• Depressionen sind wahrlich ein teuflisches Thema.


    In eigener Sache: Ich habe den erwähnten Termin zu meiner Zufriedenheit regeln können, es hat aber weitere 24 Stunden gedauert, bis ich das realisiert habe.


    Ich habe Bossing erlebt, das bedeutet, dass dich nicht Kollegen, sondern Vorgesetzte mobben. Im Jahre VOR meiner Trennung fand bei uns im Unternehmen ein deutlicher Vorgesetztenwechsel statt, und aufgrund des Wollens der Erlangung des Zertifikates "audit Beruf&Familie" war ich in meiner Leitungsposition nicht mehr "repräsentativ" genug, ohne Kinder, und nun auch noch ohne Ehe.

    Also sollte ich gehen. Das habe ich nicht getan. Seit 2014 hat man mich das spüren lassen, ich war gefangen, in einem Dreieck aus: Noch nicht geschieden, Mindestlohn in der Weiterbildung, fällige Unterhaltskosten für meine depressive Mutter, gemessen am Familieneinkommen, die ich allein geleistet habe, weil Ex-Gatte das nicht verstand, oder nicht verstehen wollte und genau 0,00€ geleistet hat, nachweislich. Ein Freund hat damals gesagt: " Du bist gefangen in einem goldenen Käfig"


    Mich hat danach eine Ohnmacht befallen.


    Ich hatte über mehrere Jahre weniger Einkommen als meine Klienten und musste mir genau überlegen, ob ich mir von dem mir verbliebenden Existenzminimum Socken oder doch ein Paar Schuhe leisten konnte.

  • Ein erster guter Schritt in die richtige Richtung wäre, dem SVW den Rücken zu kehren.


    Du wirst merken, wie befreiend das ist.:)

    Grade wollte ich Anna aufmuntern und ihr bei den Spielen der Bremer viel Spaß wünschen, aber die Abkehr vom SVW hört sich selbstredend viel besser an. 💪👍@Anna

  • Ich hab hier seit längerer Zeit nichts mehr geschrieben.


    Nach wie vor bin ich krankgeschrieben, im Februar scheiterte ein erster Versuch der Wiedereingliederung.

    Jetzt zum 1. November sollte der zweite Versuch starten. Je näher der Tag kam, desto größer und erdrückender wurden die Ängste. Meine Therapeutin hat mich daraufhin (ich hatte mich ja immer gegen "Chemie" gewehrt) davon überzeugt von meinem pflanzlichen Medikament auf Opipramol umzusteigen. Da das Zeuch erstmal seine Wirkung entfalten sollte und ich noch etwas Vorbereitung durch die Therapeutin notwendig hatte, wurde die Wiedereingliederung um zwei Wochen verschoben, hätte also heute beginnen sollen.


    Letztendlich musste ich den Versuch vorab absagen. Das Opipramol wirkt kaum, die Ängste und Sorgen bzgl. der Arbeit und der Zukunft wurden (nicht zuletzt aufgrund geführter Telefonate mit Personalrat und Geschäftsstelle um Unklarheiten zu klären) immer heftiger und haben wieder heftige depressive Schübe ausgelöst inkl. der schlimmsten Symptome die dazugehören. Also blieb mir letztlich nichts anderes als die Absage. Seither fühle ich mich einerseits besser, da die Ängste bzgl. der Arbeit erstmal etwas in die Ferne gerückt sind, andererseits nehmen die Sorgen bzgl. meiner Zukunft zu.


    Es ist alles zum Kotzen.
    Keine Ahnung mehr, wie das alles noch weitergehen soll. Seit anderthalb Jahren krankgeschrieben und wieder ganz auf dem Boden der Depression angekommen. Aber hey, toll, ich hab mich seither ein ganzes Stück besser kennengelernt und weiß, warum ich wie ticke.

