• Ich will da eigentlich nicht zu schreiben. Aber eine Sache sollte ich hier vielleicht doch erwähnen, weil ich denke, dass andere auch mit sowas konfrontiert werden können: Zu Beginn der ersten Episode hat meine Schwägerin - die dazu noch eine alte Klassenkameradin ist, wir haben von der 7. bis zur 10. gemeinsam die Schulbank gedrückt, und die selber durchaus ernste psychische Probleme zu unterschiedlichen Zeitpunkten hatte - mir auf einer Familienfeier vor versammelter Belegschaft eine Szene gemacht, und zwar, weil ich mich entschieden hatte, keine Antidepressiva zu nehmen. Sie hat auf ihre Erfahrung als gelernte Krankenschwester mit jahrelanger Berufserfahrung auf psychiatrischen Stationen rekurriert und mir vorgeworfen, mich unverantwortlich zu verhalten, das alles maximal theatralisch und sogar öffentlich.


    Meine Frau hatte mir damals den Rücken gestärkt, allerdings auf der Heimfahrt. Das war für mich unglaublich wichtig. Mein Vertrauensverhältnis zur Schwägerin aber hat massiv darunter gelitten. Jahrelang konnte ich die Frau nicht ertragen. Inzwischen hat es sich - nach 9 Jahren - wieder halbwegs normalisiert, allerdings würde ich mir zweimal überlegen, ob ich ihr etwas für mich wirklich wichtiges, Dinge, durch die ich verwundbar wäre, anvertrauen würde.


    Letztlich habe ich für mich entschieden, dass es für sie wichtig war, dass ich Medis nehme, weil sie selber (zumindest zwischenzeitlich) welche genommen hat und ihre Entscheidung nicht richtig, nicht 100%, getroffen, sondern mit Verantwortung gerechtfertigt hat. Das mag stimmen oder falsch sein - aber ich brauche irgendein Erkärungsmuster für diese Aggression, ansonsten könnte ich bis heute nicht mit ihr reden.

  • Ich selbst habe auch schon während zweier depressiven Phasen Antidepressiva genommen (Serotoninwiederaufnahmehemmer, kurz SSRI).

    Zwischendurch auch noch ein zweites Mittel zur Nacht (hab den Namen nichtmehr in Erinnerung) um besser schlafen zu können.

    Das Mittel zur Nacht hat mich so in Watte gepackt, dass ich auch tagsüber Tiefenentspannung neben mir stand.

    Das hab ich schnell wieder abgesetzt.

    Die SSRI haben ganz klar gewirkt, aber sie hatten auch Nebenwirkungen, die nicht so erbaulich waren. Aber neben der aufhellenden Wirkung halten sie halt die Stimmung irgendwie immer in einem gewissen Level, es gibt weniger Ausschläge, also auch nach oben.

    Das war zumindest mein Empfinden.

    Was das Zeug genau in meinem Hirn macht, kann auch keiner genau sagen.

    Zudem soll man es 6 Monate lang weiter nehmen nachdem die Beschwerden abgeklungen sind.

    Und es muss ausgeschlichen werden.


    Ich will jetzt nicht ausschließen, dass ich die noch einmal einnehmen würde, aber nur, wenn ich noch stärkere Depressionen hätte als jetzt.

    Wenn irgend möglich möchte ich auf Psychopharmaka verzichten.


    Exil, magst du mir sagen, warum du auch keine einnehmen mochtest?


    Dein Entsetzen gegenüber und deine Verletzung durch deine/r Schwägerin ist nachvollziehbar.

    Anscheinend musste sie auch ihre eigene Entscheidung massiv gegenüber anderen rechtfertigen.


    Da die Wirkung von Johanniskraut bei leichten bis mittleren Depressionen belegt ist, nehme ich das jetzt ein, zusätzlich hochdosiertes Vitamin D und Baldrian zur Nacht.

    Ich versuche das jetzt ohne Chemie und hoffe es hilft mir.

    Einmal editiert, zuletzt von mabuse ()

  • Das wäre ein Themenwechsel.


