• Chief96 sagt, er hat Mist gebaut und ich kann nur sagen, joar, ne super Aktion war das nicht. Vorallem nicht, weil es seine Tochter so mitbekommen hat. Ich rede hier von der Gewaltandrohnung und nicht davon, sich abzugrenzen oder sonst was. Das muss man klar von einander trennen. Das Gespräch mit dem Nachbarn zu suchen, wäre ein super Weg. Wenn du nicht direkt kannst, wäre auch ein Weg, etwas zu schreiben z.B. Chief96, ich möchte dir das nur ehrlich sagen...es gibt keinen Grund, dass du dich deswegen hasst, aber einfach "Daumen hoch" gibts da halt von mir auch nicht.


    . Ich nehme das o.g. Antidepressiva noch heute. Ich habe ca. 10 Absetzungsversuche hinter mir. Ich kann nicht ohne.

    Musst du ja auch nicht. Warum auch? Wenn man Bluthochdruck hat, nimmt man auch seine Pillen. Alles andere wäre fahrlässig. Warum nicht bei unserer Krankheit?


    Frage: welche Nebenwirkungen hast du denn bekommen?

    Aber durch einen Umzug verschiebt sich deine " Reizschwelle" ja auch nicht, bedenk das.

    That's it. Rundum tolle und nette Nachbarn gibts wohl nicht. Und wenn es nicht die Nachbarn sind, dann halt die...

    oder den Gedanken zu haben ihn hauen zu wollen.

    Es war nicht nur der Gedanke, sondern er hat es ihm gegenüber wohl auch so gesagt.

  • Ja, hat er geäußert.

    Ist auch keine Lösung, aber auch kein Drama.

    Der Nachbar hat überreagiert mit seiner Forderung "ein Kind ruhig im Zaum zu halten", das einfach nur Trampolin springt.

    Chief96 hat dann auch überreagiert.

    Und ihm ist das aufgefallen.

    Und es hat ihn so mitgenommen, dass er hier darüber geschrieben hat.

    Dass er es selber nicht okay findet sagt er doch gleich am Anfang schon:

    "Ich hab heute mist gebaut..."


    Aber das kann einfach mal passieren in einer Depression.

    Das ist kein Grund sich selbst fertig zu machen.

    Das machen "wir" nämlich schon genug bzw. zu oft.


    Und nein, dass heisst nicht, dass ich mir oder Chief96 jetzt einen Freifahrtschein ausstelle so zu reagieren.

    Aber das ist leider ein Teil des Krankheitsbildes:

    Pessimismus, Schuld, Wertlosigkeit oder Hilflosigkeit, erhöhte Reizbarkeit.

    Um nur ein paar von vielen zu nennen.


    3 Mal editiert, zuletzt von mabuse ()

  • niedersachse1896:


    Ja, ich habe mich in all den Jahren damit abgefunden. Trotzdem möchte man eigentlich ohne Pillen durchs Leben gehen. Aber bei mir hat es halt nicht geklappt. Unklar ist noch, ob die langjährige Einnahme dieser Antidepressiva zu Spätfolgen führen könnte (zB Nierenprobleme). Bis jetzt ist aber alles tutti, wird auch regelmäßig kontrolliert.

    Die üblichen Nebenwirkungen (Kopfschmerzen, Schwindel, Abgeschlagenheit) sind im Laufe der Jahre fast gänzlich verschwunden. Heute bemerke ich nur noch, dass ich schneller und stärker schwitze als früher.

  • Ich wollte mal ein Update geben, wie es mir seit meinen letzten Postings ergangen ist.


    Ich hatte ja das Glück, sehr schnell mit der Gesprächstherapie bei einer angehenden Psychologin beginnen zu können. Sie ist im Grunde fertig mit der ganzen Ausbildung, aber noch nicht zugelassen. Hat schon ein paar Patienten, die „Hauptpsychologin“ und Praxisinhaberin ist bei Fragen aber auch immer im Haus.

