• "Manipulieren" finde ich erst mal schon schräg, weil negativ behaftet. Wenn ein zuckerkranker Mensch seine Medikamente nimmt, manipulieren diese auch. Wenn der Weg, alles weg zu therapieren funktioniert, ist das toll! Funktioniert das bei dir? Anscheinend nicht. Ist es dann der Weg, reduziert belastbar zu bleiben, regelmäßig den schwarzen Hund vor Augen zu haben oder ist es der Weg, wieder in die Bahn zu kommen und dort auch zu bleiben? Es wird nicht alles toll, aber durchaus viel lebenswerter mit den richtigen Medikamenten.

  • Vorab, danke für eure Antworten und Die Auseinandersetzung mit meiner Situation und Entscheidung, keine Antidepressiva mehr zu nehmen.


    SHG-Chris : du hast vollkommen recht, wenn du schreibst, dass Antidepressiva ein wichtiger Bestandteil sein können bei der Behandlung von Depressionen.

    Das habe ich auch so erlebt und bei meiner ersten Einnahme 2013 haben sie mir geholfen, überhaupt wieder aktiv zu werden und mich zu stabilisieren.

    7 Monate Tagesklinik haben dann auch geholfen.


    Dann habe ich die zu schnell abgesetzt und nicht vernünftig ausgeschlichen, dass war unklug, die Nebenwirkungen sind unerfreulich.

    Das nur als Rat für Betroffene.


    Das zweite Mal, müsste 2017 gewesen sein, habe ich sie etwas ein halbes Jahr eingenommen und sie dann versucht von 10 auf 5 mg zu reduzieren,. um sie richtig auzuschleichen.

    Das hat gar nicht funktioniert, meine Gefühle und Stimmungen haben Achterbahn gespielt. Ich habe mir dann (ja, trotz Alkoholerkrankung, aber es gab ja keine Alternative) Tropfen verschreiben lassen, und sie langsam Miligrammweise reduziert.


    Absetzerscheinungen werden übrigens beim Verschreiben nicht erwähnt...

    Diese sind allerdings zum Teil krass und es gibt massenweise Erfahrungsberichte darüber.


    Außerdem kann dir im Prinzip niemand erklären, wie genau Antidepressiva ins Gehirn eingreifen. Daher auch diese trial and error-Methoden bei der Verschreibung.


    Nochmal: Ich rate niemandem kategorisch davon ab, Antidepressiva zu nehmen.

    Sie können in der entsprechenden Situation unterstützend hilfreich sein.


    In meiner jetzigen Form der Depression und/oder Angststörung werde ich Sie aber nicht mehr einnehmen.


    Meine Ideen zu meiner Depression sind mittlerweile wie folgt:

    Ich bin grundsätzlich ein ängstlicher Mensch.

    Ich komme sehr schlecht innerlich zur Ruhe, Ruhe zu selten in mir.


    "I've always been dark with light somewhere in the distance"

    (der großartige Dallas Green)


    Das kenne ich schon mein Leben lang.

    Ich bin so.

    Die Chemie in meinem Kopf kann das unterdrücken.

    Aber sie macht es nicht weg.


    Das ist für mich der entscheidende Punkt.

    Antidepressiva lassen mich wieder besser funktionieren.

    Aber funktionieren alleine genügt nicht.


    Das von mir gewählte Zitat ist aus dem Buch "Panikattacken und andere Angststörungen loswerden"

    Da geht es darum, neue neuronale Vernetzungen zu schaffen.

    Den Ansatz finde ich hochinteressant, den werde ich versuchen


    Zum Thema Arbeitswelt: meine Energie ist anscheinend begrenzt und Ich muss sehr achtgeben, nicht meinen Akku dauerhaft zu wenig aufgeladen zu betreiben....

    Mit 30 Stunden Arbeitszeit plus die Tätigkeiten zu Hause, bin ich nach meinem Empfinden dauerhaft schon überlastet, im roten Bereich.


    Es ist nicht so, dass mir nichts Spaß machen würde.

    Ich berate meine Kunden meistens gerne.

    Ich bin gerne in unserem Garten und pflege und gestalte ihn.

    Ich spiele gerne Gesellschaftsspiele.

    Nur als Beispiel....


    Meine sozialen Kontakte sind gerade am Arsch, bei der vorübergehenden Trennung meiner Frau von mir 2017/2018 sind alle (vermeintlichen gemeinsamen) Freunde auf der Strecke geblieben.

    Und mein bester Freund (kenne ich seit 40 Jahren) hat sich in der Zeit so gut wie gar nicht gemeldet.

    Ich habe ihm später geschrieben (nachdem er auf eine Bemerkung am Telefon im Prinzip nicht eingegangen ist), dass ich das nicht verstanden habe.

    Ich habe seitdem NICHTS mehr von ihm gehört, auch auf ein zweites Schreiben hat er nicht reagiert.

