GaZ - Gute alte Zeit. Früher war alles ... anders.

  • Puh.. was einem alles einfällt...

    Zimmeröfen in Omas Etagenwohnung. Daneben die Schüppe und Tüten mit Eierkohlen (oder waren es Briketts :???:) mit "Ruhrkohle"-Aufdruck. Und auf Augenhöhe vor dem Fenster schoben Dampfloks auf dem Rangierbahnhof knallend zu jeder Tages- und Nachtzeit Waggons aufeinander.

  • ...wir hatten nen Plumpsklo...musst erst durch den Schweinestall (nein nicht das Wohnzimmer)..man war das arschkalt abends.

    und schön den alten Gussofen mit Ofenringen zum anpassen der alten Töpfe. Da gabs dann Bratkartoffeln mit Spiegelei (sunny side up), direkt aus der Pfanne...yes


    In die Badewanne einmal die Woche, dann die Oma, dann der Opa.....im selben Wasser....supi...also für mich...

  • hach, ich schwärme grad von vergangener zeit.... mit kullertränen...

    wobei oma immer erzählt, die ofenringe sind zur wärmeregulierung.



    wenn ich früher bei oma wunstorf war und die mich gesucht hat, brauchte sie in der regel nur in der speisekammer suchen. da war ja auch immer was geiles zu essen... schinken, mettwurst puddelling, wackelpeter und fast immer platenkuchen.

    man sieht ja, wo es blieb

  • Kennt ihr noch diese Brotmaschinen zum kurbeln ohne elektrischen Antrieb? Die war bei meinen Großeltern in der Speisekammer in einem alten Küchenschrank fest integriert. Die Speisekammer war wirklich immer ein besonderer Ort. Die vielen vollen Einmachgläser mit Schnippelbohnen, Pflaumen, Kirschen, sauren Gurken, Johannisbeergelee und all dem...und meist stand dann da noch Pudding und / oder Blechkuchen oder sowas....und Spinnenweben waren da...ein magischer Ort.

  • Bei Oma und Opa in Eilvese gab es alles: Plumpsklo, Kurbelmaschine, Speisekammer. Das ging mir da so wie von euch geschildert. Und es war da immer etwas unheimlich, im unbeheizten Speicher, durch den Gong der alten Standuhr, durch die Kleiderständer in Opas Schneiderei. Ein toller, fast magischer Ort.

  • Ein toller, fast magischer Ort.

    Ja, die knartschende Holztreppe, das kleine selbstgebaute (also mit den eigenen Händen und Händen der Freunde) Haus mit den zwei Wohnzimmern (das große wurde nur selten geöffnet, meist saßen die beiden im kleinen Wohnzimmer, da man dort weniger heizen musste), generell die kleinen Zimmer im Vergleich zu heute...gekocht wurde in der alten Küche im Keller, damit es im eigentlich Hause nicht so riecht...All die kleinen selbstgehäkelten Deckchen im Wohnzimmer, der aus Holz zusammen gezimmerte Schuppen im Garten, das große Wissen im Bereich Handwerk und Garten. Wenn da nicht auch die Kriegserfahrungen und das damit verbundene Trauma gewesen wäre und all die Begleiterscheinungen...dann wäre das ein durchgängig toller Ort gewesen. So war es bei uns leider Licht und Schatten.

  • Dem Töpfchen im Hinterhof der Oma nach Starkregen beim Schwimmen zugucken.


  • Der eine Ur-Opa hatte ein Holzhörgerät ( wie so ein Gramophontrichter) , und er meinte zu mir:" klein musti, das darfst du nicht kaputtmachen, das gehört dem Staat, und wenn das kaputt ist, dann muss ich ins Gefängnis." und er hatte auch eine goldene Taschenuhr, die unterm Sprungdeckel ein Kreuzfahrtschiff graviert hatte mit einer Jahreszahl - ich glaube 1908. Zumindest hat er mit diesem Dampfschiff die Jungfernfahrt nach Amerika gemacht. Ich habe ihn nicht oft erlebt, die Grenze und ein paar hundert Kilometer lagen zwischen uns.


    Der andere Opa (väterlich Seite) hatte ein Holzbein. Sein echtes hatte er im Drehkranz der Ruderanlage seines Frachtschiff verloren. Im Krieg hatte er keine Lust auf Nazis, und hat zur Übersee-Schiffahrt angeheuert. Shanghai um 1940 - eine unvorstellbare Welt.

    Und er hatte immer wechselnde Freundinnen, und einen Wecker mit Uran, dessen Ziffern im Dunkeln leuchteten.

    Und so...

  • Puh, die "Gnade" der späten Geburt.

    Wir hatten auch einen Kohleherd in der Küche; neben dem Gasofen! Auf dem Kohleofen wurde zusätzlich gekocht, wenn die große Gesellschaft da war. Und im Winter, weil es dann das Häuschen geheizt hat. Meine Eltern und Großeeltern haben übrigens Lord Extra graucht. Und ich habe hier auf dem Schreibtisch gerade eine Metalldose "Sumatra Dannemann - Menor Speciale" stehen. Die haben Papa und Opa immer gepafft, wenn es einen besonderen Anlass gab. Karnickel schlachten oder so. Da ist noch die Banderole dran (also an der Schachtel, nicht an den Karnickeln) mit "20 PF DAS STÜCK".