    Ich habe das oben angeführt, um zu zeigen, wie schwierig es werden kann. (Ich weiß nichtmal, ob das die Reaktion ist, die mir am meisten zu schaffen gemacht hat, aber über andere möchte ich hier nicht schreiben.) Ich denke, es ist wichtig, über sowas auch mal zu reden, um anderen Leuten unter Mut zu machen, zu ihren Entscheidungen zu stehen und natürlich auch um Angehörigen hier klar zu machen, wie wichtig ihre Reaktionen sein können. Wie gesagt gehört hier dazu, dass in dieser Situation die Unterstütztung meiner Frau einfach extrem wichtig für mich war.


    Ich bin kein genereller Gegner von Antidepressiva. Ich schließe auch für mich nicht kategorisch aus, sie zu nehmen, ich habe nur für mich persönlich die Latte dafür sehr hoch geleget. Aber das Wichtige ist: Ich finde es wichtig, dass Betroffene selber Entscheidungen treffen. Ich denke, es liegt eine Gefahr darin, bzw. ist nicht oder deutlich weniger hilfreich, Psychopharmarka zu nehmen, ohne sich wirklich selber dafür entschieden zu haben.

  • Mal von der anderen Seite, also der des Partners aus gesehen. Wenn ich nicht mitgenommen werde, dann herrscht Unklarheit, Verwunderung, Missverständnis,und am Ende Enttäuschung.

    Wenn man eine undurchdringliche Wand vor sich hat, ist es quasi egal, ob man sieht und fühlt wie "der Andere" leidet, da man nur Verständnis entwickeln kann, wenn man versteht.

    Die Angst nicht verstanden zu werden, zu belasten, nichtmehr gemocht und geliebt zu werden, mündet "gerne" in der totalen Abkapselung. Als Co-Depressiver kann man dann nur vor die Stirn kucken, und selbst versucht wird den Alltag aufrecht zu erhalten , geht die Vertrautheit/Intimität ohne den Austausch der wahren Gedanken zum Großteil verloren.

  • Ergbit für mich sehr viel Sinn.


    Deswegen ist es auch so unglaublich wichtig, a) sich seiner Grenzen möglichst sicher zu sein und die sich selber einzugestehen, b) vor anderen dazu zu stehen (und das geht halt nur mit a) ), c) über Depression aufzuklären bzw. gute Infos an der Hand zu haben.

  • Ich will jetzt nicht jammern.

    Stopp, will ich doch...


    Ist gerade so richtig kacke.

    Die Erkältung ist schon wieder da, ich bin müde, schlafe nicht wirklich gut.

    Mein Körper meldet ganz klar, dass mein Akku leer ist. Sehr leer.


    Heute morgen kamen mir einfach so die Tränen und ich konnte meiner Frau nur sagen, dass es einfach gerade sehr anstrengend ist und doch bitte die pflanzlichen Mittel und Vitamine mal anschlagen dürfen.


    Zudem kommen immer wieder Gedanken hoch, dass ich ja in dem Zustand eine Belastung bin und es meiner Frau lieber nicht zeige, wie es mir wirklich geht.

    Ich habe es aber geschafft diese Gedanken zu äussern und meine Frau sagte, dass ich keine Belastung bin, genau so wenig, wie sie mit ihrem momentanen Armbruch eine sei.

    Den Gedanken/ den Vergleich fand ich ziemlich gut!

    Es ist zwar ein bisschen Mehrarbeit für mich, aber ich erlebe dadurch meine Frau (natürlich) nicht als Belastung.

    Vielleicht kann ich darauf aufbauen auch für mich anzunehmen, dass ich keine Belastung bin.


    Bei meiner Frau ist der Akku aber auch gerade ziemlich leer, irgendwie müssen wir da auch grundsätzlich zusehen, dass es uns besser geht.


    Ich habe zum Glück nächste Woche Urlaub.

    Und wir fahren drei Tage an die Nordsee.

    Das ist ein Lichtblick.


    Es ist gerade wirklich schwierig.

    Aber es hilft nur dagegen anzugehen gegen die verdammte Depression.

