• Mein nächster Versuch beim Psychotherapeuten....

    ....es war verwirrend.


    Der Psychotherapeut war nicht sicher was die Diagnose angeht.

    Er würde die Diagnose mittelgradige Depression "mitgehen", aber er war unsicher.

    Ich war ihm zu lebhaft für eine Depression.


    Es gibt aber verschiedene Formen der Depression, z.B. diese:

    Zitat

    Bei der agitierten Depression *– einer speziellen Form der depressiven Störung – haben die Betroffenen jedoch keinen verminderten Antrieb wie sonst bei Depressionen. Sie fühlen sich im Gegenteil rastlos und getrieben. Begleitet wird die innere Unruhe häufig von Angstzuständen, Schlaflosigkeit und großem Bewegungsdrang. Die Betroffenen kommen nicht zur Ruhe und müssen sich immerzu beschäftigen. Sie reden mehr als sonst, klagen aber kaum über ihre Beschwerden.

    Mit Aktionismus werden die Kernsymptome der Depression wie gedrückte Stimmung, Niedergeschlagenheit und Interesselosigkeit überspielt.

    Das passt bei mir (zumindest zeitweilig) wie der Arsch auf den Eimer.


    Er war auch nicht glücklich was meine Medikation zum Schlafen angeht.

    Er hält eher eine Verhaltenstherapie für notwendig, er bietet aber nur analytische an.


    Morgen habe ich einen kurzfristigen Termin bei meiner Psychiaterin gemacht, weil mir gerade der Kopf wegfliegt....

    Diese Mischung aus Dauerkopfschmerzen, Erschöpfung und innerer Unruhe ist unfassbar anstrengend.

    Zermürbend.


    Das vierte Antidepressiva hab ich auch nach Rücksprache abgesetzt, da es mich NOCH unruhiger machte.

    Bin hier zwei Tage wie der Löwe im Käfig rumgeschlichen....

    War dann bei dem Termin beim Psychotherapeuten halt auch noch entsprechend drauf.


    Puuuuuuuh.


    *bevor es wieder zu Unsicherheiten bei den Begrifflichkeiten kommt: agitierte Depression ist ein veralteter Begriff und taucht in der aktuellen ICD 10 nicht mehr auf. Das ist mir bekannt, aber die Definition trifft es einfach sehr sehr gut bei mir

  • Ich habe gestern ein zweites Video aufgenommen. Link zu YouTube.


    In den letzten Tagen ist in mir die Idee gereift, das alles zu intensivieren. Auch das Feedback was ich über die verschiedenen Kanäle bekommen habe, gerade auch über Instagram (Link zu Instagram), hat mich bestärkt, da mehr zu machen. Meine Therapeutin findet diesen Blick auf mich sehr spannend. Sie mag das, wie achtsam ich auf mich schaue. Grad auch im Hinblick darauf, dass sie in 2 Wochen und Mutterschutz geht, und ich dann erstmal ein halbes Jahr ohne sie klar kommen muss.


    Und deshalb wird dieses spontane Videoprojekt in den nächsten Wochen ein Podcast. Ich habe aus dem Stand heraus mehr als ein Dutzend Themen gefunden über die ich länger und öfter reden möchte. Ich will mich da aber jetzt nicht zu sehr unter Druck setzen und das ganz in Ruhe angehen, aber ich habe da richtig Lust zu.

  • Weltklasse.


    Wenn du mal einen Podcastpartner suchst, quasi als Sendungsgast. Ich wäre dabei. Also wenn mal eine Folge mit Gästen sein soll.

  • Termin heute bei "meiner" Psychiaterin.

    Sie ist einfach eine gute!


    Hat nochmal klar gesagt, dass die Diagnose mittelgradige Depressionen so steht und passt.

    Und das meine Symptome halt so sind wie sie sind, nicht immer geht eine Depression damit einher, dass "Mann" zusammen gesunken und antriebslos da hockt.

    "Mann", weil insbesondere Männer dazu neigen ihre Depression "auszuhalten" und zu "überspielen". Mann muss halt stark sein.

    Dabei ist Mann eigentlich schon lange komplett am Arsch und kann nicht mehr...