  • So ein Ding hatten wir auch, allerdings im Wochenendhaus. Die gibt es auch noch zu kaufen. Wieso ist die Kurbel bei den Dingern denn immer rechts? Das ist für Rechtshänder völlig unlogisch.

  • Ja. Die Kurbelmaschine hatten haben wir in der Küche.

    :)

    Nee. ;) Aber wenn ich mir heute so meine von Hand geschnittenen Brotscheiben so ansehe (meine Frau kriegt die besser hin :???:) wäre so ein Maschinchen gar nicht so schlecht..

    Damals war die für mich Knirps off limits, wg Finger ab und so.:zeigefinger:

  • So ein Ding hatten wir auch, allerdings im Wochenendhaus. Die gibt es auch noch zu kaufen. Wieso ist die Kurbel bei den Dingern denn immer rechts? Das ist für Rechtshänder völlig unlogisch.

    Die ist/war nicht immer rechts. Ich hatte eine rot/weiße mit Kurbel links.

  • Ich habe im Konzert-Thread kurz erwähnt, dass ich meinen Stoß alter Konzertkarten wieder entdeckt habe. Herrliche Erinnerungen an alte (Konzert)zeiten kamen da hoch. Und wie schön die Karten in der GaZ waren. Dicke Pappe, satte Farben, manche Schriften erhaben, einige ausgestanzt - sowas wird heute nicht mehr gebaut. Eine Karte fiel mir ins Auge: Suicidal Tendencies 1992 in Bielefeld. Eigentlich wollte ich da nicht hin, weil "unter der Woche" und "die habe ich doch schon ein paar mal gesehen". Aber ein Kumpel hat mich überredet. Und: Da war was. Die Vorband, die keiner kannte. Und wir die nicht sehen wollten, weil Vorbands immer doof sind, wenn man sie nicht kennt. Und weil keine Vorband angekündigt war. Und mimimi. Aber diese Vorband war anders. Seltsamerweise erging es mir exakt wie dem Typen.

    Zitat

    1992 spielte meine damalige Lieblingsband Suicidal Tendencies im legendären Club PC 69 in Bielefeld. Natürlich fuhr ich hin und da ich die Jungs bis dato noch nie live gesehen hatte, war ich sehr gespannt, um nicht zu sagen etwas nervös. Als es dunkel im Saal wurde, stellte ich allerdings schnell fest, dass nicht meine Helden die Bühne betraten, sondern eine unerwünschte Vorband. Doch die Enttäuschung wich fast augenblicklich der Erkenntnis, dass ich an diesem Abend Zeitzeuge einer musikalischen Zäsur wurde: Mit dem ersten Ton rollte ein gigantischer Bass-Tsunami durch die Reihen, ein Groove, der so sämig war, dass er meine Knie unwillkürlich um einige Zentimeter beugte. Eine Sekunde später flog ein Mann über die Bühne, der dreißig Arme zu haben schien (wovon sich später allerdings 28 als Dreadlocks herausstellten), und schrie wie von der Tarantel gestochen: „Burn, burn, yes, yo gonna burn!“ Mich erfassten Welle um Welle aus monströsem Beat und nie gehörte, verstörend wirkende Gitarrensoli. Verzweifelt versuchte ich, gerappte und geschriene Textpassagen aufzusaugen. Die nächsten vierzig Minuten stand ich einfach da und ließ die großartigste Band der Neunzigerjahre auf mich einprasseln.


    Nach diesem Naturereignis ging ich wie betäubt zur Kasse und fragte nach dem Namen der Vorband, doch niemand kannte ihn. Ich ging zum Merchandise-Stand, doch es gab kein einziges Produkt dieser Band. Schließlich raunte mir ein Ordner zu: „Die heißen Rage.“ Ich war verwirrt, denn ich kannte eine Band mit diesem Namen, eine deutsche Power-Metal-Combo, die unmöglich das eben gesehene Quartett sein konnte. Derweil spielten Suicidal Tendencies bereits, doch ich wusste längst, dass sie nur noch meine Zweit-Lieblings-Band waren. Ihr Konzert war nett, sehr gut. Doch in meinem Herzen pochte es immer wieder: Rage – Rage – Rage.


    Später fand ich in einem Musikmagazin den vollständigen Bandnamen, doch zu meinem Entsetzen zuckte mein Plattenhändler nur mit den Schultern – es gab keine einzige Veröffentlichung der Gruppe.

    Mit dem Unterschied, dass ich während des Konzerts beim T-Shirtstand gefragt habe, wer die Band ist und "Rileys Dancing Machine" verstanden habe. Bei Musicland und Saturn kannte man die nicht. Schade. Aber guter Name für eine RATM-Coverband.

    Viel Spaß in Krakau.