  • die Sorgen bzgl. meiner Zukunft


    Keine Ahnung mehr, wie das alles noch weitergehen soll

    Also erst mal kann ich die Sorgen verstehen und auch nachvollziehen, weil ich die gleichen hatte. Ich bin dir in den Jahren der Erwerbsunfähigkeit um einiges voraus. Bin jetzt bei 10 Jahren EU mit Depressionen und div. Angststörungen. Nicht komplett durchgängig, sondern immer mal wieder mit Versuchen, doch wieder in die Arbeit zurückzukehren.


    Jedenfalls möchte ich nicht sagen, dass es leicht ist, aber dieser Prozess, das Gedanken machen über die Zukunft, ist wichtig und kann dir auch helfen. Ich denke, es geht nicht ausschließlich um die Zukunft in Form des Weiterlebens, also dass dich die Krankheit umbringen kann. Es wird wohl auch um finanzielle Dinge gehen, um die Pläne, die man vielleicht hatte - mit oder ohne Familie. Das war ja alles irgendwie im Kopf schon vorgelebt. Und jetzt das. Krankengeld. Vielleicht mal Arbeitslosengeld. Vielleicht irgendwann dann mal ein neuer Job, bei dem man weniger verdient, als man es getan hat.


    Was ich sagen will, dir kann diese Erfahrung helfen, dein Leben vielleicht neu zu bewerten, einzuordnen und wirklich zu schauen, was wichtig ist. Gib dir die Zeit, die du brauchst. Mag jetzt enttäuschend sein, dass die Eingliederung verschoben wurde, Opipramol nicht geholfen hat. Aber das ist ein langer Prozess. Bei mir hats auch ganz viele Jahre gedauert, bis ich das richtige Medikament gefunden habe. Mach dich nicht fertig, weil du wieder Ängste bekommen hast, als es zurück in die Arbeitswelt gehen sollte. Das ist ganz normal und das muss irgendwie auch so sein. So blöd wie sich das auch anhört.

  • Es sind ja viele Aspekte, die Du, Denyo96 nennst.

    Ich möchte mal den finanziellen herausgreifen. Wenn das absolut gerade nicht wichtig ist, bitte weiterscrollen.


    Mein Vater hat sich Mitter der 2000er Jahre um die EU-Rente für Depression für meine Mutter gekümmert. Es gab damals von der Rentenversicherung sogenannte "Versichertenälteste", von denen er sich gut beraten gefühlt und später bei der Antragstellung auch gut unterstützt gefühlt hat. Vielleicht auch eine Option für Dich, um Klarheit über das Verfahren und die Voraussetzungen und die Schritte zu bekommen.

    Wenn absolut gerade nicht wichtig, einfach weiterscrollen.


    Gute Besserung!

  • ich bin ja nun seit April 2021 in dauerhafter EU Rente....danke, danke, danke!


    erstmalige Bewilligung im Oktober 2019, dann wie gesagt April 2021 dauerhaft, ging ganz schnell und problemlos, kein Gutachter, kein

    Wiedereingliederungsversuch oder so...2 mal Klinik, einmal Reha aus der ich arbeitsunfähig entlassen wurde.


    ich bin sehr dankbar, dass diese Ängste von mir genommen wurden, ich hätte es nicht mehr geschafft:(, aber eigentlich war der Plan noch etwas hinzuverdienen zu können, weil die Rente weder zum Leben noch zum Sterben reicht...da hat mit Corona und auch mein Gesundheitszustand einen Strich durch die Rechnung gemacht:weinen:



    und das stürzt mich immer wieder ins große Loch, der schwarze Hund begräbt mich immer wieder unter sich...aber...das ist doch berechtigt?


    ich habe mein Lebtag gearbeitet, in einem sozialen Beruf, qualifiziert und verantwortungsvoll, Kind geboren und groß gezogen, trotzdem...es ist eine Minirente, mehr sone Aufwandsentschädigung:krank:


    da kann man/frau schon mal verzweifeln, oder?


    die Situation macht mich oft verzickt und ungerecht, dann hasse ich mich noch mehr als sonst schon.


    mein Sertralin habe ich abgesetzt, ich berichtete, weil ein Medikament nichts an den herrschenden Verhältnissen ändern kann.


    ich nehme zur Nacht noch 50mg Quetiapin retard, damit ich schlafen kann...trotz Rechnerei, Angst und überhaupt...tut mir gut und hilft mir.