  • Ich habe es aber geschafft diese Gedanken zu äussern und meine Frau sagte, dass ich keine Belastung bin, genau so wenig, wie sie mit ihrem momentanen Armbruch eine sei.

    Sehr schön.


    Finde es gut, dass Du Dich mitteilst, gerade wenn es Dir schlechter geht.


    Freut Euch auf die Nordsee, vielleicht bringt sie wieder frischen Wind (Haha).


    Kopf hoch!

  • 3 Tage sind gut, aber bei weitem nicht genug um die Akkus vollzumachen.

    Ist irgendwas in Richtung "sabbatical" bei Euch/Arbeitgeber möglich; einfach 4 Wochen weg.


    Kein Handy, kein Notebook, keine Zeitung, kein f..... internet,....nur Natur oder so.


    Ich sags mal wie P-King: Kopf nicht unten halten.

  • die pflanzlichen Mittel und Vitamine mal anschlagen dürfen.

    Ist deine Entscheidung letzten Endes, aber du solltest mal drüber nachdenken, ob nicht aktuell doch andere Medikamente das richtige für dich sind. Ich weiß nicht, wie lange du jetzt hier schon berichtest, das es dir schlecht geht...wochenlang jedenfalls. Vielleicht kommst du allein wieder aus dem Loch raus, vielleicht wartest du auch noch weitere Wochen und nimmst dann letzten Endes doch was. Du müsstest aus der Vergangenheit ja wissen, wie gut du da immer allein rausgekommen bist. Da du auch keine Therapie machst, hast du also beide möglichen Hilfestellungen abgelehnt zur Zeit (Therapie und Medikamente). Pflanzliche Mittel sind wohl nicht die richtige Wahl bei schwerer Depression. Eine leichte scheint es ja (Achtung Ferndiagnose) nicht zu sein.

  • https://www.heise.de/tp/featur…i-Depression-4593855.html


    "Antidepressiva offenbar nicht" beginnt dann der Text.

    Womit ein Text bei heise beginnt oder andernorts, wo man auch im Kampf um die meisten Klicks Schlagzeilentaugliches sucht und verbreitet, ist häufig nur irrelevant, manchmal aber auch gefährlich.


    So hier, wo eine Studie


    (bei der es im Übrigen (ausschließlich) um stationäre Psychiatriepatienten ging, die neben ihrer psychotherapeutischen Betreuung überwiegend auch medikamentös behandelt worden waren, wobei die Autoren davon ausgehen, dass diese letztere Therapiekomponente verzichtet gewesen wäre)


    so verkürzt wiedergegeben und im Ergebnis tendenziös herausgestellt wird, dass das Publikum, sofern es nicht sehr sorgsam liest und allen Links nachgeht, davon ausgehen könnte, in der Psychiatrie und Psychotherapie werde von der Gabe und Einnahme von Antidepressiva generell abgeraten.


    Dies aber wäre eine irrige und grundfalsche Annahme, die Menschenleben gefährden kann und deshalb warne ich (selbst Laie) eindringlich davor, diese „alternative facts“ in dieser Form weiter zu verbreiten und rege dringend an, dass sich wenigstens alle direkt oder indirekt Betroffenen oder sonst ernsthaft Interessierten in den gemeinsamen Leitlinien aller zuständigen Institutionen und Fachverbände über die aktuell gültigen Regelungen zu Diagnostik und Therapie informieren.


    Den einfachsten Einstieg bietet diese Patienteninformation, der die weiteren Links entnommen werden können.

  • Ich verstehe jetzt nicht wirklich, warum dieser Artikel als so gefährlich dargestellt werden muss.


    (Telepolis ist nun wirklich nicht die Seite, die die Click-Hurerei mitmacht. Ja, es gibt da immer wieder obskure und fragwürdige Artikel, aber in erster Linie versucht Telepolis meiner Wahrnehmung nach, und zwar seit Beginn, andere Sichtweisen aufzuzeigen.)