    Ich hab manchmal Sorge/ Angst, dass ich mal komplett zusammenbreche oder nicht mehr aufhören kann zu weinen, wenn ich mal anfangen sollte.


    Mit der Medikation (nur Melperon) mache ich weiter, Antidepressiva lassen wir erstmal bis zum nächsten Termin in zwei Wochen weiter weg und schauen dann weiter.


    Dass ich nächste Woche das vierte Erstgespräch bei einem Psychotherapeuten habe fand sie stark, manche würden das in der Depression gar nicht hinbekommen.

  • Ein Zitat von Hermann Hesse dazu, dass ich schon in den 90er Jahren zutreffend fand für mich:

    Zitat

    »Ich wollte ja nichts als das zu leben versuchen, was von selber aus mir heraus wollte. Warum war das so schwer?«

  • Kasse:

    Ich bin ja so ein Phrasendrescher (-liebbaber), dazu fällt mir sofort ein: "Schonmal einen nackten Mann in die Tasche gefasst", und "Ist der Ruf erst ruiniert, lebt sichs gänzlich ungeniert".


    Du machst dich öffentlich nackig, und stehst zu deinen "Fehlern" - also du stehst zu dir.


    Was ich nicht so richtig verstehe, ist, warum die breite virtuelle Öffentlichkeit, ist das ein Testfeld?


    Ist es der Wunsch nach Input, weil Reaktionen im richtigem Leben zu wenig/selten kommen?


    Noch ein kurzer Ausflug in die Phrasen: "Jeder hat sein Päckchen zu tragen", und "man sieht nur die im Lichte, die im Schatten sieht man nicht".


    Ich gehe davon aus, dass 80% "ihr Schicksal mit Würde tragen" , und ihr Leid als normal erachten - also "gute Mine zum schlechten Spiel" machen.


    Ich muss gestehen, großen Respekt vor Menschen zu haben, die in der Lage sind "ihre Sorgen nicht bei anderen abzuladen" - sondern "sich selbst nicht sooo wichtig nehmen, sondern immer für andere da sind". - ist das falscher Respekt, weil die still leiden?



    Nur Gedanken/Fragen - "ist halt immer alles" 50:50", "heut Gewinner, morgen der größte Depp".


    Also warum die große Bühne?

  • Kassen-Meyer wird da sicherlich auch noch selbst drauf antworten.

    Aber ich stell mal so ein paar Schlagwörter in den Raum:

    Heimliche Krankheit.

    Immer noch Tabu-Thema.

    Zu sich selbst stehen.


    Deinen Teil mit

    Zitat

    Ich gehe davon aus, dass 80% "ihr Schicksal mit Würde tragen" , und ihr Leid als normal erachten - also "gute Mine zum schlechten Spiel" machen.

    finde ich befremdlich.

    Nein, richtig schlimm.


    Depression kannst du nicht in Würde (er) tragen.

    Fürn Arsch.

  • Es geht ums Ertragen.

    Das geht nicht.

    Weil es unerträglich ist auf Dauer.


    Ich brauch da jedenfalls nichts mit in Würde.

    In Würde (na ja, mehr oder weniger :trinken:) hab ich jahrelang gelitten.

  • ...

    Ich muss gestehen, großen Respekt vor Menschen zu haben, die in der Lage sind "ihre Sorgen nicht bei anderen abzuladen" - sondern "sich selbst nicht sooo wichtig nehmen, sondern immer für andere da sind". - ist das falscher Respekt, weil die still leiden?

    ...

    Falscher Respekt sicher nicht. Warum sollte es falsch sein, wenn du vor etwas Respekt hast?

    Ich für meinen Teil, bin fast daran zerbrochen, mich nicht mitzuteilen, immer für andere da zu sein und nicht "Nein" sagen zu können. Und der "Respekt" (Dank) der anderen hat mich natürlich in meiner Art bestärkt. Aber das ist nichts, was ich denen vorwerfen könnte.

    Ich bin nunmal wie ich bin.

  • Ich habe den Eindruck, hier läuft einiges durcheinander. Und ich denke, das liegt daran, dass mustermann da sehr unterschiedliche Konzepte vermischt.