    Sertralin habe ich mehr so als Ruhigstellung empfunden, schiesst die Alte ab, damit sie nicht aufmuckt, Forderungen stellt, meckert....das wollte ich nicht mehr.


    Denyo96


    guck genau hin, was man dir verschreibt, Stephan535 hat recht, was hilft, das hilft!


    aber nicht alles was man dir verschreibt hilft dir wirklich...


    Alles alles gute !!!

  • Ventil

    Da scheint es große, finanzielle Unterschiede zu geben. Da ich den Faden mit Details nicht schreddern möchte, mich aber Details interessieren würden, können wir dazu in einen privaten Austausch gehen?

  • Ventil

    Da scheint es große, finanzielle Unterschiede zu geben. Da ich den Faden mit Details nicht schreddern möchte, mich aber Details interessieren würden, können wir dazu in einen privaten Austausch gehen?

    schreib mir gern ne pn...wenn ich kann, antworte ich, aber nicht böse sein, wenn es dauert...meistens sitze ich unterm Tisch und da geht pn beantworten nicht :(

    2 Mal editiert, zuletzt von Ventil ()

  • Oh man Ventil, das liest sich als Außenstehender einfach kacke und ungerecht. Denyo ebenso.


    Wünsche euch und den anderen weiterhin die nötige Power.

  • Es gehört hier zwar irgendwie nicht rein, aber irgendwie schon.


    Du, liebes Ventil, hast den Faden "Was hat Euch heute ein Lächeln ins Gesicht gezaubert" 2014 ins Leben gerufen. Den lese ich schon immer sehr gerne.


    Vielleicht hilft es Euch ein wenig damit anzufangen, wenigstens EINE Sache zu finden, die einem persönlich den Tag versüßt hat.


    Ich habe mich heute bzw soeben über den Grünkohl gefreut, weil meine Frau den nicht macht. War sehr, sehr lecker.


    Sorry für OT.

    2 Mal editiert, zuletzt von P-King ()

  • Steini, ich finde das ist so ein umfassendes Thema...Was schaffst du nicht mehr? Das hin und her aus Kurzarbeit, wieder arbeiten, Ladenschließung usw.? Also die coronabedingte Krise in eurer Gastronomiebranche?


    Was ist dein Plan nach dieser aktuellen Beschäftigung? Hast du einen? Willst du die Branche wechseln?


    Wie hast du dich heut nach dem Gespräch gefühlt?

  • Ja ist Komplex.

    Zum einen die Psyche und zum anderen die Körperliche belastung.

    Das körperliche überwiegt.

    Ich habe ein offenes Bein was nicht verheilt.

    Die Stelle ist so groß wie meine Handfläche.

    Jetzt verdacht auf Hautkrebs.Was der Psyche einen zusätzlichen knacks gegeben hat.

    Denn nun habe ich 2 kaputte Beine.

    Einen Plan für danach habe ich noch nicht konkret.Auf jeden Fall aber keine Gastronomie mehr.

    Das schaffe ich körperlich nicht mehr.

    Dieser Umstand belastet natürlich dann auch die psyche.


    Und nach dem Gesräch ging es mir richtig gut.

    Es hat mir gezeigt was für einen guten Chef ich habe.Der lässt mich nach 32 Jahren nicht einfach fallen sonder unterstützt mich.

    Damit hatte ich bei aller Liebe nicht gerechnet.