Radfahren in Hannover und in der Region

  • über die Hälfte der Kopfverletzungen im Straßenverkehr entfallen auf Autoinsassen.


    Die Zahl der Kopfverletzungen durch Treppensturz ist größer als die der Kopfverletzungen durch Fahrradunfall.


    Ich finde, hier ist der Gesetzgeber dringend gefordert. Helmpflicht für Autofahrer und Fußgänger.

  • Nein, philisco. ;)
    Ist eine Frage der grundsätzlichen Einstellung zum Straßenverkehr. Ich bin, wahrscheinlich wie Du auch, ein ausgesprochen defensiver Autofahrer, der eher mal in aller Ruhe hinter einem Radfahrer herzuckelt, als ihn in einer engen Straße überholen zu müssen, um 9,6 Sekunden zu sparen.


    Das gilt dann aber auch für andere Autos, die ich gerne reinlasse (es sei denn, die Pisspagen am Steuer sind zu blöd zum Blinken), Fußgänger, die mal außer der Reihe über die Straße dürfen, etc.

  • Aus eigener Erfahrung kann ich nur empfehlen, beim Radfahren einen Helm zu tragen. Blöde Sprüche in 3-2-1..... :lookaround:

  • Ist doch auch egal, ob das nun offiziell kein Fahrradweg ist. Auf einen Fußweg gehören die Teile auch nicht einfach hingestellt.

  • Neben allem anderen, richtigen, wichtigen fällt mir vor allem auf: Also jetzt doch mal wieder getrennte Fahrradspuren?
    Klar kann man das alle fünf Jahre ändern. Aber wirkt schon seltsam.


    Hast Du Pokalheld auf der ignore?

  • Die ganze Welt weiß, daß seperated bike lanes oder baulich abgetrennte Radwege (natürlich mit einem gescheiten Kreuzungsdesign kombiniert, Fahrradinfrastruktur darf schließlich nicht dort aufhören, wo man sie am dringendsten braucht) besser sind als aufgepinselte Schutzstreifen. Das Wissen existiert inzwischen auf jedem Kontinent - zugegeben: Über Afrikas Radverkehrsplanung weiß ich noch nichts. Die anderen Kontinente wissen es aber mittlerweile und setzen dieses Wissen mehr oder weniger schnell und konsequent um. Dauert natürlich bis es fertig ist. Vielleicht zwei Generationen. Aber von New York und Vancouver über Buenos Aires, Melbourne und Tokio, von Sevilla und Wien bis London wissen es Städte und Länder auf allen Kontinenten dieser Erde. Das Ding ist ja, daß Stadtplanung und Verkehrsplanung überall ein Thema ist, von daher kann man sich mal anschauen, welche Lösung besonders gut funktioniert (und warum, unter welchen Bedingungen usw.) und welche nicht.


    Nur Deutschland ringt noch mit sich.


    Bevor ich anfing mich dafür zu interessieren, war ich auf Stephans Stand bzw. auf dem deutschen Stand. Der Radweg am Bürgersteig sei gefährlich beim Abbiegen des Autos. Der aufgemalte Streifen auf der Autofahrbahn fühle sich nicht sicher an. Soso, hmhm, tjaja. Klingt nach einem Dilemma. Guter Rat teuer. Weiß ich dann aus dem Stand auch nicht recht. Und so weiter. Aber dann habe ich mich halt damit beschäftigt. Man kann mitlernen.


    Neulich ging ein 16 Sekunden langes Video einer Straßenszene durch Twitter. Es zeigt nicht Hannover, aber eine andere niedersächsische Stadt. Es zeigt den Cityring dieser Stadt. Ganz unspektakulär. Keiner macht einen Fehler, es passiert auch nichts Schlimmes. Nur das Design ist schlimm. Sollen da etwa 10-jährige Kinder, die nichts mehr auf dem Bürgersteig fahren dürfen, und Ommas fahren? Die sagen nein Danke. Es ist dieselbe Stadt, die für 4 Euro Warnwesten an Radfahrer und Fußgänger verkauft, mit der Aufschrift hinten drauf "Sicher unterwegs in OSNABRÜCK DIE FRIEDENSSTADT". Eine Aktion der Abteilung Stadtmarketing. Der Stadtrat ließ sich in neongelb geschlossen im Saal fotografieren, um das zu unterstützen. Man kann sich nur an den Kopf fassen. Epic fail. Die müßte man täglich mit dieser Warnweste auf dem Fahrrad durch die Straßen ihrer eigenen Stadt schicken, solange bis sie es begriffen haben.