    War so weit ok für mich und ich hab mit ihr angefangen, in meiner Vergangenheit zu kramen. Jetzt sind wir fast fertig mit dem Vorlauf und der Antrag bei der Krankenkasse auf Weiterbewilligung, bzw. Bewilligung der eigentlichen Therapie läuft. Leider hat meine Zuversicht zuletzt aber zwei Dämpfer erhalten.

    Ich habe ja ein riesiges Telefon-Problem. Das haben wir aber nur nebenbei angesprochen und zuletzt meinte die Dame, dass mir vielleicht als zusätzliches Backup eine Tagesklinik helfen könnte und ich da doch einfach mal anrufen und mich informieren solle. Sie denke, dass das eine gute Übung sei. Natürlich hab ich es nicht geschafft, zum Hörer zu greifen…

    Außerdem wurde zuletzt immer öfter über begleitende Medikation gesprochen. Weil ich noch nicht mal gern Schmerztabletten etc. schlucke, hab ich direkt gefragt, ob es da auch harmlosere Mittel gibt, oder ob es gleich eine volle Chemiekeule wäre. Antwort war „Nee nee, wenn, dann erstmal was ganz leichtes ohne Nebenwirkungen“.

    Gemeinsam haben wir dann mit der „richtigen“ Psychologin gesprochen, die für Verschreibungen etc. zuständig ist und sich auch einfach nochmal besser auskennt. Ich hab auch ihr gesagt, dass ich nicht gleich eine Klopper nehmen möchte. Und als sie mir ein Mittel aufgeschrieben hat, habe ich nach eventueller Gewichtszunahme gefragt. Eine Bekannte von mir ist depressiv und hatte mir gerade erst erzählt, dass sie gerade ihre Medikation umgestellt hat, nachdem sie sehr zugenommen hat. Für mich ist das ein (weiteres) Ausschlusskriterium, da ich sowieso schon gut 10 Kilo zu viel drauf habe. Antwort war auch hier wieder „Nee, nee. Sie können in der ersten Wochen leichte Kopfschmerzen, Verdauungsprobleme, Libidoverlust und einen trockenen Mund bekommen. Das sollte dann aber zurück gehen und nach ca. 2 Wochen setzt die Wirkung ein.“

    Das Mittel ist Escitalopram. Und als ich den Namen hier im Thread zufällig gesehen habe, hab ich mal gegoogelt und bin fast hinten über gefallen! Ich weiß, man sollte bei keinem Medikament in die Packungsbeilage gucken, wenn man sich nicht verrückt machen möchte. Aber hier?! Das sind so viele Nebenwirkungen, teilweise wirklich krasse, und die treten SO gehäuft und oft auf! Egal, ob ich hier nachlese oder an anderer Stelle, so viele Menschen haben da Probleme mit. Und gerade Gewichtszunahme ist eines davon! Neben Kopfschmerzen, Übelkeit, Panikattacken, Schlafstörungen, gestörtem Sexualtrieb, Ohnmacht, Suizidgedanken, Magenblutungen, usw. usw.! Und die gehen auch nicht grundsätzlich weg, sondern pendeln sich ggf. nur ein.
    Was mach ich denn jetzt?! Ich will das Zeug nicht nehmen und zusätzlich fühle ich mich komplett verarscht und würde am liebsten die Praxis wechseln! Aber das wirft mich dann wieder ca. ein halbes Jahr zurück und das Jobcenter stellt ja auch Forderungen! Einen Schritt vor, 10 zurück, so fühl ich mich…

    Gerade sind wir im Urlaub und die Praxis hat es zu. Aber danach... ich weiß es nicht!

