• Boah Leute. 🥲

    Ich bin so stolz darauf, wie offen hier geschrieben wird und werden kann.

    Und es ist toll zu lesen, was für großartige Antworten kommen.

    Passt auf euch auf, seid gut zu euch und anderen

  • Soooo, Teil 1 ist vollbracht, wenngleich die Deutsche Bahn alles dran gesetzt hat mich nervlich zu ruinieren...

    strunz
    23. Oktober 2002 um 17:31

    Jetzt schau ich aus der 10. Etage des Motel One Hauptbahnhof und geniesse einen Sandwich.

    Danach noch ein Schläfchen.

    Gegen 17 Uhr wieder los zur S-Bahn nach Wuhlheide :rocken:

  • Einer schaut aus der 37. Etage und hat keine Probleme, andererseits bewegt er sich fast kriechend von der Stadtmauer von Rhodos herunter, weil die Treppe auf einer Seite ohne Geländer ist. Auf Mallorca auch schon erlebt. Türme überlasse ich regelmäßig meinen Mitreisenden.

    Ich könnte nicht Bergsteigen, aber ich kann Alpin - Skifahren. Komisch die Angst vorm Kontrollverlust, als ob ich besser skifahre, als gehe.

  • Ich könnte nicht Bergsteigen, aber ich kann Alpin - Skifahren. Komisch die Angst vorm Kontrollverlust, als ob ich besser skifahre, als gehe.

    Geht mir beim Mountainbiken so. Wenn ich auf einem Fahrrad sitze habe ich keine Höhenangst, wenn ich vorher an die Kante gehe um zu schauen wie hoch das ist, dann wackeln mir die Beine

  • Höhenangst ist unterschiedlich. Solange ich einen Boden habe, wo ich nicht durchblicken kann, ist alles gut. Wenn nicht, gehe ich keinen Meter mehr weiter.

    Kann mich bei mir noch dran erinnern. Als ich 2023 zum ersten Mal am Grand Canyon war, wir über ein paar Hindernisse geklettert sind und dann direkt in den Krater schauen konnte, sagte ich auch zu meinen Freunden: „Fuck, Ich glaube ich habe gerade eine Höhenangst entwickelt“ :kichern:

  • Kurze Nachbetrachtung und ein paar Fragen... (nicht des Konzerts, dass mach ich aber wohl auch nochmal) :

    Vorweg, ja, ich würde es wieder machen.

    Was mir aufgefallen ist: Änderungen im. geplanten Ablauf sind nicht gut für mich. Ziehen zuviel Energie. Ich hatte mir ja aus Gründen einen Fensterplatz im Ruhebereich für beide Fahrten gebucht. Dann auf einmal das Chaos bei der Bahn, Zugausfälle, teilweise massive Verspätungen, gerade noch einen der beiden letzmöglichen Züge bekommen. Innere Unruhe steigt.

    In der Bahn einen nicht reservierten Gangplatz gefunden, aber der Herr neben mir sitzt am Laptop und ist dauerhaft am Telefonieren. Nervt mich. Ich ziehe um, wie sich etwas später heraus stellt aber vom Regen in die Traufe. Drei seeeehr aktive Kinder spielen laut mit ihren Matchboxautos, dreimal kommt von der Mutter "seid doch etwas leiser", allerdings kümmert das die Kinder nicht. Ich habe selber Kinder und die haben auch laut gespielt, aber ich ertrage Lärm einfach nicht mehr, vor allem über längeren Zeitraum... Anstrengend.

    Nach zwei Stunden ist Berlin erreicht, ich finde sofort den richtigen Ausgang und sehe von dort bereits "mein" Hotel. Genau, zu Fuß erreichbar, keine Bahnfahrt! Kurze Schlange an der Rezeption, Zimmer in einer oberen Etage (wegen der Lautstärke), alles prima. Esse noch was und brauche dann Schlaf. Nach einer knappen Stunde wache ich ziemlich gerädert auf. Nach einer Dusche geht es mir besser.


    Es wird Zeit zur S-Bahn zu gehen. Ich wähle natürlich eine Direktverbindung. Die Bahn wird voller und voller. Pickepackvoll. Umfallen kann man im Prinzip nicht mehr. Und es ist zu warm, ich schwitze, bin übel durchgeschwitzt bei Ankunft, unangenehm.

    Dann geht es mit der Masse zur Wuhlheide, Menschenmengen sind tendenziell unschön, aber wir sind zum Glück unter freiem Himmel und es verteilt sich. Einlass funktioniert super. Ups, um18. 40 Uhr ist der gebuchte Block schon etwas zu 90% gefüllt. Finde aber noch einen angenehmen Platz.

    Die erste Vorgruppe finde ich entsetzlich, die zweite ist okay, zwei Stunden relativ unbequem sitzend auf The Cure warten strengt mich an

    Dann geht es los!! Mit dem ersten Song holen sie mich schon ab. Ich bin erschöpft, aber die meiste Zeit glücklich.

    Dann geht es wieder in der Menge zurück. Bahn ist voll, aber zum Glück nicht so wie auf dem Hinweg. Ich muss umsteigen, aber ein Ehepaar aus der Gegend von Aachen muss in dieselbe Richtung, wir unterhalten uns angenehm, Umstieg klappt, bin wieder am Hauptbahnhof.

    Muss noch etwas essen, der gute Burgerladen hat zu, finde endlich den McDonald's (der Bahnhof hat verdammte drei Ebenen...) und tatsächlich tun mir der Doppel Cheeseburger und der große Milchshake richtig gut.

    Zurück ins Hotel, noch kurz mit meiner Frau telefoniert, dann versuchen runter zu kommen und dann etwas Schlafen.

