Lokale Presseberichterstattung

  • Genau. Mehr Dschungelcamp, Bachelor, Bauer sucht Frau, die Geisens... panem et circenses hieß das früher, oder?

    Welchen Unterschied macht das zu Traumschiff, Brisant, Volksmusiksendungen, Verstehen Sie Spaß, Ein Fall für Zwei, Profisportzirkus und Blockbuster-Spielfilmen im ÖRR? Ist der Kram irgendwie kulturell wertvoller?

    In diesen Sendungen sind nicht Menschen, die zur Selbsterniedrigung motiiviert werden, Zielgruppe eines voyeuristischen Publikums (Dschungelcamp) oder werden Bevölkerungsgruppen lächerlich gemacht (Bauer sucht Frau).


    Edit: Was zum Teil auch auf Dich abfärbt (z. B. wenn Du im Forum Menschen als "B-Promis" stigmatisierst - das ist genau die Sprache von RTL2 und Co., nicht die der Öffentlich-Rechtlichen).

  • Also ich sehe durchaus Einsparpotential bei den ÖRR, ZDF könnte z.B. komplett entfallen und die Anzahl der dritten Programme sollte man halbieren. Eine Montsgebühr bis max. 10 EUR dafür wäre dann vertretbar, aktuell ist sie einfach zu hoch, dafür dass sie eben eine Zwangsabgabe ist.

  • Ich finde die Idee zwischen Staatsfunk und Privatmedien so genial. Gäbe es das nicht, müßte man es erfinden. Eine politisch und wirtschaftlich unabhängige Informationsquelle. Mit Unterhaltungsprogramm.


    Zu kritisieren hätte ich auch einiges. In beiden Sparten, Information und Unterhaltung. Aber... sie bringen mehr Zeugs, das ich kucken und hören mag, als ich Zeit habe zu kucken und zu hören. Das muß ich auch in die Wertung einfließen lassen. Das Fernsehprogramm juckt mich nicht mehr (von der Sportschau abgesehen, die Anstalt schaue ich irgendwann in der Mediathek, Mit offenen Karten schaue ich auf Youtube - ich kenne deren Sendeplatz gar nicht). Wobei ich weniger etwas gegen die Fernsehsendungen habe als gegen das Konzept der festen Sendezeit. Aber der WDR5-Podcastspeicher ist so randvoll mit den unterschiedlichsten schönen Dingen, von Kabarett über Europamagazin bis zum Zeitzeichen und diversen Talkshows, ich komme gar nicht hinterher. Warum also über den Horst Lichter-Flohmarktwiederholungsmarathon auf ZDF Neo schimpfen (falls es einen Horst Lichter-Flohmarktwiederholungsmarathon auf ZDF Neo geben sollte). Wie viele Fernsehsender, Radiosender, Youtubekanäle und Mediathekenbeiträge gibt es insgesamt? Genug, um was zu finden, was man gerade finden mag. Und Ausnahmen würden die Regel bestätigen.


    Der öffentlich-rechtliche Rundfunk ist ein Angebot, das den Bürgern ohne jede Hürde (Anmeldung, Mitgliedschaft, Nutzungsintensität) zur Verfügung gestellt wird. Es ist die Entscheidung eines jedes einzelnen, ob er dieses Angebot wahrnehmen möchte oder nicht.


    Die Vorstellung, komplett (im Sinne von komplett) darauf zu verzichten, sprich ausschließlich andere Quellen zu nutzen (Staatsfunk, Privatmedien oder mein Favorit aus dem Treppenhaus: "Ich hab ja nichts gegen Ausländer, bin ja selber Pole, aber ich kenn da einen bei Facebook, der hat voll den Durchblick, und die Islamisten wollen uns Christen in Europa ausrotten!"), macht mir allerdings ein wenig Angst.


    Die größte Verbesserung, die ich mir wünschen würde, wäre die Aufhebung des Löschzwangs in den Mediatheken. 12. Rundfunkstaatsvertrag oder wie das Ding hieß, das die privaten Verlage durchgedrückt gekriegt haben. Die Mediatheken könnten ein unglaublicher Wissenstempel und ein Archiv der Zeitgeschichte sein. Frei zugänglich. Wirtschaftlich und politisch unabhängig. Ein Träumchen.

  • Man sollte die Gebühren für öffentlich-rechtliche Medien (ich glaube Haushaltsabgabe heißen die inzwischen, weiß ich aber nicht so richtig) nochmal deutlich erhöhen, und dafür um ein anständiges Printmedium ergänzen.


    TV und Radio sind seit Einführung der Privatsender nur mehr geworden, aber kein Stück besser. Weder durch die bezahlten, noch durch die werbefinanzierten Angebote. Leider geht der Trend bei den Printmedien in die selbe Richtung.