  • Zum Telefon: Ich bin normalerweise nicht scheu, was Telefon angeht, aber ich kenne die Situation aus meinen Tiefs. Was mir hilft: Jemand einbeziehen und bitten, sich danebenzusetzen, eventuell sogar den Anruf zu machen, während man selber daneben sitzt. Partnerin, falls vorhanden, läge nahe, aber es funktioniert auch mit engen Freunden. Vielleicht einfach mal jemand im engeren Kreis ansprechen und sagen, dass Du Hilfe brauchst. (Freunde und Ex-Partnerinnen haben mir mehr als einmal den Arsch gerettet, um es ganz deutlich auszudrücken.)


    Zu Escitalopram: Die angeführten Nebenwirkungen sind _mögliche_ Nebenwirkungen. Das heißt nicht, dass Du sie bekommst. Falls Du es nicht verträgst/Dich nicht damit wohlfühlst, kannst Du wieder absetzen. Von dem, was Du von Deiner therapeutischen Betreuung erzählst, hört sich das so an, als ob die das ohne weiteres mitgehen und Dir auch dabei helfen. In jedem Fall bestimmst Du selber, was Du nimmst, auch noch, wenn Du es nimmst.


    Was ich über Escitalopram über verschiedene Wege (Therapeut/andere Nutzer) gehört habe, ist: Es ist allgemein sehr gut verträglich.


    Was ich allgemein über Psychopharmaka bei Depression denke: Mit der Einnahme sollte ein klares Ziel verbunden sein, damit man besser evaluieren kann, ob sie einem wirklich helfen. Anders gesagt: Wenn sie Dir z.B. jetzt helfen, einen besseren Zugriff zu kriegen, warum nicht? (Genauso könnte man sagen, dass es sinnvoll ist, für sich zu verbalisieren, warum genau man zurückschreckt. In dem Fall die Angst vor Gewichtszunahme, z.B.: Wäre es das Wert, wenn sich das Mittel in Bezug auf das Ziel bewährt?)


    Psychopharmaka erfordern, so wie ich das sehe, immer in gewissen Sinn auch einen aktiven Umgang damit. D.h.: Ja, es gibt Nebenwirkungen und es erfordert Arbeit, damit umzugehen. (Auch deswegen halte ich eine Zielsetzung bei der Einnahme für sinnvoll, damit man weiß, warum man nicht nur das Mittel, sondern auch die Arbeit in Kauf nimmt.)

    Du könntest auch mit der Therapeutin darüber reden, wie lange die Einstellung ist, ob eine temporäre Einnahme (z.B.: Erstmal ein paar Monate) Sinn ergibt, was sie über Schwierigkeiten beim Absetzen denkt etc.


    In keinem Fall würde ich das Mittel nehmen, wenn Du wirklich nicht willst. Ich sehe das so, dass Du das Mittel nur nutzen kannst, wenn Du es auch mit (einer gewissen) Überzeugung, aus eigenem Willen, nimmst. Du musst nichts nehmen für andere, es ist Dein Körper. (Das JC geht überhaupt nicht an, wie Deine Behandlung inhaltlich aussieht. Ich würde sogar bezweifeln, dass sie überhaupt angeht, ob Du in Behandlung bist, aber ganz sicher gehen sie die Details, und dazu gehört "medikamentiert/nicht medikamentiert", nichts an.)


    Wenn Du also (jetzt) nicht nehmen willst, konfrontiere Deine Therapeutin damit. Hier sollte als Erklärung ausreichen, dass Du dich damit nicht wohlfühlst. Die Entscheidung, die Praxis zu wechseln, würde ich dann davon abhängig machen, wie sie (bzw. das Team) darauf reagiert.

    Einmal editiert, zuletzt von ExilRoter ()

  • Erstmal danke für die wieder mal so schnelle und ausführliche Antwort. Und liebe Grüße von meiner Frau, ich soll Euch ausrichten, dass ihr und dieses Forum toll seid!


