Stimmung und Drumherum bei den 96-Pflichtspielen

  • Du verwendest den Begriff so, als würde er eine positive Abgrenzung gegenüber einer Straftat darstellen, so als könne man pöbelnd nicht den öffentlichen Frieden stören. Das entbehrt für mich der Nachvollziehbarkeit. Meines Erachtens kann man dem Transparent keine andere Botschaft als die verherrlichende Billigung des Gewaltverbrechens entnehmen. Darin besteht die Straftat.


    M.E. kann man sehr wohl auch etwas Anderes entnehmen. Satire oder Kunst oder was auch immer. Zu klären wäre ansonsten noch, weswegen dem Haarmann-Fahne-Schwenken eben gerade keine "verherrlichende Billigung des Gewaltverbrechens" zu entnehmen wäre oder wieso noch niemand, soweit mir bekannt, für die Bedrohung von Leib und Leben angeklagt wurde, der den Gesang "Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!" anstimmte.

  • Nein. Der "öffentliche Friede" ist ein Rechtsgut, das die Allgemeinheit (und nicht die Obrigkeit) vor der Erosion des Rechtsstaats schützen soll. Werden strafbare Gewalttaten verherrlicht, passiert genau das.


    Das Problem ist allerdings, dass die Obrigkeit bestimmt, was für die Allgemeinheit gut und richtig ist.
    Betrug durch Volkswagen, Bankenrettung, Hoeneß Bayernpräsident - das erodiert den Rechtsstaat in meinen Augen wesentlich mehr.
    Das soll das Verherrlichen von Straftaten nicht bagatellisieren, aber man sollte das schon an korrekter Stelle einordnen.

  • Alter Sozialromantiker. Die von Dir genannten Beispiele sind alle systemrelevante Leistungsträger.
    Da gelten natürlich andere Maßstäbe!

  • Zurück zum Thema.
    Ich wollte ja noch etwas zum gestrigen Drumherum schrieben.
    Erst einmal nehme ich Hedes Rüffel an. Natürlich läuft es bei Viertligisten deutlich besser. Mir ist gestern nur kein besseres Wort eingefallen.
    Unprofessionell wäre wohl besser gewesen.
    Mir stieß gestern übel auf:
    - Der Kartenverkauf. Lange Schlangen an den Häuschen. Dann macht eine Dame ihr Fenster zu. Warum? Sie hatte keine vorgedruckten Tickets mehr.
    - Bierstand Ost. Nachdem wir halblegal dann doch stehen durften, hatte meine Betreuergruppe Durst. Der Bierholer kam nach 20 Minuten wieder. Was war passiert? Das Schlimmste auf der Welt! Also das Bier war alle und die armen Leute vom Ausschank hatten kein neues Fass da. Das müsste erst gebracht werden.
    - Wurst. Da ich ja nicht so auf Bier stehe, hatte ich eine Wurst bestellt. Die war aber zum Anpfiff (also als auch das Bierdebakel passierte) noch weiß. So schickte ich kurz vor der Pause Sohnemann. Der kam dann mit zwei Würstchen ohne Brötchen oder Brot und ohne Pappe. Schön in der Serviette mit Senf. Für drei (3) €. Klar, dass ein dreizehnjähriger da dann auch nix sagt. Ich bin dann zum Grillmann und habe ihn gefragt, ob das so soll? Er war ziemlich unglücklich mit der Situation und ähnlich im Stich gelassen von seinen Chefs wie die Bierleute. Natürlich konnte er nix dafür, deshalb gab es von mir auch kein weiteres Gemotze und eine Entschuldigung für den anfänglichen unwirschen Ton. Der arme Lottefan, der nach mir noch etwas essen wollte ging nur kopfschüttelnd weg und murmelte was von "und ihr wollt in die erste Liga?".


    Sind alles Kleinigkeiten. Aber genau diese Kleinigkeiten zeigen mir doch wieder zwei Sachen.
    - Premium ist Hannover in ganz vielen Bereichen nicht/immer noch nicht.
    - mir kommt es weiter so vor, dass in der oberen Etage jemand fehlt, der ein Herz für den Fußballfan hat. Der sich in den Fan reindenken kann. Der Fanseele streichelt und versteht. Dass eben mehr als 300 Leute zum Testspiel kommen. Dass die das spontan entscheiden. Dass die auch eine Wurst und ein Bier haben wollen.

  • Vermutlich ein internes Kommunikationsproblem - die Sportabteilung hat der Catering-Abteilung nix von diesem Testspiel erzählt.


    Das wird nun genau intern analysiert und dann wird im Aufsichtsrat ein neuer Posten für einen Experten geschaffen.

  • Der im einfachgewandeten Pappbecher ausgeschenkte und aus einem 10-Liter-Warmhalteeimer gezapfte Kaffee kostet übrigens auch unfassbare 3 Euro. Aber das Bier (ausschließlich Hasseröder) kann man sich ja auch nicht antun.


    Edit: Ost wurde zunächst gar nicht verkauft und erst später geöffnet. Erstaunlich ist, dass da überhaupt ein Bierwagen stand.

    Einmal editiert, zuletzt von strunz ()

  • Das wird nun genau intern analysiert und dann wird im Aufsichtsrat ein neuer Posten für einen Experten geschaffen.