    Will sagen: Man braucht nichts alle fünf Jahre ändern. Ein Mal richtig machen reicht völlig aus. Wenn man das nicht schafft, erst dann muß man alle fünf Jahre verschlimmbessern. Erst wenn man sich als Stadtrat/Verkehrsplaner dumm stellt oder wenn man sich gegen die Autolobby nicht durchsetzen kann, dann kommt so hilfoses Getue dabei heraus, ob man Radwege abbaut und dafür Fahrradpiktogramme auf die Straße malt, ob man Schutzstreifen mit einer gestrichelten oder durchgezogenen Linie malt, ob man vielleicht eine Busspur einrichtet, ob Radfahrer diese Busspur mitnutzen können/wollen/sollen/dürfen/müssen oder was weiß ich.


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    Ja, ich weiß, im Link steht 3 Euro pro Warnweste. War letztes Jahr. Jetzt sind es 4. Ist aber wurscht. Eine Warnweste ist eine Arbeitsschutzkleidung für Menschen, die auf oder direkt an der Straße arbeiten und deswegen nicht die ganze Zeit auf den Verkehr achten können. Eine Warnweste ist sowas wie eine Klingel fürs Auge. Achtung, da ist ein Ort, an dem man besonders auf etwas oder jemanden aufpassen muß. Dieses Konzept auf alle Passanten auszuweiten, ist blanker Irrsinn. Angefangen hat dieser Scheißdreck damit, daß alle Autofahrer eine Warnweste für den Pannenfall dabei haben sollten. Das an sich kann man ja machen. Weil dann wieder Leute auf die Straße treten, womöglich außerhalb geschlossener Ortschaften, und einen Moment lang nicht auf den Verkehr achten. Weil sie eine Panne haben, erstmal um die Karre rumlaufen, am linken Hinterrad rummachen oder so. Während der Schnellverkehr weiterrollt. Doch seitdem sind sie allgemein verbreitet, seitdem liegen sie immer wieder beim Discounter in der Grabbelkiste, seitdem kommen Leute aus den Löchern mit Ratschlägen, wer sich das alles überziehen soll, seitdem ziehen sich das tatsächlich immer mehr Menschen über. Offenbar weil ihr Sicherheitsbedürfnis auf der Straße vernachlässigt wird. Im Grunde tragen sie sowas hier: Bitte, lieber Autofahrer, sei so nett, übersieh mich nicht und mangel mich nicht über. Und das wird dann als attraktiv verkauft. Leute, verkleidet euch, bevor ihr vor die Tür tretet in unserer ach so schönen Stadt. Weil sie so sicher ist. Hm. Genau.


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    Hehe, in der Zwischenzeit werden Witzchen gemacht. Sehr schön. Stephan, ich bin ein bißchen enttäuscht. Aber ich versuche es erneut. Wie soll ich sagen: Das hier zeigt, wie es geht. Es hängt von der Geschwindigkeit des Autoverkehrs ab, wo ein Radfahrer hingehört.

    • Bis 30 km/h (Wohngebiete): Radfahrer und Autofahrer gemeinsam auf der Straße. Idealerweise ist die Straße so gebaut, daß Autofahrer nicht schneller als 30 fahren können und wollen. Eine superbreite Straße, quasi eine Rennstrecke, nur mit einem 30-Schild zu versehen, reicht nicht aus. Dann wird 30 zu oft von Autofahrern ignoriert.
    • Bis 50 km/h (Hauptstraßen der Stadt): Baulich abgetrennter Radweg. Eine zusätzliche Bordsteinkante reicht aus. Also Hauswand, Fußweg, Bordsteinkante, Radweg, Bordsteinkante, Autofahrbahn.
    • Bei 70 km/h und mehr gehört ein Grünstreifen zwischen Rad- und Autoverkehr, lieber drei Meter als nur zwei Meter breit. Je größer der Geschwindigkeitsunterschied, desto größer muß der Sicherheitsabstand sein.


    Weil Risikomanagement nun mal so funktioniert: Die Gefahrenquelle zu eliminieren bringt mehr als Schutzausrüstung. Auf das Twitter-Video bezogen, was ist besser: Mit Helm, Warnweste und Blinklicht direkt neben einem Laster fahren müssen (oder seine Cousine mit der Großtante da fahren lassen) oder gar nicht erst in die Nähe eines Lasters kommen? Und wenn man vom Straßendesign her keine Konfliktpunkte mehr mit motorisiertem Verkehr hat - warum dann noch verkleiden? Radfahren und zu Fuß gehen an sich ist ungefährlich. Der Mensch kann Kollisionen bei niedrigsten Geschwindigkeiten vertragen. Leider fahren Autos schneller als 20 km/h. Und sie sind schwerer. Dann passiert natürlich eher etwas Schlimmes. Autos in der Stadt sind wie ein Elefant im Porzellanladen. Zu groß, zu stinkig, zu laut und bringen zu viel zu Bruch.