    Also, die Zielsetzung ist in jedem Fall, mich mental erstmal etwas "runter" zu bringen. Soll heißen, diese ständige Anspannung und Angst, unter der ich stehe, zu lindern, damit ich mich auf die wesentlichen Aufgaben wie Aufarbeitung, Techniken im Umgang mit der Erkrankung und gerade ganz aktuell ja auch Jobsuche befassen kann. Ich soll z.B. jetzt erst bei der Tagesklinik anrufen, wenn ich das Mittel eine Weile nehme und mich dementsprechend entspannter fühle.

    Ich finde die Idee an sich gut und nachvollziehbar und war auch absolut einverstanden, nur habe ich halt extra gefragt, ob es da starke Nebenwirkungen gibt (geben kann). Ich dachte, vielleicht gibt es ja auch pflanzliche Mittel mit ähnlichen Effekten. Mich stört, dass ich da quasi "belogen" wurde (jetzt weiß ich, wie sich Herr Kind fühlt ;)). Denn klar, ich MUSS diese Nebenwirkungen nicht entwickeln, aber es ist durchaus möglich, bzw. bei den Angaben von "Sehr häufig" und "Häufig" sogar halbwegs zu erwarten. Und einiges davon wäre defintiv ein Grund für mich, es nicht zu nehmen.

  • Bei Therapeuten hat das Mittel einen guten Ruf. (Ich selber habe es trotzdem nie eingenommen, es wurde zumindest einmal von meinem Therapeuten ernsthaft vorgeschlagen.) Ich denke, das reflektiert, dass diese in der Praxis gute Erfahrungen damit machen, d.h. wenig Nebenwirkungen beobachten.


    Die Hoffnung auf "pflanzliche Mittel" kenne ich auch aus eigener Anschauung. Davon sind Therapeuten idR nicht überzeugt. Kurz gesagt sind die Effekte von in Frage kommenden Mitteln zu gering, wenn man es wirklich mit einer Episode zu tun hat, so ungefähr wurde mir das dargestellt. Ich kann das für meinen Teil nachvollziehen. Effektive medikamentöse Behandlung kommt mit einem Preis, da sollte man sich nichts vormachen. (Und meine erste Psychiaterin meinte auch, wenn man z.B. Johanniskraut versucht, hat das überhaupt nur bei sehr hohen Dosierungen Sinn und dann ist es auch wieder ein Mittel, welches gemanagt werden will.)


    Ich würde davon ausgehen, dass die schon das Mittel vorschlagen, von dem sie überzeugt sind. Der Lithmus-Test ist, wie sie mit Deinen Bedenken umgehen.


    Nicht alles in Deutschland ist schlecht: Über die Behandlung entscheidest letztlich Du. Hier ein Urteil aus 2020, wo sogar die Entscheidung eines gesetzlichen Betreuers gegen den Willen des Patienten für nichtig erklärt wird. Ich meine, es gab dieses Jahr wieder ein entsprechendes Urteil. Der Wille des Patienten wird erst durch vorliegende Selbst- oder Fremdgefährdung beschränkt.


    Herzliche Grüße an Deine Frau zurück! Ich finde toll, dass sie zu Dir steht!


    EDIT: Ein weiterer Vorschlag: Diskutiere mit Deiner Therapeutin das Vorgehen für den Fall, dass Du Dich entscheidest, das Mittel nicht zu nehmen. Dafür sollte sie offen sein, meiner Meinung nach.

    Einmal editiert, zuletzt von ExilRoter ()

  • Delantero, ich kann deine Bedenken und Sorgen gut nachvollzehen. Das hätte ich auch fast so schreiben können.


    Ich fange mal von hinten an, sozusagen mit meiner Entscheidung:

    Ich bin skeptisch und vorsichtig was die Einnahme von Antidepressiva eingeht.

    Aber mir haben sie bereits gut geholfen in der Vergangenheit und ich nehme jetzt auch wieder ein Medikament ein gegen meine extremen Schlafstörungen.


    Zu Escitalopram:

    Habe ich in zwei depressiven Phasen eingenommen.

    Hat beide Male gut geholfen nach ca. 3 Wochen Einnahme.

    Ich kann mich gut erinnern, dass ich 2014 bei der Aufnahme in die Tagesklinik beim Aufnahmegespräch mit dem Arzt gelacht habe. Das hatte ich davor monatelang nicht.

    Ich habe Escitalopram als stimmungsaufhellend und ausgleichend erlebt.


    Daher habe ich es 2017 in einer erneuten depressiven Phase* wieder eingenommen.

    Und es hat wieder geholfen.


    Ein gut funktionierendes Antidepressivum ist Gold wert.

    Es kann dir manches erleichtern.

    Es hlft aus diesen negativen Drecksgedanken heraus und kann auch Ängste mildern.


    Nun zu der anderen Seite der Medaille.

    Ja, es kann Nebenwirkungen auslösen.

    Hatte ich auch.

    Allerdings nur eine, die wirklich störend war...

    ...uns Männer betreffend...

    Da werde ich jetzt hier nicht ausführlich zu schreiben, aber ich kann dir anbieten, dass wir per PN schreiben (bist frei geschaltet bei mir) oder telefonieren.

    Muss natürlich nicht ausschließlich über diese oder andere Nebenwirkungen sein :)


    Das war schon unschön, aber zum Einem muss das nicht passieren und zum Anderen gilt es abzuwägen, was besser oder schlechter ist.

    Und ich habe mich im März entschieden nochmal Escitalopram einzunehmen.


    Leider hat es diesmal nicht gewirkt und auch die drei anderen Antidepressiva danach hatten nicht die gewünschte Wirkung.

    So nehme ich momentan ausschließlich Melperon ein, dass ist allerdings kein Antidepressivum, sondern ein Neuroleptikum.

    Hilft gegen Erregungs- und Spannungszustände und bei Schlafstörungen.

    Der Waschzettel liest sich auch verheerend, es wird viel in der Geriatrie eingesetzt (ich sage mal gemein auch zum Ruhigstellen der Patienten) und ich war auch sehr unsicher, ob ich es einnehmen will.

    Ich habe mir nach der Verschreibung durch meine Psychiaterin noch eine zweite Meinung bei meiner Hausärtzin eingeholt und mich dann entschieden es einzunehmen.


    Und seitdem kann ich wieder schlafen, dass ist sehr sehr wertvoll, gerade wenn man monatelang nie mehr als zwei Stunden im Stück geschlafen hat.

    Nebenwirkungen hat es auch, meine Nase schwellt zu, wenn es anfängt zu wirken (ca. eine Stunde nach Einnahme), aber wenn es zu doll ist, nehme ich halt niedrig dosiertes Nasenspray.

    Morgends/ Vormittags braucht es länger bis ich in den Quark komme, aber das ist alles gut zu verschmerzen.


    Der Nutzen ist höher als der "Schaden".

    Darum geht es.


    Nur du kannst entscheiden was du tust.

    Und nur du weißt wie es dir momentan geht und wie sehr du leidest.


    Ich hab wie gesagt unterm Strich hilfreiche Erfahrungen mit Escitalopram gemacht und würde mich momentan freuen, wenn ich doch noch ein für hilfreiches Antidepressivum finden würde.


    Abschließend noch etwas zu deiner Ärztin:

    Escitalopram ist tatsächlich ein meist gut wirksames und modernes Antidepressivum.

    Es kann auch sein, dass du kaum oder sogar keine nennenswerten Nebenwirkungen haben wirst.

    Wichtig ist darüber weiter offen mit deiner Psychologin/ Ärztin zu sprechen.


    Und eines noch:

    Wenn du es einnehmen wirst, dann setze es aber nie abrupt ab, sondern schleiche es aus.


    So, ist es bisschen länger geworden.

    Vielleicht hilft es dir (oder anderen) bei der Entscheidungsfindung.


    *depressive Phase klingt irgendwie so "nett"...