    Kurz nach 9 Uhr aufgestanden, duschen, das Frühstück ist gut (vom entsetzlichen Kaffee abgesehen).

    Schluss folgt gleich!

  • Nach dem Frühstück ausgecheckt, ab zum Bahnhof, vorher informiert auf welcher Ebene der Zug fährt.

    60 Minuten vor Abfahrt stand die Zugreihung drin, prima, geschaut wo ich am besten stehe. Dann ist die Zugreihung nicht mehr online und, surprise surprise, der Zug wurde kurzfristig geändert. Wieder kein Fensterplatz und kein Ruhebereich. Allerdings dieses Mal fast pünktlich und ich erreiche sogar meinen Anschlusszug in die Provinz.

    Zuhause angekommen holen, muss ich erstmal ein bisschen berichten, dann wird sich gestärkt und dann Schlaf nachgeholt.

    Ich merke allmählich wie großartig ich das Konzert fand und speziell die setlist.

    Allerdings bin ich auch heute noch "überdurchschnittlich" erschöpft. Die Aktion hat echt viel Kraft gekostet.

    Aber, siehe oben, ich würde es, auch mit dem jetzigen Wissen, wieder machen.

    Warum schreibe ich das so ausführlich?

    Mich interessiert, wie das selbst an Depressionen (oder Angststörung) erkankte "bewerten"/ einschätzen, kennt ihr etwas davon? Also zum Beispiel dieses alles genau planen zu müssen, unruhig zu werden, wenn etwas anders als geplant läuft? Volle Züge, volle Bahnen und davon körperliche Reaktionen/ "Missempfindungen". Und vor allem die andauernde Erschöpfung danach.

    ABER mich interessiert auch, ob gesunde Menschen davon etwas kennen oder zumindest nachvollziehen können! Ich kann mittlerweile nämlich gar nicht immer mehr einschätzen, was denn durch die Depression bedingt ist und was "normal" (GANZ dicke Anführungszeichen!).

    Ich meine, natürlich stecke ich das nicht mehr so weg wie mit 20 oder 30. Ganz losgelöst von der Depression.

    Das kennen die anderen "alten Säcke" hier auch, oder?

    Anyway: gut dass ich da war. Manchmal darf man sich selber noch was beweisen :rocken:

    Ich bin gespannt und neugierig auf eure Kommentare.

    Hoffe ich konnte ein bisschen was von meinem Erleben nachvollziehbar schildern.

    Und an alle die, die beiden langen Texte gelesen haben, schon einmal ein Danke.

  • Erst einmal riesen Respekt für Deinen Ausflug.

    Als "normaler" würde mich eine kurzfristige Änderung des Zuges auch triggern, wenn ich eigentlich einen ruhigen Fensterplatz gebucht habe und dann auf einmal nicht weiss, ob, wann und wie der geänderte Zug jetzt fährt. Sitze ich jetzt evtl im Gang? Ist das Abteil proppevoll? Da könnte ich auch schonmal Schnappatmung bekommen, weil es mich halt nervt. Und da würde es mir auch nicht helfen, wenn dann der Zugführer sagt, ich bekäme meine Sitzreservierung erstattet oder sowas.

    ,

  • Dass man sich als Person, die unter Ängsten/Phobien leidet, nur sehr schwer mit Abweichungen bzw. Kontrollverlusten von lange vorab zurechtgelegten Abläufen arrangieren kann, das ist sicherlich Teil des Ganzen.

    Mehr als bei gesunden Menschen, sind es eben genau diese gesetzten Strukturen, die Ausflüge oder Events wie diese erst möglich machen.

    Was nicht heißt, dass man das nicht trotzdem wochenlang vorher mit sich durchspielt, in der Hoffnung, das unwohle Gefühl endlich los zu sein.


    Ich ziehe meinen Hut, dass du das durchgezogen und im Nachgang für dich analysiert hast.

  • Super, dass du das gemacht hast und auch diese Widrigkeiten spontan managen konntest, ohne deine Motivation zu verlieren. Hoffe, du hattest wirklich Spaß an deinem Event und kannst für Dich selbst diesen Spass wieder damit verknüpfen, dass es Dir gelungen ist, auch die nervigen, anstrengenden Situationen auf dem Weg dorthin so gut zu meistern. Davon kannst Du hoffentlich noch lange von zehren.

  • Lieber mabuse, ich kann deine Gedanken und Gefühle sehr gut nachempfinden. Auch ich bin eine große Planerin und fühle mich aus der Bahn geworfen, wenn die Dinge dann anders laufen, zumal ich ja alles alleine machen muss.

    Ein Beispiel: Meine Reise vor ein paar Jahren nach Pellworm. Der Zug fiel aus und es wurde ein abgeranzter Ersatzzug eingesetzt. Dadurch verpasste ich den Bus zum Fähranleger. Zu meinem Glück mussten 3 andere Menschen auch dorthin. Wir bildeten eine Notgemeinschaft und nahmen uns gemeinsam ein Taxi und ich kam rechtzeitig an.

    Bis heute verzichte ich eher auf solche Aktionen, weil ich schon im Vorfeld Sorge habe, dass irgendetwas nicht klappen könnte. Ich nenne das immer Reisefieber, aber in Wahrheit meine ich Angst.

    Ein gutes Gefühl, wenn ich es dann geschafft habe. Ich hoffe, dir geht es auch so. Freue dich darüber, dass du es hinbekommen hast. Ich finde das großartig!

    Außerdem bin ich Weltmeisterin im Prokrastinieren.

    Einmal editiert, zuletzt von Hirschi (13. Juli 2026 um 14:32)