite, die zwischen den Häuserzeilen entstanden ist, clever ausnutzen. Schmal oder zu schmal ist die Straße jedenfalls nicht. Wenn dort ein Rettungswagen keinen Linienbus überholen kann, ist da was falsch gelaufen. Das spricht aber nicht gegen die Reduzierung des Autoverkehrs.

    Der Abschnitt ist gemeint. Kann aber gerade nicht sagen, ob das bei Google aktuell ist. Ich vermute nein. Parkplätze gibt es da kaum noch am Rand. Dafür Fahrradständer die verhindern, dass Autos Rettungsmitteln ausweichen können. Früher konnte man die Stadtbahntrasse befahren. Jetzt ist das ein Grünstreifen. Vor dem neuen Rathaus wurde die Busspur zurückgebaut, sodass sich jetzt Busse und Rettungsmittel durch den Stau kämpfen müssen. Ich bin in allen Punkten bei dir. Von mir aus kann man alles von Pferdeturm bis Lindener Hafen zur Fußgängerzone erklären. Der Weg, den man aktuell beschreitet, ist aber kurzsichtig, dumm und gefährlich.

  • Pokalheld : ich glaube, ein wesentlicher Unterschied liegt darin, dass ich beim künftigen Individualverkehr sehr wohl auch noch eine nennenswerte Menge an motorisiertem IV erforderlich sehe, und ganz ehrlich gesagt den mir auch selber wünsche. Nur eben nicht mehr mit im Fahrbetrieb emittierenden Verbrennungsmotoren, und primär in den Städten zahlenmäßig stark reduziert, und zumindest dort auch mit kleineren Fahrzeugen, die sparsamer mit dem öffentlichen Raum umgehen.


    Was die Zukunft des ländlichen Raums angeht, hast Du natürlich prinzipiell recht, man kann in einem vergleichsweise eng besiedelten Land sich auch ein ÖV-Netz vorstellen, dass auch dort Mobilitätsbedarfe umfänglich abdeckt, vor allem, wenn wir sehr perspektivisch denken. Ein zweiter Unterschied mag dann hier damit zusammenhängen, dass ich (ich habe das ja etwas durchklingen lassen) thematisch ua in diesem Bereich arbeite, und daher denke ich auch mehr in zumindest in halbwegs greifbaren Zeiträumen umsetzbaren Massnahmen. Ich hatte ja gesagt, wir müssen ua massiv in den ÖV bzw ÖPNV investieren. Was passiert gerade im Busnetz mitten im Umland in der Region? Es werden weiterhin wie in der Vergangenheit Linien wg Unwirtschaftlichkeit gestrichen, ausgedünnt usw. Aus Wirtschaftlichkeitsgründen, damit das steuerfinanzierte Defizit der RegioBus zumindest soweit im Rahmen bleibt, dass die Region es nicht europaweit ausschreiben muss. Wieder wird das Angebot verknappt, wieder wird die Chance vertan, Menschen Alternativen zu bieten. Ich weiß, dass das der leider manchmal desillusionierte Blick des Praktikers auf die Dinge ist.


    Etwas anderes hatte ich gestern noch zunächst weggelassen: wir müssen dabei dringend auch über drastisch beschleunigte Planverfahren gerade für den Bau neuer Schienenwege denken. Ich denke mir manchmal, bloß gut, dass die wesentlichen Schienenverbindungen schon im 19. Jahrhundert gebaut wurden , heute würde das nichts mehr werden. Das heißt dann aber auch, Mitwirkungs- und Beteiligungsrechte, Einspruchs- und Klagerechte für Einzelpersonen und Verbände, auch für die Umweltverbände zurückschneiden, und uU auch eine Abwägung unterschiedlicher Natur- und Artenschutzbelange gegeneinander ebenso wie gegenüber Schutzansprüchen von Anwohnern künftig anders zu behandeln (eben nicht wie jetzt bei der Windkraft)....


    Schließlich nochmal zum Thema Konsumenten: das war eher als eine Beschreibung deren Verhaltens gedacht (zugegeben manchmal kopfschüttelnd beobachtet), keine Schelte. Menschen sind wie sie sind, Verändern dauert. Sollte eigentlich eher verdeutlichen, welche Ausgangsbedingungen man mE nicht völlig ausser Acht lassen darf.