    ...wir sprechen von diagnostizierten mittelgradigen Depressionen

    Einmal editiert, zuletzt von mabuse ()

  • Nachtrag zu alternativen Heilmitteln.

    Vielleicht hilft hochdosiertes Johanniskraut, CBD-Öl, Vitamin D3 oder Baldrian bei einer leichten Depression oder einer depressiven Verstimmung.


    Ich hab alles durchprobiert.


    Es hat nichts die gewünschte Wirkung gehabt, ich bin wieder in der mittelgradigen Depression "gelandet".

  • Ja, das ist der Fachbegriff nach ICD-10 dafür, aber was tut das zur Sache?

    ;)


    Zitat
    F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet

    Depression o.n.A.

    Depressive Störung o.n.A.

  • Das es ein anderer Ausdruck ist als "Phase", es ist der korrekte klinische Begriff und unterscheidet sich damit von der Alltagssprache. Es signalisiert z.B. dem Leser, dass das auch diagnostiziert wurde.

  • deswegen schrieb ich ja

    Zitat

    ...wir sprechen von diagnostizierten mittelgradigen Depressionen

    Okay, dann haben wir das geklärt, oder?

  • Ich hätte es gar nicht thematisiert, wenn Du nicht selber Zweifel an dem Begriff "Phase" geäußert hättest.


    Ich finde den auch missverständlich, weswegen ich Dir ein meinem Verständnis nach besseren Begriff vorgeschlagen habe. "Episode" kann man auch noch missverstehen, aber das ist schon schwieriger.


    Ja, geklärt.

  • Danke für den langen Beitrag und die Einblicke, mabuse!

    Ich hab zwar noch keine Diagnose im Sinne einer Bezeichnung, aber bei mir ist es wohl weniger Depression als vielmehr Angststörung und soziale Phobie, inklusive Telefon-Phobie. Ich war noch nie der geselligste Mensch, aber spätestens seit Corona gehe ich überhaupt nicht mehr irgendwo hin, wo viele andere Menschen sein könnten. Und wenn sie ungeplant irgendwo auftauchen, stresst es mich extrem. Schlafstörungen habe ich im Grunde gar nicht, nur vor bestimmten Terminen etc.

    Meine Situation ist für mich gerade besonders schwierig, weil ich durch Corona arbeitslos geworden bin und mir einfach die Zeit im Nacken sitzt. Ich muss was finden, sonst gibts in drei Wochen halt Hartz 4, denn mein ALG1-Anspruch läuft aus. Auf der anderen Seite fühle ich mich aber überhaupt nicht in der Lage, zu arbeiten. Kurz nach der Kündigung war ich noch motiviert und hab mich zigfach beworben, mit jedem Monat wächst aber die Angst, irgendwo eingeladen und am Ende noch eingestellt zu werden. Schon während meines letzten Jobs, wo ich 4 Jahre tätig war, hatte ich extreme Versagensängste. Ich hätte rückblickend schon viel früher zum Psychologen gehen sollen...


    edit: Ich habe übrigens die 5 mg von Heumann verschrieben gekriegt.

    Einmal editiert, zuletzt von Delantero ()

  • Escitalopram hilft auch gegen Angststörungen.

    5 mg ist die minimalste Dosis zum Einschleichen.


    Hat noch niemand eine klare Diagnose gestellt?

  • Delantero:


    Das meisste Wissenswerte (zu Escitalopram) hat dir mabuse schon geschrieben.

    Ich habe ja auch mittlerweile jahrzentelange Erfahrungen mit Escitalopram und würde dir raten es einfach mal auszuprobieren. Bei mir hat es seinerzeit gute 3-4 Wochen gedauert, bis ich eine deutliche Wirkung wahrnahm. Auch ich habe/hatte Angststörungen, die den Deinen fast zu 100% gleichen. Ich war nach Wirkungseintritt ein vollkommen anderer Mensch. Ich ging wieder ungezwungen unter Leute und habe mir ein Hobby gesucht mit dem ich mich gut ablenken kann. In meinem Beruf hatte ich wieder Power und Motivation. Mein Umfeld hat darauf sehr positiv reagiert. Mein Leben hat sich zum 180Grad gedreht.