    Ich stimme nicht mit dem Artikel überein. Der Gegensatz zwischen "Leben/Lebensumstände ändern" und "Medikation" ist erstmal ein Scheingegensatz. Die beiden Dinge schließen sich nicht per se aus. Medikation sollte ein Hilfsmittel sein. Das wiederum heißt, man sollte sich klar machen, wobei man Hilfe braucht und welche Effekte man davon erwartet, damit man auch die Möglichkeit hat, den persönlichen Nutzen zu evaluieren. So ungefähr sieht meiner Meinung nach ein sinnvoller Einsatz aus, der einem durchaus helfen kann, andere Dinge in den Griff zu kriegen.


    Das Problem mit Medikation in der Praxis hingegen sehe ich darin, dass Medikation oft nicht in ein entsprechendes Konzept eingebunden ist. Das mag insbesondere verlockend sein, wenn es überhaupt erst mal darum geht, eine akute, schwere Depression zu stabilisieren. Aber es führt dazu, dass Medikation als Haupt-Therapie verwendet wird, wo es unterstützen sollte. Ich hingegen halte Psychotherapie und proaktive Strategien bezüglich der Lebensumstände für unersetzlich.


    Ich kann mir kaum vorstellen, dass bei jemand, der mit der Thematik Berührung hatte, der Artikel zu dem Mißverständnis führt, die Fachdisziplinen würden Medikation ablehnen. Im Ergebnis halte ich den Artikel für falsch, weil er ein "Entweder-Oder" konstruiert. Aber in der Praxis sind viele Betroffene damit konfrontiert, dass sie zu Medikation gedrängt werden, dass Medikation das einzige handfeste Angebot ist und das bei den Ärzten die Sorge vorherrscht, ihnen könnten Kunstfehler vorgeworfen werden, wenn sie zögerlich bei Medikation sind. Oben drauf kommt der Druck auf der gesamten medizinischen, insbesondere psychiatrischen Praxis dieser Tage, der auch dazu führt, dass es eine problematische Überbetonung der Medikationspraxis gibt.


    Wenn der Artikel also auch unzuverlässig vereinfacht, kann er doch dazu beitragen, dieser leider oft zu beobachtenden Fixierung auf Medikation entgegenzuwirken.

  • Ich muss mal wieder was loswerden....

    Ich bin jetzt die zweite Woche wegen meiner Depressionen krank geschrieben.

    Die Luft war einfach sowas von raus.

    Ich habe mich entschieden doch noch einmal Gesprächstherapie zu machen.

    Die Wahl fiel auf eine Heilpraktikerin für Psychotherapie, die ich aus der Amara-Schule kenne, es war eine letztendlich klare Bauchentscheidung für sie.

    Hatte letzte Woche Donnerstag mein erstes Gespräch.

    Das war gut und intensiv und anstrengend, bis Samstag fühlte ich mich besser, gelöster.


    Seitdem kippt bzw. kippte es, mein Kopf beschäftigt sich mit sinnlosen und nicht anstehenden Dingen, ich bin gleichzeitig erschöpft und angespannt.

    Ich muss mich zwingen Dinge zu tun, heute raffe ich mich zum Hausputz auf.


    Ein Anteil von mir will auch keine weiteren Gespräche führen...

    ... mal sehen was der zum morgen stattfindenden nächsten Gespräch sagt.


    Mir graut vor der Arbeitsbelastung in der nächsten Woche.

    Wir werden ja von Thalia übernommen und die Woche ist voll mit Schulungen, Inventur und Einsatz zum Lernen in anderen Thalia-Filialen.

    Aber wenn ich da weiter fehle, fehlen mir ganz wichtige Basics für die weitere Arbeit.

    Also muss ich da irgendwie durch.


    Puuuuh, ist schwer gerade.

    Es fiel mir auch schon leichter keinen Alkohol zu trinken.

    Aber ich hab es bis jetzt hin bekommen und werde das auch weiterhin schaffen.

  • Den ersten Schritt, dich zur GT anzumelden und auch schon hingegangen zu sein, hast du gemeistert! Jetzt bleib dran, auch wenn es schwerfällt. Kann doch nur besser werden. Und lass die Flaschen weiter im Regal, dass Zeug zieht nur runter.
    Beste Grüße :):victory: