• Nachtrag zu alternativen Heilmitteln.

    Vielleicht hilft hochdosiertes Johanniskraut, CBD-Öl, Vitamin D3 oder Baldrian bei einer leichten Depression oder einer depressiven Verstimmung.


    Ich hab alles durchprobiert.


    Es hat nichts die gewünschte Wirkung gehabt, ich bin wieder in der mittelgradigen Depression "gelandet".

  • Ja, das ist der Fachbegriff nach ICD-10 dafür, aber was tut das zur Sache?

    ;)


    Zitat
    F32.9 Depressive Episode, nicht näher bezeichnet

    Depression o.n.A.

    Depressive Störung o.n.A.

  • Das es ein anderer Ausdruck ist als "Phase", es ist der korrekte klinische Begriff und unterscheidet sich damit von der Alltagssprache. Es signalisiert z.B. dem Leser, dass das auch diagnostiziert wurde.

  • deswegen schrieb ich ja

    Zitat

    ...wir sprechen von diagnostizierten mittelgradigen Depressionen

    Okay, dann haben wir das geklärt, oder?

  • Ich hätte es gar nicht thematisiert, wenn Du nicht selber Zweifel an dem Begriff "Phase" geäußert hättest.


    Ich finde den auch missverständlich, weswegen ich Dir ein meinem Verständnis nach besseren Begriff vorgeschlagen habe. "Episode" kann man auch noch missverstehen, aber das ist schon schwieriger.


    Ja, geklärt.

  • Danke für den langen Beitrag und die Einblicke, mabuse!

    Ich hab zwar noch keine Diagnose im Sinne einer Bezeichnung, aber bei mir ist es wohl weniger Depression als vielmehr Angststörung und soziale Phobie, inklusive Telefon-Phobie. Ich war noch nie der geselligste Mensch, aber spätestens seit Corona gehe ich überhaupt nicht mehr irgendwo hin, wo viele andere Menschen sein könnten. Und wenn sie ungeplant irgendwo auftauchen, stresst es mich extrem. Schlafstörungen habe ich im Grunde gar nicht, nur vor bestimmten Terminen etc.

    Meine Situation ist für mich gerade besonders schwierig, weil ich durch Corona arbeitslos geworden bin und mir einfach die Zeit im Nacken sitzt. Ich muss was finden, sonst gibts in drei Wochen halt Hartz 4, denn mein ALG1-Anspruch läuft aus. Auf der anderen Seite fühle ich mich aber überhaupt nicht in der Lage, zu arbeiten. Kurz nach der Kündigung war ich noch motiviert und hab mich zigfach beworben, mit jedem Monat wächst aber die Angst, irgendwo eingeladen und am Ende noch eingestellt zu werden. Schon während meines letzten Jobs, wo ich 4 Jahre tätig war, hatte ich extreme Versagensängste. Ich hätte rückblickend schon viel früher zum Psychologen gehen sollen...


    edit: Ich habe übrigens die 5 mg von Heumann verschrieben gekriegt.

    Einmal editiert, zuletzt von Delantero ()

  • Escitalopram hilft auch gegen Angststörungen.

    5 mg ist die minimalste Dosis zum Einschleichen.


    Hat noch niemand eine klare Diagnose gestellt?

  • Delantero:


    Das meisste Wissenswerte (zu Escitalopram) hat dir mabuse schon geschrieben.

    Ich habe ja auch mittlerweile jahrzentelange Erfahrungen mit Escitalopram und würde dir raten es einfach mal auszuprobieren. Bei mir hat es seinerzeit gute 3-4 Wochen gedauert, bis ich eine deutliche Wirkung wahrnahm. Auch ich habe/hatte Angststörungen, die den Deinen fast zu 100% gleichen. Ich war nach Wirkungseintritt ein vollkommen anderer Mensch. Ich ging wieder ungezwungen unter Leute und habe mir ein Hobby gesucht mit dem ich mich gut ablenken kann. In meinem Beruf hatte ich wieder Power und Motivation. Mein Umfeld hat darauf sehr positiv reagiert. Mein Leben hat sich zum 180Grad gedreht.


    Die Nebenwirkung, vor der du offensichtlich die meiste Angst hast:

    Ich habe nicht signifikant zugenommen. Es empfiehlt sich aber sowieso, sich sportlich in irgendeiner Art und Weise zu betätigen. Auch lange Spaziergänge oder Fahrradtouren sind hilfreich. Mit ausreichend Bewegung unterstützt du deine Therapie optimal.


    Ansonsten kann ich mabuse nur zustimmen: Escitalopram ist eines der Antidepressiva mit der besten Verträglichkeit für viele Menschen. Wenn du dich also dazu entschließt damit anzufangen, hast du mit Sicherheit das richtige Mittel bekommen. Du fängst mit 5mg an und wirst (wahrscheinlich) nach Wirkeintritt auf 10mg eingestellt. Alles schrittweise und langsam. Für die meisten Menschen reicht diese Dosierung dann aus. Du solltest aber mit deinem Arzt auch ein Ausstiegsszenario entwickeln (nicht sofort, sondern nach einer gewissen Zeit). Die allermeisten mir bekannten Fälle, haben Escitalopram nach einem halben Jahr bis Jahr wieder abgesetzt. Dieser Zeitraum muss aber zusammen mit dem behandelnden Arzt behutsam abgesteckt werden. Im Zweifel lieber etwas länger, als zu kurz, lautet da die Devise.


    Noch eine Anmerkung:

    Ein "leichtes" Antidepressivum gibt es nicht. Alle mir bekannten "Stoffe" können diverse und zahlreiche Nebenwirkungen haben. Doch das ist bei jedem Menschen anders. Einige merken nur wenig, bei anderen muss die Therapie abgebrochen werden. Man kommt nicht darum herum, es auszuprobieren.


    Ich möchte Dich nur nochmals dazu ermutigen es auszuprobieren. Dein Leidensdruck scheint aktuell doch schon sehr hoch zu sein. Aus meiner Erfahrung wirst du dich nur mit eigener Willenskraft und/oder pflanzlichen Mitteln nicht aus deiner Situation befreien können.


    Und wenn du dann anfängst: Kämpfe. Kämpfe mit den (vielleicht) auftretenden Nebenwirkungen. Gib nicht gleich wieder auf, falls die NW stark sind. Die NW werden in 99% der Fälle nach 2-3 Wochen deutlich abklingen und stattdessen wird eine positive Wirkung auf dein Wohlbefinden einsetzen.


    Ich wünsche Dir viel Erfolg und auch ich stehe dir gerne zu diesem Thema zur Verfügung.

  • Hat noch niemand eine klare Diagnose gestellt?

    Bisher nicht, zumindest nicht mir gegenüber. Die "Chef"-Psychologin hat nur davon gesprochen, dass das Escitalopram erfahrungsgemäß bei meinen Beschwerden sehr gut geeignet ist.


    Vielen Dank Bavenstedter für Deine Einschätzung. Auf genau solche Erfahrungsberichte hab ich gehofft. Allgemein danke an Euch alle für die wie immer schnelle Hilfe hier und auch die PN-Hilfsangebote. Gestern war ich wirklich noch am Rande eines Nervenzusammenbruchs und hab mich vollkommen hilf- und hoffnungslos gefühlt. Heute bin ich wieder total motiviert, das Mittel zumindest auszuprobieren und endlich mein Leben wieder so genießen zu können, wie früher. Auch meine Familie und Frau hätten es mehr als verdient...

  • Zu den Nebenwirkungen : anfangs blöde Magenbeschwerden, die man aber schnell in den Griff bekommen hat. Danach null Nebenwirkungen. Explizit keine Gewichtszunahme!


    Ich bin zwei mal im Jahr am EKG und alles ist top. Blut auch.

  • Delantero


    Ich habe mein Leben danach sogar noch mehr genossen als vorher (und tue es immer noch), weil ich jetzt weiß, wie schnell man in so eine Abwärtsspirale geraten kann, aber auch, weil ich mir seit dem bewusst bin, dass man mir wirksam helfen kann. Diese Hilfs- und Hoffnungslosigkeit von der du schreibst, die geht dann weg. Und genau das eröffnet einem wieder einen ganz anderen Blick auf das Leben.


    Deine Familie/Frau hat das ganz sicher verdient. Aber im Moment stehst noch du im Vordergrund. Je nachdem wie gut du die Einschleichphase von Esciralopram verträgst, kann es sein, dass deine Familie/Frau für eine absehbare Zeit nochmal mind so stark sein muss wie du selbst. Sie müssen dich dabei unterstützen durchzuhalten. Ich konnte das damals nicht alleine. Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte ich nach einer Woche abgebrochen. Dann hat meine damalige Freundin mit meinem Arzt telefoniert und auf mich eingeredet noch ein paar Tage durchzuhalten. Mein Gott, was bin ich froh, damals auf sie gehört zu haben…


    Und du wirst das auch schaffen!

  • ich habe eine für mich bahnbrechende Erkenntnis gewonnen:ja:


    es ist gar nicht wichtig, ob ich "gesund" bin oder mich die Gesellschaft als okay, konform, etc. wahrnimmt....wichtig ist nur, dass es mir gut geht!


    mögt ihr jetzt drüber lachen, aber mich hat diese Einsicht wirklich befreit:)


    alles gute euch allen!

  • Erstmal find ich das toll für dich! Ich kenne das Gefühl gut, die Einsicht (befreit unheimlich), man darf sich als Individuum auch mal wichtig genug fühlen, ohne schlechtes Gewissen zu haben, was die anderen Leute davon halten, jaa, das fühlt sich gut an.:blume:

  • mit einer Einschränkung vielleicht...


    niemanden, auch sich selbst nicht, wehzutun...alle meine Macken, Ticks, Verhaltensorginalitäten tun niemanden weh, schaden nicht, nix...


    take it or leave it!



    Bitte...ein bisschen Toleranz, Empathie, Humor!


    Ich mache eurer Leben ein bisschen bunter...ergreift die Chance!


    :)


    Danke!