    Die Nebenwirkung, vor der du offensichtlich die meiste Angst hast:

    Ich habe nicht signifikant zugenommen. Es empfiehlt sich aber sowieso, sich sportlich in irgendeiner Art und Weise zu betätigen. Auch lange Spaziergänge oder Fahrradtouren sind hilfreich. Mit ausreichend Bewegung unterstützt du deine Therapie optimal.


    Ansonsten kann ich mabuse nur zustimmen: Escitalopram ist eines der Antidepressiva mit der besten Verträglichkeit für viele Menschen. Wenn du dich also dazu entschließt damit anzufangen, hast du mit Sicherheit das richtige Mittel bekommen. Du fängst mit 5mg an und wirst (wahrscheinlich) nach Wirkeintritt auf 10mg eingestellt. Alles schrittweise und langsam. Für die meisten Menschen reicht diese Dosierung dann aus. Du solltest aber mit deinem Arzt auch ein Ausstiegsszenario entwickeln (nicht sofort, sondern nach einer gewissen Zeit). Die allermeisten mir bekannten Fälle, haben Escitalopram nach einem halben Jahr bis Jahr wieder abgesetzt. Dieser Zeitraum muss aber zusammen mit dem behandelnden Arzt behutsam abgesteckt werden. Im Zweifel lieber etwas länger, als zu kurz, lautet da die Devise.


    Noch eine Anmerkung:

    Ein "leichtes" Antidepressivum gibt es nicht. Alle mir bekannten "Stoffe" können diverse und zahlreiche Nebenwirkungen haben. Doch das ist bei jedem Menschen anders. Einige merken nur wenig, bei anderen muss die Therapie abgebrochen werden. Man kommt nicht darum herum, es auszuprobieren.


    Ich möchte Dich nur nochmals dazu ermutigen es auszuprobieren. Dein Leidensdruck scheint aktuell doch schon sehr hoch zu sein. Aus meiner Erfahrung wirst du dich nur mit eigener Willenskraft und/oder pflanzlichen Mitteln nicht aus deiner Situation befreien können.


    Und wenn du dann anfängst: Kämpfe. Kämpfe mit den (vielleicht) auftretenden Nebenwirkungen. Gib nicht gleich wieder auf, falls die NW stark sind. Die NW werden in 99% der Fälle nach 2-3 Wochen deutlich abklingen und stattdessen wird eine positive Wirkung auf dein Wohlbefinden einsetzen.


    Ich wünsche Dir viel Erfolg und auch ich stehe dir gerne zu diesem Thema zur Verfügung.

  • Hat noch niemand eine klare Diagnose gestellt?

    Bisher nicht, zumindest nicht mir gegenüber. Die "Chef"-Psychologin hat nur davon gesprochen, dass das Escitalopram erfahrungsgemäß bei meinen Beschwerden sehr gut geeignet ist.


    Vielen Dank Bavenstedter für Deine Einschätzung. Auf genau solche Erfahrungsberichte hab ich gehofft. Allgemein danke an Euch alle für die wie immer schnelle Hilfe hier und auch die PN-Hilfsangebote. Gestern war ich wirklich noch am Rande eines Nervenzusammenbruchs und hab mich vollkommen hilf- und hoffnungslos gefühlt. Heute bin ich wieder total motiviert, das Mittel zumindest auszuprobieren und endlich mein Leben wieder so genießen zu können, wie früher. Auch meine Familie und Frau hätten es mehr als verdient...

  • Zu den Nebenwirkungen : anfangs blöde Magenbeschwerden, die man aber schnell in den Griff bekommen hat. Danach null Nebenwirkungen. Explizit keine Gewichtszunahme!


    Ich bin zwei mal im Jahr am EKG und alles ist top. Blut auch.