    Ufff, dann bin ich beruhigt. Aufsichtsratsexperte für Fanseele. Ich denke, dass Schatto das übernehmen könnte.


    Edit: Ost wurde zunächst gar nicht verkauft und erst später geöffnet. Erstaunlich ist, dass da überhaupt ein Bierwagen stand.


    Klar, dass das die Ursache war, denke ich auch. Aber da hat dann doch jemand so richtig gepennt.

  • Na, das nenne ich aber mal zwei abenteuerlich herbeigewunschene Unterschiede. Hast du vielleicht auch tatsächliche deutliche Unterschiede auf Lager?

  • Für mich erklärt theMenace die Unterschiedlichkeit deutlich und nachvollziehbar.


    Nochmal, das Verbot der Haarmann-Fahne war absoluter Quatsch und typisch martinkindisch und nur als Reaktion auf die Hurensohn-Rufe in Wolfsburg auf Pogatetz zu verstehen (da hat er sich für dessen Familie, die oft in Hannover auf der Ost war, geschämt, und beim Zurückhauen die Falschen getroffen), aber wem erkläre ich das?


    Prickelpits offener Brief ließ keine Fragen offen!


    Lass mal Schorf drauf kommen, strunz.

    Einmal editiert, zuletzt von Leonard ()

  • Und was genau ist denn durch das Plakat passiert?


    Das damit das Opfer einer extremen Gewalttat verhöhnt wurde, spielt in der Diskussion hier so gar keine Rolle?

    Den Einwand lasse ich gelten, hat aber auch nichts mit "Störung des öffentlichen Friedens" usw. zu tun.

  • Strunz, Du hast jetzt eigentlich hinreichend dargelegt, dass Du Dich nicht auskennst. Aber vielleicht fällt Dir ja noch eine rhetorische Frage ein.

  • Den Einwand lasse ich gelten, hat aber auch nichts mit "Störung des öffentlichen Friedens" usw. zu tun.


    Wenn ein Opfer einer Gewalttat öffentlich(!) von so ein paar milchgesichtigen Pissnelken, die augenscheinlich den IQ von drei Meter Feldweg haben, verhöhnt wird, stört das zumindest meinen ganz persönlichen Frieden. Und ich könnte mir vorstellen, dass ich da nicht der einzige bin. Also ja, der so oft zitierte öffentliche Friede lässt sich prima damit stören.


    Ganz ehrlich, die drei kleinen Flachwichser haben nichts besseres zu tun, als so ein scheiss Plakat hochzuhalten, nachdem ein Mensch schwer verletzt wurde? Ich find es vollkommen ok, dass die jetzt mal zahlen. Und der eine ist vorbestraft? Mimmimi... Willkommen in der Welt der Erwachsenen! Wenn ich etwas tue, hat das auch Konsequenzen und dafür habe ich geradezustehen. Vielleicht denken die zukünftig mal nach, bevor sie wieder zum Pinsel greifen.

  • Du solltest zwingend deine Wortwahl überdenken. Mich zum Beispiel hat das Plakat auch gestört und ich finde auch die Strafe ok, aber meinen Frieden hat es nicht tangiert. Da gibt es viel schlimmeres, was meinen persönlichen Frieden betrifft und worüber ich mir Gedanken mache, als 3 Menschen, die eine völlig dumme und unnötige Botschaft überbringen wollten.

  • Alles richtig was Du sagt Holden, aber mMn werden die 3 Heranwachsenden sicherlich/wahrscheinlich/möglicherweise nicht einen Cent zurückzahlen, sondern wahrscheinlich dem Staat jetzt oder irgendwann "auf der Tasche" liegen.
    Nachdem Motto: da verticke ich doch lieber Drogen, Waffen, geklaute Autos, Mädchen/Frauen, als das ich zahle. (Kann natürlich auch so passieren); ich hartze und das ist ok so.


    M.E. hätten es Sozialstunden auf dem Friedhof, bis ihnen der die Fingernägel abbrechen auch getan, so 1000 Stunden

  • Alles richtig was Du sagt Holden, aber mMn werden die 3 Heranwachsenden sicherlich/wahrscheinlich/möglicherweise nicht einen Cent zurückzahlen, sondern wahrscheinlich dem Staat jetzt oder irgendwann "auf der Tasche" liegen.
    Nachdem Motto: da verticke ich doch lieber Drogen, Waffen, geklaute Autos, Mädchen/Frauen, als das ich zahle. (Kann natürlich auch so passieren); ich hartze und das ist ok so.


    M.E. hätten es Sozialstunden auf dem Friedhof, bis ihnen der die Fingernägel abbrechen auch getan, so 1000 Stunden


    Gute Güte, jetzt geht es aber los hier. Man kann es auch übertreiben.


    Soweit ich mich erinnere, war der Jüngste der drei 22 und alle wurden nach Erwachsenenstrafrecht verurteilt. "Zurückzahlen" müssen die nicht, es handelt sich um eine Geldstrafe. Wenn sie diese nicht zahlen können, können sie bei der Staatsanwaltschaft beantragen, ersatzweise Sozialstunden zu leisten. Wenn sie überhaupt nichts machen, wird jeder Tagessatz in einen Tag Freiheitsstrafe umgewandelt, d.h.: Gefängnis.