    Es gibt ja auch den berühmten Sicherheitsabstand am Bahnsteig. Aus exakt demselben Grund. Geschwindigkeit, Masse, Gefahr -> Sicherheitsabstand. Nicht funkelnd und behelmt bis zur Kante gehen, sondern wegbleiben. Das Foto rechts zeigt übrigens auch den Cityring von Osnabrück. Nur die andere Straßenseite und dreihundert Meter weiter. Es ist eine gottverdammte Scheißstrecke.


    Na? Leuchtet ein?


    Und zur Strafe spamme ich jetzt zum fünften oder sechsten Male das 8 Minuten-Video zum sicheren Straßendesign. Bis Du aus Versehen mal draufklickst. Falls Dein Englisch nicht ausreicht, die deutschen Untertitel sind passabel. Ehrliche Ankuckempfehlung für Interessierte.

    • Offizieller Beitrag

    Hehe, in der Zwischenzeit werden Witzchen gemacht. Sehr schön. Stephan, ich bin ein bißchen enttäuscht.


    Du missverstehst mich da. Das ist kein Witzchen. Ich mag ein Thema erlesen. Ich HASSE Podcasts/Hörbücher. Und ich mag Videos nicht so gerne.
    Und das hat nichts mit meinen Englischkenntnissen zu tun, die passen schon.
    Es ist einfach so.


    Und thematisch und inhaltlich bin ich doch bei Dir (zumindest bei dem, was ich lesen konnte). Im Grunde habe ich nur mein Erstaunen zum Ausdruck bringen wollen, dass der ADFC in der Frage "auf der Fahrbahn fahren oder nicht" alle paar Jahre umschwenkt.
    Unbenommen - aber im Moment noch außer Konkurrenz - sind diese "Nur Fahrrad"-Strecken das allerbeste. Aber die sind (leider) noch nicht überall vorhanden. Die Frage "Straße oder Radweg" stellt sich daher für die meisten derzeit noch vorhanden Strecken. Und da ist meine Wahrnehmung, dass sich die Idee, was besser ist, alle paar Jahre ändert.
    Nicht mehr aber auch nicht weniger wollte ich sagen.


    Ich bin selbst Radfahrer. Und Autofahrer (na ja: Smart (Achtung! Witzchen!)) und Fußgänger. Und ich fühle mich als Radfahrer auf der Straße genauso unsicher, wie ich es als Fußgänger auf der Straße empfände. Natürlich.


    Nur: ich baue keine Straßen. Hier bräuchte es sogar lediglich ein paar kleinere Brücken und der Fahrradverkehr könnte gänzlich andere Räume nehmen, als der Autoverkehr. Ist aber leider nicht so.
    Aber jetzt komme ich ins Schwafeln, da gehört hier weniger hin.

  • Ach so, der ADFC. Jahaa, das verstehe ich. Ich glaub, der eierte beim Radentscheid Darmstadt, der jetzt 2018 entstand, auch erstmal rum. Und wenn es nur der Kreisverband AFDC Frankfurt/Main war, der rumeierte.

  • Halt Dich fest: Der ADFC Frankfurt hat die Forderungen von 15 Mio/Jahr erst als unrealistisch eingestuft und deswegen mit seiner Unterstützung gezögert. Weiße Farbe auf der Straße reiche doch aus :D


    Edith meint, ich war zu ungenau. Da ging's um den Radentscheid Frankfurt, nicht Darmstadt. Und nach ein paar Tagen Bedenkzeit unterstützt der ADFC FFM jetzt doch den Radentscheid, die inhaltlichen Differenzen seien zwar da, aber gemeinsam sei man stärker. Rumeiern eben.

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  • Zumindest für die Strecken, die ich zurücklege, ist Hannover da aber gar nicht so schlecht aufgestellt.
    Zur Arbeit entweder 30 Zone oder Rad- und Fußweg durch Bordstein getrennt.
    In die Nordstadt der Radweg durch die Kleingärten mit den Ampeln, die auf Induktionsschleifen reagieren.
    Inne Stadt Rad- und Fußwege und die Eilenriede.
    Für den Thriller sorgen die Podbi (mit Schutzstreifen), aber dort sind die Alternativen immer wieder ausgeschildert, und die Königsstrasse, bei der ich nich verstehe, weshalb man dort keinen Radweg auf dem breiten Bürgersteig eingerichtet hat!
    Kann man aber eben beides gut umfahren...