    Schade.

    Aber nun lauf ich nicht mehr hinterher.


    Was also meine sozialen Kontakte angeht, beschränkt sich das momentan auf die Familie.

    Diese Baustelle ist da, aber auch das wird wieder anders werden.


    Fazit: Für mich einstehen und für mich sorgen ist das, was ich möchte und wo ich immer wieder hinschauen muss.

    Momentan denke ich, dass dazu auch gehört, weniger zu arbeiten und einen entsprechenden Antrag zu stellen.

  • Dass es zwar richtig ist, dass Psychopharmaka die eigentliche Ursache nicht beheben. Das sollen sie aber auch gar nicht, sie sollen den Betroffenen dabei helfen, überhaupt wieder in einen Zustand zu kommen, um produktiv an der Ursache arbeiten zu können. Und das tun sie. Nicht immer und auch nicht fast immer, aber in der überwiegenden Zahl der Fälle.


    ..... Rechtfertigt der zu erwartende Nutzen all die Nebenwirkungen? Erreiche ich einen ähnlichen Nutzen auch ohne

    Das gilt für fast alle anderen Medikamente auch!

    Und wenn es schwer ist, das persönlich passende zu finden, ist das schlimm. Aber wenn endlich ein passendes gefunden wurde, so toll !

  • mabuse: Ich habe den Eindruck, dass du deine Situation sehr gut reflektierst. Das macht Hoffnung. Geh deinen Weg weiter. Wahrscheinlich wird es ein Kampf bleiben, du schreibst ja, das du die Situation schon über viele Jahre erlebst, aber der Kampf lohnt sich. Ich finde gut, dass du auch auf die schönen Seiten des Lebens schaust. Behalte deinen Mut und deinen Humor. Let the sun shine 🌞.

  • Ich habe deine Beiträge und die der Foristen eben gelesen, Mabuse, kann leider aus Mangel an Wissen nichts dazu beitragen. Aber wünschen kann ich dir von Herzen alles Gute und Licht in deinem Leben. Gut, dass du deine Familie hast.

  • Antidepressiva lassen mich wieder besser funktionieren.

    Aber funktionieren alleine genügt nicht.

    Wenn das die einzige positive Erfahrung mit Antidepressiva war, deckt sich diese nicht mit meiner. Ich habe auch massive Angststörungen. Dadurch konnte ich trotz x Jahren intensiver Therapie nur ganz gruselig schlafen. Das war jede Nacht ein Lotteriespiel. Wann schlafe ich ein? Wie lang / kurz wird die Nacht? Wer unter Schlafstörungen leidet, weiß, wie schlimm dieses Gefühl sein kann, wenn man im Bett liegt und weiß, es ist schon wieder 1 Uhr...2, 3 oder sogar 4 Uhr...in wenigen Stunden klingelt der Wecker und nichts geht.

    Ich war kurz davor, richtige Schlafmittel zu nehmen, war schon öfter dazu bei meiner Ärztin. Trotz des Bewusstseins der krassen Nebenwirkungen. Aber für mich stand viel mehr auf dem Spiel, so dass ich sogar die Abhängigkeit von solchen Medikamenten in Kauf nehmen wollte. Wir haben es immer wieder nach hinten verschieben können. Die letzte Chance war, mein Escitalopram für eine lange Zeit hoch dosiert einzunehmen. Und es hat wirklich funktioniert. Verdammte Axt, ich schlafe zu 99 % wieder so wie ein normaler Mensch. Zwar nicht immer tiefenentspannt, aber ich schlafe und bin aus dem Hamsterrad raus. Und das schon ziemlich lange jetzt...Es ist nicht alles supi aber es ist viiiiiel besser und ich bin ganz glücklich damit. Was die Medikamente anrichten, weiß ich nicht. Ich bin regelmäßig beim check und bisher ist alles gut. Nebenwirkungen? Wer weiß, welche Nebenwirkungen die Krankheit Depression bei mir hätte, wenn ich weiter so mies geschlafen hätte?


    Ein weiterer Punkt ist, man kann vielleicht auch nicht alles mit Psychotherapie heilen. Vielleicht braucht der Kopf dieses oder jenes Mittel? Vielleicht herrscht da ein Mangel, der ausgeglichen werden muss?


    Mabuse, ich wünsche dir weiterhin viel Kraft beim ausprobieren. Finde deinen Weg!

  • Die Vertretungsärztin hat mich bis einschließlich nächster Woche aus dem Verkehr gezogen.

    Ich habe das Thema Arbeit und Teilerwerbsminderungsrente angesprochen.

    Sie hat mir da sofort den Zahn gezogen und gesagt, dass die alles tun werden, um nicht zu zahlen.

    Ich bräuchte einen Psychiater , der mich entsprechend unterstützt und Gutachten und und und...


    Zudem würde man mir die Einnahme von Antidepressiva nahe legen (wenngleich man mich nicht zwingen könne).