  • IAber... sie bringen mehr Zeugs, das ich kucken und hören mag, als ich Zeit habe zu kucken und zu hören. Das muß ich auch in die Wertung einfließen lassen.

    Das verstehe ich nicht. Dass der ÖRR genug sinnvolle Inhalte produziert, um den Tag zu füllen, rechtfertigt es doch nicht, die ganze Republik zwangsweise an den Produktionskosten für das Traumschiff oder Host Lichters Flohmarkt (danke für das Beispiel) zu beteiligen?!


    Das Problem mit der begrenzten Mediathekenverfügbarkeit könnten die Sender für ihre selbst produzierten Inhalte sehr einfach lösen, indem sie sie unter eine Open Access Lizenz veröffentlichen.

  • Es scheint bestimmten Leuten nicht in den Kopf zu wollen, dass ein wirtschaftlich unabhängiger Journalismus, der die Grundversorgung der Gesellschaft erfüllt, grundgesetzlich verankert ist.


    So ein bisschen Staatsbürgerkunde sollte nicht nur bei der EInbürgerung Pflicht sein. Und von Juristen würde ich noch ein wenig Kenntnis der einschlägigen Entscheidungen des BVerfG erwarten...

  • Puh, gerade noch mit dem Edit die persönliche Schiene rein gebracht. Das war knapp...

    So kann man natürlich politische Kritik entpolitisieren, indem man sie auf die persönliche Ebene zu schieben versucht (gegen den User habe ich persönlich nichts, allerdings halte ich ihn für einen libertären Irrläufer) und damit nicht bereit ist, sich damit kritisch auseinanderzusetzen, dass ein User degradierende Sprache verwendet (und andere Foristen [wie sasa] das tolerieren).

  • Was ich an der ganzen Debatte um das Geld immer nicht verstehe: Für die Privatsender zahlen doch auch alle mit. Oder was glaubt Ihr, woher das Marketingbudget der Werbung schaltenden Unternehmen kommt? Bzw. glaubt Ihr ernsthaft, das Marketingbudget ist in den Produktpreisen für Endverbraucher nicht enthalten?


    Bei Pay-per-View ist es etwas differenzierter, wobei auch da häufig noch Werbung zu sehen ist (Sky lässt grüßen). Im Übrigen käme man bei Pay-per-View finanziell sehr schnell an die Grenzen. Um es mal auf neue Medien umzulegen: Allein mit Spotify plus Netflix liegt man doch schon über dem jetzigen Rundfunkbeitrag. Spätestens da sollte klar werden, dass auch das Preis-Leistungs-Verhältnis des ÖRR letztlich so schlecht nicht ist -- bei aller berechtigter Kritik an programmstrukturellen Gegebenheiten.


    Ausgerechnet Youtube als Alternative zum ÖRR anzuführen ist darüber hinaus geradezu grotesk, wenn ich mir ansehe, wieviel Schrott da frei rumstehen darf und wo das hinführt. (Unabhängig von etlichen Perlen dazwischen.) Und auch Youtube finanziert sich übrigens nicht von alleine. Dass das zum Alphabet-Konzern, also Google, gehört, sollte man eigentlich schon mal gehört haben. Auch dafür zahlt man, und wenn es mit persönlichen Daten "zu Werbezwecken" ist (die man meines Wissens nach auch dann abdrückt, wenn man für Premium zahlt). Unternehmen, die diese Daten bzw. den Service von Google & Co. dahinter nutzen, zahlen dafür Geld, und das nehmen sie sich woher? Genau. Siehe oben.


    Nur weil man Kosten nicht schwarz auf weiß sehen kann, heißt das noch lange nicht, dass man Dienstleistungen kostenlos bekommt.

  • Ich möchte nicht, dass die Unternehmen im Privatfernsehen Werbespots schalten und ich deshalb beim Einkauf gegen meinen Willen Sendungen wie zum Beispiel "Bauer sucht Frau", "Frauentausch" und "Dschungelkamp" mitfinanzieren muss. Das können die gerne über Pay per View finanzieren. So.

  • da pay-per-view doch eine große Resonanz gefunden hat:

    Ich meinte das lax niedergeschrieben für " dafür bezahlen was ich nutze",also entgegen der "alles muß umsonst sein" Mentalität,das können auch Jahresbeträge oder so sein.Kann zwar auch durchaus für einzelne Beiträge sein(siehe Taz,da zahle ich gerne mal was wenn mir ein Artikel gefällt,oder kostenlose apps freiwillig was zahlen,oder wikipedia was spenden und und und).


    Tatsächlich ist die Höhe des Beitrages der ÖRR relativ niedrig,trotzdem würde ich sie mir wahrscheinlich nicht "buchen".

  • Irgendwie witzig: in einem Thema versuchen wir alle die Demokratie zu retten - und in einem anderen Thema wollen wir mal kurz eine der letzten Bastionen eines finanziell weitgehend freien Journalismus wegen eines vergleichsweise lächerlichen Beitrags plattmachen...


    Hand hoch, wer glaubt, dass man in einer funktionierenden Demokratie keinen freien Journalismus braucht?

  • Nur um mich unwissenden Normalbürger mal etwas zu erhellen: Worin genau besteht der journalistische Mehrwert bei der x-ten Rosamunde-Pilcher-Verfilmung, bei in aller freundschaflichen Arztserie (inkl Derivaten), dem 96. Tatort/Polizeiruf ?

  • Tatsächlich ist die Höhe des Beitrages der ÖRR relativ niedrig,trotzdem würde ich sie mir wahrscheinlich nicht "buchen".

    Ich höre ziemlich regelmäßig den Deutschlandfunk, nutze da auch manches aus der Mediathek. Schon allein das ist mir die 18 € Beitrag wert (ist billiger als ein Tageszeitungs-Abo). Phoenix finde ich auch gut, die Tagesthemen ebenfalls, auch wenn ich sie nicht immer und v. a. nicht ganz sehe. Mit einem Pay-Modell würde das alles sehr viel teurer werden, weil die meisten dann nur an Rosamunde Pilcher usw. interessiert wären.

    Auch finde ich das Argument für das Vollprogramm schlüssig, dass dadurch dann doch mehr Menschen politische Sendungen wahrnehmen als bei Programmen a la RTL mit ganz wenig Politikinhalten. Wer z. B. Sonntags Sportschau sieht und dann noch die Lindenstraße aif dem Zettel hat, nimmt oft den "Bericht aus Berlin" mit, würde ihn in den meisten Fällen aber nicht gezielt anschalten.

  • Irgendwie witzig: in einem Thema versuchen wir alle die Demokratie zu retten - und in einem anderen Thema wollen wir mal kurz eine der letzten Bastionen eines finanziell weitgehend freien Journalismus wegen eines vergleichsweise lächerlichen Beitrags plattmachen...


    Hand hoch, wer glaubt, dass man in einer funktionierenden Demokratie keinen freien Journalismus braucht?

    ich habe das echt nie so hochpolitisch gesehen,ob ich die ÖRR nun gut finde oder nicht.


    Wenn du das so schreibst muss ich da schon zustimmen,klar.

  • Der ÖRR ist ja nach Kriegsende von den Briten nach dem Vorbild der BBC eingerichtet worden; auch deshalb, weil 1933 der Rundfunk (der nicht öffentlich-rechtlich war) recht schnell gleichgeschaltet wurde. Mit einem funktionierenden ÖRR hätte es Hitler jedenfalls schwerer gehabt - nach der "Machtergreifung" fanden ja nochmals noch halbwegs frreie Wahlen statt.


    Der Kampf gegen die Gebühren (die Vokabel "Zwangsabgabe" stammt auch aus dem rechten Lager) und letztlich die Abschaffung des ÖRR steht auch auf der politischen Agenda der AfD.

  • Das freut mich ehrlich. Ich bin nämlich ein grosser Freund gerade der 3. Programme, die es in dieser Art und Weise niemals geben würde, wenn es nur noch privat finanziertes Fernsehen gäbe.


    Natürlich ist nicht Alles, was ör Funk + TV so bringen, meins. Aber ich nutze ja auch ansonsten nicht alle staatlichen Angebote und zahle trotzdem Steuern und Abgaben... insgesamt hat das was mit gesellschaftlicher Solidarität zu tun.

  • Der ÖRR ist ja nach Kriegsende von den Briten nach dem Vorbild der BBC eingerichtet worden; auch deshalb, weil 1933 der Rundfunk (der nicht öffentlich-rechtlich war) recht schnell gleichgeschaltet wurde. Mit einem funktionierenden ÖRR hätte es Hitler jedenfalls schwerer gehabt - nach der "Machtergreifung" fanden ja nochmals noch halbwegs frreie Wahlen statt.


    Der Kampf gegen die Gebühren (die Vokabel "Zwangsabgabe" stammt auch aus dem rechten Lager) und letztlich die Abschaffung des ÖRR steht auch auf der politischen Agenda der AfD.

    Mit was begründest Du denn bitte, dass die Vokabel "Zwangsabgabe", aus dem rechten Lager kommt? Das ist doch Nonsens.

  • Zumindest wird (auch) aus dieser Ecke gegen den ör Rundfunk und die Gebührenfinanzierung agitiert. Und da die BBC schon erwähnt wurde: BJ hat ja nun auch unverblümt die Finanzierung der BBC ins Visier genommen.