    Ich kann in Würde mit der Depression umgehen, egal ob ich mich mitteile oder nicht mit allen drüber rede.


    Ich halte Würde für unglaublich wichtig. Aber still leiden ist auch nicht automatisch würdevoll. Ganz im Gegenteil, oft geschieht es aus Angst oder aus mangelndem Selbstwertgefühl. Es braucht Mut, zu sich zu stehen, zu seiner Verfassung zu stehen. Deswegen sehe ich in Kasses Videos automatisch einen richtigen Schritt und habe keine weiteren Fragen an ihn, warum er das macht.


    Und wenn ich mir die angucke, sehe ich da ganz bestimmt jemand mit Würde.

  • Ich nehme die Kritik von Mustermann ernst.


    Danke, denn natürlich mache ich mir auch darüber Gedanken, dass das falsch rüberkommen könnte, dass ich die Bühne suche um mich über andere zu erhöhen die das nicht können.


    Nein. Das ist nicht meine Absicht.


    Meine Absicht ist es zu erzählen, was diese verdammte Krankheit mit einem macht. Da habe ich das Gefühl, wissen immer noch zu wenig. Einer meiner besten Freunde, der seit dem ersten Tag an informiert ist, der selber mit Krebs richtig viel Scheiße durchgemacht hat, auch komplett fertig war, weil er nicht wusste, ob er das überlebt, hat vor ein paar Tagen sinngemäß geschrieben, dass ich ja schon ganz schön lange krank wäre, und ich doch öfter mal raus gehen sollte. Das hat mich geschockt. Da brauchte ich einige Zeit das zu verarbeiten.


    Und wenn selbst jemand, der mit mir ständig in Kontakt ist, alles weiß, grad weil er auch ein Kollege ist und bestens vernetzt ist, dann so redet, ja, verdammt, dann fühle ich mich auch im Namen derjenigen, die es eben nicht können, ein wenig verpflichtet noch mehr darüber aufzuklären, was diese Krankheit mit einem macht.


    Und ich habe allein auf diese beiden Videos ein wahnsinniges Feedback bekommen. Dass sich da jemand wieder findet, und was daraus mitnimmt. Was kann es denn viel schöneres geben? Ich werde deshalb sicher nicht abheben, weil ich da weder der Typ zu wäre, noch möchte ich das wichtigste verlieren was ich habe, Glaubwürdigkeit und Authentizität, weil dieser Scheiß fast meine Familie zerstört hat.

  • Dann würde ich einfach gerne die Formulierung "in Würde ertragen" nochmal in Ruhe "auseinander nehmen".

    Natürlich soll niemand seine Würde verlieren.

    Im Gegenteil, im Sinne von sich selbst achten, ist das genau richtig.

    Ich stosse mich in dem Kontext an dem "ertragen".

    Das impliziert für mich still zu leiden.


    Und still zu leiden ist nach meinem Verständnis der absolut falsche Weg.

    Deswegen ist das auch stark, was Kassen-Meyer da macht.


    Vielleicht ist das so jetzt klarer und differenzierter erklärt?

  • Sei mal nicht so elektro - hier.

    Kannst du das in verständlichen Worten "übersetzen"?

    Ich hab keine Idee was du meinst.

    Ich denke er spielt darauf an, dass du dich hier gerade verhältst, wie der Kollege stscherer im E-Thread.


    Ich verstehe Deine Reaktion auf den Satz von musti übrigens auch nicht.

    Warum gehst du da so hoch?


    Landläufige Meinung bei Depressionen ist doch tatsächlich so, dass man „sich nicht so anstellen soll“…

    Wir hier in unserer kleinen fanmag-Blase sind da sehr sensibilisiert, aber in meinem echten Real Life sehe ich dieses Verständnis noch nicht so angekommen wie hier.


    Und ganz am Ende handelt es sich dabei um mustis Meinung.

    Ich fände es gut, auch diese zu akzeptieren und im vernünftigen Rahmen ihn/uns vielleicht vom Gegenteil zu überzeugen.


    Nichts für Ungut, das waren jetzt nur meine Gedanken…