    Das klingt nach weiteren Klinik- oder Rehaaufenthalten, viel Stress und Kampf.


    Okay, hätte ich mir vielleicht gleich denken können....


    Ich lass das mal sacken und denke über Alternativen nach.


    @ alter Ego: danke, dass tut gut zu lesen, dass deine Wahrnehmung ist, dass ich gut refektiere.

    Genau das hat meine zuletzt besuchte Heilpraktikerin für Psychotherapie auch gesagt.

  • Ich habe ja auch immer wieder mit depressiven Phasen zu kämpfen.

    Lange war ich auch skeptisch was CBD angeht. Jetzt nehme ich seit einiger Zeit CBD Öl. Vielleicht ist es Einbildung, aber mir hilft es.


    Zumindest ausprobieren würde ich es mal Mabuse.


    Edith sagt: Gut gemeinter Rat, müssen musst natürlich nix.

    Einmal editiert, zuletzt von RoteAnna ()

  • Wenn ich das so lese, denke ich auch, dass ein Jobwechsel vielleicht helfen könnte. Nur dazu muss man dann eben Mut haben und die Corona-Krise ist sicherlich auch nicht hilfreich, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen.


    Gibt es in Deutschland keine CBD-Produkte in den Headshops, um mal auszuprobieren, ob es überhaupt eine Wirkung hat?

    Zumindest in Hamburg gibt es solche Shops, aber auch im Internet wird man fündig.

  • So, nachdem die Vertretungsärztin nur ein bisschen auf meinem Bauch getastet und mich eine Woche krank geschrieben hat, war ich heute endlich bei meiner Hausärztin.


    Und siehe da: Darmentzündung (Divertikulitis) sagt sie, nachdem sie abgetastet und ein Sono gemacht hat.

    Ergebnis der Blutprobe kommt morgen.

    Wenn sie das Ergebnis bestätigt, muss ich für eine Woche zwei verschiedene Antibiotika nehmen.


    Zumindest sind die Schmerzen also keine Einbildung und keine Manifestation meiner Depression.


    Das hat mich tatsächlich erleichtert heute.

    Also, dass es eine Diagnose gibt.


    Die Entzündung brauchte ich jetzt natürlich nicht zwingend....

  • Wenn ich das so lese, denke ich auch, dass ein Jobwechsel vielleicht helfen könnte. Nur dazu muss man dann eben Mut haben und die Corona-Krise ist sicherlich auch nicht hilfreich, sich in ein neues Abenteuer zu stürzen.


    Gibt es in Deutschland keine CBD-Produkte in den Headshops, um mal auszuprobieren, ob es überhaupt eine Wirkung hat?

    Zumindest in Hamburg gibt es solche Shops, aber auch im Internet wird man fündig.

    In Hannover auch. Z.B. hier:

    https://www.greenislandvaporshop.de

  • Ist auffällig :erstaunt:, dass wenn es nun "evtl." physisch ist geballt Genesungswünsche kommen.

    Gut - da ist Genesung wenigstens möglich.

    Also ich freue mich mit, dass es nicht so ein schwer behandelbarer Psychokram ist.

  • Genesung ist hoffentlich auch bei psychischer Erkrankung möglich....


    In diesem Sinne das Update:


    Keine auffälligen Blutwerte!

    Nochmal Hausarzt.

    Jetzt Blut im Urin festgestellt.

    Überweisung an den Urologen.


    Urologe wieder Urinprobe.

    Sagt bakteriell alles einwandfrei, kein Blut.


    Er geht davon aus, dass mein Rücken (altersbedingt "kaputte" Lendenwirbelsäule, kein Bandscheibenvorfall) die Probleme verursacht.

    Ich soll es mit Wärme behandeln.

    Außerdem würde ich eventuell einen kleinen Leistenbruch haben, er habe da etwas getastet.

    Leistenbruch hatte ich mal, ist damals mit Einsatz von Netzen operiert worden.


    Ich hatte in den letzten Wochen nur geringe Rückenschmerzen.

    Ich glaube zwar, dass so etwas ausstrahlen kann, aber ich kann mir nicht vorstellen, dass es diese Art Schmerzen im Unterbauch und bis in die Leisten hinein verursachen kann.


    Die Hausärztin hat nochmal gezielt wegen des vermeintlichen Leistenbruchs geschaut, sie findet keine Anzeichen dafür.


    Ich glaube ja schon, dass sich Depressionen körperlich manifestieren können.

    Aber diese Art von Schmerzen seit zwei Wochen, das macht mich mittlerweile ganz unruhig und huschig.


    Ich versuche mich nicht zu verrückt zu machen (haha, nicht noch verrückter... ), aber ich bin maximal verunsichert.


    Versuche es mit genug Schlaf, Entspannung und ein bisschen leichter Gartenarbeiten, bin diese Woche noch krank geschrieben.


    Nervt....